Mit der Geburt folgt der Tod
Eastern Promises
(David Cronenberg, USA/UK/Kanada 2007)
Kino
Es ist Winter im sonst ebenfalls kalten London. Doch irgendetwas scheint die englische Hauptstadt noch mehr zu kühlen, seine Straßen leergefegt aussehen zu lassen und lediglich finstere Gestalten zu beleuchten. Kein Wunder, man hat es hier ja schließlich auch mit einem Film des kanadischen Ausnahmeregisseurs Cronenberg zu tun. Dieser betrat mit seinem vorherigen Thriller A HISTORY OF VIOLENCE quasi Neuland, Mainstreamneuland. Cronenberg ist kommerzieller geworden, offener für die breite Masse. Natürlich haben auch seine Gewaltfabel und EASTERN PROMISES Cronenberg’sche Züge, aber mit einem DEAD RINGERS oder VIDEODROME hat das nicht mehr viel gemein, leider. Für sich genommen ist EASTERN PROMISES natürlich kein schlechter Film, aber wer das Oeuvre Cronenbergs kennt, dem fehlt da einfach etwas. "Sometimes birth and death go together.", meint Naomi Watts' Figur an einer Stelle und da wäre auch schon so ein typisches Element Cronenbergs – von der oft zitierten Saunaszene, die in der Tat das Highlight des Filmes darstellt und ebenso intensiv wie komisch ist, ganz zu schweigen.
Cronenbergs Quasifortsetzung zu A HISTORY OF VIOLENCE ist diese nicht nur ob seiner Darsteller (Watts ersetz quasi Maria Bello), sondern auch auf Grund seiner Thematik und Inszenierung. EASTERN PROMISES ist ebenfalls nichts anderes als eine Reflektion über (organisierte) Gewalt, deren Auswirkung und Urheber. Diese wird kompakt in den Thrillerplot eingefügt, der bisweilen aber doch zu kompakt und zu unsubtil daherkommt. Und wenn sich Nikolai (Mortensen) und Anna (Watts) gegen Ende hin sogar näher kommen, dann ist der geneigte Cronenbergrezipient doch etwas enttäuscht über diesen Griff Cronenbergs in die Klischee- und Dramaturgiekiste. Der Film hat großes Potenzial, keine Frage. Vieles davon weiß er auch durchaus gut zu nutzen, aber was am Ende fehlt ist einfach dieses gewisse Etwas, das Gefühl, gerade etwas Besonderem beigewohnt zu haben (wie es bspw. bei seinen älteren Filmen größtenteils der Fall ist). EASTERN PROMISES ist in erster Linie ein Thriller über die Machenschaften der russischen Mafia in Großbritannien, das war von vornherein klar. Das war ja auch bei A HISTORY OF VIOLENCE nicht anders, nur konnte Cronenberg hier wenigstens noch mit Subtilität und Anderem punkten.
Wie gesagt, als eigenständiger Thriller – und vielleicht will der Film dieses Mal ja auch einfach nicht mehr sein – funktioniert das Ganze vorzüglich, auch wenn der "Plottwist" gegen Ende alles andere als überraschen daherkam. Er ist schön düster, zeigt nicht die guten (Touristen)Seiten Londons, sondern seine dreckigen, die von Paten (Armin Müller-Stahl) und deren Handlangern regiert werden. Dabei ist Mortensen wirklich eine Offenbarung, so schön schmierig und authentisch spielt er. Nicht anders verhält es sich mit Vincent Cassel, der die Rolle des hyperaktiven Psychopathen zwar für sich gebucht zu haben scheint, aber immer wieder aufs Neue damit überzeugen kann. Es gibt aber auch Enttäuschungen, nämlich Armin Müller-Stahl. Vor kurzem erst mit dem Bambi ausgezeichnet, liefert er hier eine Leistung ab, die alles andere als groß ist. Zu gelangweilt und geistesabwesend wirkt er, zu unauthentisch in seiner Rolle als Mafioso. Da verlagert man in seinen Szenen den Fokus eben auf Howard Shores Score, der einmal mehr vital zur Atmosphäre beiträgt und unter die Haut geht. Ja, es gibt sie, die Cronenberg'schen Momente, nur machen ein paar Momente noch keinen ganzen Cronenberg-Film. (7-8/10)
Tags david cronenberg, eastern promises, naomi watts, viggo mortensen
14 Kommentare













Abgesehen vom Score decken sich unsere Ansichten über den Film fast 1:1 :eek: Hast dir auch so eine hübsche FHM geschnappt? :wink:
Klar, wobei ich nach dem ersten Durchblättern und querlesen (ja, da liest man auch drin :mrgreen: ) nicht viel Interessantes erkennen konnte. Auf Rihanna, dieses zugeschminkte Püppchen kann ich getrost verzichten, aber die Russin aus HITMAN ist auch drin – und heiß! :shock: :grin:
Freu mich total auf den Film. Hast du den in der Sneak gesehen?
Nein, Vorabpreview im Rahmen der CinemaxX-Men's-Night. Viel Spaß Dir jedenfalls. :smile:
Danke. :) Vorher gehts aber erst mal in BEE MOVIE. Nach der RATATOUILLE-Sichtung hat meine Freundin Gefallen an Animationsfilmen gefunden. Die Kritiken sind zwar beschissen, aber was macht man nicht alles ;)
Bei BEE MOVIE habe ich schon die Pressevorführung sausen lassen – und das soll was heißen. Aber dennoch viel Spaß, denn was tut man nicht alles für die Frauen, nicht? :wink:
Meine Augen wanderten eher zu Miriam Wimmer :oops: :wink:
Wer ist das denn? *nachschlag*
Das ist die Moderatorin von diesen depperten Call-In-Shows auf 9Live "Money Express" oder so ähnlich heißt die. :mrgreen:
Also ich finde diese Anspielungen darauf, dass Cronenberg jetzt Kommerz macht unpassend. Ich denke er wollte in seinem Alter einfach nochmal die Richtung wechseln, nachdem seine früheren Filme ja schon teilweise sehr experimentell sind (Videodrome etc.).
Schon alleine weil ich Vielfalt bei Regisseuren bevorzuge und nicht das bloße Bedienen eines Genres finde ich den Schritt gut und mir käme auch garnicht in den Sinn den Film dafür zu kritisieren.
Ich denke aber das ich den Film in Kino ignorieren werde, schließlich kommt der Film ja schon am Mittwoch auf HD-DVD raus.
Kenne ich nicht. :razz:
@Peter
Ja, kann Dich durchaus verstehen, aber selbst als Thriller ist das Ganze des Öfteren einfach zu schematisch und simpel. Die HD DVD wollte ich mir auch holen, aber da die sicher nicht mehr bis Ende des Jahres da wäre, habe ich mich für's Kino entschieden. :wink:
Ich flieg am 6. nach Chicago, da kauf ich mir die einfach bei Target :mrgreen:
*neid*
Hab ihn jetzt doch noch gesehen. Hast recht, kitschig und vorhersehbar ist der Film, aber dank der wirklich guten Schauspieler ist er trotzdem sehenswert.
Außerdem macht der Film auch optisch einiges her, denke das ist einer der visuell herausragendsten Filme von Cronenberg.