Graf Draculas ungewollte Erben
30 Days of Night
(David Slade, USA/Neuseeland 2007)
Kino
Seit 300 scheint es ja kein Ende zu nehmen bzw. im Trend zu liegen, das Verfilmen der – mehr oder weniger bekannten – graphic novels. Ich habe jene zum Film nicht gelesen, ja hatte vor dem Film sogar noch nie von deren Existenz gehört. Egal.
Oder doch nicht? Der Film ist jedenfalls zu keinem Zeitpunkt über dem Genre-Mittelmaß, alles hat man schon zu oft (besser) gesehen, alles scheint zusammengemixt und optisch aufpoliert worden zu sein. Hier ein bisschen ASSAULT ON PRECINCT 13, da ein wenig DAWN OF THE DEAD und einige Klischeevampire können auch nicht schaden. Tun sie aber, erst recht deren Anführer. Der gleicht mehr einer Lachnummer als einem Bösewicht. Selten wirkte eine Bedrohung unbedrohlicher und lächerlicher. Gut, stellt sich nur die Frage, ob das so beabsichtig war – beispielsweise als comic relief – oder ob man schlicht und ergreifend einfach nur fehlbesetzt hat. Zu Gute halten muss man den Gegenspielern der Einwohner jedoch, dass sie tontechnisch wirklich einiges rausreißen und sich wirklich ziemlich fies für die Ohren anhören (nicht ihre Sprache, sondern die hohen Töne).
Der restliche Stab der Besetzung wirkt nicht weniger falsch am Platz (Ben Foster ist aber herrlich schmierig) – oder zumindest verwunderlich, denn was hat Josh Hartnett bitteschön in einem Horrorstreifen zu suchen? Okay, THE FACULTY mal außen vorgelassen. Melissa George, bekannt aus ALIAS, ist auch nicht mehr als Zucker für die Augen, denn zu jeder Sekunde merkt man, wie schwer es ihr fällt, ihren britischen Akzent zu unterdrücken und amerikanisches Englisch zu sprechen. Gibt es denn keine blonden Amerikanerinnen mehr, oder was? Ebenfalls egal.
Richtig egal wird es dann allerdings im Mittelteil, der sich überraschenderweise doch ziemlich zieht. Szene an Szene reiht sich, die unnötiger und für den Verlauf des Filmes hinderlicher kaum sein könnten. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass man sich umso mehr über den Splatter und das carnage freut, den/das es doch recht häufig gibt. Splatterfans dürften also definitiv auf ihre Kosten kommen. Und wenn die Kamera das Ganze dann auch noch wunderschön aus der Vogelperspektive einfängt (und auf weißem Schnee lässt es sich ja auch recht ansehnlich metzeln), dann verzeiht man doch auch einige der genannten Fehltritte.
30 DAYS OF NIGHT erfindet das Rad zu keinem Zeitpunkt neu, ist teils absolut lächerlich (ja, selbst für eine Comicadaption) und nur selten richtig spannend. Eines muss man ihm aber lassen, nämlich die bisweilen feine Optik und das wirklich abwechslungsreiche setting des Ganzen. Wer 100 Minuten anspruchlosen Horror sucht, der zumindest auf audiovisueller Ebene schocken kann, der ist mit 30 DAYS OF NIGHT jedenfalls gut bedient. Alle anderen legen ihn bitte in die "Remake-, Post-2000-, was auch immer Schublade" ab. Ein wirklich derber Rückschlag für Slade nach dem grandiosen HARD CANDY. (6/10)
13 Kommentare


Wow, scheinst ja wirklich enttäuscht zu sein. Ich finde den Film einfach Klasse – was sich auch in meinem Review dann wieder spiegeln wird. Ich kenne zwar den Comic auch NOCH nicht, aber das wird demnächst nachgeholt :razz:.
Zumindestens hat mir dieser Film um ein vielfaches besser gefallen als Rob Zombie´s "Halloween" – da war ich letztens eher enttäuscht und das als großer Rob Zombie + Carpenter´s "Halloween"-Fan.
Ja, habe schon gelesen, dass Du total begeistert bist (zu Unrecht :wink: ). Sprich mich nicht auf HALLOWEEN an – rege mich immer noch so auf, dass ich zur PV nicht konnte… :cry:
Da bin ich ja überrascht, dass dir das nicht gefallen hat, du bist doch sonst auch füre gorelastige Filme sehr zu begeistern :eek:
[quote comment="2562"]Da bin ich ja überrascht, dass dir das nicht gefallen hat, du bist doch sonst auch füre gorelastige Filme sehr zu begeistern :eek:[/quote]
Also hör' mal, so einfach ist das nun auch wieder nicht! :razz:
Achso, fällt mir gerade ein, Josh Hartnett hatte 1998 sein Debüt in "Halloween H20" gegeben – ist doch auch ein Horrorfilm und einer der besseren "Halloween"-Fortsetzungen :razz:.
[quote comment="2568"]Achso, fällt mir gerade ein, Josh Hartnett hatte 1998 sein Debüt in "Halloween H20" gegeben – ist doch auch ein Horrorfilm und einer der besseren "Halloween"-Fortsetzungen :razz:.[/quote]
Ich kann ja auch nicht alles wissen, oder? :razz: :wink:
[quote comment="2575"]
Ich kann ja auch nicht alles wissen, oder? :razz: :wink:[/quote]
Im Presseheft stand es drin – hast es scheinbar nicht gelesen :razz: :wink:
[quote comment="2576"]Im Presseheft stand es drin – hast es scheinbar nicht gelesen :razz: :wink:[/quote]
Nein, habe ich nicht, denn die Dinger kann man meistens ja eh vergessen. :wink:
Ein Setting im Schnee. Eine ausgangslose Situation. Vampire. Ich freu mich drauf!
[quote comment="2585"]Ein Setting im Schnee. Eine ausgangslose Situation. Vampire. Ich freu mich drauf![/quote]
Ja, das setting ist wie gesagt toll, mal wieder was mit Vampiren zu sehen ebenfalls, aber es funktioniert eben nur bedingt.
Mir fehlen einfach die Worte. Ich konnte ja sogar noch in Nispels TCM Remake einen gewissen Unterhaltungswert sehen. Aber 30 Days of Night ist einfach nur inakzeptabel. Sonnenaufgang an der gleichen Stelle wie der Untergang, daß gibt der ganzen Angelegenheit dann endgültig den Rest.
Bitte!? Boah, das ist hart (aber mir gar nicht aufgefallen).
[quote comment="2568"]Achso, fällt mir gerade ein, Josh Hartnett hatte 1998 sein Debüt in "Halloween H20" gegeben – ist doch auch ein Horrorfilm und einer der besseren "Halloween"-Fortsetzungen :razz:.[/quote]
Ich kann ja auch nicht alles wissen, oder? :razz: :wink: