Lucio Fulci Retro: 'The Beyond'


Der deutsche Verleihtitel (der übrigens ob der Zombiewelle in der BRD darauf bestand, dass Fulci Zombiemassen einbaut) beschreibt Fulcis E tu vivrai nel terrore – L'aldilà wohl am besten: Die Geisterstadt der Zombies, denn das, was da in Louisiana vor sich geht, ist in der Tat mit einer Geisterstadt gleichzusetzen. Ein Fluch, der Tote in Untote verwandelt, eine Stadt, die mehr nach mystischem Dorf als nach Großstadt aussieht und eine junge Frau (Fulcis Bank: Katherine MacColl), die von Visionen heimgesucht wird. Fulci greift auch hier wieder altbekannte Motive auf, die er bereits ein Jahr zuvor in City of the Living Dead so atmosphärisch dicht zusammenführte. Nicht umsonst wird The Beyond gerne auch als Mischung aus City of the Living Dead und The House by the Cemetery bezeichnet. Und dennoch verfügt The Beyond über genügend Originalität, um als eigenständiger Film zu funktionieren. Fulci gelingt es hier nämlich – allen voran im Vergleich zum Glockenseilzombie – eine Atmosphäre und Spannung aufzubauen, die dem zeitlich später entstandenen Pfarrer, der sich erhängt, doch deutlich überlegen ist.

Er führt Momente wie das plötzliche Erscheinen von Toten oder abgründige Visionen konsequenter um, was sich vor allem in der Figur der blinden Frau mit Hund zeigt. Allein ihre pure Erscheinung sorgt bereits für Gänsehaut, ganz zu schweigen davon, wenn Fulci sein Augen-Close-Up auf sie anwendet. Der Hund – ein deutscher Schäferhund, der ihr so treu zur Seite steht wie man es sonst nur von Führerportraits kennt – sorgt deshalb ebenfalls für ein gewisses Schaudern. Etwas später wird Fulcis 'Tierfetisch' dann auch auf den Höhepunkt getrieben, wenn er riesige Spinnen im Verbund mit Plastikspinnen auf sein hilfloses Opfer jagt, das schließlich vor dem Hintergrund eines mindestens so absurden wie genialen Sounddesigns – tumulder geht in seiner tollen Besprechung darauf etwas näher ein – zerlegt wird. Und genau hier steckt der Charme so vieler Filme des Italieners – es ist die Naivität, mit der er bewusst zur Sache geht, die man seinen Filmen stets ansieht, aber gerade deshalb auch so schätzt, denn irgendwie ist es ja nur ehrlich. Ehrliches Filmemachen eben. Und schließlich 'verzaubert' es dennoch, etwas, das heute nur noch den allerwenigsten gelingt. Es ließen sich noch so einige Szenen dahingehend auformulieren, aber wer einen Fulci gesehen hat, der weiß, dass es fast auf den ganzen Film in all seinen Aspekten zutrifft.

Und dennoch hat mich speziell dieser Fulci zwiegespalten zurück gelassen. Einerseits sind hier viele seiner Marotten nahezu perfekt – die Spinnenszene macht mir immer noch Angst -, die Tode sind nicht nur technisch, sondern auch inszenatorisch so gut wie selten zuvor (wie genial ist denn bitteschön der Säureüberfall?). Auch der Fokus auf die Augen besitzt hier eine völlig einnehmende Schönheit, die bisher kaum so intensiv war wie hier. Andererseits störe ich mich jedoch am Plot selbst, der hier nun wirklich auf ganzer Strecke versagt. Und dabei will ich noch gar nicht mal auf das fast schon indifferente nicht-auf-den-Kopf-Schießen hinaus, sondern irgendwie ging es mir einfach so, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, was mir Fulci hier eigentlich erzählen will. Aber wenn ich so drüber nachdenke … das macht ja eigentlich nichts, denn Fulci war selten ein guter Geschichtenerzähler. Heute würde man seinen Stil wohl style over substance nennen, was die Endszene des Filmes nochmals eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die beiden Protagonisten finden sich buchstäblich in einer entrückten Stadt wieder, irgendwo zwischen Himmel und Hölle, Über dem Jenseits. Es gibt nur wenige Filme, die eine einzige Einstellung rechtfertigt. The Beyond ist einer von ihnen. (7.5/10)


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