Die besten Filmpodcasts im Netz


Ähnlich wie Twitter oder diverse soziale Netzwerke gehört sicherlich auch das Format Podcast zum Web 2.0. Kollege Thorsten, der gestern nach hörenswerten Podcasts rund ums Thema Film via Twitter fragte, brachte mich auf die Idee, alle meines Erachtens nach hörenswerten Filmpodcasts vorzustellen. Denn in der Tat, es gibt doch einige Podcasts im Netz, die nicht nur professionell gemacht sind, sondern auch Kompetenz mitbringen. Generell kommt es bei einem Podcast auf die Menschen, die ihn machen an, ihre Stimmen, ihr rhetorisches Geschick und ja, auch ihre Kompetenz in Hinsicht auf das Medium Film. Am besten sind sie noch mit Clips der Filme versehen, die sie besprechen, und auch die passende Musik ist ein Pluspunkt (was sich hierzulande ja recht schwierig gestaltet).

An erster Stelle steht für mich somit sicherlich der Film Junk Podcast von Film Junk, drei Kanadiern, die unterschiedlicher kaum sein könnten, in der Gruppe aber hervorragend harmonieren und vor allem hervorragend unterhalten. Auch wenn die Sachlichkeit bisweilen dem Grotesken weichen muss, so ist er in den letzten Jahren doch zu einem festen Highlight meiner Woche geworden. Jay, selbst Filmemacher mit Schwerpunkt Doku, ist so etwas wie das Lexikon der Gruppe, nie um eine Gesangseinlage oder einen schlechten Witz verlegen. Greg, einstiger Radiomoderator hat nicht nur die mit Abstand beste Lache der Welt, sondern bringt auch Balance und Ruhe in die Gruppe. Sean, Moderator des Ganzen, versucht stets sachlich zu bleiben und liefert dabei hervorragende Arbeit. Der mit Abstand beste Filmpodcast der Gegenwart.

Als nächstes möchte ich den /Filmcast nennen, der vom Film-Alphablog /Film ins Leben gerufen wurde. Er ist noch keine zwei Jahre alt, wird aber von Zeit zu Zeit besser. Auch wenn Moderator David Chen oftmals nicht der Kompetenteste ist, so lauscht man seiner angenehmen Stimme doch recht gerne – und schließlich schafft er es auch immer wieder Filmemacher wie Marc Webb, Kevin Smith oder auch Schauspieler wie Clifton Collins Jr. in die Show zu bekommen. Ist mal kein Filmemacher als Gast anwesend, dann greift man auf einen Kritiker- oder Bloggerkollegen zurück, die nicht nur Abwechslung, sondern bisweilen auch Kompetenz in das Ganze bringen. Schön auch, dass die Besprechungen zuerst spoilerfrei gehalten werden, nach einer kurzen Ankündigung begibt man sich dann in Spoilerterritorium.

Ebenfalls einen sicheren Platz in der Liste hat Filmspotting verdient. Adam Kampenaar und Matty Robinson sind nicht nur unglaublich kompetent, sondern sind dabei auch noch unterhaltsam. Vor allem durch einige Kategorien unterscheidet sich ihr Podcast von vielen anderen, denn die beiden stellen nicht nur jede Woche eine Filmszene nach, die es zu erraten gilt, sondern sind mit ihrer Show auch live im Chicagoer Radio zu hören. Einer der dienstältesten Filmpodcasts im Netz.

Nicht wöchentlich, aber dafür einige Male im Jahr, erscheint der The Movie Club Podcast, in dem speziell zwei ältere Filme besprochen werden. Mit von der Partie sind Jay, der auch für The Documentary Blog verantwortlich zeichnet, und Sean von Film Junk, als auch Autoren von Row Three und Twitch. Mit einer oftmals epischen Länge redet die Runde sich alles von der Seele, was ihr zum jeweiligen Film einfällt, so dass es eigentlich nie langweilig wird. Leider kommt das Ganze wie gesagt viel zu unregelmäßig, die Filmauswahl ist dafür aber meist vorzüglich.

Zum Schluss wäre da noch der Uncut Podcast von The Movie Blog. Laut Selbstaussage der "longest running movie related podcast on the internet". In den letzten Monaten wurde er leider immer unregelmäßiger veröffentlicht, was aber auch daran liegen mag, dass Chefredakteur John Campea nicht mehr allzu viel mit dem Blog zu tun hat. Damit wäre ich auch schon beim größten Manko, denn zu Zeiten Campeas war der Podcast noch durchaus hörenswert, wenn auch meist der Tatsache geschuldet, dass Campea den Podcast als Plattform für seine arroganten rants benutzte, was seit seinem Weggang leider nicht mehr der Fall ist. Meist war er sowieso eine One-Man-Show, da Campea nur selten Beistand hatte, aber wenn, dann konnte man sich auch schon mal davon überzeugen, wie sympathisch Neveldine/Taylor beispielsweise sind, die er als Gäste begrüßen konnte. Und wenn dann noch Comedian Doug Nagy und ein Assistent, der Chuck Norris heißt, am Start sind, dann nehme ich mir ohnehin eine Stunde Zeit, den Jungs zu lauschen.

