Verfasst von Stefan am 24th Juli 2007 in
Review
Postal
(Dr. Uwe Boll, USA/Kanada/Deutschland 2007)
Kino
What the fuck!? Dr. Boll scheint endgültig durch zu sein, denn was hier abgeht, ist jenseits von Gut und Böse! Nackte Penisse, erschossene Kinder, Verhöhnung der Opfer von 9/11, Nazis – um nur mal einige der unzähligen Geschmacklosigkeiten zu nennen. Das ein oder andere Mal musste ich durchaus schmunzeln, ja, aber zu 98 Prozent ist das, was sich da auf der Leinwand abspielt einfach unfassbar krank und geschmacklos. Ich berichtete ja erst vor kurzem, wie Dr. Boll auf einige Fragen zum Film antwortete, aber dass es letzten Endes so grausam – sowohl vom Inhalt, als auch vom Formalen her – würde, hätte ich nie und nimmer gedacht.

Jedes Mal, wenn man denkt, es ginge nicht mehr schlimmer, setzte Dr. Boll dem Ganze noch eines drauf und zeigt, dass es geht! Der Höhepunkt dabei ist sicherlich der Auftritt seiner selbst, verlautend, dass seine Filme mit Nazigold finanziert worden seien – in Verbindung mit der Selbstsynchronisation gleich doppelt und dreifach so schlimm. Ich meine, eine Abneigung gegen Dr. Boll hat ja so gut wie jeder, aber diese ist auch begründet. So hat er beispielsweise absolut keine Ahnung von Timing. Das unsägliche Finale zieht er stundenlang in die Länge, Spannung kommt zu absolut keinem Zeitpunkt auf und sowieso wirkt alles wie wahllos aneinandergereiht.
So sitze ich in meinem Kinosessel, mich selbst fragend, womit ich diese Folter denn bitteschön verdient habe. Eine Story? Hat POSTAL nicht, das Grundgerüst, dass sich hier Handlung nennt bzw. schimpft, sieht eher danach aus, als habe es ein Grundschüler im Zuge seiner jungen, blühenden Fantasie geschrieben und es dabei etwas übertrieben. Inwieweit sich Dr. Boll hier an das Videospiel gehalten hat oder eben auch nicht, kann ich nicht beurteilen. Dem Erfinder des Spieles dürfte es aber auch nicht allzu gut gefallen haben, denn er springt Dr. Boll im Film an die Gurgel und lässt sich dabei von nichts und Niemandem aufhalten.

Ich will jetzt aber auch gar nicht weiter darauf eingehen, denn das würde nur wieder die schrecklichen Erinnerungen von gestern Abend heraufbeschwören, die dazu führen würden, dass mir früher oder später doch noch der Kragen platzt. Ein gutes hat es jedoch, denn POSTAL zeigt eindringlich, dass gewisse Personen dringend Hilfe benötigen und man sich doch jederzeit dafür aussprechen würde, dass es ähnlich dem Führerschein für das Autofahren auch eine Lizenz zum Filmemachen geben sollte – wobei, hier ist sowieso alles viel, viel zu spät! (Mindestens) Der schlechteste Film des Jahres. (1/10)