Inferno: 'The Expendables' Blu-ray Review


Dass Sylvester Stallone es vor allem in den letzten Jahren verstanden hat, erfolgreiche Fortsetzungen zu inszenieren, das zeigten allein Rocky Balboa und zuletzt Rambo, die im zwei-Jahres-Abstand in die Kinos kamen und auf die nun The Expendables folgt – in gewisser Hinsicht ebenfalls eine Fortsetzung. Stallones jüngstes Werk, das war schnell klar, sollte an die Tradition des alten Actionkinos, das völlig ohne technische Spielereien auskam und seine Blütezeit in den 1980er Jahren hatte, anknüpfen und dieses quasi mit einem Best-Of fortführen. Bereits die Besetzung des Filmes liest sich dabei mehr als Intertextualität denn als eine bloße Zusammenkunft von Genregrößen. Dabei setzt Stallone aber nicht nur auf filmische, sondern auch auf popkulturelle Größen vergangener Tage. So finden sich dann beispielsweise auch Wrestler 'Stone Cold' Steve Austin, UFC-Fighter Randy Couture oder NFL-Profi Terry Crews im Film, die filmisch zwar eher Amateure sind, aber das Bild vom sportlichen, muskelbepackten, gestählten Mann perfekt in den restlichen Cast transponieren.

Stallone will so viel Testosteron im Film haben wie nur irgendwie möglich. Die wenigen Frauen, die im Film überhaupt vorkommen (es sind gerade mal drei an der Zahl), sind dabei nichts weiter als attraktiver Schmuck, der zum harten Mann eben irgendwie dazu gehört, aber nicht den Mittelpunkt seines Lebens darstellt. Dieser besteht nämlich aus dem Kampf, dem Kampf um die eigene Freiheit, die Freiheit der Kameraden und im Zweifelsfall auch dem Kampf um die Frau. Lee Christmas' (Jason Statham) Verlobte in spe betrügt Lee eines Abends, auch, weil er so selten da ist, führt er doch das Leben eines Soldaten/Söldners. Lee ist deprimiert, versucht es aber wenig später auf Rat seines Freundes Barney (Sylvester Stallone) doch noch einmal. Dabei stellt sich heraus, dass der neue Mann an der Seite seines Mädchens sie schlägt. Scheint der Film hier noch für einen kurzen Moment emotionalere Töne anzuschlagen, stellt sich wenig später jedoch heraus, dass auch diese Szene im Drehbuch nur eine Funktion hat: zu zeigen, dass Lee es auch gleich mit fünf Kerlen gleichzeitig aufnehmen kann und dabei nicht der übelste Kerl auf der Welt ist – denn Töten im Dienste für einen Auftraggeber scheint dann doch ehrenwerter als eine wehrloser Frau zu schlagen.

Es ist bezeichnend für The Expendables, dass all das Gemetzel letztlich doch für eine gute Sache, nämlich die Freiheit eines ganzen Inselvolkes, steht. So einfach macht es sich Stallone mit seinem Film nämlich. Warum? Weil er es kann, und weil es schon immer so war und er ja schließlich nur die Tradition des politischen Actionkinos der 80er fortführt. Hier sind die Guten, dort die Bösen, zwischen Schwarz und Weiß gibt es nichts, auch wenn die beiden Seiten sich bisweilen zumindest was die Nationalität betrifft, vermischen. Es sind Momente wie die erste Ankunft Lees und Barneys auf der Insel, die zeigen, dass sich der Film einen Dreck um innocent bystanders oder sonstige Handlanger kümmert, die im heutigen Actionfilm meist nur non-lethal außer Gefecht gesetzt werden, da sie ja irgendwie nichts dafür können und der Protagonist ja schließlich die Integrität in Person ist. Natürlich ist dies in The Expendables anders, denn hier ist sogar der Zollbeamte, der lediglich den Stempel auf den Pass drückt, ein hundsgmeiner Mistkerl, der von den Expendables samt cooler Retourkutsche über den Jordan gebracht wird.

Stallone folgt dabei einfachen Mustern, die jedem Genrefan bekannt sind, der nur eine Handvoll Actionfilme dieser Ära gesehen hat. Die Dramaturgie des Ganzen folgt dabei Stallones Rambo, was angesichts dessen Erfolges nur konsequent erscheint. Was bei Letzterem jedoch noch als politischer Kommentar zu realen Ereignissen verstehen werden konnte, das fehlt bei The Expendables völlig. Der Staat, von dem der Terror ausgeht, ist ein fiktionaler, zudem steckt hinter all dem nicht etwa ein irrer Diktator, sondern ein abtrünniger CIA-Mann, der auf eigene Rechnung arbeitet. Bereits dieses Setting macht deutlich, dass Stallones Neuer nichts weiter sein will als ein Spielplatz für große Jungs. Rechtfertigte er die Gewaltexzesse in Rambo noch mit der Aussage, dass es so nun mal in Burma von statten gehe, so muss er sie in The Expendables als das stehen lassen, was sie sind: reines eye candy, Mittel zum Zweck, reiner Selbstzweck. Dabei werden aber nicht nur Genicke lautstark gebrochen, sondern Stallone geht auch hier einen Schritt weiter: ganze Torsos und Gliedmaße werden vom restlichen Körper getrennt. Zugegeben, das ist teilweise zwar etwas zu schnell und unübersichtlich geschnitten, aber noch immer kein Vergleich zu heutigen Schnittorgien, die die Action nur erahnen lassen.

