Michael Bay, Fetische, Weltsichten und das Militär


Einer der interessantesten Aspekte, wenn es um Michael Bays filmisches Œuvre geht, ist sicherlich sein Hang zur Technik und deren Hochglanzinszenierung. Viele sprechen in dieser Hinsicht von einem Fetisch, was angesichts seines jüngsten Filmes, Transformers: Revenge of the Fallen, sogar durchaus zutreffen mag. Den interessantesten Aspekt, abseits von der Sexualisierung des Plots samt seiner Infantilität (die m.E. sowieso Spielberg zuzuschreiben ist), bildet Bays Zusammenarbeit mit den Streitkräften und deren engsten Verbündeten, den Rüstungsfirmen. Es verwundet nicht, wenn man im Abspann eine ellenlange Liste von beteiligten Rüstungsfirmen liest, die natürlich die tüchtigsten und größten in diesem Bereich aufführt. Neben dem obligatorischen Dank an das beteiligte Militärpersonal (in Form von Beratern, Waffenexperten, etc.), gibt es auch einen speziellen Dank an 'All Men and Women of the U.S. Armed Forces'.

Das ist nicht etwa nur ein feiner Schachzug Bays an seine Helfer, sondern auch ein deutliches Zeichen seiner Ideologie, die nicht nur hier, sondern in allen seinen Filmen immer wieder zum Vorschein kommt. Ähnlich wie im ersten Teil manifestiert sich dies nicht nur in der heroischen Darstellung der Streitkräfteangehörigen, sondern auch in Form des karikierten Politikers. Die rechte Hand von Präsident Obama (der einige Male wörtlich genannt wird) ist es hier, die – wie bereits der Präsident aus dem Ersten (eine Karikatur George W. Bushs) selbst – nicht nur lächerlich daherkommt, sondern die auch verspottet wird. Dies zeigt sich nicht nur in seiner Ausdrucksweise ("You are paid to fight, not to talk, soldier!"), sondern auch in Bays Darstellung selbiger. Da wird von langer Hand geplant, dass die Politik buchstäblich über Bord geworfen wird, denn am Ende weiß ja doch der Soldat am besten, was im Krieg zu tun ist.

Ein bekanntes Muster, schaut man sich einmal beispielsweise The Rock an, der ein ähnliches Szenario spinnt. Auch wenn die Gefahr vom Soldaten selbst ausgeht – einem äußerst ehrenvollen zudem -, sind Zivilisten dennoch völlig hilflos ohne das Militär (ohne zu weit abschweifen zu wollen, ist es das Militär, welches das Wissen und die Technik zur 'Lösung' des Problems hat; ferner sind es die Militärs, die sich selbst in der Krise noch ehrenvoll begrüßen und ansprechen – schließlich schweißt der gemeinsame Dienst [hier: Panama, Desert Storm] zusammen; der Höhepunkt ist dabei sicherlich der Dialog zwischen Michael Biehns Commander Anderson und Ed Harris' General Hummel [vom Drehbuchschnitzer des Steines mal ganz abgesehen]). Das verblüffende ist dabei sicherlich, dass der Politiker mit dem, was er da von sich gab, gar nicht unbedingt so falsch lag. Doch wenn Kameraden in Gefahr sind, dann ist jedweder Auftrag (hier: der Rückzug) egal, es gilt der Kamerad, der in Gefahr ist und der Unterstützung braucht.

Da ist es auch egal, wenn man dafür ausländisches Hoheitsgebiet penetriert und jegliche kulturelle Errungenschaft außer Acht lässt (sowieso ist dieser ein ebenfalls interessanter Aspekt, denn Bay zerstört nicht nur Pyramiden, sondern auch Bibliotheken und andere Kulturgüter). Schließlich geht es aber auch um das Fortbestehen der Menschheit und ihrem Planeten. Bei Bay heiligt der Zweck stets die Mittel, er fragt auch gar nicht erst, wie einst Robert McNamara "How much evil must we do in order to good?", sondern lässt die Militärmaschinerie heißlaufen. Diese fährt dann auch alles auf, was gut und teuer ist. Durfte Lockheed Martin im Ersten noch stolz die F-22 präsentieren, steht ihr die gute alte F-16 im Zweiten zur Seite. Diese fliegen natürlich stets in Formation und von der Sonne buchstäblich lackiert. Erstmals darf sogar die B-1 (Stückpreis 200 Millionen Dollar) mitspielen, denn schließlich sind die Decepticons zahlreicher geworden.

