Die Gewinner der 82. Annual Academy Awards


Natürlich habe auch ich mir wieder mal die Nacht für die Oscars um die Ohren geschlagen. Doch eines gleich vorweg: ich weiß nicht, ob ich das im nächsten Jahr wieder tun werde, denn meine Güte war das eine lahmarschige Veranstaltung! Als NPH statt Baldwin und Martin hineinkam, dachte ich noch "Yeah, Barney!", doch sobald er begann zu singen war die Freude dann auch wieder verflogen (glücklicherweise hielt sich das Gesinge in diesem Jahr aber in Grenzen). Dann: Baldwin und Martin reißen einen lahmen Witz nach dem anderen. Gut, der eine oder andere bringt mich zum Schmunzeln, aber das war's dann auch. Sowieso ließ der Humor wieder mal zu wünschen übrig, auch, weil er immer die gleiche Richtung einschlägt: man macht Witze über sich selbst. Da war es dann fast schon eine Erlösung, als Ben Stiller die Bühne als Na'vi betrat und allen zeigte, was wirklich witzig ist. Für weitere Lacher sorgten einige Dankesreden, nicht, weil sie schlecht gewesen wären, nein, weil die Preisträger wirklich verstanden einen Witz zu reißen ("That's an über-Bingo.")

In Sachen Preisträger geht das eigentlich alles in Ordnung. Überrascht haben mich eigentlich nur einige wenige Entscheidungen, allen voran jene, dass Michael Haneke den Oscar für Das weiße Band nicht bekam – nicht, dass ich diese Entscheidung nicht begrüßen würde, aber wer dachte bitteschön nicht, dass dies eine sichere Kiste sei!? Die andere Überraschung – zumindest für mich – war Precious: Based on the Novel Push by Sapphire (was ist das eigentlich für ein bescheuerter Beititel? Da wollte wohl jemand undbedingt seinen Namen im Titel haben), der den Preis für das beste adaptierte Drehbuch einsackte – hier hatte ich dann doch mit Reitmans Up in the Air gerechnet. Doch auch hier begrüße ich die Entscheidung. Weniger überrascht, aber dennoch verwundert, haben mich einige Technikkategorien, die ich eigentlich Avatar zugeschrieben hatte, sie The Hurt Locker aber absolut gönne. Mit am meisten gefreut hat mich aber der Kostümoscar für The Young Victoria, auf den ich mich doch sehr freue.

Um noch einmal zu den Dankesreden zurück zu kommen: Christoph Waltz hat es Tarantino zu verdanken, dass er da oben stand und den Goldjungen in Empfang nehmen durfte, ja, aber muss er deswegen solch eine Arschkriecherei betreiben, wie er das vergangene Nacht tat (zumal sich die Preisträger ja hinter der Bühne nochmals bei allen Produzenten, Regisseuren, etc. bedanken konnten)? Sowieso wurde meinem Empfinden nach viel mehr den Filmemachern als der Familie gedankt, da erfreut es natürlich ganz besonders, wenn MILF Kathryn Bigelow sich bei den Streitkräften bedankt, die man nicht vergessen dürfe. Für einige ein Aufreger, aber Hollywood steht nunmal hinter den Truppen, das wird fast jedes Jahr deutlich – und es hat ja auch nichts mit Politik zu tun, sondern mit dem persönlichen Engagement der Soldaten generell, weshalb sie gleich beide Reden zum Dank nutzte. Geschichte hat Hollywood mit dieser Entscheidung ohnehin geschrieben, denn Bigelow ist die erste Frau, die den Regiepreis verliehen bekam. Ein klares Zeichen dafür, dass es viel zu wenige Frauen in diesem Job gibt.

