Boys gone wild

Superbad
(Greg Mottola, USA 2007)
Kino

Man rekapituliere Seth Rogens Charakter aus KNOCKED UP und stelle sich vor, wie dessen Jugend ausgesehen haben muss. Richtig, in etwa kommt SUPERBAD dabei heraus. Nicht allzu erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Rogen – der neue Star am amerikanischen Comedy-Himmel – nicht nur das Drehbuch mitschrieb, sondern sich auch für eine Rolle als Chaoscop nicht zu schade war. Hinzu kommt, dass der hier auftrumpfende Protagonist, Jonah Hill, ebenfalls in KNOCKED UP mitwirken durfte, und das in einer nicht allzu gravierend anderen Rolle. Bediente letzterer Film eher das humorvolle, junge Erwachsene Publikum, fährt SUPERBAD wieder auf der Teenschiene, aber wohlgemerkt ohne die klassischen Fallen oder Klischees des Genres. So spart sich Greg Mottolas Film nicht nur die Fäkalwitzchen (zumindest größtenteils) oder die obligatorische Fleischbeschau, sondern belässt es auch bei unseren drei Protagonisten und schlägt sich nicht noch mit dutzenden anderen Figuren herum.

SuperbadDabei versteht er es auch außerordentlich gut, seine Geschichte voranzutreiben und garniert sie mit einer Humordichte, die man so heutzutage wirklich nicht mehr zu sehen bekommt. Selten, wirklich ganz selten lässt er seinem Publikum überhaupt mal Zeit zu verschnaufen – und wenn, dann nur sehr kurz. Unsere Helden werden dabei durch tolle Spielereien (Zeitlupe aus dem Bus) und durch einen noch tolleren, wie die Faust aufs Auge passenden, sehr funkigen Soundtrack unterstützt. Doch nicht nur formal spielt SUPERBAD auf einem hohen Level, auch in seiner Geschichte, die er uns vermittelt und die – ähnlich wie bei KNOCKED UP – wohl ein Großteil des Publikum selbst schon so erlebt hat (mehr oder weniger eben). Seth (Jonah Hill) – man beachte den Namen und die Verbindung zu Rogen – will es noch mal so richtig krachen lassen, bevor er von der Highschool aufs College wechselt, frauentechnisch versteht sich. Dass ihm dabei aber einige Steine in den Weg gelegt werden, dürfte ebenfalls klar sein. Am Ende ist es dann aber doch einmal mehr die Freundschaft und wahre Liebe die zählt, Alkohol und Sex sind ja schließlich vergänglich.

Absolutes Highlight des ganzen ist aber der Charakter des Fogell alias McLovin (Christopher Mintz-Plasse), der zwar auf den ersten Blick wie ein Abziehbild der Loserfiguren aus den unzähligen anderen Teenklamotten wirkt, näher betrachtet aber so ziemlich der erste ist, der auch wirklich lustig ist. Er wirkt so ehrlich und bisweilen authentisch, dass sich wohl jeder, der auch nur ansatzweise ehrlich zu sich selbst ist, zu einem gewissen Grade selbst in ihm wieder erkennt. Sowieso decken unsere drei Helden wohl nahezu jeden Typen ab, den man so an einer Highschool finden kann: den dicken, der auf noch dickere Hose macht, den schüchternen Normalo und eben den nerdigen Freak. Und ist es nicht genau das, worüber wir am meisten lachen können, über uns selbst und andere, die uns nur zu bekannt vorkommen? SUPERBAD ist die wohl beste Teenkomödie seit… …ach, ziemlich langer Zeit. Wenn man an ihm etwas kritisieren kann, dann nur die Laufzeit, die man vor allem im letzten Drittel hin und wieder zu spüren bekommt. Ansonsten gibt es aber zumindest für das jüngere und jung gebliebene Publikum absolut nichts zu meckern. (8/10)


4 Kommentare zu “Boys gone wild”

  1. Marcus (31)
    September 25th, 2007 | 15:03

    ja, kann mich Deinem fazit nur anschließen. das beste im bereich der teenie-komödie seit sehr, sehr langer zeit. unzählige absurd-komische momente mit charakteren, die trotz aller abgedrehten drehbucheinfälle einem doch erstaunlich schnell ans herz wachsen.

    PS: McLovin rulez!!! ;)

  2. September 25th, 2007 | 18:22

    Schön, dass wir (schon wieder) einer Meinung sind – und ja, McLovin ist der wohl coolste Filmcharakter seit langem aus Hollywood.

  3. Chris (5)
    September 27th, 2007 | 12:04

    bei der Punktzahl bin ich ja dann mal gespannt was du zu Chuck & Larry sagst…
    (den fand ich persönlich besser)

  4. September 27th, 2007 | 15:32

    [quote comment="2357"]bei der Punktzahl bin ich ja dann mal gespannt was du zu Chuck & Larry sagst…
    (den fand ich persönlich besser)[/quote]

    Erstmal schauen, ob ich den überhaupt noch im Kino sehen kann/will – wenn Axi und Co. dabei sind, dann ja. :)

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