»You scared?«

Hostel: Part II
(Eli Roth, USA 2007)
Kino

Yeah, Exploitation galore! Roth scheißt auch bei Teil zwei wieder mal auf jedwede Political Corretcness und feuert ein Gorefeuerwerk ab, das seinesgleichen sucht. Die meisten Darsteller verdienen den Namen nicht, die Story könnte dümmer nicht sein und die Logik sucht man vergebens. Aber hey, das ist hier wirklich so was von egal, denn für HOSTEL: PART II sind diese nur Mittel zum Zweck. Und dieser Zweck besteht darin, Sex und Gewalt in bester Exploitationtradition auszubeuten. Von diesem Standpunkt ausgesehen, das wohl ehrlichste Stück Film seit langem, ehrlich!

Überrascht war ich nicht nur ob der Gewaltschraube, an der Roth bis zum Anschlag dreht, sondern auch davon, dass HOSTEL: PART II direkt an HOSTEL anknüpft. Wir gehen den Weg mit Paxton (Jay Hernandez) weiter und bringen mehr von "Elite Hunting" und Co. in Erfahrung. Zumindest auf den ersten Blick. Roth täuscht hier inhaltliche Tiefe vor, ohne diese Aspekte wirklich zu vertiefen. Vielmehr sind die diversen Rückblicke und Anspielungen auf den ersten Teil Insidergags, die uns schmunzeln lassen, schmunzeln in einer Atmosphäre, die die meisten wohl eher zum Zittern bringen würde.

Hostel: Part II

Im Prinzip ist Teil zwei ja aber auch nichts anderes als ein Remake des ersten, was aber nur die Tatsache bestätigt, dass Story und Co. absolut zweitrangig ist. Die Jungs werden lediglich gegen Mädchen ausgetauscht, die "Verführer" bleiben in erster Linie aber Mädchen – die Zielgruppe dürfte primär wohl auch eher männlicher Natur sein. Und für diese respektive uns gibt es dann auch jede Menge leckeres zu sehen, auch wenn der Titten- und Sexfaktor hier deutlich nach unten geschraubt wurde. Macht aber nix, denn das andere wurde ja nach oben geschraubt…

Bei all dem Gemetzel und Selbstzweck dringt aber dennoch immer mal wieder ein politischer Seitenhieb durch. In der Slowakei herrscht Krieg, Männer heißen Borat und der Ostblock ist nicht nur ein politisch unkorrekter Terminus, sondern auch scheißgefährlich. Und wenn einer unserer männlichen Protagonisten sich dann noch seine Ehefrau auf dem Folterstuhl vorstellt, dann bricht man selbst in den grausamsten Szenen in Lachen aus. Herrlich, was der gute Eli uns hier serviert, einfach herrlich! Für mich ist die Sache eindeutig: love it or hate it! Über die FSK und deren Praxis äußere ich mich abschließend nicht. Es sei nur angemerkt, dass die Schnitte teilweise dilettantisch gesetzt sind und ganze Szenen zum Nonsens führen. (8/10)


8 Kommentare zu “»You scared?«”

  1. Juni 16th, 2007 | 14:09

    Ich habe noch nicht einmal den ersten Teil gesehen. Muss ich gelegentlich mal nachholen, um mitreden zu können. Fand aber auch "Cabin Fever" schon nicht so prall…

  2. Juni 16th, 2007 | 14:14

    Naja, ohne Kenntnis des Ersten kann man HOSTEL: PART II dennoch "verstehen". Story und Co. spielt – wie gesagt – ja eh keine Rolle… :wink:

  3. axi (28)
    Juni 16th, 2007 | 14:18

    Wenigstens stimm ich in dem Punkt überrein, dass die Schnitte ganz schlecht gemacht waren, was aber keinesfalls heißen soll, dass ich nicht dafür bin.

  4. Juni 16th, 2007 | 14:28

    [quote comment="461"](…), was aber keinesfalls heißen soll, dass ich nicht dafür bin.[/quote]

    Soso, Zensur befürworten… :shock: :twisted: :wink:

  5. Juni 16th, 2007 | 17:26

    Was mich ja mal interessiert ist, was man eigentlich an solchen Filmen finden kann, die nur darauf aus sind, Gewalt in ihrer Reinform zu zeigen, dazu dann vielleicht auch noch Sex. Wo steckt der Sinn dahinter, wieso findet man sowas gut? Ich habe auch den ersten Teil gesehen oder auch Saw oder Haute Tension, ich verstehe jedoch das Genre nicht so ganz, mal davon abgesehen dass ich die Gewalt auch nicht wirklich verteufeln würde, die finde ich nicht schlimm. Jedoch so einen Film wie Hostel (oder Hostel 2) zu drehen, in dem es nur darum geht möglichst grausam zu zeigen, wie Menschen getötet werden…das ist ja keine Handlung. Dann dem ganzen 8/10 geben, sodass diese ganze Gewalt(-)pornographie noch bestätigt und unterstützt wird. Ist das nicht traurig, wenn man es genauer betrachtet? :neutral:

  6. Juni 16th, 2007 | 17:41

    Nein, finde ich nicht. Es zeigt ja auch, wie wir Menschen ticken. Schon die alten Römer fanden es geil (siehe GLADIATOR). Eine Rolle spielt vielleicht auch die Tatsache, dass man es im echten Leben nie damit zu tun bekommt/bekommen (wird). Ich sage ja nicht, dass ich das ständig sehen will und das geil finde, nur dass es immer mal wieder gut tut. Wir alle sind Voyeure – oder ist es etwas anderes, bei einer Unfallstelle nicht weg zu sehen?

    In gewissem Maße machen solche Filme ja auch darauf aufmerksam, dass es Menschen gibt, die das geil finden (siehe die Geschäftsleute in HOSTEL [2]). Die Filme zeigen uns ja nur, dass es Menschen gibt, die so etwas in der REALITÄT geil finden und unbeding sehen/tun wollen. Und klar, die Tatsache, dass es die meisten schockt und für massig Schlagzeilen führt, darf man natürlich auch nicht ignorieren.

  7. Soraly (1)
    Juni 17th, 2007 | 13:34

    Abgesehen von der Meisterleistung der FSK vollständige Szenen in obskuren Nonsens zu führen, ist Hostel 2 weder ein Stück weit unterhaltsam (wie es der Vorgänger durchaus vermochte) noch in jedweder Form kontrovers. Langweilig trifft es wohl eher.

  8. Juni 17th, 2007 | 15:51

    @grammaton

    Seit den Römern sind aber auch 1500 Jahre vergangen :wink:
    Ich denke bei einer Unfallstelle schaut man, weil man wissen will was passiert ist, sprich "Was ist los?" und nicht weil wir uns daran ergötzen zerfetzte Körperteile zu sehen. An sich sind die Werke von Roth oder Aja ja nichts als gespielte, geschnittene, kommerzialisierte Snuff-Filme. Das zeigt ja wieder nur einmal, dass der Mensch das primitivste Tier ist, dass sich an dem Tod seiner Artgenossen ergötzt. Ich verstehe natürlich, dass man bei einer so gewaltgeilen Generation wie der unsrigen so einen Film dreht, da man Kohle scheffeln will. Das dann aber von rationaler Seite gut zu heißen…ich weiß nicht, wenn wir es gelegentlich "geil finden", so etwas zu sehen, dann dient es ja unserer Befriedigung, sozusagen als Katalysator unseres eigenen Verlangens. Oder nicht?

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