Da ist das Mammut noch das kleinste Problem
10,000 B.C.
(Roland Emmerich, USA/Neuseeland 2008)
Kino
Von Roland Emmerich, allem Lokalpatriotismus (wir sind in derselben Stadt geboren und aufgewachsen) zum Trotz, auch nur annähernd etwas wie einen intelligenten Film zu erwarten, wäre pure Zeitverschwendung, keine Frage. Waren seine Filme bisher wenigstens ein Garant für das so genannte Popcornkino – ich liebe Independence Day, kann Godzilla etwas abgewinnen und habe auch Universal Soldier und The Patriot sehr gerne -, so zeigte er doch spätestens mit The Day After Tomorrow, dass es langsam aber sicher mit ihm Bergab geht. Und was soll ich sagen? Mit 10,000 B.C. hat er das tiefe Tal endgültig erreicht. Hier stimmt nämlich gar nichts. Angefangen beim dreisten Klau ganzer Szenen aus The Lord of the Rings und Jurassic Park über die schrecklich doofen Dialoge, bis hin zu den schlechtesten CGI, die man seit sehr langer Zeit im Kino gesehen hat. Selbst die Darsteller, die auf schneebedeckten Bergen agieren, wirken, als stünden sie in Wirklichkeit vor einem Bluescreen und die Landschaft würde später digital eingefügt. Für solch einen Film also schon fast ein K.O.-Schlag.
Ich hätte wirklich nie daran gedacht, dass mir Armin Müller-Stahl einmal auf die Nerven gehen würde, aber hier tut er es mit seinen altklugen Kommentaren aus dem Off – in der Originalversion wird das Ganze von Omar Sharif erzählt – bereits nach wenigen Minuten. Hier wollte Emmerich wohl epische Bereiche betreten, die er in Wirklichkeit aber nie auch nur annähernd betritt. Vielmehr wirkt das Geschehen bisweilen unfreiwillig komisch, dass es richtig wehtut. Die Geschichte, die er erzählt, ist von Hollywood schätzungsweise schon ein halbes Dutzend Mal erzählt worden, meist deutlich besser. Das einzige, das Emmerich tut, ist die Tatsache, dass er seine Geschichte in eine andere Zeit verlegt, diese aber keinesfalls historisch korrekt wiedergibt, sondern offensichtlich in die Fiktion flüchtet. Da treffen unsere Helden – man lese nur mal den Namen des Protagonisten D'Leh von hinten nach vorne – dann auch mal kurz auf die verschiedensten Völker der Erde und bewegen sich zwischen den Klimazonen hin und her, als sei das ein Eintagesmarsch. Doch das ist dann auch nur wieder ein Tropfen auf den heißen Stein.
10,000 B.C. versagt in allen filmischen Belangen. Wo die angeblichen 130 Millionen Dollar geblieben sind, ist angesichts dieser Katastrophe eine berechtigte Frage. In den CGI stecken sie sicher nicht. Vielleicht in den Darstellern? Keinesfalls, denn hier wirkt selbst Cliff Curtis wie eine Marionette, die neunmalkluge Sprüche von sich geben darf, nur um dann dem vermeintlichen Heldenschicksal zu begegnen… Selbst Camilla Belle, eine der attraktivsten Nachwuchsdarstellerinnen Hollywoods, sieht hier eher zum Abgewöhnen aus und spielt auch so. Was bleibt also positiv zu vermerken? Hmm, selbst nach längerer Überlegung bleibt dies lediglich die Musik, die dann doch einiges reißen kann, und vielleicht noch die überdeutliche Hommage an 300, die mich sogar zum Lachen – oder sagen wir besser Schmunzeln – brachte. Entschuldigung, Roland, aber so geht das nun wirklich nicht. Nicht einmal als absoluter No-Brainer funktioniert der Film, denn dafür sind Action und Effekte wiederum zu mies. Auch wenn ich mir sicher bin, dass der Film gut laufen wird, wohin soll das nur führen, wenn nicht einmal mehr Effekt-/Popcornfilme funktionieren? (2/10)
Tags 10.000 b.c., camilla belle, cliff curtis, roland emmerich
13 Kommentare













Soweit ich weiß, ist das Budget 75 Millionen gewesen, aber vielleicht sind auch nur 125 davon nach Liechtenstein gewandert :mrgreen:
Ja, dachte ich auch erst, bis ich dann das hier gelesen habe:
http://www.fr-online.de/in_und.....nt=1295613
Dazu finden sich aber auch andere Angaben, die von 75 Millionen sprechen.
Egal, denn selbst die wären viel zu viel.
Die erklären die jämmerlichen Effekte aber besser als das doppelte Budget :lol:
3 (recht lange) absätze, absolut nix gesagt außer "schauspieler doof, effekte doof, sprüche doof ==> film doof". wer ersetzt mir jetzt die gestohlene zeit?
Naja, für 75 Millionen sollte man gute Effekte erwarten können…
Ich jedenfalls nicht. :razz: Weiß nicht, was Du dem Ganzen abgewinnen konntest.
Liest sich fast wie ein Review zu Battlefield Earth :mrgreen:
[...] vernichtender Kritik vom Equilibrium-Blog wollte ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass 10,000 B.C. ein guter, abenteuerlicher Film werden [...]
Wo wir schon mal bei Namen von hinten nach vorne sind: Evoleht ist auch nicht gerade einfallsreich. :idea:
ich fand den film klasse. 0815 Geschichte mit einer unglaublich schönen frau und tränendrüseneffekt nachher. eine geschlossene geschichte, ohne offene fragen. warum haben andere leute blos dauernd ne andre meinung als ich? hmmm
Naja, für 75 Millionen sollte man gute Effekte erwarten können…