Tony Scott und die Finanzkrise: 'The Taking of Pelham 1 2 3'


Manchmal hat man das Gefühl, dass sich Tony Scott und Michael Bay nichts schenken. Zumindest wenn es um die Optik geht. Wer da nun zu erst schnelle Schnittgewitter, 360-Grad-Schwenks und Helikopter zusammenführte sei dahingestellt. Tony Scotts Remake des gleichnamigen 70s-Thrillers beginnt dann auch mit dem erwarteten Schnittgewitter, gemäß der Tatsache, dass in der New Yorker U-Bahn niemals Stillstand herrscht und es hektisch zugeht, legt er gleich den Grundstein für den Plot. Und auch wenn es im Vergleich zu seinen letzten Filmen – allen voran Untertiteltechnisch – deutlich zahmer zur Sache geht, so lässt er doch keine optische Spielerei aus: von massiven Farbfilter bis hin zu Freeze Frames (und einer Google Earth ähnlichen Sequenz), und das alles in nur wenigen Minuten, so dass den ersten schon wieder schwindelig werden dürfte. Den Rest des Filmes bleibt es dann deutlich ruhiger, zumindest bis es an den Geldtransport geht, der eine unglaubliche Dynamik hat, auch wenn der Verlauf des Ganzen auch ohne Kenntnis des Originals schnell deutlich wird. Bevor dann auch die ersten Helis in der Luft sind, beschränkt sich Scott meist auf die Kameraschwenks um seine beiden Protagonisten. Kaum eine ruhige Einstellung bekommt man während des Kammerspieles – es beschränkt sich lange Zeit auf nur zwei Handlungsorte – spendiert, stets ist alles in Bewegung.

Ganz im Gegensatz zur Pelham 123. Dieses Duell zwischen Washington und Travolta funktioniert dann auch überraschend gut, entbehrt auch einer gewissen Spannung nicht, nur verkommt Travolta relativ schnell zur Witzfigur, wenn er Worte wie motherfucker inflationär häufig gebraucht, dazu mit einer Mimik 'glänzt', die an den Nic Cage der letzten Jahre erinnern. Auch die Sache mit der modernen Technik (wir erinnern uns, im Original gab es noch kein WLAN oder Mobilfunk) wird mehr schlecht als recht gelöst, so dass es nicht ganz passen will, wenn sich Scott an großen Monitoren und allerlei anderem Technikgedöns ergötzt. The Taking of Pelham 1 2 3 wäre gerne eine große Abrechnung mit den Profiteuren der Finanzkrise (die Sozialkritik gerät hier aber schnell an ihre Grenzen), unterscheidet sich gerade deswegen auch in großen Teilen vom Original (was nicht schlecht ist, im Gegenteil), stellt sich aber immer wieder selber ein Bein. Für einen spannenden Thriller mit schönem setting reicht das aber allemal. Und mindestens einen Pluspunkt für Maria Bartiromo (yummy!), die das Finanzgeschehen kommentieren darf. (7.5/10)


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Ein Kommentar zu “Tony Scott und die Finanzkrise: 'The Taking of Pelham 1 2 3'”

  1. Juli 11th, 2009 | 15:24

    wenn er Worte wie motherfucker inflationär häufig gebraucht

    In der Tat.

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