Die Ehe ist eine Katharsis

Married Life
(Ira Sachs, USA/Kanada 2007)
Kino

Man nennt sie period piece, Filme, die in einer gewissen Epoche spielen und diese versuchen einzufangen oder nachzuzeichnen. Married Life ist ein solches period piece, spielt es doch im Amerika der 40er-Jahre. Das Äußere dominiert, die Moral, die Ehe, die Kleidung, das Haus und viele andere Dinge des gesellschaftlichen Lebens spielen dabei eine große Rolle. So genießt auch Harry Allen (Chris Cooper) ein Leben in Wohlstand und moralischer Integrität – so scheint es zumindest. Seine Frau (Patricia Clarkson) scheint er über alles zu lieben, auch wenn es ihr nicht immer gut geht. Andere Sorgen hat er nicht, denn er gehört zur Oberschicht, jene Schicht, die das Leben dieses Jahrzehnt für das Bild, das wir von ihm haben, so prägte. Doch wie man weiß, steckt hinter dem Schein meist etwas weniger schönes, etwas Dunkles, ein Geheimnis oder eine schlimme Tat. Und so kommt es, wie es kommen muss: Harry verliebt sich in die unzählige Jahre jüngere Kay (Rachel McAdams) und beginnt eine Affäre mit ihr.

Was folgt, sind anderthalb Stunden Hintergehen und biederes Katz- und Mausspiel, das man so – wenn auch nicht unbedingt in dieser Zeit – unzählige Male gesehen hat. Natürlich hat Married Life eine tolle Besetzung, allen voran das Team Cooper/Brosnan, doch was nützt deren Talent, wenn sie sich in einem solch überraschungs- und spannungsfreien Plot bewegen müssen? Das Leben im Amerika der 40er, indem solch eine Szenerie natürlich die Hölle auf Erden bedeutet, wurde auch schon besser eingefangen und 90 Minuten reichen für ein intensives Charakterdrama eben nicht aus. Doch das ist sowieso nicht der Fokus, auf den sich Sachs' Film konzentriert, denn dafür ist er einfach auch zu unausgegoren. Hier ein Hauch von Komödie, da ein Hauch von Krimi und das Drama, das alles zusammenhält, darf natürlich auch nicht fehlen. Sachs Intention wird zwar deutlich, und auch seine Bemühungen sieht man dem Film durchaus an, nur scheitert er einfach an zu vielen Hürden. Am Ende sieht man dem Ganzen dann nur noch total gleichgültig entgegen, denn Married Life ist einfach egal. (5/10)


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6 Kommentare zu “Die Ehe ist eine Katharsis”

  1. Juli 9th, 2008 | 19:31

    Erinner mich irgendwie, als hättest dem anfangs 2/10 gegeben :?:
    Egal, nach deinem vielversprechenden Review könnte das durchaus einer DER Filme des Jahres sein. Wird dann auch DVD nachgeholt.

  2. Juli 9th, 2008 | 19:38

    Für Dich auf jeden Fall, glaubt man Deiner 'Theorie' …

    :fall:

  3. Juli 9th, 2008 | 23:30

    Der Film bekommt überwiegend gute Kritiken und kann so schlecht nicht sein, wenn Bumm-Bumm-Action-Cleric ihn nur mittelmäßig fand. :fall:

  4. Juli 9th, 2008 | 23:37

    Wie komme ich eigentlich zu diesem "Bumm-Bumm"-Image? Ich liebe auch so was wie Kieslowski, weißt Du doch – und das ist ruhiger als ruhig …

    :eek:

  5. Juli 10th, 2008 | 0:31

    Bumm-Bumm-Action-Cleric

    :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

    Ich liebe auch so was wie Kieslowski

    Ist auch deine Standard-Ausrede. :razz:

  6. Juli 12th, 2008 | 18:02

    [...] Rotten Tomatoes Metacritic.com Equilibrium [...]

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