Teleporter in die nasse Bibliothek

Jumper
(Doug Liman, USA 2008)
Kino

‘Jumper’Mit der Kraft der Gedanken in sekundenschnelle an jeden beliebigen Ort der Welt kommen? Ein Leben in Saus und Braus führen – man kann ja schließlich ungestraft Geld rauben – und dabei nie an Konsequenzen denken müssen? Ja, da dürfte wohl niemand groß etwas gegen haben, oder? Jumper setzt genau hier an, versetzt und nach einer kurzen aber unbefriedigenden respektive konventionellen Erklärung des Phänomens in die Lage Davids (Hayden Christensen). Würde ich genau so wie er handeln, würde ich nur an mich selbst denken – oder meine Kräfte auch für das Gute einsetzen? Doug Liman, der mit The Bourne Identity und Mr. & Mrs. Smith ja schon über reichlich Actionerfahrung verfügt, beginnt seinen Film bereits subtiler, als er auf den ersten Blick zu sein scheint. Popcornkino fürs junge Publikum, klar. Aber dabei verfährt er ab einem gewissen Punkt (Bully und Jugendliebe) nicht mehr in konventionellen Bahnen, sondern hebt sich von einem Spider-Man und dergleichen deutlich ab. Er denkt gar nicht darüber nach Gutes zu tun, da kann die Nachrichtensprecherin im TV hundert Mal etwas von einem nötigen Wunder erzählen.

Davids Figur ist ein Antiheld, ein Rabauke, der sich noch nie groß an Gesetze oder Regeln hielt – erst recht nicht an familiäre. Ja, ich war in diesem Aspekt wirklich überrascht, hätte ich solch dunkle Töne und diese Tiefe doch so rein gar nicht erwartet. Für PG-13 wird hier ordentlich gekämpft und gemeuchelt, dass es doch öfter mal wehtut. Das ist auch nicht unbedingt comichaft überzeichnet – wie man eigentlich erwarten würde -, sondern zeigt, dass man selbst als Super(anti)held auch noch Schmerzen haben kann und anderen zufügen kann. Das bekommt auch Kollege Jamie Bell (kann der auch ordentliches Englisch sprechen?) mit, der innen noch weitaus dunkler und frustrierter ist als David – es herrscht Krieg und dieser hat ihn verändert. Zugegeben, die ganze Rahmenhandlung ist ziemlicher Bullshit, angefangen bei der total blass bleibenden Figur Samuel L. Jacksons über den fehlenden Hintergrund der Paladins (jene, die die Jumper jagen), bis hin zu Hollywood’scher Dramatik, die wirklich alles unter sich begräbt – das (bereits beschlossene) Sequel lässt grüßen.

Doch bei Jumper überwiegen glücklicherweise die tollen Momente, jene, mit denen man nicht gerechnet hat. Die wunderschönen Originalschauplätze – Rom ist sowieso eine der tollsten Städte der Welt -, für die Länge des Filmes beachtliche Tiefe des Protagonisten und die schön straight und ohne zu viel Einsatz von CGI komponierte Action. Man merkt es dem Film besonders in letzteren wirklich an, was er davor machte. Hayden Christensen wird nie einen Oscar für die beste männliche Rolle bekommen, dafür erinnerte er auch hier zu oft an seine geballte Mimik aus Star Wars, aber für seine Figur ist er wirklich eine gute Besetzung. Jamie Bell hingegen wirkt leicht verschenkt, wie auch Diane Lane, bei der man eigentlich nur von einem Cameo sprechen kann. Jumper versteht es einerseits interessante Ansätze zu liefern und andererseits mit dem zu unterhalten, was man von ihm erwartet. Natürlich ist das kein Film der eine Halbwertszeit wie bspw. Spider-Man (ich weiß selbst nicht, warum ich ihn die ganze Zeit damit vergleiche) besitzt, aber für seine 90 Minuten entführt er buchstäblich in eine Welt, von der jeder schon mal träumte. Und das schaffen auch nicht alle Filme. (7/10)


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10 Kommentare zu “Teleporter in die nasse Bibliothek”

  1. Februar 25th, 2008 | 18:14

    Naja, SPIDERMAN ist da doch schon sehr viel besser und Bells Englisch ist relativ gut verständlich, so viel tiefsinniges sagt er ja auch nicht :mrgreen: An sich geh ich aber d'accord mit dir (du "Rabauke" :lol: )

  2. Februar 25th, 2008 | 18:25

    Also ich hatte auch nicht groß Probleme Bell zu verstehen (wäre schlimm, wenn es so wäre :wink: ), aber so ein komisches, vernuscheltes (BE) Englisch habe ich einfach noch nicht gehört. Und 'Rabauke' ist ein tolles Wort. :razz:

  3. AHTB (63)
    Februar 25th, 2008 | 18:54

    Ist für den nächsten "Männerabend" im Cinemaxx schonmal notiert, danke fürs Review!

  4. Februar 25th, 2008 | 19:31

    Mir fällt bisher nur ein Grund ein, den Film zu sehen
    Dieser Grund trägt den Namen Rachel Bilson. :razz:

  5. David (113)
    Februar 26th, 2008 | 1:05

    "Dieser Grund trägt den Namen Rachel Bilson"
    Und ich musste eben erstmal nachgucken, wer das überhaupt ist :oops:

  6. Februar 26th, 2008 | 16:07

    @david: Nie "the O.C." gesehen? Also wirklich. Sie Banause, sie. :wink:

  7. Februar 26th, 2008 | 16:13

    Pff, die hat eh Tonnen zu viel Schminke drauf… :razz:

  8. Februar 26th, 2008 | 16:30

    Mag sein, aber ganz generell (also auch ohne Schminke) ist Fräulein Bilson meiner Meinung nach definitiv nicht zu verachten.

  9. Juli 24th, 2008 | 23:28

    [...] Equilibrium: 7/10 [...]

  10. November 5th, 2009 | 17:54

    Pff, die hat eh Tonnen zu viel Schminke drauf… :razz:

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