»War is coming Lyra.«
The Golden Compass
(Chris Weitz, USA/UK 2007)
Kino
Weihnachtszeit, Familienfilmzeit – THE CHRONICLES OF NARNIA hat es letztes Jahr vorgemacht, THE GOLDEN COMPASS macht es dieses Jahr nach. Doch ist das, was da auf der Leinwand flimmert, riesige Eisbären, die Menschen zerquetschen und Hexen, die ihre Gegner mit Pfeilen aufspießen, wirklich was für die Kleinen?
Definitiv nicht – zumal jeder Tod durch den Tierdämon, der zu leuchtendem Staub zerfällt, zusätzlich visualisiert wird. Da möchte ich wirklich nicht in einer kleinen (wobei, die FSK gab ihm ja immerhin eine 12er-Freigabe) Kinderseele stecken. Natürlich liegt im Großen und Ganzen der Fokus aber auf einer kinderfreundlichen Erzählung, die allerdings des Öfteren ins Unverständliche abdriftet. Sie ist wild, wechselt die Handlungsorte häufiger als mancher die Unterhose und wirkt vor allem gegen Ende viel zu schnell abgespult. Klar, es läuft auf den zweiten (und dritten) Teil hinaus, das wird hier überdeutlich klar gemacht. Doch muss ein Schluss wirklich so überkandidelt sein?
Doch erstmal genug der Kritik, denn THE GOLDEN COMPASS hat auch seine guten Seiten, das kann man nicht von der Hand weisen. Die Animationen der Tiere sind grandios, allen voran jene des Eisbären Iorek Byrnison (im Original gesprochen von Ian McKellen) – da scheint jemand wirklich was vom diesjährigen Bay-Kracher gelernt zu haben.
Sowieso sind Kostüme, Ausstattung und Details zum dahin schmelzen, angefangen von den imposanten Städten über den Zeppelin, bis hin zum ewigen Eis. Das fasziniert dann nicht nur die Kleinen. Es ist nämlich genau jene Welt, die zur Weihnachtszeit, zur besinnlichen Zeit am besten funktioniert, nach der sich die Leute sehnen, vor allem wenn am Heiligen Abend mal wieder kein Schnee liegt. Zudem lebt Weitz' Film nicht nur von seinen schönen Welten, sondern auch von der Masse seiner Stars, denn sogar Christopher Lee ist sich für seinen 10-sekündigen Auftritt nicht zu schade (und wird im Abspann sogar als drittes genannt).
Doch auch die weniger bekannte, kleine Dakota Blue Richards, für die es die erste große Rolle ist, kann auf ganzer Linie überzeugen – ob das wohl am Vornamen liegt? Sie ist die typische kleine Besserwisserin, aber jene, die man trotzdem gern hat.
Und auch ihre Freunde sind zum knuddeln, klar, die Eltern sollen ja emotional ja auch irgendwie mit einbezogen werden. Ich, weder Kind, noch Elternteil, empfand das Ganze nach dem Abspann dann aber doch etwas zu trivial. THE GOLDEN COMPASS ist eye candy in Reinform, ein mathematisch genau berechneter Blockbuster, der es mit seiner Zielgruppe jedoch schwer haben wird. Denn wie gesagt, für die Kleinen ist es gewalttechnisch zu explizit, für die Großen hingegen einfach zu belanglos. Der Film ist einfach zu durchschauen, denn seine optischen und darstellerischen Reize sind vital für ihn. Ohne diese könnte THE GOLDEN COMPASS auch getrost im Abendprogramm RTLs oder ProSiebens laufen. Ob ich im kommenden Jahr dem zweiten Teil beiwohnen werde, steht also noch in den Sternen. (6/10)
Tags chris weitz, daniel craig, nicole kidman, the golden compass
6 Kommentare













Klingt ja nun gar nicht so schlecht. Werde ihn mir wohl heute Abend ansehen. Fantasyfilme haben bei mir sowieso einen gewissen Bonus. :)
Ja, schlecht ist er auch nicht, nur eben mehr fürs Auge als den Verstand. Viel Spaß Dir. :smile:
Stimme dir in allen Punkten zu ~
Ich empfand aber auch den Anfang einfach zu verwirrend mit den vielen Namen…
Danke. Das mit den Namen stimmt, wusste lange Zeit auch nicht, wer jetzt wer ist.
Also ich fand da einige Szenen nicht so ganz für Kinder geeignet, aber die sind sowas ja heutzutage gewöhnt.
Abgeschlagene Unterkiefer? Kein Problem, sowas sieht man doch heute im frühen Abendprogramm! Oder nicht?
Also ich hätte mich als 12 Jähriger manchmal gefürchtet, aber ich hatte damals auch bei Ghostbusters Angst, bin da wohl nicht ganz repräsentativ.
Ansonsten aber ein toller Film, bin nur traurig, dass ich den in der Sneak gesehen hatte und deshalb doch nicht geschafft hatte, das Buch vorher ganz zu lesen.
Ich werde dem zweiten Teil auf jeden Fall beiwohnen, werde mir wahrscheinlich sogar Narnia ansehen, "The Subtle Knife" dann auf jeden Fall.
Dakota fand ich toll, besonders der Akzent. Also ich habe viel erwartet und wurde nicht enttäuscht, meiner Meinung nach der beste Fantasy Film der letzten Jahre.
Ja, im Original klingt sie toll, aber musste den leider in der Synchro sehen… :sad: