Ein Mann sieht rot

Death Sentence
(James Wan, USA 2007)
Kino

Wurde ja auch höchste Zeit! Seit THE PUNISHER hat man nichts Feines mehr in Sachen Rache- und Selbstjustizthriller gesehen. DEATH SENTENCE macht dieser langen Wartepause endlich ein Ende (demnächst folgt dann noch die "weibliche" Version mit THE BRAVE ONE). In der Hauptrolle, Kevin Bacon. Zwar physisch kein Thomas Jane, aber doch ein perfekter Hybrid aus Familienvater und Racheengel, denn wenn er will, können seine Blicke töten und er selbst ein richtiger Fiesling sein. Das hat er in seiner Filmografie oft genug gezeigt, und so scheint er auch nahezu prädestiniert für die Rolle Nick Humes zu sein(wobei anzumerken ist, dass die deutsche Synchronstimme fast unerträglich ist). Dieser Nick Hume ist ein erfolgreicher, verantwortlicher und liebevoller Familienvater, bis, ja, bis irgendwelches Gesocks (u.a. Hector Atreyu Ruiz) als Mutprobe seinen ältesten Sohn (Stuart Lafferty) tötet. Nick scheint aber DEATH WISH gesehen zu haben und macht fortan einen auf Charles Bronson.

Death Sentence

Bevor James Wan jedoch die Waffen sprechen lässt, räumt er seinem Film und dessen Figuren erst einmal eine ordentliche Introduktion ein und malt das Familienglück mit alltäglichen, aber geschönten Bildern aus. Es herrscht Friede, Freude und Eierkuchen, von den obligatorischen kleinen Streitereien mal abgesehen. Es ist die amerikanische Musterfamilie, nicht am Hungertuch nagend, erfolgreich und sich dem Werteuniversum stets bewusst. Nicht anders verhält es sich bei den Genrekollegen und Veteranen, insofern folgt DEATH SENTENCE also altbekannten Mustern. Doch nicht nur in Sachen Kausalkette, die zur buchstäblichen Explosion führt, sondern auch in deren Inszenierung selbst. Denn bis Bacon letztlich doch zur (richtigen) Waffe greift, muss doch noch einiges mehr geschehen. Natürlich ist der Film gerade hierbei oftmals deutlich over the top, doch lädt er auch zur Reflexion über Bandengewalt und deren Rituale förmlich ein.

In seiner Prämisse kann Wan dann aber doch nicht ganz konsequent bleiben, kommt sein Machwerk (die Konnotation passt natürlich zum Genre) doch äußerst ambivalent daher. Versucht er eingangs noch klar Position zu beziehen, indem er nur allzu deutlich zeigt (in Form der Polizistin), dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und man am Ende nicht gewinnen kann, verliert er sich spätestens ab dem Showdown in dieser. Hume steht zwar zu seinen Taten und erlebt hautnah mit, dass der Cop (Aisha Tyler) Recht hatte (haha), doch ist das das Ende des Krieges? Niemals, denn worauf wartet denn der Zuschauer schon seit eineinhalb Stunden? Richtig, darauf, dass Bacon sich den Schädel rasiert, der NRA beitritt, sich deren Motto gleich mal auf die Flagge schreibt und beim Freak um die Ecke (John Goodman), der lustiger- oder dummerweise (ich weiß es nicht sicher) auch noch der Vater des Obermackers ist, erstmal wichtige Lebensmittel Einkaufen geht…

Das ist dann auch der Zeitpunkt, an dem der Film endlich die Fans so richtig zu befriedigen weiß und ähnlich grobschlächtig daherkommt, wie einst DEATH WISH 3 – ohne Rücksicht auf Verluste, schön politisch unkorrekt und mit jeder Menge grafischer Gewalt, die bisweilen mehr an Splatter- als an Actionfilme erinnert. Bis dahin macht Wan eigentlich das meiste richtig, doch dann, das Duell gegen den bösesten der Bösen, ein totaler Rückzieher von Wans vorherigem Statement. Das nenne ich inkonsequent, nimmt es doch ordentlich Tempo und Inkorrektheit aus dem Film heraus. Wan scheint sich selbst nicht so sicher gewesen zu sein oder hatte ganz einfach Angst, diese Schiene vollends zu fahren. Jedenfalls bleibt das Ganze dennoch ein äußerst spaßiges, wenn auch für die meisten fragwürdiges Unterfangen. Optisch absolut fein, inklusive deutlichen Anleihen bei SAW, und auch soundtracktechnisch ein Leckerbissen.

Death Sentence

Auch humortechnisch bietet der Film so einiges, auch wenn es oftmals nicht ganz klar definierbar ist, ob er dies nun unfreiwillig oder eben nicht tut (allen voran die Figur Goodmans und dessen Verstrickung in das Ganze). Es ist sowieso einmal mehr von der Rezeptionshaltung abhängig, wie man diesen aufnehmen und den Film selbst lesen wird. Die einen werden ihn als Gewaltverherrlichendes Bollwerk des Konservatismus sehen, andere als Mix aus Trash und guter Laune, andere als faschistoiden und gewaltverherrlichenden Müll. Eines ist er aber sicherlich, nämlich sehr unterhaltsam und von Bacon wirklich toll gespielt. (7/10)


Ein Kommentar zu “Ein Mann sieht rot”

  1. September 15th, 2007 | 11:22

    [...] Equilibrium [...]

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