CSI: Hawaii

Forgetting Sarah Marshall
(Nicholas Stoller, USA 2008)
Kino

Ein guter Film sollte ein kohärentes Ganzes sein. Klingt einfach, ist für viele Regisseure aber eine Hürde, die es erst einmal zu überwinden gilt, das zeigt mittlerweile fast jeder zweite Film, der jede Woche in die Lichtspielhäuser kommt. Was also, wenn der Film als Ganzes zwar nur durchschnittlich ist, hier und da aber Momente vorweisen kann, die sich vom Rest ob ihrer Genialität abheben? Bei Komödien ist es sowieso immer so eine Sache, denn eine Komödie, die ohne Pointen und Lacher auskommt, ist bereits nahezu zum Scheitern verurteilt. Forgetting Sarah Marshall ist einer ebendieser Filme respektive Komödien, die zwar nicht permanent zum Lachen veranlassen, aber dennoch mit einigen humoristischen Highlights aufwarten. Auch wenn Judd Apatow hier weder Regie, noch Drehbuch zu verantworten hat, so trägt der Film seine Handschrift dennoch überdeutlich. Es ist nämlich nicht nur eine R-Rated-Comedy, die durch ihn erst das Licht der Erfolgswelt erblickten, sondern auch eine Komödie, die ihre recht ernste Thematik trotz äußerst losem Mundwerk und explizitem Kamerafokus nur selten aus den Augen verliert – ganz in der Tradition von Knocked Up, Superbad und Co.

Die Konstante, die all diese Filme gemeinsam haben, ist Jonah Hill, dessen homophiler Charakter aber viel zu viel Zeit eingeräumt bekommt, Zeit, die dieser aber alles andere als verdient. Zeuge dieses Problems wird man im Laufe des Film aber leider noch häufiger, denn in Forgetting Sarah Marshall gibt es ein halbes Dutzend Szenen, die sich nicht auf die Protagonisten konzentriert, sondern vielmehr auf Sidekicks, die zudem nur selten bis gar nicht amüsant sind. Dass zu viele Sidekicks für eine Komödie nicht gesund sind, das hat ja bereits Fool's Gold eindrucksvoll gezeigt… Sowieso ist Stollers Film viel zu unausgegoren, narrativ inkohärent und schlichtweg zu lang (was ein generelles Problem der Apatow'schen Komödien zu sein scheint). Das Hauptproblem ist dabei der genannte Fokus, der viel zu häufig wechselt und viel zu viele, äußerst unnötige Nebenschauplätze erschließt. Selten hat man in einer Komödie eine solch hohe Dichte von Charakteren beobachtet, die zudem jede für sich den Anspruch erheben, von Relevanz zu sein. Da wundert es dann auch nicht, dass die letzte Szene vor dem Abspann das absolute Highlight des Films markiert, wartet sie doch mit einem Cameo Jason Batemans auf, der sich selbst – im Gegensatz zu Hill – herrlich selbst persifliert (dito William Baldwin).

Diese Szene, die zusätzlich auch so herrlich subversiv gen Hollywood blickt, ist einer dieser Momente, wegen denen sich Stollers Film, der von Hauptdarsteller Jason Segel geschrieben wurde, allein schon lohnt. So pubertär und infantil das auch klingen mag, so reiht sich auch Segels Penis in diese Momente ein, ist die Situation, in denen dies geschieht, doch herrlich skurril und, ja, richtig lustig (Fight Club lässt grüßen). Ansonsten hat es Forgetting Sarah Marshall mit richtig großen und häufigen Kalauern nicht so, denn dafür ist er bisweilen einfach zu klischeehaft und latent rassistisch. Darstellertechnisch brilliert vor allem Jason Segel, dessen pure Präsenz bereits für den einen oder anderen Lacher sorgt. Ganz im Gegensatz zu Kristen Bell, die ich in Veronica Mars zwar sehr schätzte, hier aber als unglaublich nervtötend (gut, das liegt natürlich auch an ihrer Figur, ergo: mission accomplished) und darstellerisch äußerst monoton empfand. Von der restlichen Besetzung, die dämlich debil nach Stereotypen gerade zu schreien scheint, ganz zu schweigen.

