Die Mauer als Trennwand zwischen den Welten

Stardust
(Matthew Vaughn, USA/UK 2007)
Kino

Die Adventszeit steht langsam aber sicher vor der Türe, da darf der alljährliche Familienfilm natürlich nicht zu kurz kommen. Dieses Jahr gibt es gleich wieder die volle Dröhnung für Klein und Groß, den Anfang macht dabei der Fantasyfilm STARDUST. StardustWirkte schon der Trailer wie eine komische Mixtur aus romantischem Märchen, harter Fantasy und humoristischen Einlagen, so bestätigt sich dieser Eindruck auch beim Film selbst. Vaughn, der den exzellenten LAYER CAKE zu verantworten hat, entscheidet sich für kein bestimmtes Genre, sondern nimmt das Beste aus allen und zaubert damit im wahrsten Sinne des Wortes ein Potpourri, das aber nicht immer für die jungen Zuschauer geeignet zu sein scheint. Egal ob böse Hexen (Michelle Pfeiffer), blaublütige Prinzen (Mark Strong) oder eben der einfach Junge von Nebenan (Charlie Cox), für jeden ist etwas dabei. Die Geschichte, die der Film uns erzählt, ist aber immer noch dieselbe: Es ist egal woher man kommt, man kann alles erreichen, und meist ist die wahre Liebe doch näher als man denkt.

Das sich das Ganze natürlich in erster Linie an das bereits genannte, jüngere Publikum richtet, hatte ich natürlich meine Probleme. Jetzt, da man schon länger groß ist, kennt man all diese Märchengeschichten, ist altersbedingt kaum noch für diese zu haben. Vaughn umgeht dies aber geschickt (zumindest teilweise), indem er einige bei allem StardustFrust zugegeben sehr humorvolle Einlagen serviert, die hauptsächlich von einem toll aufspielenden De Niro getragen werden. So findet sich unter der fantasievollen Schale zudem so einiges an leichter Subtilität, die sich dann doch eher an ein etwas älteres Publikum richten dürfte. Von den bedeutungsschwangeren Namen, über die Figuren, bis hin zum Humor. So ist STARDUST zumindest für mich ein durchaus ambitionierter Streifzug durch die Fantasy- und Märchenwelt, die ob ihrer Gewalt paradoxerweise nicht für die (ganz) Kleinen zu empfehlen ist. Für einen Familienbesuch am Sonntagnachmittag, jetzt, wenn es kälter wird, aber ein sehr lohnenswertes Unterfangen, trotz dreister Bedienung beim Score von THE LORD OF THE RINGS. (5-6/10)


4 Kommentare zu “Die Mauer als Trennwand zwischen den Welten”

  1. Oktober 16th, 2007 | 18:26

    "Stardust" ist aber in der, ja, wie nennt man das jetzt: "Pseudo-Graphic-Novel-Bildband-Comic-Vorlage"? von Neil Gaiman schon eher ein Märchen, dass man sich auch als Erwachsener sehr gut antun kann. Ich lese es gerade als Vorbereitung auf den Film mit äußerst großer Freude.
    Und kann es kaum erwarten, den Film dazu zu sehen.

  2. Oktober 16th, 2007 | 18:57

    War und wird wohl einfach nie mein Ding sein, dieses Fantasygenre. Ich muss aber wirklich eingestehen, dass sich meine anfängliche Abneigung gegenüber dem Film im Verlaufe dessen teilweise in eine gute-und-humorvolle-Unterhaltungs-Einstellung gewandelt hat. Die (sowieso doofen) Wertung(en) mag vielleicht etwas zu schlecht erscheinen, aber ich hatte gestern einfach was anderes in der Sneak erwartet…

  3. Oktober 17th, 2007 | 15:25

    Sehe ich teils auch so. Mir haben die ganzen sexuellen Anspielungen nicht besonders gefallen. War zwar witzig gemeint, fand ich aber eher etwas kindisch.

    PS: Der Score bedient sich in erster Linie bei DRACULA (1992), von dem auch ganz frech mehrere Stücke getrackt wurden.

  4. Oktober 17th, 2007 | 16:25

    [quote comment="2768"]Sehe ich teils auch so. Mir haben die ganzen sexuellen Anspielungen nicht besonders gefallen. War zwar witzig gemeint, fand ich aber eher etwas kindisch.

    PS: Der Score bedient sich in erster Linie bei DRACULA (1992), von dem auch ganz frech mehrere Stücke getrackt wurden.[/quote]

    Ja, ich dachte anfangs auch (als der Vater Tristans diesen schnell "machen" geht), was denn jetzt los ist – von De Niros Figur ganz zu schweigen. Und das in einem amerikanischen Film mit PG-13-Rating! Das mit DRACULA ist mir nicht aufgefallen, habe den aber auch noch nicht gesehen.

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