Träume, die hoffentlich nie wahr werden …


Träume sind meist eine sehr persönliche Sache, was auch der Grund ist, weshalb ich solch ein Traumerlebnis niemals in einem Blog breittreten würde. Anders aber letzte Nacht: ich habe keinen blassen Schimmer, weshalb ich gerade davon geträumt habe, aber es handelt sich um etwas, das ich nur zu gerne teile, ist das Thema doch vor allem unter Filmfreunden ein stets aktuelles und vor allem auch wichtiges. Irgendwie fand ich mich also in einer Art Klassenzimmer, ein ziemlich großes wohlgemerkt. Ich saß wie ein Schüler an einem Tisch, eine Reihe vor mir, auf einer Erhebung, einige ältere Herren, bebrillt und nicht gerade mit freundlichen Gesichtsausdrücken versehen. Irgendwann meint einer der Herren, nach einer längeren Rede, dass die Zensur – er benutzte ein anderes Wort, das ähnlich klang, aber eindeutig als 'Zensur' auszumachen war; wohl ein Fantasiewort oder ein Neologismus – doch das beste sei (!), dass dieses Land je gesehen habe.

Nach Sekunden der Schockstarre springe ich auf und erhebe quasi Einspruch. Ich erkläre mich irgendwie, in dem ich klassische Musik benenne (ich erinnere mich an Händel), die niemand zensieren würde, da sie ein signifikantes Kulturgut darstelle. Wenig später kommen wir, also ich und der 'Vorsitzende' dieses was-auch-immer-Ausschusses, zum Medium Film. Er nennt Jaws und brüskiert sich darüber, wie hier Gewalt gegen Menschen gefeiert würde (ich weiß, das klingt abstrus, aber es handelte sich definitiv um diesen Film). Ich verweise auf die Freiheit der Kunst, versuche ihn davon zu überzeugen, dass auch das Medium Film die gleichen künstlerischen Rechte wie die (klassische) Musik genießen sollen dürfte. Während der ganzen Zeit stehe ich auf verlorenem Posten, denn obwohl der Raum voll mit Menschen ist, so versucht mich doch keiner von ihnen zu unterstützen.

Die ganze Diskussion findet übrigens auf Englisch statt, die Männer, die da erhöht vor mir und den anderen sitzen, tragen lediglich Anzug, keinerlei Uniform oder sonstige besondere Merkmale. Als nächstes kommt The Texas Chain Saw Massacre ins Spiel (dessen Blu-ray ich vorgestern erhalten habe und die ich rezensieren werde – deshalb eventuelle dieser Traum?), nun scheint der ältere Herr sein Stück Fleisch gefunden zu haben, auf das er sich wie ein hungriger Bluthund zu stürzen scheint. Ich komme kaum noch zu Wort, er redet von Menschenverachtung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und anderen hohlen Phrasen. Ich hingegen versuche auf die politischen und gesellschaftlichen Allegorien und Metaphern des Filmes aufmerksam zu machen, zu veranschaulichen, dass besonders dieser Film zu unrecht massiver Zensur zum Opfer fiel. Natürlich wird dies sofort als Nonsens abgestempelt, auch von den anderen Herren, die da oben so beharrlich sitzen, feist und graumeliert.

Da springt plötzlich jemand aus dem Publikum auf, endlich, es ist, da bin ich mir sicher, warum auch immer es er ist, aber er ist es, tumulder auf und kommentiert das Ganze mit nur drei Worten: "Realitätsfern ist das!" und setzt sich wieder. Ich bin froh, dass ich nicht der Einzige bleibe, der hier versucht die Freiheit zu verteidigen – gegen diesen Haufen von ignoranten alten Säcken. Wenig später wird eine Szene aus TCM gezeigt, doch sobald Leatherface die Säge schwingt, setzt eine Art Dinosaurier-Zeichentrickfilm ein, der natürlich familienfreundlich daherkommt und nicht nur mir, sondern auch den anderen im Publikum die Sprache verschlägt, wurde doch jede Kopie des Filmes auf diese Art und Weise zensiert. Es dauert nicht lange, da werfe ich den Terminus 'Faschismus' in den Raum und entgegen der älteren Herren. Wenig später wache ich auf und bin doch leicht verstört … so realitätsfern scheint das ganze Szenario dann ja leider doch nicht.


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2 Kommentare zu “Träume, die hoffentlich nie wahr werden …”

  1. Januar 3rd, 2010 | 16:26

    Ich bin gerührt, in Süddeutschland erscheine ich in einem Traum.:D Aber dein Fazit ist nicht ganz realitätsfern. Faschismus ist ein hartes Wort. Wenn ich der Gesellschaft jedoch vorschreibe, was gut und was schlecht für sie ist, welcher Film schön und welche Kunst für sie nicht geeignet ist, dann darf man auf die Parallelen jedoch zumindest hinweisen. Es geht ja weniger um den Jugendschutz selbst, als um die Methode mit der er umgesetzt wird. Natürlich steht die Theorie, dass Menschen alles nachahmen, was sie sehen, dahinter. Die setzt natürlich eine Unmündigkeit des Bürgers voraus, der in den Köpfen der Schützer nicht fähig ist, das Gesehene zu reflektieren. Ich habe gerade den äußerst fragwürdigen Anti-Kinderporno-Spot im Fernsehen gesehen. Der hat nicht etwa die Botschaft, doch bitte den Arzt um Hilfe zu bitten, falls man auf kleine Jungen und Mädchen steht, sondern warnt nur vor dem Ansehen von Kinderpornoseiten. Davon kann man anscheinend pädophil werden. Einfach nicht hinsurfen (wo immer die Seiten auch sein mögen), dann wird es schon. Das ist doch realitätsfern.

  2. Januar 3rd, 2010 | 16:42

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