»I will always be in front of you.«

Letters from Iwo Jima
(Clint Eastwood, USA 2006)
DVD

Wieder mal ganz großes Kino von Mr. Eastwood. Der Mann kann es einfach! LETTERS FROM IWO JIMA ist im Gegensatz zu FLAGS OF OUR FATHERS mehr Charakterstudie als Mythosforschung. Eastwood nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und lässt dabei kaum einen seiner Soldaten eindimensional. Mit tollen Darstellerleistungen zeigt der Film, dass der Krieg auf beiden Seiten hässlich ist (einerseits in jedem der beiden Filme einzeln, andererseits durch die beiden Filme). Es gibt auch keine gute Seite im Krieg, Amerikaner kommen hier genauso "schlecht" weg, wie Japaner.

In berauschender Optik, die die Schwefelinseln traumhaft einfängt, erzählt der Film eine Geschichte, die an die Nieren geht. Besonders die Massensuizid-Szene bleibt dabei im Gedächtnis. Auch in LETTERS FROM IWO JIMA gibt es reichlich Kriegsszenen, wenn auch weitaus weniger häufig, als in FLAGS OF OUR FATHERS. Eastwood versucht uns vielmehr die japanische Kultur näher zu bringen, sie aber auch distanziert zu sehen und zu hinterfragen. Sie ist so völlig anders als die westliche, sie kennt nur den ehrenvollen Tod, im Notfall auch durch Suizid. Die Beteiligten hingegen bleiben die gleichen: Blutjunge Soldaten, die aus ihrem Beruf gerissen wurden und in eine Uniform gesteckt.

Unterlegt mit einem wunderschön melodischen Score, scheint LETTERS FROM IWO JIMA nahezu perfekt. Handwerklich gibt es bei Eastwoods Werken ja sowieso nie etwas auszusetzen. Ein Lob natürlich auch an Paul Haggis, der beim Drehbuch ganze Arbeit geleistet hat, auch wenn man ihm durchaus vorwerfen könnte, dass er nichts anderes als pathosgeladene Drehbücher schreiben kann. Und das ist der Film auch. Aber muss das schlecht sein? Nein, hier bestimmt nicht. Was man Eastwood noch am ehesten vorwerfen könnte wäre wohl das, was Der Mann mit dem Plan erschloss:

Naja, die einzigen Japaner, die in dem Szenario, eine humanistische Weltsicht und Umsicht bewiesen, werden als durch den Westen, speziell die USA geprägt gezeichnet, während alle anderen als blinde-dumme bis fanatische Befehlsbefolger dargestellt werden. Die einzigen beiden Ausnahmen: Die furchtbar dargestellte Hauptfigur, die im FORREST-GUMP-Style durch den ganzen Film stolpert und immer wieder durch ein Wunder überlebt, und der Typ aus dieser Special-Task-Force da, der das Hündchen (auch irgendwie Symbol für amerikanische Befindlichkeiten, insbesondere im Action-, bzw. Kriegsfilm) nicht erschießen will.

Da hat er nicht ganz Unrecht, der Gute. Auch kritikwürdig, aber zumindest ich empfand es nicht als störend, die epische Einleitung, die für das Genre nunmehr zur Pflicht zu sein geworden scheint. Der Film beginnt und endet im Präsens, schließt also in bester Journalistentradition einen Bogen um die Geschichte. Wie auch immer, LETTERS FROM IWO JIMA ist ganz großes Geschichts- und Gefühlskino, das zusammen mit FLAGS OF OUR FATHERS ein außerordentliches Projekt seitens Eastwood und Co. (allen voran Spielberg & Haggis) markiert. So etwas könnte es ruhig öfter geben! (8-9/10)

Letters from Iwo Jima


2 Kommentare zu “»I will always be in front of you.«”

  1. Juni 19th, 2007 | 20:18

    Da bin ich ja mal sehr gespannt drauf. Interessiert mich allerdings auch mehr als Flags of our Fathers. Wohl der gleiche Regisseur, aber der Handlungsstrang aus einer anderen Sicht sagt mir da mehr zu. Gute Kritik. :smile:

  2. Juni 19th, 2007 | 22:41

    Danke. :) Fand FLAGS jedoch ein ganz klein wenig besser.

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