Auch an der Zeit mangelte es der Verleihung, so zumindest mein Eindruck. Die Übergänge waren so schnell, dass man nicht einmal die Ansagen aus dem Off richtig wahrnehmen konnte. Fast schon gehetzt wirkte das alles, allen voran die Offenbarung des besten Filmes des Jahres, denn kaum war Tom Hanks auf der Bühne war es auch schon wieder vorbei. Grundsätzlich ist dies ja begrüßenswert, denn in den letzten Jahren zog es sich phasenweise doch recht stark, aber ein wenig Tempo könnte man hier schon rausnehmen. Abschließend noch einige unsortierte Gedanken zur Show … Die Horrormontage war hervorragend *** T-Bone Burnett sieht aus wie Cameron mit Sonnenbrille *** Bullock ist und bleibt unattraktiv und unsympathisch *** keine einzige Dame hat mich gestern umgehauen, am ehesten vielleicht noch Vera Farmiga in ihrem schönen Kleid *** Steven Gätjen, unser Mann am Roten Teppich, bekommt sie alle (bzw. Scott Orlin) *** nächstes Mal bitte NPH alles moderieren lassen


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6 Kommentare zu “Die Gewinner der 82. Annual Academy Awards”

  1. März 8th, 2010 | 16:31

    [...] Twitter-Bericht bei Peter Noster nachlesen. Ein Fazit der Verleihung zieht Moviezkult. Update: Equilibrium auch. – Die Liste aller Gewinner und Nominierten bei oscars.org. – Dankesreden der Gewinner (mit [...]

  2. März 8th, 2010 | 16:34

    Sehr treffend zusammengefasst! Wobei mir seit langem Sandra Bullock mal wieder ganz sympathisch vorkam; was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass sie sich nen Tag zuvor ihre Goldene Himbeere abgeholt hat – das macht ja auch nicht wirklich jeder. Gab es das überhaupt schon mal vorher? Dass jemand zugleich nen Preis für die beste Rolle, als auch für die schlechteste bekommen hat!?

    Cameron Diaz sah ziemlich zerknittert aus (im Gesicht) und Kate Winslet hingehen mal sehr hübsch. Und ja, Waltz schleimt leider sehr oft, wenn es um Tarantino geht. Das ist mir in seinen letzten Interviews, die ich gesehen/gelesen habe, auch sehr unangenehm aufgestoßen.
    Aber egal: Cooler Typ trotzdem, dem ich schon vor Jahren, als er mir im TV-Zweiteiler "Die Roy Black Story" positivst aufgefallen ist, ne große Zukunft prophezeit habe.

    Die Hosts waren für mich okay, wenngleich sie wirklich bisschen bissiger hätten sein können, aber da haben mich in den Vorjahren andere mehr genervt.

    Schade war, dass die Collage der Verstorbenen diesmal ziemlich emotionslos geriet.
    Dafür war der John Hughes- und Horror-Cut aber sehr geil ;o)

    Mein Fazit: Es hat sich gelohnt aufzubleiben, wenn auch der Schwung diesmal wirklich bisschen gefehlt hat. Am Ende war ich richtig erschrocken, als Tom Hanks so plötzlich den Umschlag aufmachte und den besten Film 2010 nannte!

  3. März 8th, 2010 | 16:46

    Wobei mir seit langem Sandra Bullock mal wieder ganz sympathisch vorkam; was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass sie sich nen Tag zuvor ihre Goldene Himbeere abgeholt hat – das macht ja auch nicht wirklich jeder. Gab es das überhaupt schon mal vorher? Dass jemand zugleich nen Preis für die beste Rolle, als auch für die schlechteste bekommen hat!?

    Ich glaube nicht. Und ja, ihr Auftritt bei den Razzies war klasse und sympathisch, aber mit der Frau kann ich dennoch absolut nichts anfangen. Und ihre Tränen gegen Ende kamen mir auch nicht gerade sehr ehrlich vor (aber das kann täuschen, klar, nur empfand ich es eben so).

  4. Pat Bateman (3)
    März 8th, 2010 | 23:18

    Glauben heißt NICHT wissen!

    Es haben schon mehrere ihre Goldenen Himbeeren persönlich abgeholt: http://de.wikipedia.org/wiki/Razzie_Award#Trivia

  5. peter (1)
    März 9th, 2010 | 7:49

    Schade, dass "Up in the Air" keinen einzigen Preis gewonnen hat…Der Film ist echt gut.

  6. März 9th, 2010 | 12:50

    Glauben heißt NICHT wissen!

    Natürlich haben das schon einige, es ging hier aber um die Tatsache, dass sie beides gewonnen hat und ob es das schon einmal gab. ;-)

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