Der goldene Junge ruft…

American Gangster
(Ridley Scott, USA 2007)
Kino

Gleich zu Beginn zeigt Frank Lucas (Denzel Washington) keine Gnade: Er zündet sein Opfer bei lebendigem Leibe an und feuert sein halbes Magazin auf den hilflosen Mann, als der brennend auf dem Boden liegt und schreit. Dieser große schwarze Mann ist böse, richtig böse. Und dass es nicht bei diesem einen Opfer bleiben wird, versteht sich wohl von selbst. Ridley Scotts neuer Film beginnt so stereotyp, wie er auch die restliche Laufzeit über bleibt. American GangsterGangster, Drogenhandel, ein aufrechter Cop, der genau deshalb aber Problem mit seiner Ehe hat, und Kollegen, die den Beruf mehr als falsch gewählt haben – Scott bringt nichts an den Tisch, was dort nicht schon dutzende Male (besser) war. AMERICAN GANGSTER plätschert bereits in den ersten Minuten lediglich vor sich hin, ohne roten Faden, ohne dass sich groß etwas tut, dass dem Zuschauer von Mafia- und Gangsterstreifen nicht schon bekannt wäre. Die Familie ist wichtig, klar, das Geschäft geht aber vor, klar. Beziehungen zu anderen Unternehmern sind auch wichtig – zumindest wenn sie einem selbst Vorteile bringen. Nicht anders verhält es sich mit der Gegenseite, nur mit dem Unterschied, dass es unter den Cops wenigstens einen aufrechten (Russell Crowe) gibt.

Scotts Film, so muss man sich bewusst machen, ist natürlich mehr Charakterstudie und Drama als Actionmobfilm à la SCARFACE. Er ist maßgeschneidert für Washington, holt schauspielerisch alles aus ihm heraus was in ihm steckt und legt seinen Fokus natürlich auf ihn als auf Crowes Figur. Dass der bei einer Laufzeit von mehr als zweieinhalb Stunden aber auch nicht zu kurz kommt, dürfte klar sein. American GangsterDass das aber nicht unbedingt von Vorteil sein muss, zeigt Scott damit, indem er uns etliche Szenen mit ihm und seinen emotionalen Problemen spendiert, auf die man getrost hätte verzichten können, stehen sie dem Fluss des Ganzen doch nur im Weg. Crowes Figur, mit seinen langen Haaren und bescheiden aussehenden Klamotten, ist zugleich aber auch eine der Figuren, die das Flair der Siebziger erst so richtig nahe bringt und zu einem gewissen Grad zum Charme des Filmes beiträgt. Schade nur, dass das Optische mit das einzig gute am Film ist, denn gerade mit Richie Roberts (Crowe) holt Scott auch des Öfteren den Holzhammer heraus. Drogen sind böse und schlecht, richtig, das kann er auch Nixon und Co. nicht oft genug im Fernsehen sagen lassen – und Roberts und Lucas hören gespannt zu.

Das ist stereotyp, jedem bewusst, der auch nur einen Gangsterfilm gesehen hat, in dem Cops irgendwelchen Drogenbaronen nachjagen. Zudem schafft es Scott aus seiner erst verteufelten Figur des Frank Lucas, welcher die Drogen ja quasi repräsentiert, im Laufe des Filmes eine immer sympathischere werden zu lassen, die langsam aber sicher selbst zum Opfer wird. American GangsterDer ganze Schluss und die letzte Einstellung sind dabei sicher nur die Spitze des Eisbergs. Doch bei all dieser Kritik hat AMERICAN GANGSTER auch einige wirklich tolle Szenen zu bieten. So hebt sich zumindest inszenatorisch eine Szene ganz besonders hervor, der Höhepunkt, den Scott so feiert, dass man kurzzeitig schon mal Gänsehaut bekommen kann. Doch leider bleibt es nur bei diesen einzelnen Versatzstücken, denn als Gesamtes ist AMERICAN GANGSTER einfach zu repetitiv, klischeebelastet und spektakulär unspektakulär. Und dennoch scheint es sich hier um einen sehr, sehr heißen Oscarkandidaten zu handeln, was ob seiner Zutaten dann aber doch alles andere als verwunderlich ist. Dann lieber zum wiederholten Male L.A. CONFIDENTIAL, der zeigt, wie solch ein period piece auszusehen hat. (6-7/10)


15 Kommentare zu “Der goldene Junge ruft…”

  1. Marcus (31)
    Oktober 26th, 2007 | 22:01

    sehe den film doch besser (so bei 80%+), muss Dir aber in dem punkt zustimmen, dass der film lucas zum ende hin immer positver darstellt. washington kann einfach nicht den "bad guy" geben. selbst in "training day" wollte ich ihm das arschloch nicht wirklich abnehmen. sicher scheint: bei den oscars könnte AG aber durchaus eine rolle spielen.

    ich fand einige kleine subplots wie z.b. die um roberts eher überflüssig. auch hat der mittelteil einige längen und abgesehen von lucas gibt es auf seiten des gangster-clans keien wirklich interessanten charaktere. das wäre meine wesentliche kritikpunkte, ansonsten wurde ich gut unterhalten.

