Filmischer Jahresrückblick 2008: Tops & Flops
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Und schon wieder ist ein Jahr rum. Kinder, wie schnell das mittlerweile doch geht. Es war nicht nur ein erlebnisreiches Jahr, sondern für den Film auch ein wirklich guter Jahrgang. Dank Pressevorführungen, Sneak Previews und Festivals brachte ich es in diesem Jahr auf mehr als 100 Filme im Lichtspielhaus. Einige Perlen sind mir jedoch entgangen, aber dank DVD oder neuerdings sogar Blu-ray ließ sich das ja nachholen. So machte ich erst in den letzten beiden Wochen eine Reise nach Frankreich, besuchte den Chefredakteur eines großen Modemagazins und fuhr anschließend nach Irland, wo ich mich verliebte. Doch empfand ich auf dieser Reise nicht nur Liebe, denn spätestens als es in den Irak ging, wo sich laut eines großen New-Hollywood-Regisseurs nur ungebildete und psychisch angeknackste GIs finden, mutierten die Schmetterlinge im Bauch zu einem Hass, der aber nicht jenen GIs entgegen schlug, sondern dem Regisseur, den ich für viele seiner Filme aber immer noch sehr schätze.
Die meiste Zeit verweilte ich jedoch im alten Europa, in Kinos, die ich mittlerweile wie meine Westentasche kenne. Und dennoch gab es einige Momente, in denen ich mich nicht als Zuschauer in einem großen Saal fühlte, sondern vielmehr als Teil des Lichtspieles. So floh ich in New York vor einer gigantischen Echse, die aus dem Nichts auftauchte, dafür aber umso unberechenbarer war. Ich war in der texanischen Einöde, die mir den Sand in die Augen trieb und die mich großen Durst verspüren ließ. Schließlich fand ich mich auch noch in einem Familienkeller, der auf den ersten Blick zwar schön modern aussah, sich irgendwann aber als Folterkammer für junge Frauen entpuppte. Schmerzen, die man keinem wünscht. Doch das alles war nichts gegen eine Gruppe von Frauen im mittleren Alter, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begingen und von Den Haag bis heute nicht dafür belangt wurden. Im Folgenden mein ausführlicher Reisebericht.
Top 10
10. Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street
Ich habe davor nicht ein einziges Musical gesehen, aber nach Burtons Inszenierung eines der bekanntesten durchaus Lust darauf bekommen. Der Plot ist klasse, das setting noch viel mehr, die Darsteller durch die Bank weg großartig. Muss man auf der großen Leinwand gesehen haben!
Neben dem Film mit der Fledermaus und jenem mit dem großen Monster wohl der Hypefilm der Bloggosphäre. Und das Beste: er wird diesem durchaus gerecht. Tomas Alfredsons Film um Sexualität, Pubertät und Seelenverwandtschaft führt seine verschiedenen Themenkomplexe so gut zusammen wie nur wenige andere Genrehybride.
Ein Musterbeispiel dafür, was man allein mit Musik und dazu passenden Bildern alles erreichen kann. Ich bin mir sicher, dass der Film auch ohne einen einzigen Dialog der gleiche wäre, nämlich eine audiovisuelle Erfahrung, die man nur selten macht. P.T. Andersons Film auf der großen Leinwand gesehen zu haben ist ebenfalls ein absolutes Muss!
07. Grace Is Gone
Eine Geschichte so einfach wie rührend. Hinzu kommt, dass der Film so gut wie keine Beachtung fand, was angesichts seiner Qualitäten schlichtweg unverständlich ist. Egal, was man vom Krieg im Irak halten mag, es sind tapfere Männer und Frauen, die für unsere Freiheit bisweilen ihr Leben geben und eine ganze Familie für immer verändern. Ganz großer kleiner Film.
