Lucio Fulci Retro: 'The House by the Cemetery'


"No one will ever know whether the children are monsters or the monsters are children", dieses Zitat beendet Lucio Fulcis Quella villa accanto al cimitero, und es stammt nicht von Henry James, wie da dem Bildschirm zu entnehmen ist, sondern es ist Fulic selbst entsprungen. Jenem Fulci, der hier nicht nur übernatürlichen mit Kinderhorror – geht es nur mir so, oder wirkt Bob (Giovanni Frezza) mit seinen riesigen Augen und seinem noch größeren Mund am angsteinflößendsten von allen? – vereint, sondern doch so viel mehr. Ein altes Spukhaus, jede Menge Puppen, heftige Goreeinlagen und sogar Slasherelemente, es gibt wirklich nahezu keinen Bereich des Genres, den Fulci hier nicht tangiert.

Eigentlich ist The House by the Cemetery primär atmosphärischer Horror, der mit ruhiger Hand geführt wird. Diese stille und äußerst dichte Atmosphäre wird aber immer wieder von harschen Gewalteinlagen unterbrochen, die nicht nur die Atmosphäre um 180 Grad kippen, sondern die Musik, die da so erhaben über den Bildern schwebt, gleich mit. Gerade noch im Auto auf der Straße in New York, findet im nächsten Moment schon wieder ein roher Gewaltausbruch statt, der einen nicht nur aus seinen Gedanken reißt, sondern auch erschrecken lässt. Doch so viel Fulci mit dem roten Lebenssaft auch rumsuhlen mag, so sind es oftmals doch weniger die rauen Gewaltmomente, die den Horror ausmachen, als vielmehr Fulcis Liebling, das Augen-Close-Up. Dieses Extrem doppelt er sogar, indem seine Darsteller leuchtend blaue Augen haben, die so strahlen, dass es fast schon wieder übernatürlich wirkt.

Und auch hierzu schafft er wieder den Gegensatz. Auf nahezu jedes Close-Up folgt eine Totale oder Halbtotale in der Natur, die zudem am hellichten Tag spielt. Es kommt einem so vor, als würde man auf den heißen Kaffee einen eiskalten Schluck Cola nehmen. Beides ist nicht gut für die Zähne oder in diesem Falle die Nerven. Nicht anders verhält es sich bisweilen mit dem Schnitt – ob gewollt oder ungewollt ist hier aber vielmehr die Frage, denn das ein oder andere Mal wirkt Vincenzo Tomassis Arbeit doch mehr laienhaft als professionell. Aber selbst diese 'Laienhaftigkeit', die sich vorallem auch in den Effekten äußert, entzieht sich nicht gerade eines gewissen Charmes. So zählt der Kampf Dr. Boyle (Paolo Malco) versus Fledermaus beispielsweise zu den Highlights des Filmes. Sowieso scheint man heute nahezu komplett vergessen zu haben, dass Puppen die meiste CGI immer noch um Längen schlagen.

The House by the Cemetery zählt für mich zu den poetischsten Horrorfilmen überhaupt. Was auf den ersten Blick ob der vorherigen Zeilen paradox klingen mag, ist alles andere als paradox, schaut man sich nur mal allein den Beginn und den Schluss des Filmes an. Klar, Fulcis erster shot ist einer auf nackte Frauenbrüste, aber gleich danach verkommen die vergilbten Farben zu einem wunderschönen schwarz-weiss-Postkartenmotiv, das im Zusammenspiel mit Walter Rizzatis wirklich großartiger Musik – die sowieso einen Löwenanteil der Atmosphäre ausmacht – sofort vom Horror weggeht und eine Sehnsucht wie ein Gemälde heraufbeschwört. Und dennoch kann man sich einem gewissen Horror, den das Ganze mit sich bringt, nicht entziehen. Fulcis Film ist ein Film voller Gegensätze. Kaum ertönt noch einmal das musikalische Thema des Bambinos, wird es im Abspann auch schon wieder vom agressiven Hauptthema abgelöst, das gar nicht erst nach einem sanften Übergang fragt.

Dunkelheit. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Ein paar hell leuchtender, definitiv nicht menschlicher Augen ist das einzige, das den Raum erhellt. Auch wenn Argento das schon sechs Jahre zuvor erschreckend gut inszenierte, so ist es aber auch hier einer der großartigsten Genremomente überhaupt. Wie sagt man so schön? Die Augens sind das Tor zur Seele. Kaum einer verstand dies so gut wie Lucio Fulci. (8.5/10)


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6 Kommentare zu “Lucio Fulci Retro: 'The House by the Cemetery'”

  1. März 25th, 2009 | 18:00

    The House by the Cemetery zählt für mich zu den poetischsten Horrorfilmen überhaupt.

    From Beyond endlich gesehen? Aber stimmt schon, das Haus an der Friedhofsmauer ist schon ein guter Fulci. Ich glaube ich muß den auch mal wieder einlegen.:D

  2. März 25th, 2009 | 18:03

    Nein, noch nichtmal besorgt. Leider war die letzte Börse ein totaler Reinfall, was das betrifft. Heute gibt's erstmal ZOMBI 2, dann GLOCKENSEIL, dann muss erstmal Nachschub geordert werden. Ach, Mist! :(

  3. März 25th, 2009 | 18:22

    Wieso Mist? Die sind doch mindestens ebenso poetisch.;)

  4. März 25th, 2009 | 18:31

    Nein, das bezog sich darauf, dass ich sie noch nicht habe. ;-)

  5. Schischa (1)
    April 8th, 2009 | 11:28

    Da bringe ich doch auch mal schnell meine Verzückung ob Deiner zünftigen Fulci-Wochen auf diesem Wege zum Ausdruck! Sehr schön und ich hoffe da folgt noch was nach…

  6. April 8th, 2009 | 12:38

    Vielen Dank, Schischa, und ja, da wird noch einiges kommen, aber erst einmal muss ich mir auch entsprechende DVDs besorgen … ;-)

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