»Who wants to eat the girl?«

La Terza madre
(Dario Argento, USA/Italien 2007)
DVD

… und damit ist Argentos Karriere nun endgültig am Ende. Zumindest wenn es um den Giallo geht, den er einst so meisterhaft beherrschte. Wobei, wenn ich noch einmal richtig drüber nachdenke: Bereits Masters of Horror: Pelts hat gezeigt, dass Argento auch vom 'normalen' Horrorfilm so gut wie keine Ahnung hat. Mit nackten Frauenbrüsten scheint er es zu haben, und auch Gore und Splatter kann er nach wie vor inszenieren – auch wenn die Effekte in Mother of Tears mehr nach 70er als nach Gegenwart aussehen. Das macht hier aber gar nichts, denn so schlecht Argentos Film in nahezu allen Belangen auch sein mag, so viel taugt er doch als B-Movie. Alles, wirklich alles ist hier von der allerbilligsten Sorte. Die bereits erwähnten Goreeffekte, die CGI (Sarahs Mutter!), das Drehbuch und vor allem die Darsteller, die sich offensichtlich kein Bein ausreißen. Scheint also so, als könne man in der Checkliste für ein B-Movie alles abhaken. Halt! Udo Kier, der bereits eine kleine Rolle im Quasivorgänger Suspiria – es grenzt ja nahezu an Blasphemie, die beiden Filme in einem Atemzug zu nennen, geschweige denn zu verbinden – hatte, eine kleine Rolle zu geben, bringt schon mal mindestens zwei Pluspunkte, erst recht wenn man ihm dann auch noch solch einen spaßigen Abgang spendiert.

Ja, mit Mother of Tears kann man auch seinen Spaß haben, vorausgesetzt man denkt einfach 90 Minuten mal nicht darüber nach, dass er das ist, was er ist. Argentos Film eignet sich aus genannten Gründen nämlich auch hervorragend als Komödie. Nicht etwa, weil alles so cheesy ist, sondern weil er das einfach nicht ernst meinen kann. Und selbst wenn sich auch kein intendiertes comic relief ausmachen lässt, so bricht man spätestens dann in Lachen aus, wenn Argento eine Hexe Light von einem männlichen Hexerich mit einer langen Eisenstange penetrieren lässt, die ihr wenige Momente später den Tod bringt. Bevor es aber so weit ist, wird sie erstmal noch von der Madre abgeschleckt, sodass jetzt, nach der lesbischen Liebesszene, endgültig klar ist, welch homophile Tendenzen Argento hier eingebaut hat. Die junge rechte Hand des guten Helfers (schon wieder vergessen, wie dieser heißt, aber das ist hier so wichtig wie die Berichterstattung über den in China umgefallenen Sack Reis heute Mittag), die optisch klischeehafter nicht hätte gezeichnet sein können, ist dabei sicherlich die Spitze des Eisbergs. Von den verrückten 80's-Teen-Fönfrisurhexen ganz zu schweigen.

Doch auch das Thema Masochismus hat es Dario wohl angetan. Einmal im Hauptquartier in Rom angekommen, wird man Zeuge einer Orgie, die schmerzhafter kaum sein könnte (sowohl für die Protagonisten als auch den Rezipienten). Das zeigt, dass Argento trotz des Verlusts seines Talents – man denke daran, je höher die Position, desto größer die Fallhöhe – dennoch das ein oder andere Ass im Ärmel hat. Schade, dass er dieses jedoch nicht öfter ausspielt, denn am Ende bleibt Mother of Tears nur ein weiterer Horrorstinker aus der Motten- respektive DTV-Kiste, denn einen großen Release wurde seinem Film außer in seiner Heimat nirgendwo zuteil (wenn auch nur gekürzt). (4/10)


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7 Kommentare zu “»Who wants to eat the girl?«”

  1. Dorkheimer (4)
    Juni 7th, 2008 | 1:33

    und damit ist Argentos Karriere nun endgültig am Ende. Zumindest wenn es um den Giallo geht, den er einst so meisterhaft beherrschte.

    Was hat La Terza Madre mit Giallo zu tun?

  2. Juni 7th, 2008 | 2:18

    Nichts.

  3. Dorkheimer (4)
    Juni 7th, 2008 | 2:37

    Darauf wollte ich hinaus. :fall:

  4. Juni 7th, 2008 | 9:48

    :lol: :lol:

  5. Juni 7th, 2008 | 11:40

    Jaja, Rudi und Rajko macht Euch ruhig Lustig… :evil:

    @Dorki

    Bist Du Dir da ganz sicher – also auch wenn es kein astreiner Giallo ist, so sind zumindest Merkmale vorhanden, zumal das hier ja auch alles irgendwie psychosexuell und rituell begründet ist…

  6. Dorkheimer (4)
    Juni 7th, 2008 | 12:22

    Ein (Sub)Genre einzig nach phänomenologischen Kriterien zu bestimmen, wie es etwa die Inhaltsanalyse macht (-wird die überhaupt noch gelehrt?-), halte ich für verfehlt. (Das Psychopathologische bzw. -sexuelle habe ich in La Terza Madre, dem ja per se eine übersinnliche Rahmung eignet, aber auch gar nicht ausmachen können.) Eher doch wird man die spezifische Struktur der narrativen Erzeugung von (Giallo-)Motiven erschliessen müssen. Den modus operandumdes Genres, wenn man so will. Das was uns praktisch sofort aufleuchtet, wenn wir es sehen, ohne eine Merkmalsstrichliste führen zu müssen.

  7. Juni 7th, 2008 | 12:35

    Das was uns praktisch sofort aufleuchtet, wenn wir es sehen, ohne eine Merkmalsstrichliste führen zu müssen.

    Also ich meine jedenfalls, da das ein oder andere sofort erkannt zu haben (aber ja, das dann mehr auf inhaltlicher als auf narrativer Ebene…).

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