06. Zoo
Doku über Männer, die durch kein gesellschaftliches Raster fallen, aber dennoch einem äußerst unkonventionellen Hobby nachkommen, nämlich der Pferdeliebe. Was exploitativ klingt, gestaltet sich im Film selbst als nahezu anti-exploitativ, auch wenn es nicht völlig gelingt, neutral an das Sujet heranzutreten. Optisch großartig und einem Errol Morris zum Verwechseln ähnlich, was nur weiter für ihn spricht.
05. Le scaphandre et le pappilon
Zwar nicht ganz so gut und intensiv wie Mar adentro, aber vor allem narrativ und kinematografisch ein absolutes Highlight. Amalric liefert eine Paraderolle ab wie einst Bardem. Hinzu kommt ein Max von Sydow, der das Pathos nahezu allein schultert. Man mag es am Ende kaum glauben, dass das Ganze auf realen Ereignissen basiert
04. Standard Operating Procedure
Errol Morris macht das, zu dem De Palma mit seinem Film nicht im Stande war: er blickt hinter den Tellerrand. Die Doku erzählt die ungeschminkte, bisweilen harte Realität, die hinter den Folterfotos von Abu Ghraib steckt und zeigt, dass ein Bild meist doch weniger sagt als tausend Worte. Danny Elfman liefert die Musik zu den intensiven Bildern, auf deren Optik Morris mittlerweile ein Patent anmelden kann.
03. The Dark Knight
Wurde eigentlich schon alles zu gesagt, deshalb mache ich es kurz: politisches Blockbustercomickino mit großem Subtext und dem besten Score des Jahres.
02. Once
Es ist nicht nur die Tatsache, dass man den Film gar nicht nicht mögen kann, sondern auch jene, dass ich eine ganz persönliche Geschichte mit dem Film verbinde. Es vergeht zudem kein Tag, an dem ich nicht mindestens ein Mal "If You Want Me" höre.
Ja, wie ich bereits im Februar prophezeite ist der erste Coen dieses Jahres auch gleichzeitig der beste des Jahres. Selten war ein Thriller spannender, rauer und erbarmungsloser als dieses Katz-und-Maus-Spiel zweier großartiger Darsteller.
Runner Ups: Martyrs, Wall-E, Rambo, Cloverfield, In Bruges, [Rec], Into the Wild
Flop 10
10. Kung Fu Panda
Schlichtweg enttäuschend und langweilig. DreamWorks kann Pixar einfach nicht das Wasser reichen, das zeigt dieser Film einmal mehr.
Wenn ich den Erzähler aus dem Off in die Finger bekomme … (dabei war Allens erster in diesem Jahr doch so gut)
08. The Happening
Marky Marks Mimik sagt eigentlich schon alles über den Film. Eignet sich aber immerhin perfekt als Trinkspiel, das muss man dem Film lassen.
07. Doomsday
Rhona Mitra ist geil, ja ("A John Wayne you can fuck!", Jay Cheel), aber der Rest leider so gaga, dass es nicht schon wieder gut ist, sondern schlecht bleibt.
06. Wanted
Gewaltverherrlichung, die schlimmer ist als die meisten §131er, dank Comicbonus und allgemein positiver Rezeption aber ungestraft davon kommt.
05. Southland Tales
Äh, ja. Gut. Keine Ahnung. Mist eben.
04. Frei nach Plan
Deutsches Kino, wie es leibt und lebt. Manchmal wünscht man sich wirklich, dass die Alliierten mal wieder einmarschieren.
03. 10,000 B.C.
Grundgütiger, da schämt man sich ja fast aus dem gleichen Ort wie der Regisseur zu kommen und einige seiner Filme sogar zu mögen!
02. Sex and the City
Ich sag's mal so: Wer den als Mann gut findet ist homosexuell. Provokativ, ich weiß, aber auch wahr.
