Höllische Nachbarn

Disturbia
(D.J. Caruso, USA 2007)
DVD

Hat mich seit der Sichtung des Trailers extrem gereizt, so dass ich mir jetzt sogar die amerikanische Scheibe gegönnt habe (wehe der läuft am Montag in der Sneak). Warum? Nun ja, vielleicht ist es das interessante Szenario, welches der Film spinnt – auch wenn es natürlich ein Abklatsch von REAR WINDOW bleibt -, die Hightechelemente des Ganzen oder einfach nur die Nähe zu den Figuren. Womöglich von allem etwas. Und ich sollte recht behalten, denn DISTURBIA ist zwar kein ganz großer Wurf, aber für einen Teenthriller ist er erstaunlich unterhaltsam und trotz des PG-13-Ratings durchaus erwachsen. Erwachsen wird auch Shia LaBeouf immer mehr, der hier eine deutlich bessere Performance abliefert als noch in TRANSFORMERS. Natürlich beschränkt sich sein Können bisher nur auf den etwas anderen Teenager, der mal eben kurz die Welt retten muss, aber erste Tendenzen gen große Karriere sind nicht von der Hand zu weisen (was aber auch andere Gründe hat, Spielberg lässt grüßen).

Disturbia

Aber was soll man auch groß erwarten, ist die Rolle doch wie maßgeschneidert für ihn. Ein junger Bengel, der zwar seinen Vater (Matt Craven) verliert, aber trotzdem in Saus und Braus lebt. Hier eine PSP, da eine XBOX 360, dort drüben einen LCD und der Mac ist sowieso omnipräsent – und das stets alles von der Kamera ins rechte Licht gerückt, Sponsoren kann man ja nie genug haben – und sowieso hat sein Zimmer mehr gemeinsam mit einem ganzen Haus als mit einem (Kinder-)Zimmer. Da wird sich LaBeouf wohl nicht allzu groß verstellen haben müssen, scheint das doch alles recht nah an seinem Leben dran zu sein. Da sollte dem guten Kale (LaBeouf) doch eigentlich nie langweilig werden, oder? Falsch gedacht, denn das Mädchen (Sarah Roemer) von nebenan (THE GIRL NEXT DOOR lässt buchstäblich grüßen) und der vermeintliche Killer-Nachbar (David Morse) scheinen dann doch noch etwas interessanter zu sein. Es kommt, wie es kommen muss, Kale kann nicht genug von beiden kommen, der Rest findet sich in jeder Inhaltsangabe zum Film…

D.J. Carusos Film lässt sich anfangs viel Zeit für seinen Protagonisten und füllt gut eine Stunde mit dem Teenager und seinem Leben, bis das Spionieren endlich beginnt. Falsch ist das aber keinesfalls, denn Caruso versteht sein Timing äußerst gut und lässt so genügend Zweifel am Treiben Kales und Turners (Morse). Vielleicht war Caruso ja auch ein verwöhnter Teenager, denn er zeigt Kale nicht nur in all seinem Luxus sondern demontiert diesen auch. All sein Spielzeug kann ihn nicht vor der Langeweile bewahren, Freunde aus Fleisch und Blut sind dann doch die bessere Wahl, und mal ehrlich, welche Frau will den schon einem Computernerd zum Freund? Und das wichtigste: diese verwöhnten Kids sind nicht alle arrogant und verhätschelt, sondern greifen auch ein, wenn es brenzlig wird, werden zu Helden, wenn sie müssen. Vom realen Leben haben sie also trotz PSP & Co. Ahnung. Man lebt hier eben in suburbia (der Titel spielt ja darauf an), gehört zu den Besserverdienern und davon profitiert auch Kale.

Disturbia

DISTURBIA ist auf den zweiten Blick also doch mehr als ein selbstverliebtes, naives Remake des Hitchcock-Klassikers, das auf die jüngere Zielgruppe zugeschnitten zu sein scheint, sondern spielt gekonnt mit den Thrillerelementen und zögert seinen Höhepunkt so lange wie möglich hinaus. Natürlich ist schon seit dem Trailer klar, wer das was, wie und wann macht, aber Langeweile kommt trotzdem zu keinem Zeitpunkt auf. Zudem ist Morse mindestens so ein guter Bösewicht wie Sean Bean zuletzt in THE HITCHER. Ist man noch nicht allzu lange aus dem Teenageralter hinaus, so kann man sich, respektive ich, einfach nur zu gut in Kale hineinversetzen. Auch die Musikauswahl, sowohl Score- als auch Soundtracktechnisch weiß durchaus zu gefallen. Ein typischer Füller für das abendliche Sommerloch eben, der es sehr gut versteht, den Zuschauer bei Laune zu halten. Oder um es auf den Punkt zu bringen: "A well-acted little teenage thriller that takes good advantage of visual premises and common modern technology's increasing potential for making us all avid, and even rabid, voyeurs." (Bob Strauss, Los Angeles Daily News) Denn genau als diesen enttarnt Caruso den Kinogänger nämlich, als Voyeur. (7/10)


5 Kommentare zu “Höllische Nachbarn”

  1. September 8th, 2007 | 16:27

    "(…) welche Frau will den schon einem Computernerd zum Freund?"

    Die von Bill Gates :mrgreen:

  2. September 8th, 2007 | 16:38

    Soso, Herr Rudi. Von Ihnen hatte ich eigentlich erwartet, dass ich auch so ein verwöhntes Wohlstandskind sei… :lol: :razz: :wink:

  3. September 8th, 2007 | 19:46

    [quote comment="1993"]Soso, Herr Rudi. Von Ihnen hatte ich eigentlich erwartet, dass ich auch so ein verwöhntes Wohlstandskind sei… :lol: :razz: :wink:[/quote]

    Iwo, du hast dir ja deinen Luxus wie du sagtest erarbeitet. Wer drei Sommer beim Daimler in Früh- und Spätschicht arbeitet und sein Geld am Wochenende nicht versäuft, der kann sich folglich auch HD-TV, Beamer und anderen Schnickschnack leisten. Ich bin ja nur neidisch weil ich im Sommer nicht arbeite und trotzdem am Wochenende mein Geld versaufe :cry: Im Übrigen ist Shia LaBeouf trotzdem scheiße :twisted:

  4. Februar 5th, 2008 | 13:17

    [...] Equilibrium: 7 von 10 [...]

  5. Februar 6th, 2008 | 6:20

    [...] Equilibrium: 7 von 10 [...]

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