Verfasst von Stefan am 01st Juni 2007 in
Review
The Day After Tomorrow
(Roland Emmerich, USA 2004)
DVD
Popcorn-/Blockbuster-Kino in Reinkultur! Unterhält deshalb auch recht gut, ist aber auch extrem nervig. Auf der einen Seite haben wir die Geschichte um eine zweite Eiszeit – klar, nicht vollkommen unrealistisch (?), aber dennoch nur Mittel zum Zweck. Wie bei INDEPENDENCE DAY eben, nur dass dieser deutlich unterhaltsamer und bombastischer daherkam wie THE DAY AFTER TOMORROW. Es passiert im Grunde nicht viel: Es gibt einen gravierenden Wetterumschwung, der die nördliche Hemisphäre in Eis verwandelt und ein Vater, der seinen Sohn retten will. Zwischenzeitlich gibt es dann noch einige Katastrophenszenarien, that’s it. Und das auf zwei Stunden ausgedehnt, irgendetwas muss Emmerich also doch ganz ordentlich gemacht haben, denn langweilig wurde es mir eigentlich nicht. Dafür verantwortlich zeichnen dürfte wohl der tolle Sound der DVD, der jeden Nachbarn erfreuen dürfte.
So unterhaltsam und audiovisuell beeindruckend THE DAY AFTER TOMORROW auch daher kommen mag – die FX sehen wirklich sehr gut aus -, so ärgerlich und nervig ist er aber auch. Zum einen wäre da die Lovestory, die einfach nur schrecklich aufgesetzt wirkt, für solch eine Art von Film aber einfach auch dazugehört (siehe zuletzt auch THE SINKING OF JAPAN). Dann die Regierung, die nicht auf den schlauen Wissenschaftler hören will und dadurch das Schicksal unzähliger Bürger besiegelt. Bemerkenswert ist dabei aber, wie Emmerich Parallelen zur aktuellen Situation zieht, die amerikanische Regierung letzen Endes aber zur Vernunft kommen lässt.
Wehende US-Flaggen (gleich in der ersten Einstellung überhaupt zu sehen) und sich aufopfernde Helden gehören ebenso dazu wie Menschen, die entgegen aller Vernunft auf eigene Faust handeln. Dabei wirkt THE DAY AFTER TOMORROW im Kern auch erstaunlich wie ein Remake von INDEPENDENCE DAY. Alles ist da, die Katastrophe, die Helden, der Kitsch, der Sieg. Vom gleichen Aufbau der einzelnen Storyelemente ganz zu schweigen. Was in Emmerichs Alienspektakel jedoch konsequent ist, wirkt hier einfach dumm: Die ganze Katastrophe endet genau dann, als der gute und einzig schlaue Wissenschaftler (Dennis Quaid) der USA seinen Sohn (Jake Gyllenhaal) und andere Überlebende findet. Aha, alles klar. Was soll’s, man kann ja auch nicht mehr erwarten, oder? (5-6/10)