Heart of Glass

We Own the Night
(James Gray, USA 2007)
Kino

We Own the NightDie Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weißen. Die Ähnlichkeit, die James Grays Film in Hinsicht auf den besten Film des vorletzten Jahres – zumindest laut der Academy -, THE DEPARTED, besitzt. Das ist ja nicht weiter schlimm, aber es zeigt sehr deutlich, dass es in WE OWN THE NIGHT nichts, absolut gar nichts Neues zu sehen gibt (was es bei Scorseses Film streng genommen ja auch nicht gab). Auf der einen Seite befinden sich die Drogenbosse, einmal mehr Russen, auf der anderen die Guten, Cops wie Mark Wahlberg – um die dritte Brücke zu Scorseses Film zu schlagen – und Robert Duvall. Dass das natürlich nicht gut gehen kann, ist so offensichtlich wie Nicolas Cages schwindendes Haar. Umso erstaunlicher also, dass es Gray dennoch gelingt, den Karren nicht gegen die Wand zu fahren, sondern einen recht spannenden Thriller aus dem Stoff zu stricken. Diese Tatsache hat er aber auch dem Cast zu verdanken, keine Frage. Mark Wahlberg, Robert Duvall und Joaquin Phoenix, diese drei Namen tragen den Film, heben ihn aus all dem Thrillereinheitsbrei heraus. Natürlich schöpft keiner sein Potential voll aus, doch das müssen sie auch gar nicht.

Ganz anders verhält es sich mit Eva Mendes. WE OWN THE NIGHT verweist sie einmal mehr auf die zweite Bank, ja verschenkt die Frau, die hier nicht einmal als eye candy einen guten Job macht. Vielmehr ist sie nervender Ballast, der die Flüssigkeit des Filmes nur aufhält und unnötige Nebenschauplätze eröffnet. Vom farblosen Bösewicht und dessen Klischeebeladenem Anhang ganz zu schweigen. Doch genug geschimpft, denn damit wären auch schon alle Schwächen von WE OWN THE NIGHT angeführt. Reden wir lieber über das Positive, wie beispielsweise den tollen Soundtrack, der die 80er authentisch wieder belebt und mit Blondie genau meinen Geschmack trifft. Ferner muss man ihm auch eine gewisse Emotionalität anrechnen, die zwar nie so tief geht, wie beispielsweise ein INFERNAL AFFAIRS (無間道), aber dennoch einige tolle Szenen vorzuweisen hat (auch wenn die Beerdigungsszene, die zu ebendiesen zu zählen ist, fast 1:1 aus THE DEPARTED – ein weiterer Cent in die Erwähnungskasse – übernommen zu sein scheint). Salopp könnte man aber auch sagen, dass der Film sich durch Pathos und Gewalt rettet. Das Pathos ist hier groß, weiß aber vor allem gegen Ende hin zu gefallen. Und auch in Sachen Gewalt geht man im Vergleich mit anderen recht weit.

WE OWNT THE NIGHT wird niemals so weit kommen wie es THE DEPARTED oder AMERICAN GANGSTER (wenn auch zu Unrecht) taten, doch das ist auch nicht weiter schlimm. Er will nichts besonderes sein, versucht nicht zwanghaft episch oder tiefgehend zu wirken. Er erzählt ganz einfach eine konventionelle Geschichte, ist dabei leicht überdurchschnittlich und sorgt für knappe zwei Stunden kurzweilige Krimiunterhaltung. Ein weiterer massenkompatibler, netter Thriller Marke Hollywood eben. (7/10)


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4 Kommentare zu “Heart of Glass”

  1. R3 (206)
    Januar 26th, 2008 | 17:47

    Er will nichts besonderes sein,

    Mit so einem Satz sprichst du implizit einer Fülle an Filmen die Qualität ab. Gefährlich.

    Ein Film muss nichts besonderes sein wollen, um besonders zu sein. Ganz im Gegenteil scheitern diese selbsternannten besonderen Filme meist an ihrem eigenen Anspruch.

    Dass Hollywood Massenware wie Departed, American Gangster oder ein x-beliebiger Thriller nicht zu höheren filmischen Ehren berufen sind, dürfte generell klar sein.

  2. Januar 26th, 2008 | 17:52

    Da hast Du vollkommen Recht (löl, nicht? :lol: :wink: ), das war ein wenig unglücklich formuliert. :wink: Wobei ich der Meinung bin, dass man DEPARTED allein schon wegen Nicholson ansieht, dass er größer sein will, als er letztlich ist.

  3. Januar 26th, 2008 | 18:46

    DEPARTED wird ja zu etwas größerem gemacht, als er ist, denn was DEPARTED ist, ist armselig :cool: Mich macht WOTN aber generell nicht an, die Thematik ist echt ausgelutscht, hat man an AG gesehen, zudem haben Gray, Wahlberg und Phoenix bereits mit THE YARDS eine fast identische Geschichte, bzw. viel zu ähnliche Geschichte erzählt :roll:

  4. Januar 26th, 2008 | 19:10

    Oha, wusste gar nicht, dass die beiden schonmal mit Gray zusammen gearbeitet haben… :shock:

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