Weites, kaltes Land

The Three Burials of Melquiades Estrada
(Tommy Lee Jones, USA/Frankreich 2005)
DVD

Western waren zugegeben noch nie so wirklich mein Genre. Doch wenn ich dann einen sehe, dann bin ich meist richtig froh und überrascht, wie wenig weh sie doch tun. Zuletzt so geschehen bei THE OX-BOW INCIDENT, den ich nach wie vor für einen der besten Western halte. Nun ist Tommy Lee Jones (Kino-)Regiedebüt ja aber kein richtiger, altbackener Western, eher so was wie ein Neo-Western. Doch ist seine Schlagkraft deshalb auch geringer? Oh nein, im Gegenteil. Jones' moderner Western entwickelt sich im Laufe seiner Spielzeit zu einer wahren tour de force, einem unbequemen Stück Film, das keine Gefangenen macht. The Three Burials of Melquiades EstradaDabei setzt Jones aber weniger auf harte Action als auf elegische Bilder, welche den amerikanischen Süden selten zuvor so farbenprächtig, ja episch, in Szene gesetzt haben. Es geht um Freundschaft, um Rassismus und kaputte Psychen, um Charaktere, die mit ihrem Leben unzufrieden sind und dringen den nächsten Schritt gehen müssen.

THREE BURIALS ist ganz großes Erzählkino, das keinen seiner vielen Charaktere auf der Stecke lässt, sondern stets den Fokus richtig setzt. Die schwüle Hitze des Südens spürt man förmlich auf der Haut, die weite Reise von Texas in ein kleines Dorf nach Mexiko scheint man mit den beiden Protagonisten (toll: Barry Pepper) quasi mit zu bestreiten. Schön, dass es Jahrzehnte nach dem Zenit der Western noch immer solche Filme gibt. Filme, die sich in Zeiten von Begriffen wie "Popcornkino" oder "Blockbuster" eben nicht zu diesen zählen lassen. Man kann sich der Bilderflut von THREE BURIALS, der in Cannes zwei Palm d'Ors abräumte, nur schwer entziehen, denn das Gesehene wirkt ganz bestimmt nach. (8/10)


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5 Kommentare zu “Weites, kaltes Land”

  1. Dezember 4th, 2007 | 16:49

    THREE BURIALS ist ganz großes Erzählkino, das keinen seiner vielen Charaktere auf der Stecke lässt, sondern stets den Fokus richtig setzt.

    Das, sowie die Wertung, kann ich leider gar nicht teilen, fand die Geschichte des Films total belanglos, welche auch ein großartiger Barry Pepper nicht retten konnte. Da hatte ich mir mehr erwartet.

  2. Dezember 4th, 2007 | 16:53

    Aber Western magst Du prinzipiell, oder? Aber das Ganze 'belanglos' finden!? Ich meine, hier geht es um ein großes politisches Thema, Freundschaft und Sühne. Das halte ich alles andere als 'belanglos'! :wink:

  3. Dezember 4th, 2007 | 17:46

    Moment, ich schau mal eben nach bei mir…zum einen "Jones und Arriaga zeigen uns viele Charaktere, von denen eigentlich keiner etwas mit der Handlung oder ihrem Verlauf zu tun hat" und "der Film wird nach gut einer Stunde eintönig und relativ uninteressant" oder auch "Hier wurde versucht aus sehr wenig sehr viel heraus zu holen und es bleibt unverständlich wieso Arriaga in Cannes für das Drehbuch ausgezeichnet wurde".

    Aber Western magst Du prinzipiell, oder?

    Generell habe ich nicht gegen Western, hab mir den Film ja extra im Kino angesehen (und da geh ich nur rein, wenn ich einen Film wirklich als sehenswert erachte).

  4. Dezember 4th, 2007 | 18:48

    Oha. :???:

  5. Dezember 7th, 2007 | 18:40

    [...] equilibriumblog.de/wordpress/2007/12/04/weites-kaltes-land/ (Weites, kaltes Land … Es geht um Freundschaft, um Rassismus und kaputte Psychen, …) [...]

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