Fantasy Filmfest 2007

All the Boys Love Mandy Lane
(Jonathan Levine, USA 2006)
Kino

Außer Kontrolle geratene Teens, die kiffen, koksen, saufen und miteinander rummachen, weit abseits jeglicher elterlicher Kontrolle. Wer kennt das nicht? Zumindest in Filmform jeder, der schon den ein oder anderen Slasher gesehen hat. Und so unterscheidet sich Levines Neo-Slasher nicht unbedingt vom Einheitsbrei – auf den ersten Blick zumindest. Haufenweise werden die großen Vorbilder Cravens, Carpenters und Co. zitiert, sogar eine nahezu 1:1-Kopie der "Mädel schreit und rennt leicht bekleidet auf der Straße rum"-Szene aus TCM hat Einzug in den Film gefunden. Levine verbleibt dabei aber nie allein auf der Horrorschiene, sondern streift konsequent High-School-Drama und coming of age-Film und lässt seinen Film somit erst richtig interessant werden.

All the Boys Love Mandy Lane 1

Optisch schön verziert und mit einigen tollen Stilmitteln (allein die erste Einstellung und das Umziehen Lanes zum klassischen Stück sind herausragend) umgesetzt, scheint MANDY LANE dennoch die Wegrichtung der Klassiker zu halten. Doch dann lässt Levin kurz vor Schluss die Bombe platzen und seinen Film urplötzlich mit allen Genrekonventionen brechen – ein Knalleffekt, der effektiver nicht sein könnte. Die Figur der Mandy Lane (toll: Amber Heard) ist natürlich die einzige, die relativ viel Entwicklung zeigt, denn auf ihr liegt ja schließlich auch der Fokus. Dass die anderen – inklusive des Killers, aus dessen Identität glücklicherweise kein langer Hehl gemacht wird – da etwas zurück stecken müssen ist klar und zudem ja sowieso obligatorisch.

All the Boys Love Mandy Lane 2

Der Abspann dann in knalligen Farben gehalten und mit einem bombastischen Retrosoundtrack (selten habe ich in einem Film solch wie ein Maßanzug passende Musik gehört) unterlegt, würde Tarantinos Neuestem locker Konkurrenz machen. Nach Ende des Abspanns dann die endgültige Gewissheit: MANDY LANE ist für mich das definitive Highlight des diesjährigen FFFs! (8/10)


6 Kommentare zu “Fantasy Filmfest 2007”

  1. August 2nd, 2007 | 14:25

    "Außer Kontrolle geratene Teens, die kiffen, koksen, saufen und miteinander rummachen, weit abseits jeglicher elterlicher Kontrolle. Wer kennt das nicht?"

    Aha, Koksnase Puni! :lol:

  2. August 2nd, 2007 | 14:45

    Hey! ;)

  3. August 2nd, 2007 | 19:41

    Neutrale Frage: Wie kannst du einen Film zum Highlight des FFF küren, wenn du gar nicht jeden Film des FFF gesehen hast :?:

  4. August 2nd, 2007 | 19:54

    [quote comment="1104"]Neutrale Frage: Wie kannst du einen Film zum Highlight des FFF küren, wenn du gar nicht jeden Film des FFF gesehen hast :?:[/quote]

    Richtig, nennen wir es eben mein persönliches Highlight. ;) (und wenn es was grandios toll anderes gegeben hätte, hätte ich es mir allein schon wegen der Beschreibung angeschaut)

  5. Juli 28th, 2008 | 15:23

    [...] Equilibrium: 8/10 [...]

  6. August 26th, 2008 | 10:27

    Ok, ich kommentiere viel zu spät, aber dafür aus aktuellem Anlaß. Ich habe nämlich gerade vorgestern die Blu-ray gesehen und war ziemlich enttäuscht. Nicht nur, daß schon nach kurzem Blick aufs Cover (und Lesen des Titels) klar war, welche Rolle Mandy spielen muß. Obwohl das auch schon irgendwie das Finale von vorneherein versaut hat.

    Aber es wurde auch keine einzige Person so richtig charakterisiert. Die Opfer waren eben von Anfang an nur dazu da, um zu sterben. Und so richtig originell waren die Tode auch nicht, so daß der Film auch als Slasher nicht richtig überzeugen konnte.

    Ich weiß nicht, vielleicht liegt es auch daran, daß in den letzten Jahren mit High Tension (oder wie dieser französische Horrorfilm hieß) und Flashback und wohl noch einigen, deren Namen mir nur nicht einfallen wollen, viele Filme erschienen sind, die diese überraschende Wendung am Schluß vorweggenommen haben, so daß es bei Mandy Lane irgendwie abgekupfert wirkt.

    Und dann waren da so viele Szenen, die einfach nur Selbstzweck waren: Wieso diese angedeutete Lesbenszene? Eine Hommage an High Tension? Aber dann kam nix mehr. Sie hatte keinerlei Einfluß auf die Handlung und bot somit dem Zuschauer gar nichts; abgesehen von dem kurzen erotischen Moment.

    Der Charakter des Mörders wurde auch nicht weiter verdeutlicht. Er blieb völlig farblos, irgendwie auch nicht bedrohlich.

    Vielleicht hatte ich mich auch zu sehr auf den Film gefreut, weil ich dieses ganze Genre einfach liebe.

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