01. The Women
"Verbrechen gegen die Menschlichkeit, unter anderem: Mord, ethnische Ausrottung, Versklavung, Deportation und andere unmenschliche Akte gegen die Zivilbevölkerung oder: Verfolgung aufgrund von rassistischen, politischen und religiösen Motiven; unabhängig davon, ob einzelstaatliches Recht verletzt wurde." (Definition der Londoner Charta vom 8. August 1945)
Runner Ups: Dan in Real Life, Street Kings, Fool's Gold, Speed Racer
(Dank an Tilo Hensel für die wunderbare Collage)
Tags 2008, flop 10, kino, rueckblick, top 10
20 Kommentare










Genial, Cleric outet mich auf seinem Blog. Darf ich ab jetzt auch so polemisch schreiben wie Rajko :?:
Du machst doch sowieso immer was Du willst, oder? :fall:
Also "No Country for old men" ist zwar nicht meine Nr 1., kann die Wahl aber druchaus verstehen. "The Dark Knight" steht zu Recht da oben drin, ebenso wie "Sweeney Todd", der bei mir persönlich das Rennen gemacht hat. "There will be blood" muss ich noch sehen, ebenso wie diesen neuen schwedischen Vampirstreifen, der ja in einem Konsens abgefeiert wird, der geradezu sensationell ist. :wink:
Deine in meinen Augen überzogene Kritik an einer angeblichen Gewaltverherrlichung von "Wanted" kann ich immer noch nicht nachvollziehen, aber gut. Auch die Kritik an Southland Tales, den ich zufälligerweise erst gestern gesehen habe, erschließt sich mir nicht, ich fand den grandios.
Viele Übereinstimmungen.
:fall:
:fall: :fall:
Auf ein Kinojahr 2009, in dem du weiter solche Kalauer raushaust. :mrgreen:
Puni, deine Liste ist scheiße, und dein Text peinlich. :D
Abgesehen von den obigen beiden "Scherzen", ist für mich Kalauer Nr. 1 die jenige, dass TDK den besten Score des Jahres hat, angeblich. :roll: Zimmer (nagut, Howard schätz´ ich ein wenig höher ein) hat doch nun wirklich keine Ahnung von ordentlichem Scoring, allein sein Joker-Theme ist ein schlechter Witz, um es mal mit den Worten des Jokers zu beschreiben.
«Once» ist formal miserabel, inhaltlich vollkommen banal. Grund genug, den Film nicht zu mögen.
Dass Deutschland und der Rest der zivilisierten Welt am Hindukusch verteidigt wird, ist doch nichts neues!
Kann man den Platz 4 in deinen Tops bitte löschen, unverständnis.
Na, hauptsache Dein Kommentar ist es nicht. :grin:
Ja, aber was hat das mit meinem Rückblick zu tun?
Du bist kein Romantiker, oder? :wink:
Nein, pardon (und Du sagtest schon, dass Du ihn alles andere als gut findest). :fall:
[...] filmerischer Jahresrückblick mit Top 10 und Flop 10 gibt es auf dem Equilibriumblog. Dazu habe ich für den Blogautor Stefan Rybkowski eine Collage [...]
"Låt den rätte komma in" wird kollektiv gehyped und das ist auch gut so, weil a) kleiner film und b) richtig gut (gut eingesetzte effekte, frische story, geniale schauspieler und und und). was ich nicht verstehe ist, warum das gleiche mit "No Country For Old Men" passiert ist? ich mag die Coen's, aber NCFOM ist für mich vor allem eins: langweilig. ja, tolle landschaftsaufnahmen, aber wenn ich sowas sehen will, dann doch lieber eine doku ;)
peace
Für Romantiker gibt es verschiedene Definitionen. Die prätentiös verwackelte Gefühlssudelei in «Once» hat mein Herz aber bestimmt nicht berührt. :smile:
Isch weiß ja net, aber was ist jetzt so schlecht daran, homosexuell zu sein?
Absolut gar nichts – die halbe Bloggosphäre ist es, und mit der komme ich prima aus.
:fall: :fall: :fall: :fall: :fall: :fall:
Warum wusste ich, dass Du Dich da gleich melden würdest?
:fall: :love: :fall:
:nocomment:
:honk:
Kung Fu Panda = Bester Film aller Ewigkeiten. Wall-E sucks iron dicks! :honk: :fall: