Warum ich bei Abrams' 'Star Trek' zwiegespalten bin …


Jeder, der hier regelmäßig vorbeischaut, weiß, dass ich J.J. Abrams' Reboot zu Star Trek von Anfang an skeptisch gegenüberstand. Die Darsteller schienen viel zu jung und mehr nach Daily Soap als nach einer Raumschiffcrew auszusehen (von ihrem Queernessfaktor ganz zu schweigen), zudem schien das Ganze – zumindest laut Trailer – mehr auf Effektraumschlachten ausgelegt zu sein als auf eine ordentliche Sci-Fi-Story. Nichtsdestotrotz habe ich mir den Film natürlich dennoch angesehen, ich wollte mich ja schließlich eines Besseren belehren lassen. Und siehe da, Abrams' Star Trek ist in der Tat deutlich besser als von mir erwartet. Doch von einem richtigen Film im Franchise des Universusm – egal ob nun Reboot, Remake oder wasauchimmer – ist er dennoch Lichtjahre entfernt, so viel will ich gleich voraus schicken. Abrams, der mit Cloverfield und Mission: Impossible III ja durchaus Erfahrung mit dem Blockbusterkino und seinen Spielereien hat, gelingen auch hier wieder großartige Effekte, denn selten zuvor sahen Raumschlachten so gut aus.

Doch Pustekuchen, denn anders als vermutet machen diese einen eher kleinen Teil des Filmes auch, was an und für sich ja nicht schlimm wäre, würde Abrams wenigstens mit einer ordentlichen Geschichte aufwarten. Doch das tut sein Star Trek absolut nicht, denn statt den wirklichen Ursprüngen des Franchise auf die Spur zu kommen, verheddert er das Ganze einmal mehr in einer Zeitreisestory, die uninispirierter und belangloser kaum sein könnte. Und genau hier liegt auch schon das erste große Problem, das von der breiten Masse jedoch so gut wie gar nicht angesprochen wurde. Denn sind wir doch mal ehrlich: hätte man das exakt selbe Handlungsgerüst mit der Crew aus den vorherigen Filmen um Picard und Riker genutzt, wäre der Film bis in alle Ewigkeit verdammt worden. Ein abtrünniger Romulaner, der sich rächen will – klingt für mich irgendwie stark nach Star Trek: Nemesis (und sieht auch so aus). Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass dieses lahme Zeitreisekonstrukt in dutzenden Serienepisoden deutlich besser abgehandelt wurde und es sowieso nur dazu dient, Leonard Nimoy in den Film zu bekommen.

Nur Abrams' Eigenwerbung für sein Softdrink Slusho und sein Kleefeldmonster waren da noch lahmer. Zugegeben, das alles klingt eigentlich ziemlich vernichtend; warum hat mir der Film aber dennoch zugesagt? Nun, zum einen ist es klar das Gefühl, das mit einem solchen Film verbunden ist. Ich würde mich durchaus als Trekkie bezeichnen, gab es doch eine Zeit, in der Star Trek für mich das Größte war (eine Uniform hatte ich jedoch nie, leider). Natürlich freut man sich da ziemlich, wenn das Franchise wiederbelebt wird und in aller Munde ist (und ferner auch ein breite(re)s Publikum anspricht). Des Weiteren schafft es Abrams des Öfteren auch so etwas wie Atmosphäre aufkommen zu lassen, ja, beispielsweise gleich im Vorspann oder in diversen Szenen auf der Brücke. Sobald das Signal des Roten Alarms ertönt und alle ihre Stationen bemannen, ist man einfach wieder 'drin', drin im Fieber. Da tendiert man dann auch dazu, solch eine blasse Figur wie Eric Banas Nero (ein Witz war das, aber was für einer) zu vergessen – zumindest bis zu seinem nächsten (kurzen) Auftritt.

Vielleicht gibt es doch so etwas wie Filme, bei denen man nicht zu viel nachdenken sollte und sich einfach dem Geschehen auf der Leinwand hingeben sollte. Wenn ja, dann ist Star Trek ein astreiner Vertreter dafür, denn je länger ich über den Film nachdenke, desto weniger gefällt er mir eigentlich. So schlug die Zufriedenheit direkt nach dem Besuch schnell in Wehmut um, denn nach kurzer Reflektion des Gesehenen, kamen sofort einige negative Aspekte auf. Was sollte beispielsweise die Szene mit dem jungen Kirk, der mit Oldtimer und Beastie-Boys-Musik nur knapp seinem Tode entkommt. Toll, jetzt wissen wir, was für ein harter Kerl James Tiberius Kirk (Chris Pine) doch ist. Halt, nein, erst noch ein Barkampf und ein Apfel während des Kobayashi-Maru-Test, dann ist er endlich der hartgesottene Mann, den der Kommandosessel der Enterprise braucht. Sowieso ist diese Wandlung, die sich bei Kirk vollzieht ein Witz und wird zudem noch viel zu schnell abgespult.