Auch die Streitkräfte sind zahlreicher geworden, zumindest ihre Kampfkraft. Konnten sie im ersten Teil noch kaum etwas anrichten, kämpfen sie hier Seite an Seite mit den Autobots (die wiederum auch stets betonten, dass sie Soldaten seien) und können deutlich mehr Schaden anrichten als noch zwei Jahre zuvor. Bay fährt in der letzten halben Stunde also fast alles auf, was die (Teil-)Streitkräfte zu bieten haben: Flugzeuträgerverbände, Kreuzer, Panzer, Predatordrohnen und natürlich auch Helikopter, die meist jedoch dran glauben müssen (dekonstruiert Bay hier etwa seinen eigenen Mythos?). Diese Zurschaustellung von militärischer Überlegenheit – sowohl in der Filmwelt, als auch im realen Leben – befriedigt nicht nur Bays Technikfetisch und veranschaulicht dem Rezipienten zudem seine Weltsicht, sondern hat ganz klar auch ökonomische Vorteile.

Wohingegen viele Filmproduktionen teures Gerät leihen müssen, stellen es Bay die Streitkräfte zur Verfügung, dass er sie laut Aussagen stets in einem äußerst positiven Licht hat erscheinen lassen. Des Weiteren dürfte es natürlich auch die Rekrutierungszahlen ansteigen lassen, ist die Zielgruppe des Ganzen doch schließlich männlich und in wenigen Jahren im wehrfähigen Alter. Mehr Fliegen kann man also nicht mit einer Klappe schlagen. Auch das Pathos, dessen sich Bay immer wieder gerne bedient, verlangt nach dem Militär. Seine enge Verzahnung mit dem Patriotismus, der wiederum mit dem inszenatorischen Pathos einher geht, ist omnipräsent. Bay liebt es seine Figuren in Zeitlupe laut schreien zu lassen, um Kameraden – ja, auch Sam ist einer, man denke nur an Major Lennox' Worte "You're a soldier now!" – zu trauern und dabei den Krieg stets im Hintergrund laufen zu lassen.

Krieg, das ist in Bays Kosmos ein einziges großes Indianer-und-Cowboy-Spiel, das einer gewissen Romantik nicht entsagt und in der Mise-en-scène auch genau so eingefangen wird – in Zeitlupe, meist ohne Dialoge, aber mit lauter orchestraler Musik, die das Ganze zusätzlich verklärt und romantisiert. Sowieso zeigt sich Bays Sicht auf die Welt buchstäblich an der Oberfläche – da sitzen in der Vorlesung nur Models, Megan Fox schraubt am Motorrad rum und beschmutzt sich dabei mit Öl und Eltern sind gefangen zwischen Fortschritt und Reaktion. Das macht Michael Bay sicherlich zu einer der interessantesten Personen Hollywoods, egal, wie man das alles nun werten mag.


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18 Kommentare zu “Michael Bay, Fetische, Weltsichten und das Militär”

  1. Juni 30th, 2009 | 19:06

    (…) Bay zerstört nicht nur Pyramiden, sondern auch Bibliotheken und andere Kulturgüter). Schließlich geht es aber auch um das Fortbestehen der Menschheit und ihrem Planeten.

    Da stellt sich jetzt die Frage, ob man die Menscheit als solche überhaupt ohne Kultur bezeichnen kann? Rechtfertigt das Überleben die Zerstörung der Kultur und selbst wenn, ist ohne Kultur der Mensch noch "Mensch"? Oder nicht schon gar (wieder) ein "Tier"? Beziehungsweise zurück vom homo ludens auf das Niveau des homo faber? Und alles nur, um des Überlebenswillen?

  2. Juni 30th, 2009 | 19:12

    Das macht Michael Bay sicherlich zu einer der interessantesten Personen Hollywoods, egal, wie man das alles nun werten mag.

    Neee, ganz bestimmt nicht. Ich mag seine Filme ja durchaus unterhaltsam finden, aber interessant ist dann doch was anderes. Interesannt ist, wenn ich mir nach Sehen des Films über diesen noch Gedanken mache – Und das ist bei Bay sicherlich nicht der Fall. Dieses Krach-Bumm-Schepper ist mir dann doch echt zu unwichtig. ;-)

  3. Juni 30th, 2009 | 19:16

    Neee, ganz bestimmt nicht. Ich mag seine Filme ja durchaus unterhaltsam finden, aber interessant ist dann doch was anderes. Interesannt ist, wenn ich mir nach Sehen des Films über diesen noch Gedanken mache – Und das ist bei Bay sicherlich nicht der Fall. Dieses Krach-Bumm-Schepper ist mir dann doch echt zu unwichtig. ;-)

    Ich sprach hier aber von Bay als Person und nicht seinen Filmen. ;-)

  4. Juni 30th, 2009 | 20:19

    Du hast das schon ganz richtig beobachtet. All der Militarismus in Bays Filmen generiert sich eher aus einer ökonomischen Haltung heraus als aus einer politischen. Bay Filme sind ja überhaupt keine politischen, sondern einfach nur unüberlegte Redundanz. Das macht ihn in meinen Augen aber auch gerade zu einem der uninteressantesten Menschen in Hollywood.;)

  5. Juni 30th, 2009 | 20:25

    Nein, also da würde ich widersprechen wollen. Sein Kino ist definitiv politisch, was die Politiker-Szene ja deutlich zeigt. Ich denke, dass sich ökonomische und politische Gründe die Waage halten, denn ohne (teure) Technik kein Bummbumm, aber ohne Heroisierung der Streitkräfte gibt es durchaus auch Bummbumm.

