Mimesis

Son of Rambow
(Garth Jennings, Frankreich/UK/Deutschland 2007)
Kino

Dass Liebe komische Dinge mit einem anstellen kann, das weiß jeder, der einmal verliebt war. Der Fokus des Interesses verschiebt sich plötzlich, man will nichts anderes mehr, als mit seiner großen Liebe zusammen sein und die Zeit genießen – das Leben ist ja sonst nicht gerade ein Zuckerschlecken. Doch was, wenn es sich nicht um einen anderen Menschen handelt, der den Mittelpunkt des Liebesinteresses markiert, was, wenn es sich um eine Liebe zur Kunst, also zum Film, handelt? Kann man Film lieben, kann man für ihn sein ganzes Leben auf den Kopf stellen und andere Dinge hinter sich lassen? Man darf die Frage als eine rhetorische auffassen, denn ich würde diesen Text wohl kaum verfassen, wenn es nicht so wäre, der Rezipient würde diesen dann wohl auch kaum lesen, ginge es ihm nicht genau so. Den Protagonisten (Bill Milner) aus Son of Rambow erwischt es sogar nocht härter – er hat nämlich gerade erst Schmetterlinge im Bauch, die gar nicht erst versucht einzufangen.

Angesetzt als period piece inmitten der Achtziger, sieht er durch Zufall First Blood als VHS-Raubkopie und beginnt von nun an im Wald zu toben und in die Fußstapfen Rambos zu treten. Doch der streng religiös erzogene Joshua erfährt nicht nur die Tücken der langsam eintretenden Pubertät und das damit verbunden Kräftemessen und Herumtollen, sondern auch seine Liebe zum Kino und zum Film. Ein bisschen erinnert das Ganze somit unumgänglich an Be Kind Rewind, der ebenfalls ein Paradebeispiel für Hingabe zu etwas ist und der ebenfalls so lieblich verspielt ist wie es bei Son of Rambow der Fall ist. War es bei Michel Gondrys Film noch das Biopic, das sich inmitten der vielen (Kurz)Filme mischte, ist es bei Jennings' Film das Coming-of-Age-Drama, das manchmal zwar ziemlich langatmig und lahm daherkommt, meist aber an Pathos und sonstigem Ballast spart. 'Feinde', die zu Freunden werden, Menschen, die anders sind, irgendwann aber die zu ihnen passende Nische finden und sich in diese lückenlos integrieren. Eine Kindheit/Jugend, die zwar auf der großen Leinwand flimmert, realitätsnäher und humaner aber kaum sein könnte.

Dabei versteht es Son of Rambow gekonnt mit allen Lastern der Achtziger zu spielen und einem dabei nicht nur einmal ein Schmunzeln aufs Gesicht zu zaubern. Egal ob Popper und Rocker, Yuppies und Punks oder Klamotten, die man heute nicht mal mehr in die Altkleiderspende geben würde, Jennings' Film will so viel und, im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die ihre Ziele so hochstecken, gelingt es ihm größtenteils auch. Der spezielle Dank an Sylvester Stallone im Abspann, der eine ganze Generation mit seinen Filmen prägte – ihrer filmischen Qualitäten völlig entsagend -, ist für Jennings Ehrensache, denn auch er scheint ein Kind der Zeit zu sein, das merkt man seiner Regiearbeit deutlich an. Bei aller Niedlichkeit, die den Film auszeichnet, muss man aber auch anmerken, wie kalkuliert das Ganze bisweilen daherkommt. Ebendiese Niedlichkeit ist nicht nur etwas, das den Film so liebenswert macht, sondern auch berechnend. Das Tempo könnte so oft so viel schneller sein, trotz oder gerade wegen der Laufzeit von nur etwas mehr als anderthalb Stunden. Des Weiteren ist Son of Rambow oftmals zu klinisch rein, denn wenn er es sich einmal traut etwas Sozialkritik zu betreiben, dann ist sie auch schon wieder vorbei, ehe sie richtig begonnen hat.

Auch die religiöse Komponente, die nicht nur tangiert, sondern auch die auch des Öfteren fokussiert wird, bleibt am Ende irgendwie zahnlos. Wer denkt, dass am Ende eine atheistische Botschaft stünde, die nicht nur Sekten und anderen dogmatischen Organisationen – wie ebenjene, in der Joshua 'gefangen' ist – den Spiegel vorhalte, der wird wohl enttäuscht werden. Sich für Werte und Freunde aufopfern, das zeichnet wahre Liebe aus. Allein deshalb scheint es nahezu unmöglich zu sein, Son of Rambow nicht zu mögen. (7.5/10)


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2 Kommentare zu “Mimesis”

  1. August 26th, 2008 | 18:25

    [...] Equilibrium: 7,5/10 [...]

  2. September 8th, 2008 | 17:44

    [...] zuerst erschienen bei: Equilibrium [...]

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