Die Tops & Flops des Kinojahres 2010


Und schon wieder ist das Jahr zu Ende. Ein eher durchwachsenens für den Film, möchte ich mal meinen. Wie auch bereits im vergangenen Jahr konnten Dokus viel Raum einnehmen und machen fast die Hälfte meiner Top 10 Liste dieses Jahres aus. Vielleicht ist es in Zeiten von Comicverfilmungen und Remakes ja genau diese Suche nach Authentizität, auf die man sich nur allzu gern begibt. Wie auch im letzten Jahr habe ich leider viel zu viel verpasst, weil es entweder keine Pressevorführungen gab oder ich schlichtweg keine Zeit (und Muse) fand regulär ins Kino zu gehen. Allen voran wäre hier Jackass 3D zu nennen, der wohl sicher auf der Liste gelandet wäre … ja hätte ich ihn denn gesehen. Andererseits bin ich mit meiner Liste aber auch sehr zufrieden – die Nummer 1 stand nach der ersten Sichtung bereits fest, die zweite war dann nur noch affirmativ (zumal es sich um eine digitale Projektion handelte). Ich will nicht lange um den heißen Brei reden, hier meine Top 10 des Jahres 2010 – dieses Mal ganz ohne Kommentar, eine reine Auflistung, denn die Kritiken (oder Kurzkommentare) dazu finden sich ja recht schnell:

10. Not Quite Hollywood: The Wild, Untold Story of Ozploitation!

09. The Young Victoria

08. Harry Brown

07. The Expendables

06. An Education

05. Anvil! The Story of Anvil

04. Restrepo

03. Brothers at War

02. Monsters

01. The Social Network

Runners Up: The Messenger, Crazy Heart, Enter the Void, The American, The Blind Side, The Last Exorcism, The Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans

***

Eine generelle Entdeckung des Jahres waren vor allem die Mad Men, deren dritter Season ich nun entgegen fiebere und die in Zeiten von 3D und sonstigem Technikwahn so herrlich old fashioned daherkommt, dass ich sie 2010 so genießen konnte, wie es 2007 wohl nicht möglich gewesen wäre. Ebenfalls zu erwähnen ist die kleine Retrospektive zu Errol Morris' drei ersten Dokumentationen, von denen The Thin Blue Line gleichzeitig auch den besten Film markiert, den ich in diesem Jahr gesehen habe. Ebenfalls ein Film, der in diesem Jahr erst entdeckt wurde und wohl noch lange nachwirken wird, ist die australische Perle Long Weekend, die mich ziemlich beeindruckt hat (Not Quite Hollywood sei Dank). Auch Dominik Grafs Im Angesicht des Verbrechens muss an dieser Stelle natürlich genannt werden – selten hat mich etwas im TV so gefesselt wie diese deutsche Ausnahmeproduktion.

Es gab allerdings nicht nur viel zu sehen in diesem Jahr, sondern auch zu hören. Ilan Eshkeris wundervoll-melancholischer Score zu The Young Victoria beispielsweise, der zusammen mit Hans Zimmers Score zu The Pacific den diesjährigen Höhepunkt in Sachen Ohrenschmaus markiert. In Sachen Magic Moments sind dieses Jahr primär zwei Momente zu nennen: zum einen die Clubszene aus The Social Network, die nicht nur unglaublich authentisch daherkommt, sondern einen selbst so dermaßen in Partystimmung bringt, dass man am liebsten gleich aus dem Saal raus und in den Club reinrennen würde. Auch der andere Moment 2010 hat mit Musik zu tun – nämlich jene Szene aus Restrepo, in der die Soldaten für einen kurzen Moment alles um sich herum vergessen und zu Eurodance-Mucke ihre Kameraden antanzen.

***

Kommen wir also zu den etwas schlechteren Filmen dieses Jahres – wobei das noch recht mild ausgedrückt ist, denn einige von ihnen waren wirklich zum Foltern geeignet, so weh taten sie. Bei der Nummer 1 musste ich auch hier nicht lange grübeln und man fragt sich einmal mehr, was bei den Japanern eigentlich anders läuft, dass sie solche Stinker wie Shock Labyrinth 3D raushauen, der zu allem Übel auch noch auf einem Themenpark basiert (wait, what …?). Hier also die Flop 10 des Jahres – inklusive Blockbusterrepräsentanten:

10. Jud Süß – Film ohne Gewissen

09. Exit Through the Gift Shop

08. Inception

07. Predators

06. Kick-Ass

05. Survival of the Dead

04. Machete

03. Legion

02. Amer

01. Shock Labyrinth 3D (Senritsu meikyû 3D)

***

Auf ein gutes Filmjahr 2011! Und erneut ein herzliches Dankeschön an Tilo Hensel, der auch in diesem Jahr wieder für die tolle Collage verantwortlich zeichnet. Viele der genannten Filme sind übrigens auch via Videoload online verfügbar.


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16 Kommentare zu “Die Tops & Flops des Kinojahres 2010”

  1. Dezember 29th, 2010 | 15:00

    Schöne Zusammenstellung der Tops und Flops

  2. Dezember 29th, 2010 | 15:04

    Inception whuaaat?! Wär bei mir unter den Top5 der guten Filme

  3. JMK (50)
    Dezember 29th, 2010 | 15:17

    gehe ich weitestgehend auch konform. Survival of the Dead oder Predators hab ich mir gar nicht erst angesehen, nachzuholen wird Anvil sein.

  4. Dezember 29th, 2010 | 16:20

    Zwei deiner Flops stehen bei mir in der Topliste :D

    Die Social Network Szene auf der Verbindungs-Party (die POV Kamerafahrt zum treibenden Soundtrack) hat mich übrigens noch viel mehr geschickt als die Clubszene, das war eine filmische Offenbarung ;)

  5. Dezember 29th, 2010 | 16:29

    Der ganze Film ist eine Offenbarung, omaha!

