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Untraceable
(Gregory Hoblit, USA 2008)
Kino

‘Untraceable’"Where can I download this video?", heißt es kurz vor dem Abspann so schön. Das ist nicht nur eines der konsequentesten und schönsten Filmenden seit langem, sondern markiert zugleich auch auf schöne Art und Weise, wo sich der Film befindet, nämlich im Web 2.0. Egal ob YouTube, Clipfish oder MySpace – heute kann sich jeder binnen Sekunden selbst profilieren, egal ob es andere interessiert oder nicht. Doch damit nicht genug, denn warum sich selbst zum Idioten machen, wenn das auch mit anderen, meist völlig unbekannten Mitbürgern, geht? Das denkt sich auch unser Killer und schnappt sich – nachdem er mit einer Katze angefangen hat – den ersten Menschen, nur um ihn zu quälen und schließlich den Zuschauern buchstäblich zu Opfern. Letztere sind nämlich Komplizen, hat unser verstörter Killer das Ganze doch so eingerichtet, dass der Tod schneller eintritt, je mehr Leute sich in den Stream klicken.

Ja, man muss sich im World Wide Web schon etwas auskennen, um Untraceable folgen zu können – Stream ist da nämlich noch das geläufigste Wort. Aber die, die es treffen soll, die dürften sich schon damit auskennen, nämlich die Jugendlichen. Auch das macht der Film deutlich, denn auch wenn der erste Täter, den FBI-Agentin Marsh (Diane Lane) dingfest macht, ein älterer Herr ist, so musste ihm doch dessen Sohn helfen. Klar, man muss das schon hauptberuflich machen, um sich in diesen Gefilden auch noch im Alter auszukennen – oder eben Nerd sein, so wie Marshs Kollege, Griffin (Colin Hanks), der die 30 aber auch noch nicht groß überschritten haben dürfte. Nerd passt schon ganz gut, ja, denn mehr als ein Sidekick ist Hanks hier sowieso nicht. Ganz im Gegensatz zu Lane, die zwar um Jahre älter aussieht als noch in Jumper (immerhin traut sie sich dreiviertel des Filmes ohne Make-up rum zulaufen, was doch sehr lobenswert ist), dafür aber eine wirklich schöne Performance abliefert. Zu verdanken hat sie das dem Drehbuch, das, so konventionell es auch sein mag, erleichtert man es nur mal um die ganzen Cyberelemente, ihr doch ziemlich viel Platz einräumt und ihr durchaus auch Zeit für Entwicklungen gibt.

Natürlich ist es dabei kaum bis gar nicht verwunderlich, dass auch sie irgendwann ins Kreuzfeuer des Killers gerät, inklusive einem halben Dutzend Genreklischees und männlichem love interest, aber wenigstens hält der Film den Spannungsbogen stets aufrecht und überrascht mit einigen doch recht deftigen Szenen – Saw lässt grüßen. Wie gesagt, so neu und innovativ mag das Ganze ja gar nicht sein – ich las erst gestern, dass es dieses Szenario bereits in einer Episode von Criminal Minds gegeben haben soll -, aber es ist konsequent umgesetzt und auch ein gutes Quäntchen Satire ist immer wieder zu erkennen. Besonders der letzte Kampf des Opfers mit dem Täter, vom FBI auf riesigen Monitoren spannend und mit reichlich Kommentaren verfolgt, lässt keinen Zweifel mehr daran, dass der Film etwas zu sagen hat. Ob das nun subtil ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Sicher ist aber, dass diese Szene in ihrer Inszenierung ganz großes Kino ist, das – und das ist die Schattenseite – leider nur zu sehr die Realität spiegelt.

Man muss es sich immer wieder ins Bewusstsein rufen: Da wird ein Mensch live gemeuchelt und alles was die Zuschauer dabei beizutragen haben (neben ihrem Klick auf die Seite, die das Opfer ja letzten Endes niederstreckt), sind Kommentare, die pietätloser und unmenschlicher kaum sein könnten. Aber einmal mehr wird dabei klar: Hey, ich muss ja nur auf YouTube gehen, wo ich solche Kommentare en masse lese. Untraceable ist keine ganz große Nummer, dafür tritt er dann doch zu oft in die Genrefalle(n), doch wie er seinen Plot medial verarbeitet und damit spielt (die Kamera spielt nur so mit Monitoren und Streams) ist sehr beachtlich. Vom feinen Marketing seitens Sonys, die die Seite www.killwithme.com aus dem Film für Werbezwecke nutzen, ganz zu schweigen. Ein Film mit vielen tollen Momenten, die den genretypischen Rest bisweilen ungemein aufwerten. Willkommen im Web 2.0, Thriller. (7/10)


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11 Kommentare zu “www.killwithme.com”

  1. März 6th, 2008 | 15:41

    ganz großes Kino

    Und ich dachte das wäre bei dir nur Chuck Norris und Michael Bay – aber nun auch Untraceable :mrgreen:

  2. März 6th, 2008 | 15:48

    *therudisperr* :fall:

  3. R3 (206)
    März 6th, 2008 | 16:26

    Geschichte, bei der ein Killer sein Opfer vor Publikum tötet, empfehle ich "Double Cross" von James Patterson. Ich mag die Bücher. Seichte, aber schnell durchgelesene Thriller. Hab die gesamte Cross Serie gelesen

    So langsam könnte "Roses Are Red" auch mal ins Kino kommen.

  4. März 6th, 2008 | 16:35

    Hmm, noch nie von gehört. Aber werde es mal im Hinterkopf behalten, Dose.

  5. The Owner (2)
    März 30th, 2008 | 20:15

    ehm Tja is zwar komisch die seite, aber die Prozentzahl stimmt nicht, achja und der film, ehm sonst gut, nur es gibt so keine seite, die man nich zurückverfolgenkann.

  6. roB.de (1)
    April 1st, 2008 | 21:25

    haha … ja klar… sprach der owner …

    bei letzteres, was du erwähnt hast, kennst dich dann aber nicht so gut aus … ;) aber naja … man kann ja nicht alles wissen

  7. lolmann (1)
    Juli 24th, 2008 | 20:55

    ich find den film gut :fall: :love: :honk: :nocomment: :mrgreen: :neutral: :twisted: :arrow: :shock: :smile: :???: :cool: :evil: :grin: :idea: :oops: :razz: :roll: :wink: :cry: :eek: :lol: :mad: :sad: :!: :?: =smiley-spam

  8. Juli 24th, 2008 | 23:27

    [...] Equilibrium: 7/10 [...]

  9. Denise (1)
    August 3rd, 2008 | 12:24

    Ich für meinen teil fand den Film sehr realistisch er zeigt wie krank und schamlos viele von uns menschen sind.Und vor allem das in dieser welt alles möglich ist.

  10. Soph (1)
    August 11th, 2008 | 10:54

    also hab den film gestern geguckt mit freunden…. und wir kennen uns bissl aus mit dem internet….. der film war gut gemacht und teilweise realitätsnah aber halt auch sehr krank wenn man bedenkt das millionen von menschen helfen leute umzubringen ohne nachzudenken….

    naja der film war gut aber man sollte da echt mal nachdenken

  11. The Owner (2)
    November 5th, 2009 | 17:55

    ehm Tja is zwar komisch die seite, aber die Prozentzahl stimmt nicht, achja und der film, ehm sonst gut, nur es gibt so keine seite, die man nich zurückverfolgenkann.

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