Achse des Bösen 2.0

Live Free or Die Hard
(Len Wiseman, USA 2007)
Kino

Total weggeblasen! Mit den alten Teilen hat LIVE FREE OR DIE HARD natürlich nicht mehr allzu viel gemeinsam, das war schon lange klar. Vielmehr ist er ein Kind des 21. Jahrhunderts – höher, schneller, weiter, effektlastiger. Somit begeht Teil Vier quasi Neuland, transferiert die Serie ins Jugendpublikum und sieht auch dementsprechend aus. Dass das nichts Schlechtes heißen muss, zeigt Nummer Vier eindringlich. Was hier nämlich für ein Actionfeuerwerk entbrannt wird, übertrifft den meiner Meinung archetypischen Actionfilm des 21. Jahrhunderts, BAD BOYS II, sogar noch.

Live Free or Die Hard

Sowieso sind die Parallelen zu Bay nicht zu übersehen. Angefangen bei der Handlung, die uns einmal mehr einen gefrusteten Regierungsarbeiter zeigt, der seinem Land nun den Rücken kehrt, über die Optik, bis hin zum verliebten Einfangen großer Hubschrauber in Himmelreich. Anders als bei Bay, und anders als bei fast jedem Actionfilm, reiht sich bei Wiseman aber Actionszene an Actionszene, größere Dialogpassagen sucht man vergebens. Stattdessen wird kaputt gemacht, was man nur kaputt machen kann – ohne Rücksicht auf Verluste. Falls TRANSFORMERS (um wieder zu Bay zu kommen) nicht die erhoffte Materialschlacht sein sollte, was ich aber stark bezweifle, dann hat man diese definitiv in LIVE FREE OR DIE HARD gefunden!

Selten sehnte ich Szenen so herbei, die einen mal kurz Luft holen lassen, denn Willis und Co. Tun dies nur selten. Abgerundet wird der Actioneintopf schließlich durch feinsten Buddymovie-Humor und einem Kevin Smith-Gastauftritt, der nerdiger und lustiger nicht sein könnte. Von dem her lässt er sich am ehesten auch mit Teil Drei vergleichen, der ebenfalls auf der Buddymovie-Schiene fuhr. Gefühlstechnisch ist es auch der Humor, der bei LIVE FREE OR DIE HARD am rohesten daherkommt. Blut gibt es nur einige Tropfen, in Sachen Zynismus und rohem Dialog reizt er das PG-13-Rating aber voll aus, ja scheint dies sogar bisweilen zu überschreiten.

In Sachen Realismus ist Wisemans Film aber kein besonders authentisches Stück Film, im Gegenteil. Als Actionfilmrezipient sollte man sich aber sowieso schon im Vornherein darauf eingestellt und damit abgefunden haben. Aber sind wir doch mal ehrlich: so lange es gut aussieht und für Aha-Effekte sorgt, warum nicht? Hier sorgt die Action jedenfalls fast permanent für diesen Aha-Effekt und ließ mich des Öfteren innerlich vor Staunen und Freude aufspringen – auf den Sound der DVD darf man sich jedenfalls schon jetzt riesig freuen, definitiv! In Verbindung mit dem bereits genannten, gut portionierten Humor ist LIVE FREE OR DIE HARD jedenfalls das beste Popcornkino seit langem.

Live Free or Die Hard

Da fällt es dann auch nicht weiter ins Gewicht, dass die Motive der bösen Buben nur ganz kurz und schnell abgehandelt werden, in bester Tradition des sytle over substance. Wie gesagt, findet man sich damit ab, dass Teil Vier mehr oder weniger nur noch den Namen mit den Vorgängern gemeinsam hat und sich auf atemberaubendes Blockbusterkino einstellt, dann wird man nicht minder begeistert sein, wie ich es schon seit einigen Stunden bin. Das Ganze jetzt noch im O-Ton und in der R-Rated-Fassung und fertig ist einer der größten Actionfilme des 21. Jahrhunderts. Insofern sind sich Teil Eins und Vier dann doch wieder ähnlich, denn diese Position hat Teil Eins für die 80er/90er inne. (8-9/10)


2 Kommentare zu “Achse des Bösen 2.0”

  1. Axi (28)
    Juni 30th, 2007 | 13:59

    Kann ich nur voll zustimmen: ein hammergeiler filme mit kaum zu übertreffenden Actionszenen!

  2. Juni 30th, 2007 | 14:12

    Schön, dasss wir uns nach Ewigkeiten mal wieder einig sind. :cool:

Kommentieren?