  6. Juni 30th, 2009 | 20:45

    Die würden ihm dann aber nicht mehr ihre Spielzeuge für lau auf die Matte stellen. Da könnte Bay zwar immer noch Bumm produzieren, jedoch nicht den Buuuuuuuuuuuumm, den er sich vorstellt.^^ Nein ich glaube der Ökonom verläßt sich bei der Heroisierung auf all die Kleine-Jungen-Köder, die schon immer gezogen haben. Da wir beide ja auch zu den kleinen Jungen gehören, mache doch mal einfach den Test für welchen Film wir uns wohl an der Kinokasse entscheiden würden, hätten wir nur diese beiden Bilder als Entscheidungskriterium.^^

  7. Juni 30th, 2009 | 20:57

    Na, Letzteres natürlich. ^^ Und denke dennoch, dass Bay politisch ist, da kannst mich nicht von wegbringen. :p

  8. Juni 30th, 2009 | 21:12

    Hauptsache wir gehen in den gleichen Film.:)

  9. Peter von Frosta (31)
    Juni 30th, 2009 | 21:13

    Hast The Rock schon länger nimmer gesehen, oder? Nick Cage spielt einen FBI Agenten, und das Wissen von Connerys Charakter stammt ja nicht aus seiner Tätigkeit als Spion (wobei der zugegebenermassen sicherlich in seiner Tätigkeit vom Militärdienst wegrekrutiert wurde), sondern als Ausbrecher ;-)

  10. Juni 30th, 2009 | 21:21

    Warum hört mir denn keiner zu? ^^ Peter, ich bezog das darauf, dass das Militär schließlich das Thermite-Plasma besitzt, das ja auch eingesetzt wird. Klar ist hier auch ein 'Zivilist', sprich Cage, intelligent und der Held, aber ohne Militär würde gar nichts gehen (wie denn bitteschön auf The Rock kommen ohne die SEALs?). ;-)

  11. Peter von Frosta (31)
    Juni 30th, 2009 | 21:32

    Das Thermite-Plasma war doch am Ende überflüssig, oder? Weil Nick Cage hats auch alleine hingekriegt.
    Aber ich verstehe schon worauf du hinaus willst. Ich glaube aber nicht das Bay hier speziell einen Militär-Fetisch hat, sondern generell einen Authoritäts-Fetisch (und zurecht einen Technik-Fetisch, seine Filme sind ja generell eher kühl gehalten). Siehe hier auch die Polizisten in Bad Boys oder Bounty-Hunter in Die Insel. Bay setzt halt alles gerne in Szene was fett aussieht ^^

  12. Juni 30th, 2009 | 21:41

    Ja, da will ich nicht widersprechen. Mit Autoritäten hat er es definitiv. Der Militärfetisch zeigt sich dennoch immer wieder, und wenn es nur im Detail ist. Schau Dir doch mal die ganze Cemetery-Szene an – er hält Kameradschaft jedenfalls für das Wichtigste – egal ob bei Cops, Soldaten oder Agenten. Ich denke, dass er den Dienst der 'Beamten' auch sehr schätzt und sie stets gut wegkommen lassen will in seinen Filme – als Dank quasi.

  13. Peter von Frosta (31)
    Juni 30th, 2009 | 22:00

    Ich frag mich wo das herkommt. Stammt er vielleicht aus einer Militärfamilie?

  14. Juni 30th, 2009 | 22:16

    Nein, stammt er nicht. Weiß auch nicht, woher so was kommt – weiß es ja nicht mal bei mir selbst. ^^

  15. Peter von Frosta (31)
    Juni 30th, 2009 | 22:56

    Nuja, bist ja generell eher (leicht) konservativ eingestellt wenn ich das mal so sagen darf ^^

  16. Juli 1st, 2009 | 11:26

    [...] II – Revenge of the Fallen Hier mal ein schöner Beitrag zu Bay: http://www.equilibriumblog.de/wordpr…-das-militaer/ Alles sehr schön auf den Punkt gebracht! __________________ "When I get sad I stop [...]

  17. Juli 4th, 2009 | 1:03

    Stefan, dieser Text ist eine mittelschwere Katastrophe.

  18. Juli 4th, 2009 | 2:24

    Stefan, dieser Text ist eine mittelschwere Katastrophe.

    Erzähle mir bitte mehr! (ist mein Ernst, nicht immer nur solche Floskeln :D :p)

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