  6. Dezember 29th, 2010 | 16:50

    SURVIVAL OF THE DEAD hat auf der Flopliste nichts zu suchen.

  7. Dezember 29th, 2010 | 17:47

    Ja, auf Dich und diesen Comment habe ich nur gewartet, Rajko!

  8. Dezember 29th, 2010 | 23:56

    Ich bin auch großer Fan der Flopliste! "Amer" auf Platz zwei: Das hätte ich mich gerne bei meinen Lieblingsfilmen getraut, aber da gab es einfach zu viele noch bessere Kandidaten. Und weiter "Exit Through the Gift Shop" und "Jud Süß – Film ohne Gewissen" … Bei deiner Top Ten finde ich die Nennungen von "Young Victoria" und "Not Quite Hollywood" am sympathischsten. Bin großer Emily Blunt-Fan und noch größerer Ozploitation-Fan. Und finde es sehr interessant, dass du "The Blind Side" bei den Runners-Up hast – den mochte ich auch irgendwie recht gerne. Als ob Frank Capra "The Waterboy" verfilmt hätte.

  9. Dezember 30th, 2010 | 11:02

    [...] Weitere Infos und die Flops des Kinojahres 2010 finden sich im Equilibriumblogin in seinem Artikel Tops & Flops des Kinojahres 2010. [...]

  10. Dezember 30th, 2010 | 12:47
    Ich bin auch großer Fan der Flopliste!

    Ich sollte vielleicht auch dazu sagen, dass ich dieses Jahr nicht allzu viele richtige Stinker gesehen habe – die ersten 5 waren wirkliche Stinker, der Rest ist quasi das, was übrig bleibt. Und wenn je mehr ich über Exit nachdenke, desto mehr rege ich mich auf. Der Roehler war unterhaltsam, ja, aber das war's auch schon – da stößt mir schon einiges sauer auf (und etwas Strafe gibt's auch dafür, dass Roehler doch keine Zeit für ein Interview hatte ;-)). Amer war die Schlaftablette des Jahres – zudem ist mir selten ist was Prätentiöseres untergekommen …

  11. Dezember 30th, 2010 | 12:51

    Stefan, auch wenn Banksy in Interviews beteuert Exit sei 100% real ist es doch mittlerweile gemeinhin bekannt dass es sich um eine Mockumentary handelt mit der genau diese elitäre prätentiöse Kustgesellschaft entlarvt werden soll die du kritisierst (hatte ich dir ja auch schon auf Facebook geschrieben). Imho macht gerade das den Film so gut :)

  12. Dezember 30th, 2010 | 21:27

    1. – Beruhigend, die Mittelmäßigkeit von "Machete" und die – zumindest relative – Mittelmäßigkeit von "Inception" auch anderswo erkannt zu sehen.

    2. – "An Education" habe ich mittlerweile in so vielen Bestenlisten auftauchen sehen – und ich frage mich ernsthaft, wo das Geheimnis dieses erzkonservativen, inkonsequenten, im Kern durch und durch autoritäten Filmchens liegt.

  13. Dezember 30th, 2010 | 22:20

    Ach – und die Clubszene in "The Social Network" (den ich ebenfalls großartig fand) hat mich in alles, bloß nicht in Partystimmung versetzt – ein Pamphlet an Oberflächlich- und Gesichtslosigkeit der "Social Network"-Generation, ein Spiegel der Leere hinter den Facebook-Profilen, mit denen man sich (aus)schmückt, die man mit Daten vollstopft, über die man sich zu definieren versucht, die vom Wesentlichen ablenken und nach Belieben virtuelle (Wunsch-)Egos zu erschaffen in der Lage sind. Für mich eine Szene voller Einsamkeit, voll lächerlicher, schwächlicher Posen, Unsicherheit, Hilflosigkeit, Nacktheit.

  14. Dezember 31st, 2010 | 0:57

    Zur Clubszene gebe ich Dir natürlich recht, denn diesen Aspekt sehe ich exakt genau so. Mir ging es aber eher darum, wie die Szene inszeniert und gemacht ist. Angefangen bei der grandiosen Songwahl, über die Authentizität – es ist in Clubs nämlich wirklich so laut, dass man schreien muss und sich nicht selten überhaupt nicht versteht -, bis hin zur Atmosphäre, die hervorragend eingefangen ist. Sieh' Dir mal die Kommentare auf YouTube zum Song, der im Hintergrund läuft, an, da sind alle begeistert nicht nur vom Song, sondern auch von der Szene selbst – eben gerade weil Fincher ein Händchen für die Jugend beweist …

    "Just saw "The Social Network" tonight. For once they played something awesome that actually gets played at clubs instead of some weird ass version of dance music that people who have never been at a club thinks gets played."

    "Also, wanted to mention one thing – The Social Network, is by far the one and only movie right now that got the club environment right to a tee. You don't speak in normal voice when you're in there, you scream over music. You know they got it right when you hear the music more than you hear them. This is why I love Fincher, for this detail orientedness."

  15. Dezember 31st, 2010 | 5:36

    Ich lese das hier nur um so Wörter wie "affirmativ" zu lernen. Ich mag affige Wörter…

    Inception auf der Flopliste und Schocklabyrinth auf Platz 1? Bist du dir sicher nicht doch etwas vertauscht zu haben???

  16. Januar 4th, 2011 | 10:44

    [...] das wirklich auch noch machen, noch eine Liste mit guten Filmen, mit denen man dann mal mehr, mal weniger übereinstimmen kann? Und das alles mit dem Bewußtsein, so viele Filme gerade des ausgehenden [...]

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