  2. Oktober 26th, 2007 | 23:54

    TRAINING DAY empfand ich sowieso nie als guten oder überragenden Film – warum er dafür den Oscar bekommen hat, weiß wohl nur die Academy selbst. Dass es auf Seiten der Gangster keine interessanten Figuren gab stimmt, bei den Cops gab es ja wenigsten noch Josh Brolin, dessen Figur zumindest mich einigermaßen interessierte.

    BTW: Waren die PVs für EASTERN PROMISES schon (bzw. wann in Stuttgart)? Habe es leider noch nicht auf den Verteiler von Tobis geschafft… :cry:

  3. Marcus (31)
    Oktober 27th, 2007 | 11:48

    ja, josh brolins cop war noch einer der spannenderen charaktere abseits der beiden leads.

    zu Eastern Promises: in stuttgart ist der termin noch. will ihn aber nicht so offen hier ins blog schreiben. vlt. meldest Du Dich mal bei mir unter roger_ebert@gmx.de!

    PS: werde Dein blog auch mal verlinken!

  4. Oktober 27th, 2007 | 11:48

    Und wie hat sich einer meiner Lieblingsschauspieler, Chiwetel Ejiofur, geschlagen?

  5. Oktober 27th, 2007 | 12:56

    [quote comment="3018"]will ihn aber nicht so offen hier ins blog schreiben. [/quote]

    Haste sehr gut daran getan – so Schmarotzer wie ich wären da vielleicht glatt aufgetaucht :lol: :wink:

  6. Oktober 27th, 2007 | 19:12

    [quote comment="3020"]Haste sehr gut daran getan – so Schmarotzer wie ich wären da vielleicht glatt aufgetaucht :lol: :wink:[/quote]

    Und das wollen wir ja schließlich verhindern, nicht? :wink:

  7. Oktober 28th, 2007 | 0:19

    Sicher, sonst kreuzen da irgendwann 200 Leute auf und dann kann man auch ganz normal ins Kino gehen :wink:

    Aber wie war denn jetzt Ejiofur?

  8. Oktober 28th, 2007 | 14:06

    [quote comment="3039"]Aber wie war denn jetzt Ejiofur?[/quote]

    Hmm, nicht der Rede wert – kleine Rolle eben…

  9. Oktober 28th, 2007 | 14:37

    Schade :cry:

  10. Marcus (31)
    Oktober 28th, 2007 | 18:23

    ja, er fällt nicht weiter auf. da ist brolin in seiner nebenrolle schon präsenter. wie schon gesagt: die kleineren rollen sind doch zumeist eher uninteresant.

    PS: rudi, Du kannst Dich ja mal an den betreiber dieses blogs wenden….;)

  11. Oktober 28th, 2007 | 18:35

    [quote comment="3062"]PS: rudi, Du kannst Dich ja mal an den betreiber dieses blogs wenden….;)[/quote]

    Ach, meine Zeit wird noch kommen und dann werde ich mehr PV's sehen, wie alle Menschen zusammen! *wahnsinniglach*

  12. Oktober 28th, 2007 | 19:28

    [quote comment="3063"]Ach, meine Zeit wird noch kommen und dann werde ich mehr PV's sehen, wie alle Menschen zusammen! *wahnsinniglach*[/quote]

    So wohl aber nicht, denn a) ist das Apostroph bei PV ein Deppenapostroph und b) heißt es nicht 'wie' sondern 'als'. *wahnsinniglach* :razz: :wink:

  13. Oktober 28th, 2007 | 21:35

    Ach, meine Zeit wird noch kommen, dann werde ich zuerst die deutsche Sprache nach meinen Wünschen reformieren und dann alle Germanistik-Studenten "entsorgen" :roll:

  14. Oktober 28th, 2007 | 23:06

    [quote comment="3067"]Ach, meine Zeit wird noch kommen, dann werde ich zuerst die deutsche Sprache nach meinen Wünschen reformieren und dann alle Germanistik-Studenten "entsorgen" :roll:[/quote]

    Oha! *gleichmaldemadminmelden* :shock: :mrgreen:

  15. November 5th, 2009 | 17:49

    [quote comment="3039"]Aber wie war denn jetzt Ejiofur?[/quote]

    Hmm, nicht der Rede wert – kleine Rolle eben…

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