Von Patrioten und Tyrannen

Breach
(Billy Ray, USA 2007)
Kino

Auch bei ihnen scheint so schnell kein Ende in Sicht, Spionagethriller. Egal ob THE BOURNE ULTIMATUM, MICHAEL CLAYTON oder LIONS FOR LAMBS – sie scheinen noch immer die Besucher ins Kino zu locken. Bemerkenswert ist aber sicherlich, dass BREACH in so gar keine Klischeekiste des Genres hineinpassen will. BreachEr ist kaum bis überhaupt nicht actionreich, hat keine allzu spannenden Momente und zieht eher lethargisch von dannen. Es handelt sich hier nämlich um keinen von Hollywood gesponnenen Handlungskomplott, sondern um den größten Agentenskandal in der Geschichte der USA. So schreiben wir das Jahr 2001, Bush ist gerade in sein Amt eingeweiht worden, Justizminister Ashcroft beginnt den Film mit einer Rede, die klarmachen soll, in welchem terroristischen Fokus sich die USA befinden – nach 9/11 natürlich gleich ein großer Schlag in die Magengrube und das bereits in den ersten Minuten des Films. Dieses flaue Gefühl im Magen wird man aber auch im Verlaufe des Ganzen nicht los, im Gegenteil, es wird nur noch unangenehmer.

BREACH ist nämlich auf die Fakten fokussiert, spinnt kein typisches Netz aus Bedrohung und Enttarnung, sondern gleicht mehr einer akribischen Dokumentation, die zeigt, wie gefährlich die Bedrohung war. Chris Cooper liefert dabei als Agent Hanssen natürlich eine Glanzleistung ab. BreachSeine Figur – was hier vielleicht das falsche Wort sein dürfte – ist Patriot, mehr um das Wohl des Landes als um irgendwelche Auszeichnungen oder Beförderungen bedacht. Seine Aussagen könnten selten die Realität besser widerspiegeln, sind selten kein Schlag in das Gesicht eines jeden Sicherheitsdienstes. Doch wie zeigt man dem mächtigsten Land der Welt, dass es noch so viel zu lernen hat? Hanssen kennt die in seinen Augen einzig wahre Antwort und setzt diese in die Tat um. Ohne Rücksicht auf Verluste. "The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants.", sagte einst Thomas Jefferson. Hanssen scheint sich dies auf die Flagge geschrieben zu haben, denn es war nur eine Frage der Zeit, bis man ihn enttarnen und – wie er seine enttarnten Überläufer – opfern sollte.

Ist dieser Mann wirklich ein Tyrann? Cooper verleiht diesem Mann dennoch etwas zutiefst menschliches, und das nicht nur des Glaubens wegen. Hanssen ist Wertekonservativ, ist äußerlich zwar nicht immer nett zu seinen Mitmenschen, aber ist dennoch stets für diese da. So auch für Eric O'Neill, gespielt von Ryan Phillippe, der zwar sicherlich nicht der beste Schauspieler ist, hier aber trotzdem eine wirklich gute Performance abliefert. BreachEr ist der Mann, der Hanssen enttarnen sollte, sich zwischen Pflichterfüllung und persönlicher Beziehung zu seinem Vorgesetzen nur selten sicher ist. Genau hier liegt die größte Stärke des Filmes, nämlich das Zwischenmenschliche. Nicht nur harmonieren die beiden miteinander perfekt, auch versteht es Billy Ray perfekt dies einzufangen und den Fokus sehr gut zu legen. Das hebt BREACH von der Masse der Spionagethriller ab, es macht ihn fast schon zu etwas Besonderem, auf jeden Fall aber zu einem wirklich guten Film. Keine Frage dürfte er bei vielen aber auch falsche Erwartungen wecken, denn selten war der Erzählfluss in einem Thriller ruhiger und balancierter.

BREACH ist gutes altes Schauspielerkino, dem der Realitätsbonus dabei natürlich zu gute kommt. Nichts wirkt unnötig dramatisiert oder pathetisch aufpoliert, nicht einmal die Texttafeln vor dem Abspann, die den weiteren Werdegang der Protagonisten erzählen. Vielmehr gibt BREACH buchstäblich Akteneinsicht, zeigt, wie gefährlich die Welt der Sicherheits- und Geheimdienste ist und war. Keine Frage, Hanssens Taten sind unentschuldbar, doch sollten sie auch ein kräftiger Denkanstoß sein. "Pray for me.", bittet Hanssen Eric am Schluss. Eric wird zum Zuschauer und vice versa: "I will." (8/10)


6 Kommentare zu “Von Patrioten und Tyrannen”

  1. Oktober 9th, 2007 | 19:24

    Was soll ich dazu noch schreiben, außer: Ich stimme dir in allen Punkten uneingeschränkt zu!

  2. Oktober 9th, 2007 | 19:30

    Danke, das hört man gerne. :smile:

  3. Oktober 9th, 2007 | 23:11

    Ich fand den Film zu keinem Zeitpunkt spannend, 1. weil sein Verlauf und Ende zu Beginn vorweg genommen werden und 2. weil er den genretypischen Konventionen folgt :roll:

  4. Oktober 9th, 2007 | 23:13

    [quote comment="2590"]Ich fand den Film zu keinem Zeitpunkt spannend, 1. weil sein Verlauf und Ende zu Beginn vorweg genommen werden und 2. weil er den genretypischen Konventionen folgt :roll:[/quote]

    Zu 1. Jein.

    Zu 2. Absolut nicht.

    :razz:

  5. Oktober 10th, 2007 | 19:12

    Ich fand den auch gut und warte nur darauf das die HD-DVD mal in bessere Preisregionen sinkt (scheiss Kombos).

  6. Oktober 10th, 2007 | 22:35

    [quote comment="2611"]Ich fand den auch gut und warte nur darauf das die HD-DVD mal in bessere Preisregionen sinkt (scheiss Kombos).[/quote]

    Ja, war ganz überrascht zu sehen, dass es den schon auf US-(HD)DVD gibt. Traurig, dass es bei uns immer so lange dauert…

Kommentieren?