Eines muss ich dem Film aber dennoch lassen, nämlich seine Jungdarsteller (auch wenn keiner von ihnen an den charismatischen Bruce Greenwood herankommt). Diese agieren deutlich besser als erwartet und es würde mich nicht wundern, wenn der ein oder andere von ihnen in Zukunft öfter auf der Leinwand zu sehen wäre (so etwas macht sie nur noch sympathischer). Insgesamt ist J.J. Abrams Star Trek der erwartete Blockbuster für die breite Masse, die mit dem Franchise bisher vielleicht überhaupt nichts am Hut hatten. Und immerhin hat solch ein Film ja auch den Vorteil, dass er auf das 'richtige' Franchise aufmerksam macht, das, so zeigt Abrams' Film ebenfalls, wohl unerreicht bleibt. Ach ja, vielleicht sei noch gesagt, dass mich die überall angeführten lense flares so gut wie nicht störten, da ich sie als nicht gerade sehr penetrant ansah. (6.5/10)


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12 Kommentare zu “Warum ich bei Abrams' 'Star Trek' zwiegespalten bin …”

  1. Mai 16th, 2009 | 17:40

    und belangloser kaum sein könnte

    Bedenkt man die Auswirkungen des Grundtheorems des Films, kann man das ja wohl nicht gerade "belanglos" nennen, gerade in Bezug auf die bisherige Serien-Kontinuität, die von Abrams hinweggefegt wurde – Do not like it!

  2. Mai 16th, 2009 | 17:49

    Ich verstehe nicht ganz, was Du meinst (Du meinst das Theorem ist gerade deshalb "komplex", da es sich von der Kontinuität der Serie abkoppelt und ein eigenes Zeitreiseverständnis entwickelt?)? Die Kontinuität der Serie wirft er komplett über Bord, ja – am deutlichsten fiel mir das beim Beamen auf – bei Warp beamen? Häh, habe ich da was verpasst …

  3. Mai 16th, 2009 | 18:11

    Ach, diese ganz technischen Kleinigkeiten meine ich gar nicht, da soll er von mir aus machen, was er will. ;-) Ich zitier mich mal selber:

    Das Konzept den durch die Zeit reisenden Nero dazu benutzen, den Reboot des Franchise auf die Spitze zu treiben, und somit einen Wandel innerhalb der Serienkontinuität zu evozieren, der mit einem Schlag fünf Serien und zehn Kinofilme obsolet macht, ist abzulehnen, weil völlig unnötig gewesen.

    Will heißen, wenn ich das richtig aufgefasst habe (Bekomme von Zeitreisen immer Kopfschmerzen) das durch die Zeitreise Neros die Geschichte, wie sie in den bisherigen Filmen und Serien erzählt wurde, nicht mehr existent ist(Meiner Meinung gehen die Macher des Films an dieser Stelle nicht von Paralell-Universen aus) Konkretes Beispiel: Der Vulkan ist zerstört, Spocks Mutter im Eimer – Und schon machen z.B. Star Trek II-IV, die zum Teil auf Vulkan spielen, keinen Sinn mehr, bzw. anders ausgedrückt: In der Logik der in "Star Trek XI" erzählten Geschichte, wird es zu diesen Eregnissen nicht mehr kommen können, und schwupps kann man alles bisherige vergessen. Und das nervt mich. :D

    Und der Punkt ist ja der, das das alles nicht nötig gewesen wäre. Die sonstigen Modernisierungen die der Film vorgenommen hat, alles gut und richtig, aber diesen Zeitreise-Mist hätte man sich sparen können. Habs bei mir schon mal geschrieben: Ich frage mich ob Star Wars Fan Abrams sich auch erlaubt hätte einen Star Wars Film zu machen, der die Ursprungstrilogie innerhalb der Serien-Logik oboslet macht. I doubt that!

  4. spidy (36)
    Mai 16th, 2009 | 20:56

    Zum Glück bin ich kein Trekkie und war es auch nie, deswegen hat mich sovieles überhaupt nicht wirklich gestört, erstens weil ich mich nie wirklich mit dem Star Trek Universum beschäftigt habe, klar kenne ich die einzelnen Serien, habe davon mal mehr oder auch mal weniger Folgen angesehen, kenne auch die Kinoabenteuer, deswegen fand ich die Geschichte mit den "Zeitreisen" völlig egal, dass war eigentlich auch der Aspekt im Film, der mich am wenigstens interesiiert hat.