Und wo bleibt der deutschsprachige Raum? Eine berechtigte Frage, aber ich habe leider noch keinen tollen deutschsprachigen Filmpodcast gefunden, der mich überzeugen konnte. Am ehesten noch der Podcast von Michael Sennhauser, der einen recht guten Eindruck hinterlassen hat. Vielleicht muss ich ihn aber einfach auch nur noch einige Male hören. Wer noch weitere hörenswerte Podcasts zum Thema Film kennt, Meinungen zu den Genannten ergänzen möchte, der kann dies gerne tun. Ich bin jedenfalls mittlerweile so weit, dass ich vor dem Einschlafen stets einem Podcast lausche, auch wenn ich (noch) nicht jeden Wochentag mit einem neuen Podcast füllen kann.

Foto: zoomar


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11 Kommentare zu “Die besten Filmpodcasts im Netz”

  1. Januar 25th, 2010 | 18:21

    Ein besserwisserischer Kommentar zum Slashfilmcast: Den Podcast gab es bereits ein paar Monate unter dem Name The Watchers auf alwayswatching.org, bevor sie Slashfilm-Chef Peter Sciretta als seine Lustknaben einkaufte. Deinem Kommentar zu David Chen kann ich aber unumwunden zustimmen. Den kompetentesten Eindruck machte auf mich immer Devindra Hardawar, der auch etwas in Richtung Film studiert hat. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass für die Stargäste Sciretta mit seinen Beziehungen sorgt, was mittlerweile nicht mehr schwer sein dürfte, betrachtet man nur mal kurz die Popularität des ganzen Projekt. Bin Stammhörer der fast ersten Stunde. Und ich finde, zusammenfassend lautet ihr Motto: Wir sind schlecht bei guten und richtig gut bei richtig schlechten Filmen!

  2. Januar 25th, 2010 | 18:33

    Oh, danke für die Info, das wusste ich nicht. Sciretta hat mittlerweile Connections, das stimmt, aber fein auch gerade deshalb, dass er die Jungs "machen lässt". Hardawar finde ich kompetenter als Chen, ja, aber Quigley finde ich vor allem angesichts seines Alters nicht minder kompetent bzw. ist er meist der Querdenker. Bei Chen äußert sich die Inkompetenz nicht unbedingt am Filmwissen, sondern vielmehr an der Organisation, die des Öfteren doch zu wünschen übrig lässt. Zudem finde ich es doof, dass immer er beginnt mit dem "What we've watched" …

  3. Januar 25th, 2010 | 19:04

    Sciretta war ja häufiger in den ersten Ausgaben dabei oder intervenierte, wenn die drei Podcaster Schwachsinn erzählten, was nicht zu selten vorkam. Ich glaube, aus dem Hintergrund überwacht er das Ganze noch ziemlich genau. Schließlich hört die Industrie mit. Sein langsamer Rückzug hatte aber auch damit zu tun, dass Podcasts nicht wirklich seine Stärken sind, so wie er auch kein begnadeter Filmkritiker ist. Seine Qualitäten liegen in den Beziehungen, die er über die Jahre geknöpft hat und der Ausdauer und Leidenschaft, mit der er das Projekt Slashfilm betreibt. Und dass er weiß, was er eben nicht kann. Und ja, Quigley ist für sein Alter beeindruckend, gerade was seine Ausdrucksweise betrifft. Ihnen allen fehlt etwad die Kompetenz, was sie wiederum durch Leidenschaft und Eloquenz zu kaschieren wissen. Deswegen sind sie halt besonders gut, wenn ihnen Filme nicht gefallen. Chen ist sehr penibel und nimmt seinen Moderationsposten sehr ernst, da hast du Recht, aber was ich an ihm besonders schätze, ist, dass er selbst bei den besten Filmen trotzdem Haare in der Suppe finden will. Nicht umsonst ist er in den Weiten des Netzes bekannt geworden als der Kerl, der "The Dark Knight" angriff und "Die Mumie 3" verteidigte. :)

  4. Januar 25th, 2010 | 19:16

    Ich glaube, aus dem Hintergrund überwacht er das Ganze noch ziemlich genau. Schließlich hört die Industrie mit.

