'A Nightmare on Elm Street' in der Bay(er) Version


Es gibt Hollywoodproduktionen, die scheinen den Produzenten nicht allzu sehr am Herzen zu liegen – zumindest in künstlerischer Hinsicht. Michael Bays Produktionsschmiede Platinum Dunes ist solch ein Garant für schnell abgedrehte Remakes, Reboots oder wie auch immer man dieses wieder-warm-Machen bezeichnen will. Sie sind schnell, effektiv und bringen jede Menge Geld für Projekte, die Bay und den anderen Produzenten wohl mehr am Herzen liegen als diese Updates für die jüngere Generation. Das mag nun verwerflicher klingen als es letztendlich ist, denn das eine oder andere interessante Remake war in den letzten Jahren ja durchaus dabei. Mit Samuel Bayer, der mit A Nightmare on Elm Street sein Spielfilmdebüt feiert, hat man sich zudem einen erfahrenen Videoclipregisseur an Bord geholt, der unter anderem auch für den bekannten Werbespot der U.S. Army, 'Army Strong', verantwortlich zeichnet. Bayers Hintergrund sieht man dem Remake dann auch zu jeder Sekunde an, was allerdings nicht unbedingt negativ zu verstehen sein muss. Wer auf glattgebürstete Videoclipästhetik à la Bay(er) steht, der ist bei diesem Remake genau richtig – auch wenn dieses Konzept dem Original in fast allen Aspekten widerspricht. Andererseits: im Gegensatz zu vielen anderen Remakes bringt Bayers Film eigene Ideen hervor, auch wenn sich diese lediglich auf die Optik bechränken.

Schon beim Vorspann wird deutlich, welche Richtung dieses Update einschlagen wird, denn visuell zieht Bayer nahezu alle Register, die Mischung aus Videoclipmontage und Slow-Motion sieht gar nicht mal übel aus, erst recht in Verbindung mit Steve Jablonskys – eine weitere Konstante im Bay’schen Universum – düsterem Score, der ohnehin einen Höhepunkt des Films markiert. Beginnt der eigentliche Film dann, fühlt man sich jedoch schnell wie in einer Teenserie mit all den üblichen Mustern: die High-School-Schüler sehen aus wie Studenten, die bereits vor ihrer Abschlussarbeit stehen (sprich Twentysomethings), haben Beziehungsprobleme und verhalten sich dabei aber wie Vorschulkinder. Natürlich sind sie auch alle optisch ansprechend besetzt, so dass man durchaus auch auf den Gedanken kommen könnte, Bay und Bayer hätten hier lediglich aus einem Modelkatalog rekrutiert. Aber auch diese Tatsache ist nur eine weitere Konstante dieser Remakes. Kyle Gallner, bekannt aus Veronica Mars, ist dabei noch der Sympathischste von allen, auch wenn sein immer gleicher Dackelblick schon in seinen diversen Serienauftritten nervte. Bleibt also noch Rooney Mara, die getrost als authentischste Figur im gesamten Film bezeichnet werden kann – ohne übertriebenes tanning, Make-Up oder sonstige optische 'Verbesserungen'.

Ohnehin sind diese Stereotypen und Archetypen mit das Interessanteste am Remake. Die Eltern der reichen Vorstadtkids, die selbstverständlich ohne Partner leben und ihren Kindern ein eigenes Auto zur Verfügung stellen können, auch wenn sie bisweilen nur als Flugbegleiterin arbeiten. Es ist kurz gesagt die typische Welt eines Michael Bay, die man spätestens seit dessen Spielzeugverfilmungen gewöhnt ist: er versteht weder die Jugend (die ja aber nicht die Jugend ist) und ihre Probleme, noch versucht er sie authentisch darzustellen – seine abgeleckten Stereotypen sehen aber auch einfach besser aus auf der großen Leinwand, klar. Etwas, das man vom neuen Freddy leider nicht unbedingt behaupten kann, denn auch wenn die Figur mit Jackie Earle Haley gut besetzt ist, so ist seine neue Optik alles andere als angsteinflößend oder gar abstoßend. Auf eine gelungene catch phrase folgen mindestens doppelt so viele vulgäre Sätze, die nicht nur aufgesetzt, sondern auch unangebracht erscheinen. Von seiner Mordlust, die sich immer und immer wieder in den gleichen Tötungsszenen manifestiert, ganz zu schweigen; wenigstens hier hätte man an der Gewaltschraube drehen können, wenn man schon nicht zur Kreativität neigt. Immerhin bereichert A Nightmare on Elm Street das Franchise um eine origin story, die aus Krueger endgültig einen diabolischen Kinderschänder macht. Geschickt versteht es Bayer hier mit der Sympathie des Zuschauers zu spielen, der das – wie die Opfer selbst – bei diesem netten, kinderlieben Mann, zuerst nicht glauben mag.

Einmal mehr versteht es Bayer aber weniger bis gar nicht, den Raum des Filmes adäquat zu inszenieren, denn was im Original noch mindestens so viel Angst hervorrief wie Freddys Klingenhand selbst, verkommt hier zu einfachen Kulissen, in denen die jungen Erwachsenen herumirren. Da darf Freddy dann Funken an Rohren sprühen lassen, statt dass man sich als Zuschauer schon ob der Räumlichkeiten an den Fingernägeln kaut. Dennoch geht von all dieser aalglatten Inszenierung eine gewisse, wenn auch eher geringfügige Faszination aus, denn sie zeigt doch auch, dass jemand sein Handwerk versteht. Leider reicht es bei solch einer großen Vorlage, die Wes Craven liefert, nicht, wenn man das Handwerk über alles andere stellt, denn auch A Nightmare on Elm Street kann man einmal mehr getrost als 'sytle over substance' deklarieren. Hier vielleicht so passend wie noch bei kaum einem anderen Platinum-Dunes-Remake. Das Sequel ist dabei natürlich schon beschlossene Sache, die Maschinerie muss ja schließlich am Laufen gehalten werden. (6/10)


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4 Kommentare zu “'A Nightmare on Elm Street' in der Bay(er) Version”

  1. Scarf4ce (1)
    Mai 17th, 2010 | 13:55

    Hatte mich wirklich auf das Remake gefreut … Schade :/
    wird dann mal doch wieder ein Film den ich mir dann doch direkt auf DVD anschauen werde…

  2. Mai 17th, 2010 | 13:58

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Stefan Rybkowski erwähnt. Stefan Rybkowski sagte: Hier der richtige Link zum "A Nightmare on Elm Street" Remake: http://bit.ly/9pCl0T #blog [...]

  3. Mai 18th, 2010 | 15:19

    Bislang eine der positivsten Kritiken, die ich zu dem Film gelesen habe und ein Stück weit abseits des sonstigen subjektiven Gebashes. Eine 6er-Wertung erschließt sich mir aus dem Text allerdings nicht unbeding.
    Whatever, für mehr als 'ne DVD-Sichtung war mir der Film von Anfang an nicht gut ;)

  4. Mai 18th, 2010 | 15:35

    Ja, die Diskrepanz zwischen Text und Wertung war bei mir schon immer groß – sollte die Wertung wohl endlich mal weglassen … ;-)

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