Gefühlloses von Gefühllosen
The Invasion
(Oliver Hirschbiegel, USA 2007)
Kino
Eines gleich vorweg: Ich habe keines der unzähligen Remakes gesehen und nein, auch nicht das Original. Traurig eigentlich, wenn THE INVASION, ein uninspirierter, seelenloser Thriller, den Anfang macht. Egal, vielleicht eignet sich Hirschbiegels Hollywooddebüt ja als nettes Popcornkino, das wenigsten Effekt- und scare-technisch etwas hermacht.
Doch leider Fehlanzeige, denn selbst dafür eignet sich das Ganze nur bedingt. Es wird wohl einen Grund haben, weshalb sich die Gebrüder Wachowski James McTeigue geholt haben und diesen das komplette Ende Hirschbiegels noch einmal überarbeitet haben lassen. War das Ende des Deutschen wirklich noch schlechter als jenes, das sich im fertigen Film findet. Ich denke nicht, denn nahezu alles scheint angesichts der Routine dessen besser. Als massenkompatibler erscheint es angesichts dieser Tatsache aber, ergo war die Initiative der Wachowskis wohl "richtig" (denn der Durchschnittskinogänger will ja genau das und das bringt Geld). Aber was verschwende ich überhaupt so viele Gedanken daran?
Hirschbiegels McTeigues Version der Körperfresser beginnt unvermittelt, wirft den Zuschauer direkt in das Geschehen und tut sich bereits damit keinen allzu großen Gefallen. Statt die Spannung langsam aber sicher aufzubauen, sind die Bedrohung und das Schicksal der Protagonistin schon nach wenigen Sekunden ersichtlich. Das ist aber angesichts der Tatsache, dass THE INVASION sowieso zu keiner Zeit auch nur den Hauch einer Spannungskurve aufbauen kann, nur ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein. So richtig erschrecken will man sich ob der überraschenderweise unspektakulären Mutanten auch nicht, und so bedeutet dies für den Film eigentlich schon den tödlichen Dolchstoß. Ja, von den politischen Untertönen, die mehr peinlich als subtil sind, ganz zu schweigen. Hier Irak, da Nordkorea und dort drüben das abscheuliche Wesen Mensch. Da muss man sich am Ende wirklich zusammenreisen, dass man keinen Lachanfall bekommt, wenn Craig zu Kidman meint, dass es doch Mist sei, dass im Irak schon wieder 89 Menschen getötet wurden und diese das nur mit einem Lächeln kommentiert.
Ohne Original oder Remake zu kennen glaube ich diesen jedoch sofort, dass sie sich mit ihrem politischen Umfeld subtiler auseinandersetzten (wie man ja überall liest). Die beiden angesprochenen Protagonisten bleiben somit also einer der wenigen Lichtblicke des Ganzen,
auch wenn man vor allem Craig gegen Ende hin ansieht, dass er seine Zeit doch lieber mit etwas anderem, sinnvollerem verbracht hätte. Tauscht man diese beiden jedoch gegen x-beliebige Noname-Produkte aus, bliebe dann wirklich nur noch ein schlechtes Abziehbild, welches auf seiner Rückseite nicht einmal mehr im geringsten Klebstoff aufweist. Der Film ist ein ganz klarer Fall von Sommerlochunterhaltung wie sie so nur aus Hollywood kommen kann – ideenlos, repetitiv und mit keinerlei Highlights. Gut, der viele unfreiwillige Humor (die Mutanten sind ja mehr zum Lachen als zum Erschrecken) wäre vielleicht zu nennen, aber denkt man nur mal an die nervtötende Beziehung Kidmans zu ihrem Sohn, dann hat man den Humor schnell wieder verworfen. Es wird nicht lange dauern, bis man THE INVASION ohne großes Dazutun wieder komplett aus seinem Gedächtnis gelöscht haben wird – und das ohne Gefühle. (4-5/10)
9 Kommentare













Waaas, du kennst die anderen Body-Snatchers-Filme noch nicht? :shock:
Unbedingt ansehen! Der '56er ist ein super Beispiel von Fifties-Commie-Scare-Science-Fiction, der '78er ist sowieso der Beste, und sogar der '93er ist ziemlich gelungen.
(Nur Hirschbiegel/McTeigue hat Mist gebaut.)
Ja, am ehesten würde ich zum 78er mit Sutherland tendieren – den habe ich auch immer im Kopf, wenn ich an THE BODY SNATCHERS denke. Werden nachgeholt, keine Angt. Und Anti-Commie-Filme sind immer gut. :wink:
Der 78 kommt morgen oder übermorgen im Fernsehen, falls es dich interessiert.
[quote comment="2896"]Der 78 kommt morgen oder übermorgen im Fernsehen, falls es dich interessiert.[/quote]
Danke für den Hinweis (kommt am Dienstag, habe nachgeschaut), aber ich muss Mittwochs jetzt leider schon um 08.00 Uhr an der Uni sein… :sad:
Das deckt sich etwa mit dem was ich sonst so alles über den Film gelesen habe. Obwohl, da gab es auch schon schlimmere Kritiken. Aber ich schätze das wird den Film dennoch nicht von meiner Liste für diese Woche streichen, und wenn auch nur, weil ich mir doch keinen Nicole Kidman-Film entgehen lassen kann. :wink:
Ja, ging mir genauso – nur schlechtes gelesen, aber trotzdem irgendwie Lust gehabt ihn zu sehen. Und ja, Kidman und Craig haben dies zu verantworten. :wink:
[quote comment="2891"]Und Anti-Commie-Filme sind immer gut. :wink:[/quote]
Wir liegen wirklich sehr weit auseinander. :lol:
[quote comment="2900"]Wir liegen wirklich sehr weit auseinander. :lol:[/quote]
Egal, das tun Michael Moore und ich auch, dennoch bin ich gern polemisch… :wink: Und (man sieht es ja an "uns") Gegensätze ziehen sich an.
oh ja, "invasion" hab ich schon fast wieder verdrängt. 08/15-kino, sichtbar gelangweilt heruntergedreht.