»Le temps détruit tout.«
Irréversible
(Gaspar Noé, Frankreich 2002)
DVD
Boah, und wieder total am Arsch! Verliert auch beim zweiten Mal (diesmal OmeU) absolut nichts von seiner Atmosphäre. Das ganze auch nur ansatzweise interpretatorisch anzugehen halte ich aber nach wie vor für ziemlich schwierig. Am ehesten würde ich noch dazu tendieren, dass das Ganze doch ziemlich homophob daherkommt, auch wenn Noé diesen Vorwurf entkräften wollte, indem er ein Cameo im Rectum gab. Hier jedenfalls mal meine Gedanken nach der Erstsichtung:
(…) Als der Film im „Rectum“ ankommt (bis dahin konnte ich ja noch ab und zu lachen) und der Typ Marcus (Vincent Cassel) den Schädel zu Brei schlägt (von der wilden Kamera und den Toneffekten ganz zu schweigen), wollte ich zu aller erst ausmachen – das gab es bisher noch nie! Ein gutes Beispiel dafür also, wie intensiv Noés Film wirkt. Danach wurde es leider kaum besser, denn sobald Alex (Monica Bellucci) die Unterführung betritt, bekommt man wieder ein flaues Gefühl in der Magengegend.
Ich will es jetzt einfach mal dabei belassen, IRRÉVERSIBLE ist "Filmische Folter" (IMDb-User). Ob so etwas wirklich sein muss, muss sich wohl jeder selbst fragen. Ich bin jedenfalls etwas verwirrt darüber, wer, wie, warum denn da im „Rectum“ aufeinander losgeht – das eigentliche Racheopfer (der Vergewaltiger) wird ja – wenn ich das richtig gesehen habe – nicht getötet, oder? Wie auch immer, teilweise wirklich der dickste filmische Schlag in die Fresse, den ich je bekommen habe!
Wer da wem den Schädel zu Brei schlägt, habe ich dieses Mal erkannt (ist ja eigentlich auch recht offensichtlich, denn der eine trägt ein helles Shirt, der andere ein dunkles), viel mehr – wie gesagt -, dann aber doch nicht. Es ist jedenfalls erstaunlich, wie schmerzhaft dieses Filmerlebnis einerseits ist, man andererseits aber auch völlig fasziniert vom Geschehen ist und nicht nicht hinsehen kann. Was Bellucci und Cassel hier für eine Leistung abliefern ist ebenfalls beeindruckend, bedenkt man nur, wie Bellucci sich bei gewissen Szenen gefühlt haben muss.
Ein schizophrenes Erlebnis bei dem ich mich frage, ob Noé nicht auch darauf hinauswollte, wie sensationsgeil und blutrünstig der Rezipient doch ist. Besonders bei der Vergewaltigung wird dies deutlich, denn es bleibt fraglich, wie viele diese Szenen eher genossen denn abstoßend fanden. Dass man hier Bellucci im engen Einteiler gecastet hat, ist dabei nur ein weiteres Indiz für die Absichten Noés. Markiert nach wie vor das bis dato extremste Filmerlebnis. (8-9/10)
3 Kommentare













Weiß ja nicht ob du Noe's MENSCHENFEIND kennst, aber der ist auch nicht von schlechten Eltern, wobei IRREVERSIBLE wirklich ein kleines Meisterwerk, auch oder speziell wegen seiner Erzählstruktur, wobei die Vergewaltigungsszene wirklich eindringlich ist – und jeder der diese Szene genießt sollte wohl mal einen Psychiater aufsuchen :???:
Nein, leider kenne ich SEUL CONTRE TOUS nicht, will ich aber schnellstens nachholen! :smile:
Mich hat Irreversibel umgehauen. Kann bis heute eigentlich nicht sagen, was ich von ihm halte. Die Idee ist wirklich gut umgesetzt. Doch die erste halbe Stunde polarisiert dann doch zu arg.