Verfasst von Stefan am 25th August 2007 in
Review
Trois couleurs: Bleu
(Krzysztof Kieslowski, Frankreich/Polen/Schweiz/UK 1993)
DVD
Endlich die komplette Trilogie zu Ende gesehen. ROUGE gehört ja nach wie vor zu meinen absoluten Lieblingen, BLANC halt ich nur für ein klein wenig schlechter. Nun also BLEU, und was soll ich sagen, außer dass es der – nicht schlechteste, das klingt hier so unpassend – am wenigsten gute von Kieslowskis Trilogie ist? Binoche brilliert ganz klar, auch die Musik weiß wieder einmal mehr zu begeistern, also woran lag es? Am ehesten wohl an der Geschichte, die mich nicht hundertprozentig zu fesseln wusste. Ich kann es nachvollziehen, wie Julie (Binoche) sich verhält, ja, aber irgendwie fühlte ich mich nicht miteinbezogen in das Ganze. Ich bleibe stets Beobachter, bin froh, dass es das Schicksal mit mir besser meint als mit ihr.
Inszenatorisch, allen voran in der Optik, ist auch BLEU meisterlich, keine Frage. Kieslowski übertreibt es auch nicht mit der Farbe blau, wie es ihm von vielen vorgeworfen wurde, sondern setzt sie nur da ein, wo es auch angebracht ist und es Sinn macht. Die Moral indes ist ebenfalls nicht zu dick aufgetragen, sondern veranschaulicht einmal mehr die Werte der Grande Nation, die man nicht oft genug an den Mann respektive Frau bringen kann. Man könnte Kieslowski jetzt natürlich einen Hang zum Feminismus vorwerfen, denn ROUGE und BLEU erzählen von starken Frauen, die vieles verloren haben und ihr Leben trotzdem meistern. Doch da gibt es ja noch BLANC, der das Schema auf den Mann überträgt und die Frau nicht gerade in ein gutes Licht rückt.

BLEU ist ein sehr guter Film, keine Frage, auch rundet er die Trilogie perfekt ab (bzw. startet diese), doch im sich förmlich aufdrängenden Vergleich zu seinen beiden "Mitstreitern" fehlt ihm einfach die emotionale dichte und Nähe zum Rezipient. Das Erfolgsrezept Kieslowskis liegt dabei wohl im Schema: jeder der drei Filme ähnelt sich so stark – nur wenige Protagonisten, ein Schicksalsschlag, Farbmetaphorik, … -, dass wenn man einen mag, alle mag. Mit seiner Trilogie der drei Farben hat Kieslowski jedenfalls ein Werk für die Ewigkeit geschaffen, das sich in meinen Augen todsicher zu den besten Filmtrilogien zählen darf. Retrospektiv habe ich das Gefühl, etwas ganz, ganz großem beigewohnt zu haben. (8/10)