»At last! My arm is complete again!«

Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street
(Tim Burton, USA/UK 2007)
Kino

Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet StreetBurtons neuer Film ist wohl der Film der Golden Globes – und auch bei den Oscars wird es wohl nicht anders aussehen. Jeder Burton-Fan bekam schon nach dem Poster feuchte Hosen, vom Trailer und den unzähligen Ausschnitten der Musikeinlagen ganz zu schweigen. Nun, zu den Fans Burtons würde ich mich als letztes zählen, MARS ATTACKS! ist nett, SLEEPY HOLLOW ebenfalls, das Remake von PLANET OF THE APES bleibt am besten unerwähnt. Mehr seiner Filmografie kenne ich bisher nicht. Dennoch war die Vorfreude groß, nicht zuletzt auch wegen der Mischung aus Broadway-Musical und Spielfilm, welche sich nun als großartig herausstellte. Außer einigen Bollywoodstreifen würde mir jetzt ehrlich gesagt auch kein Film einfallen, der diese "Symbiose" so konsequent eingeht und noch erfolgreich dazu. SWEENEY TODD öffnet bereits mit gesungenen Dialogen, gibt die Richtung von Beginn an vor, sowohl in Hinsicht auf die dunkel angehauchte Story als auch auf die vielen Musikeinlagen.

Dabei ist Erstere gar nicht mal so komplex, vielmehr erinnert sie an eine klassische Tragödie: Ein Mann verliert durch die Machthaber sein Hab und Gut (inklusive Frau und Tochter), kehrt Jahre später zurück und rächt sich an seinen Peinigern… Klingt nicht unbedingt nach einem Stoff, der noch nie verfilmt wurde, richtig. Doch gab es das schon mal mit solch einer dunklen Grundstimmung, solch einer fantastischen Mischung aus Gesang und Dialog? Ich denke nicht. SWEENEY TODD wird in erster Linie von einem großartigen Johnny Depp getragen, keine Frage. Er ist mit Leib und Seele dabei, das merkt man jede einzelne Sekunde der knappen zwei Stunden, die der Film für sich beansprucht. Doch damit nicht genug, denn auch der restliche Cast, allen voran Helena Bonham Carter, liefert eine Performance ab, die den Kinobesuch allein schon deshalb rechtfertigt – und wie oft geht man ins Theater/die Oper, wegen des Schauspielers und nicht unbedingt wegen des Stückes? Wie gesagt, an Superlativen kann man in Hinsicht auf die Darsteller wirklich nicht genug anführen (okay, Rickman ist vielleicht der einzige, der – sagen wir nicht unbedingt – gut singen kann).

Burtons Neuer scheint schlichtweg perfekt zu sein – neben dem Genannten vor allem einmal mehr in der Farbgebung und den einzelnen Einstellungen -, wäre da nicht doch der ein oder andere kleine Schönheitsmakel. Zum einen gibt es einige kleine Längen, auf denen zu lange herumgetrampelt wird (die Liebe des Richters zu seiner Tochter, einige Gesangseinlagen). Der Fokus scheint einige Male dann doch nicht fokussiert genug und so eröffnet SWEENEY TODD dann doch auch mal den ein oder anderen kleinen Nebenkriegsschauplatz, wodurch dann auch die genannten Längen entstehen. Von dem Gesangseinsatz, der natürlich bisweilen redundant wirkt, mal abgesehen. Des Weiteren kommt das Ende weiß Gott zu abrupt und zu unausgegoren daher, lässt einige Charaktere sogar vollkommen auf der Strecke. Man sitzt in seinem Sessel und ist sich nicht sicher, ob das wirklich schon der Abspann ist, der da über die Leinwand flimmert. Aber sei es drum, denn angesichts der vorherigen 110 Minuten, in denen der Film einfach nur magisch erscheint, fällt das Genannte nicht groß ins Gewicht.