Andererseits spricht dieses Manko aber auch für Jason Segel, der mir vorher nie wirklich ein Begriff war, und der schon hier zeigt, wie genial er doch sein kann. Das Draculamusical, das er extra für den Film geschrieben hat, ist nicht nur ungemein liebevoll und detailverliebt ("Die, die, die!" – ein Ohrwurm!), sondern legte auch den Grundpfeiler für den kommenden Muppetsfilm, bei dem Segel Regie führen soll – und wer würde sich dafür besser eignen als er? Mit Forgetting Sarah Marshall hat er sich jedenfalls ins Bewusstsein 'gespielt', denn ich bin mir sicher, dass es um ihn nicht ruhiger werden wird, im Gegenteil. Jonah Hill hingegen darf einen großen Schritt zurücktreten, Apatow-Vitamin-B hin oder her. (6.5/10)


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9 Kommentare zu “CSI: Hawaii”

  1. Thomas H. (138)
    Juni 10th, 2008 | 22:59

    Politisch ist der Film sicher nicht korrekt, aber "latent rassistisch"? Falls dem aber wirklich so wäre, frage ich mich, wie er 6.5 Punkte verdienen würde, zumal du auch sonst wenig Positives findest. Durchhänger hat der Film durchaus, meist im Zusammenhang mit Jonah Hill. Dafür ist die Nebenfigur von Paul Rudd bisweilen noch amüsant. Und Aldous Snow ist einfach eine grossartige Figur voll Klischee, aber eben doch nicht. Ich kann mich zudem an keinen Film mit witzigeren Sexszenen erinnern.

  2. Juni 10th, 2008 | 23:10

    Rassistisch insofern, als dass er die Hawaiianer ziemlich doof aus der Wäsche gucken lässt (zudem wollte ich mal einen auf Vega machen :wink: ). Und selbst wenn ich wirklich nur wenig Positives finde, so ist allein der Schlussgag 5 Punkte wert, das war das Genialste seit langem! Und wegen den "Sexszenen": Also die waren so doof, dass ich da nicht lachen konnte – das konnte SATC: THE MOVIE dann doch besser… Aldous Snow? Naja, wohl Al Gore in jungen Jahren…

  3. Juni 10th, 2008 | 23:13

    Ins Bewusstsein gespielt hat sich Segel sicherlich eher durch "How I Met Your Mother", die in den USA seit 3 Jahren läuft :wink:

  4. Juni 10th, 2008 | 23:20

    Die kennt hier außer den Fans fast eh niemand, denke ich – und ich kenne sie auch nur dem Namen nach… :fall:

  5. Juni 10th, 2008 | 23:26

    Sowas kennt eh nur Rudi, statt gute Filme schaut der nur Serien-Crap. :fall:

  6. Juni 10th, 2008 | 23:43

    Sowas kennt eh nur Rudi, statt gute Filme schaut der nur Serien-Crap.

    Z.B. DAWSON'S CREEK, so ein Scheißdreck :fall:

  7. Juni 11th, 2008 | 10:26

    Will mir den Film in der Originalfassung auch noch ansehen und zwar nur wegen Segel und Bell, die ich beide aus zwei meiner Lieblingsserien kenne: "How I Met Your Mother" und "Veronica Mars" …insofern kann ich TheRudi da nur beipflichten! :love:

  8. Ben (12)
    Juni 11th, 2008 | 10:40

    Deutscher Titel ist übrigens "Nie wieder Sex mit der Ex". :roll:

  9. Juni 11th, 2008 | 18:51

    Deutscher Titel ist übrigens "Nie wieder Sex mit der Ex". :roll:

    Ja, traurig (lustig auch, dass in der Mail mit der PV-Einladung der dt. Titel nicht genannt wurde, da man Angst hatte, dass die Mail sonst im Spam landen würde…)!

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