  5. Mai 17th, 2009 | 21:06

    Da ist schon richtig, C.H.: Das ist ja auch das m.E. einzig wirklich Interessante am Film – er reflektiert seinen eigenen Reboot-Charakter. Es wird eindeutig von "Spock Prime" gesagt, dass durch Neros Zeitreise und den Tod von Kirks Vater (und die weiteren Ereignisse) eine alternative Zeitlinie geschaffen wurde, die von dem Universum, aus dem er stammt, stark differiert. Der Film weist ziemlich deutlich auf den eigenen Charakter als Neustart hin. Ob damit die bisherigen Serien und Filme obsolet werden, ist vielleicht anzuzweifeln: einmal kann man sie sich ja gerne wieder anschauen (eine Möglichkeit, die von mir gerne genutzt wird :D ), ein andermal ist bestimmt nicht ausgeschlossen, dass Paramount vielleicht einmal in das "alte" Star Trek Universum zurückkehrt. Aber sobald gewiss nicht…

    Ich sehe das jedoch auch kritisch: Anstatt sich liebevoll und fürsorglich um den angesammelten Altballast, der ja Star Trek ausgemacht hat, zu kümmern, hat man ihn nun abgeworfen. Ich finde das recht feige und faul.

  6. Mai 18th, 2009 | 11:09

    Wieso sollte einem der "Queerness"-Faktor im Vorfeld eigentlich Unbehagen bereiten – wenn man nicht total verklemmt ist? :)

  7. Mai 18th, 2009 | 21:38

    Wieso sollte einem der "Queerness"-Faktor im Vorfeld eigentlich Unbehagen bereiten – wenn man nicht total verklemmt ist? :)

    Ich sagte ja nicht, dass es mir Unbehagen bereitete, nur, dass ich es unpassend fand (und eben gar nicht ST-like). Ich will ja keinen Gaypr0n sehen, sondern einen Sci-Fi-Film. ;-)

  8. Peter von Frosta (13)
    Mai 19th, 2009 | 9:07
    Wieso sollte einem der "Queerness"-Faktor im Vorfeld eigentlich Unbehagen bereiten – wenn man nicht total verklemmt ist? :)

    Ich sagte ja nicht, dass es mir Unbehagen bereitete, nur, dass ich es unpassend fand (und eben gar nicht ST-like). Ich will ja keinen Gaypr0n sehen, sondern einen Sci-Fi-Film. ;-)

    Also schwuler als Bill Shatners Kirk in der Classic Serie konnte der Reboot eigentlich kaum werden ;)

  9. Ben (1)
    Mai 25th, 2009 | 0:55

    schon mal daran gedacht das es für nachfolgende Produzenten praktisch ist das die Geschichte von neum beginnt?
    Die haben bestimmt keine Lust alle Filme und Serien zu berücksichtigen um ja keine Fehler zu machen…
    So kann niemand vorwerfen das etwas nicht sein kann weil in episode xy das so und so war…

    naja nur so ein gedanke warum jemand so etwas macht.

  10. CherryGirl Hllenbrut (1)
    Juni 14th, 2009 | 20:12

    Gott war das ein scheiß Film.
    Ich bin immer wieder entsetzt wieso so was so gut abschneiden kann?

    Ja die Darsteller waren ganz gut gecastet, ja die Effekte waren strecken weise ganz ok (Design und Ideen lassen trotz ordentlich gerendertem CGI trotzdem zu wünschen übrig, zulus merkwürdiges klip klap katana LOOOOL) aber das hat man woanders auch und dafür nicht sone bekackte müll Story nebst lachhafter Handlung, die konfus und absolut oberflächlich inszeniert ist dazu eine priese über dramatische obszön unglaubhaften Charaktere (fassen wir zusammen Twink-Kirk soll als wie möchte man das bezeichnen als ungeladener "gast" war ja btw nicht für die mission eingeteilt, der wieder aufs schiff heimlich beamt, nach dem er vom schiff geworfen wurde, diesen Logik futzi der das Kommando hat Emotional belasten bis er nicht mehr fähig ist den captain posten zu halten, nur um ihn selbst zu ergreifen, obgleich er für alle offensichtlich sich irrationaler und unreifer verhält ? und nicht mal korrekt in die Hierarchie auf dem Kahn integriert ist? Nicht zu erwähnen das absurde Zeit Paradoxon und und und

    dann ein interstellare Raumschiff was von Innen aussieht wie ein angestrichener Öltanker ein Warpkern der mit einem lustigen "wasserutschen" KühlSystem versehen ist, selbst wenn man keine Ahnung von Teilchenbeschleunigern hat wirkte das ordentlich Retro zu Retro um glaubwürdig zu sein. Ach ja und die hoch schwanger Mrs Kirk die im Brennenden Inferno ihren theatralisch gebährenden Auftritt feiert… und jesu ähh… Kirk von Irrationet zu Welt bringt BAD BOY… oh Jungs aber sonst gehts noch "wieso liegt hier eigentlich Stroh!"

  11. Juni 25th, 2009 | 21:34

    Ich kann den letzten Kommentar nur unterstützen, cool geschrieben ! Ein echt mieser Film…

  12. September 7th, 2013 | 20:40

    [...] aus der Blogosphäre: Cellurizon: 9/10 Punkte Equilibrium: 6,5/10 Punkte Der Kinogänger: 8,5/10 Punkte myofb.de: 8/10 Punkte Tonight is gonna be a large [...]

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