The Expendables ist sich seiner Rolle stets bewusst, ohne jedoch mit dem Auge zu zwinkern oder gar Ironie zu sähen. Selbstverständlich gibt es auch den einen oder anderen humorvollen Spruch – bei all dem Tempo und der Gewalt darf das comic relief ja nicht fehlen -, aber ins Komödiantische driftet der Film zu keinem Zeitpunkt ab, denn dafür zünden dann auch zu viele der Sprüche schlichtweg nicht. Das könnte man andererseits aber auch schon wieder als Absicht oder gar Kalkül betrachten, denn die unfreiwillige Komik gehört zum 80er-Actionfilm ebenso dazu wie der meist hohe Bodycount. Das eigentliche Highlight, zumindest was das Zitatekino betrifft, nimmt Stallone früh im Film vorweg, wenn er die drei wohl archetypischsten Figuren des Actionkinos zusammenkommen lässt: Stallone, Schwarzenegger und Willis. Die kurze Szene, die leider viel zu sehr promotet wurde und deshalb auch schon im Internet zu sehen war, gerät dabei zu einem einzigen Megazitat, quasi einer Mise en abyme, das mal mehr, mal weniger subtil auf die Filme der drei anspielt und jedem Fan das Herz aufgehen lässt.

Nicht weniger erfreut auch die Action an sich, die perfekt durchchoreografiert scheint und jedem der Beteiligten genug Raum für Faust-, Schieß- und Prügeleinlagen lässt. Bis kurz vor Schluss wird dann auch geschossen, was die Munition und das Budget hergeben; und jedes Mal, wenn man denkt, dass dies nun die finale Explosion gewesen ist, wird man mit einer noch größeren eines Besseren belehrt. Es folgt nicht viel Gefühlsduselei auf den Show-down, nach dem alle Bösen tot sind und die Guten wieder vereint, so wie es sich eben gehört. Stattdessen läutet Stallone den Abspann ein, in dem er die Jungs auf ihren Bikes durch die nächtlichen Straßen jagen lässt, untermalt von Thin Lizzys 'The Boys Are Back in Town', und in der Tat: Stallone und die 80er-Action sind zurück.

Die Blu-ray von Splendid (Amazon-Partnerlink) kann ebenso wie der Film selbst nicht vollständig überzeugen, denn dafür ist vor allem der Ton deutlich zu schwach. Immer, wenn man mit großen Subwoofer-Einlagen rechnet, wird man schnell enttäuscht, denn der Sub bekommt nicht allzu viel zu tun, selbst in den letzten 20 Minuten, die ja quasi nur aus Explosionen bestehen. Das Bild macht in etwa den gleichen Eindruck. Zwar ist der Schwarzwert ziemlich ordentlich, aber dafür fehlt es dem Rest an Schärfe und Kontrast. Selbst die vielen Landschaftsaufnahmen aus dem südamerikanischen Paradies, normalerweise ein Garant für knackig-scharfes HD, können nicht vollständig überzeugen. Anders sieht es dafür bei den Extras aus, die keinen Wunsch offen lassen und zumeist ebenfalls in HD überzeugen. Allen voran die 90-minütige Doku Inferno: The Making of 'The Expendables', die als Making-Of sehr gut funktioniert und nahezu jedes Detail des Filmes beleuchtet. Das einzige Problem dabei ist nur, dass Stallone zu viel zu Wort kommt und das Ganze somit nicht selten zu einer One-Man-Show verkommt, die Stallone als Regisseur, Autor und Darsteller dann doch zu sehr abfeiert.

Verletzt er sich in der einen Szene noch am Fuß, steht er in der nächsten schon wieder auf den Beinen, ganz unabhängig davon, was ihm sein Arzt geraten hat. Dass Stallone allerdings eine harte Sau ist, die für den Film alles tut – koste es was es wolle -, dürfte dabei eigentlich jedem längst bekannt sein. Und dass es kein Leichtes ist als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller zu agieren, liegt in der Natur der Sache. Etwas weniger Selbstdarstellung wäre hier also wünschenswert gewesen. Nichtsdestotrotz ist die Doku auch wegen ihrer Länge eine interessante und erleuchtende Ergänzung zum Film, die einmal mehr zeigt, welche Arbeit Filmemachen eigentlich ist – und wie viel Zeit man für 100 Minuten Film investieren muss. Unterm Strich keine perfekte, aber eine gelungene Veröffentlichung.


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