Bevor das Remake kommt … 'The Last House on the Left'


Fast genau drei Jahre ist es her, dass ich Wes Cravens The Last House on the Left gesehen habe. Da das Remake unmittelbar bevor steht, dachte ich, ich frische das Ganze mal wieder auf. Ich hatte nicht mehr allzu viel in Erinnerung, am ehesten wohl die, wie ich damals noch dachte, äußerst unpassende Musik. Da wird fröhliche Volksfestmusik gespielt, während zwei junge Frauen den Alptraum ihres Lebens erfahren. Ein Gegensatz, wie er größer kaum sein könnte. Zieht man jedoch die Werbezeile des Filmes mit in Betracht (To avoid fainting, keep repeating "It's only a movie…It's only a movie…"), scheint die Musik nur ein konsequentes Mittel zu sein, ebenjene Tatsache, nämlich dass es sich hier 'nur' um einen Film handelt, zu untermauern. Betrachtet man die Musik nämlich genauer, so merkt man schnell, dass es die Art von Musik ist, die man hörte, als das Medium Film noch ziemlich jung war.

Es gab noch keinen Ton, über die Musik funktionierte viel mehr als heute. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass der Score von David Hess an ebenjene Filme, das Medium selbt, erinnert. Wie gesagt, es ist ja nur ein Film, also keine Angst vor all den Gräueltaten, die auf der Leinwand stattfinden. Doch die Musik zielt noch auf etwas anderes ab, eine weitere Funktion der 'Verharmlosung' wird ihr zuteil, nämlich das comic relief. Im Kontrast zur ganzen Brutalität lässt sie Gedanken an die Späße eines Dick und Doof aufkommen, eines, wie gesagt, Stummfilmes, der für gute Laune sorgen soll. Das funktioniert so weit auch ganz hervorragend, erst recht natürlich in Verbindung mit den beiden Polizisten, die nichts auf die Reihe bekommen und das comic relief in Reinform darstellen. Da wird Kuchen gemampft, während die Eltern über ihre vermisste Tochter klagen, da wird Schach gespielt, während man eigentlich der Freund und Helfer sein sollte und schließlich vergisst die Staatsmacht dann auch noch zu tanken.

In der Tat, die Polizei in Form der beiden tolpatschigen Cops bringt nichts auf die Reihe, versagt im entscheidenden Moment (der Wagen der Truppe steht vor ihrer Nase, aber sie müssen sich angeblich um Wichtigeres kümmern) und kommt am Ende zu spät, um das Schlimmste zu verhindern. Kurzum: die Polizei versagt auf ganzer Linie und es ist kein Verlass auf sie. Da wundert es natürlich nicht, dass der Bürger – hier: nicht der einfache, aber einfach lebende – das Gesetz schließlich in die eigene Hand nehmen muss, egal wie. Und wenn die im Haushalt obligatorische Waffe eben nicht will, dann nutzt man alles zur Verfügung stehende, und sei es eine Motorsäge. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein simples Pamphlet für die Selbstjustiz, erweist sich auf den zweiten Blick jedoch vielmehr als Spirale der Gewalt. Gewalt erzeugt Gegengewalt, das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Der Traum Weasels (Fred J. Lincoln, heute erfolgreicher Pornoregisseur, wie das Making-Of verrät), in dem ihn Dr. Collingwood (Richard Towers) und dessen Frau (Cynthia Carr) foltern, ist dabei das wohl interessanteste Indiz.

Doch auch die vorgetäuschte Verführung Weasels durch Mrs. Collingwood und ihre anschließende 'unkonventionelle' Rache deuten vielmehr auf perfide Rache/Folter – sprich Gleiches mit Gleichem – hin als auf eine reine 'Konfliktlösung'. Auch sie genießen den Ausbruch der Gewalt, wenn auch nur kurz. "Don't do it!", heißt es im finalen Moment, doch statt der Aufforderung der beiden Cops nachzukommen, penetriert die Motorsäge den Torso – ein Körperteil, dem im Laufe des Filmes sowieso eine große Bedeutung zuteil wird (das-in-die-Brust-Ritzen, das Ventil um Luft abzulassen, die gewachsene Brust).  Ganz zu schweigen natürlich vom Umwandeln des Wohnhauses in eine einzige Stolperfalle durch den Vater. Ein mögliches Motiv für all diese Taten ist sexueller Natur. Die beiden jungen Frauen führen eine innige Beziehung, die mich bisweilen an jene aus Haute tension erinnerte. Und auch das Böse in Form der Flüchtigen scheint permanent unter sexuellem Druck zu stehen. Nicht zuletzt wird auch auf die Eltern als Paar immer wieder eingegangen, Craven schenkt ihnen und ihrer Zweisamkeit viele Momente.

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass sich Craven selbst nicht so ganz sicher war, was er nun eigentlich mit The Last House on the Left erreichen wollte. Sicher, er meditiert über Gewalt und wie sie zum Alltag selbst des abseits lebenden Bürgers gehört, der sich fernab jeglicher Großstadtkriminalität in vermeintlicher Sicherheit wägt. Doch werde ich bei alledem, was eigentlich dagegen spricht, den Gedanken nicht los, dass Craven hier aber auch für Selbstjustiz/Vigilantentum oder zumindest das häusliche Aufrüsten plädiert, denn die Staatsmacht, das ist sicher, hat nicht das nötige Durchsetzungsvermögen. Es wird sich zeigen, was das Remake davon noch übrig lässt – oder sogar weiterspinnt? (8/10)


Tags , , , , , , , , , , ,

6 Kommentare zu “Bevor das Remake kommt … 'The Last House on the Left'”

  1. Mai 5th, 2009 | 14:21

    Ich glaube das von dir gewählte Bild sagt mehr als tausend Worte, auch wenn Craven dafür nur eine seine kurze Einstellung wählte. Nach dem Blutrausch kommt die Ernüchterung, keine Genugtuung, nur noch mehr seelisches Leid. Cravens offenes Bekenntnis zur Bergmans Jungfrauenquelle nicht vergessen.;)

  2. Mai 5th, 2009 | 18:14
    Cravens offenes Bekenntnis zur Bergmans Jungfrauenquelle nicht vergessen.;)

    Den habe ich absichtlich nicht mit eingebracht, da ich ihn noch nicht gesehen habe – aber wie ich gehört habe, soll er vorallem die "Ernüchterung" noch eindrucksvoller darstellen …

  3. Mai 5th, 2009 | 21:56

    Ich muss leider zugeben, dass die Polizisten mich einfach nur genervt und völlig aus dem Film gerissen haben. Sicherlich lockern sie das Geschehen auf, aber das war für mich dann doch etwas zu viel des Guten.

    Ich hatte die schon gar nicht mehr in Erinnerung. Dabei ist die Erstsichtung gar nicht sooo lange her …

  4. Mai 6th, 2009 | 11:33

    Oh dear, Cleric. Irgendwie ist dieser Text… nix.^^

  5. Mai 6th, 2009 | 12:23
    Oh dear, Cleric. Irgendwie ist dieser Text nix.^^

    Dieser Kommentar von Dir aber auch nicht! :p Was stört Dich denn, ich weiß, es ist einer Deiner Lieblinge …

  6. Michael (1)
    Mai 7th, 2009 | 13:28

    Das klingt ja echt schrecklich.Ich muss diesen Film unbedingt mal sehen, nachdem ich überhaupt nicht schlafen könnte…:(Spannend!

Kommentieren?