    Ja, das hat man ja neulich erst gemerkt, als sie die Hörer ja fast schon abettelten, doch bitte positive Kommentare zu hinterlassen, wenn ein Star, der als Gast da war, gefiel. Da dachte ich mir auch kurz: äh, das ist aber jetzt echt zu viel des Guten, aber andererseits haben sie natürlich recht (die Jungs, als auch die Agenten der "Stars"). Ich muss zugeben, dass ich mir die Reviews nicht immer anhöre, wenn ich den Film noch nicht gesehen habe, aber das bis zum Review höre ich eigentlich regelmäßig. Daher habe ich das mit Chen nicht mitbekommen, kann aber ebenfalls nur unterschreiben, was Du in Deinem Blogpost zum Podcast schreibst. Am liebsten ist mir als Gast ja Cargill von AICN, der ist mir äußerst sympathisch.

    Hörst Du eigentlich auch die Jungs von Film Junk (oder andere)? Oder nur den /Filmcast?

  5. Januar 25th, 2010 | 20:54

    Film Junk höre ich nicht. Verwechselte die immer mit Filmspotting, die ich gar nicht leiden kann, weil zu gestelzt und gescriptet. Was ich mir noch gebe – und gestern auch über Twitter rausschickte -, ist in unregelmäßigen Abständen der Film Blue Moon von Radio Fritz. Ist eine Call-in-Show, aber recht sympathisch, vor allem, weil immer die gleichen zehn Hörer anrufen. Und es werden ausschließlich Score-Stücke in den Interviewpausen gespielt, was das Ganze stark aufwertet. Dann die hervorragenden The Treatment-Interviews von Elvis Mitchell mit überwiegend amerikanischen Regisseuren. Michtell ist einer meiner Götter, auch wenn ich ihn früher nie in der New York Times gelesen habe. Dann machen die Jungs von Game One, der Computerspielesendung von MTV, wundervolle, epische Podcasts. Sind bisher leider nur zwei filmbezogene geworden (Themen: Sommer-Blockbuster, Quentin Tarantino), die sind aber sehr hörenswert. Und auf Bunch-TV schaue ich wöchentlich das Kinomagazin SEEN. That's all, folks!

  6. Januar 25th, 2010 | 21:07

    Filmspotting, die ich gar nicht leiden kann, weil zu gestelzt und gescriptet

    Haha, immerhin flüssiger und besser als das Uhhm Uhhm und den etlichen Pausen bei Film Junk.
    Hab jetzt nur ein paar Mal bei Filmspotting reingehört, aber empfand ich schon um einiges besser als Film Junk (die beiden einzigen, die ich bisher angehört hab.). Bei Film Junk ist alleine der Moderator gut, der wenigstens ne Meinung zu den Filmen hat und etwas ausführlicher berichtet, was er mochte und was nicht. Den anderen beiden ist irgendwie alles egal und das macht den ganzen Podcast ziemlich öde. Und das ganze zwei Stunden! Wenigstens reden sie über mehr Filme, das fehlt mir bei Filmspotting.

  7. Januar 25th, 2010 | 21:21

    Gut, ich muss gestehen, dass man die Jungs von Film Junk erst einmal kennen lernen muss, um sie zu mögen. Klar sind sie etwas eigenartig, allen voran Jay und Greg, denen ja, oft alles egal ist (aber das wiederum auf lustige Art und Weise). Bei Film Junk mag ich eben auch, dass sie oftmals mehr "Comedypodcast" als Filmpodcast sind (bzw. oftmals leidenschaftlich abdriften), Ihr müsst Euch nur mal die Best-Of-Clipshow von neulich anhören, da sind Geschichten dabei, die ich nie wieder vergessen werde und die mir fast den Tod vor Lachen gebracht haben. Und wenn man die Jungs über Jahre hinweg "kennt", dann kommt man auch sehr gut mit alledem, was da so vor sich geht im Podcast, zurecht.

  8. Februar 9th, 2010 | 20:18

    Ohrensessel gefällt dir nicht? http://www.uphe.de/podcast/ohrensessel/

  9. Februar 9th, 2010 | 20:26

    Ich muss gestehen, dass ich in den noch nie reingehört habe. Ich werde dies aber nachholen, danke.

    (das Schöne an den englischsprachigen Podcasts ist ja auch, dass man auch noch etwas lernt – vor allem in Sachen Umgangssprache habe ich einiges gelernt.)

  10. HarryG (1)
    September 29th, 2012 | 9:44

    Was ich gute finde: Second Unit Podcast

    http://secondunit-podcast.de

    Bespricht pro Folge jeweils einen Film.
    Viele Klassiker dabei wie Alien, Apocalypse Now, Heat, Dirty Harry etc. Genau das richtige für Filmliebhaber.

  11. September 29th, 2012 | 11:42

    Danke für die Ergänzung. :)

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