SWEENEY TODD ist nichts für Leute, die mit Musicals, Theater oder ähnlichem überhaupt nichts anfangen können. Vielmehr ist es noch immer ein Broadwaystück, ausgeschmückt und leicht gestrafft. Die Musik ist episch, kräftig sowohl in ihrer Prämisse, als auch in ihrer Performance. Das bezieht sich jedoch keinesfalls nur auf den Gesang der Darsteller, bei dem man sowieso kaum glauben kann, dass dieser tatsächlich von ihnen selbst stammen soll, sondern auch auf die Musik selbst, die in ihrer Größe kaum greifbar scheint. Noch lange nach dem Abspann wird die Musik in den Ohren klingen, wirken und dafür sorgen, dass man den dämonischen Barbier, der besonders in der zweiten Hälft extrem düster und diabolisch gerät, nicht so schnell aus dem Gedächtnis verliert. Mit SWEENEY TODD ist Burton einer der besten Filme des Jahres gelungen – und das sage ich schon jetzt, wo noch nicht einmal der erste Monate des Jahres zu Ende ist, ja! Groß, ganz groß! (9/10)

Erscheint bei X-RATED


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11 Kommentare zu “»At last! My arm is complete again!«”

  1. Januar 19th, 2008 | 14:33

    (…) und so eröffnet SWEENEY TODD dann doch auch mal den ein oder anderen kleinen Nebenkriegsschauplatz, wodurch dann auch die genannten Längen entstehen.

    Dabei gibt es in Sondheims Musical ja noch sehr viel mehr Nebenkriegsschauplätze, die allesamt für die Konzentration auf Todd verloren gingen.

  2. Januar 19th, 2008 | 14:42

    @therudi

    Schon das Musical gesehen?

  3. Januar 19th, 2008 | 14:43

    @therudi

    Schon das Musical gesehen?

    Nee, aber gelesen, dass es sehr viel länger ist und sich auf Nebenfiguren auch konzentriert :wink:

  4. Januar 19th, 2008 | 18:21

    Wie, du kennst die drei ultimativen Burton-Meisterwerke EDWARD SCISSORHANDS, BATMAN RETURNS und ED WODD nicht? :shock: Nachholen!

    Ansonsten: Schön, dass er dir gefallen hat. Das Ende fand ich gut. Zumal Anthonys/Joannas Schicksal besiegtl ist,l wenn sie sagt: "I never had dreams, only nightmares.". Ein glückliches Ende kann es für beide nicht geben, dass Burton hier nicht weiter nachbohrt, gefiel mir sogar gerade gut. Das Schluss bild fand ich großartig, lediglich die Tatsache, dass der kleine Toby regelrecht wahnsinnig wird, hätte Burton wie im Musical mehr betonen können.

    @Rudi:
    Man muss nicht immer so überscharfe Vergleiche zwischen Vorlage und Umsetzung ziehen. Nicht jede Änderung ist schlecht, ebenso wie es keine Regel gibt, je drastischer die Veränderungen, desto schlechter das Resultat. Ich finde nahezu alle Entscheidungen, die Burton getroffen hat bei der Adaption, völlig richtig und gut begründet. Aber mehr dazu in der nächsten Deadline. :wink:

  5. Januar 19th, 2008 | 18:22

    ed woDd natürlich

  6. Januar 19th, 2008 | 18:22

    arghs, nein. woOd *gg*

  7. Januar 19th, 2008 | 18:55

    Man muss nicht immer so überscharfe Vergleiche zwischen Vorlage und Umsetzung ziehen.

    Back off! :mrgreen: Hatte das ja nur erwähnt, weil Cleric meinte, der Film hätte Längen :wink: Zudem kenn ich die Vorlage gar nicht (und das ist in meinem Fall wohl auch besser so *g*).

    Wie, du kennst die drei ultimativen Burton-Meisterwerke EDWARD SCISSORHANDS, BATMAN RETURNS und ED WODD nicht? :shock: Nachholen!

    Auf jeden Fall, Cleric :razz:

  8. Januar 20th, 2008 | 0:24

    Jajaja! :razz:

  9. Delle (16)
    Januar 20th, 2008 | 20:04

    Grämmy besorg mir mal nen Link zu nem Poster. Brauch eins :fall: Meinetwegen auch zum selber drucken :mrgreen: Hab nur des zum Kaufen gesehen wo Depp aufm Sofa sitzt, aber des ist doof! ^^

  10. Januar 20th, 2008 | 21:10

    Hmm, habe auch keines zum Kaufen gefunden (so auf die Schnelle), aber hier ist ein Link zu allen HiRes-Postern: http://www.filmz.ru/film/3263/posters/

  11. Delle (16)
    Januar 21st, 2008 | 7:48

    joa danke ^^ needs bigger :mrgreen:

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