Christophs Flop 10 des Kinojahres 2011


An dieser Stelle die Flop 10 des Kinojahres 2011 von Christoph Gumpert

Das Jahr 2011 ist zu Ende und die gesamte Internetgemeinde ist fleißig am Listen-Erstellen. Wir lieben Listen einfach. Die größten Politikskandale, die peinlichsten Promifotos, die süßesten Tiervideos auf Youtube … Alles Erdenkliche muss in Rangfolge gebracht werden. Zeit auch für mich einmal einen Blick auf das Kinojahr 2011 zu werfen und meine persönlichen Top- und Flop-Filme des Jahres aufzulisten. Berücksichtigt werden hierbei jeweils nur Filme, die im Jahr 2011 einen deutschen Kinostart hatten.

Zunächst hole ich aus zu dem, was immer am meisten Spaß macht, zum großen Rundumschlag gegen die Crème de la kotz, den Abschaum, den letzten Dreck, der es irgendwie auf die deutschen Leinwände geschafft hat. Filme, welche die Bezeichnung Film gar nicht verdienen. Filme, die reine Zeitverschwendung sind. Filme, bei denen man sich fragen muss, wer überhaupt auf die Idee kommen könnte so eine Scheiße zu produzieren. Filme, vor denen dringend gewarnt sei, die man sich allenfalls antun sollte, wenn man masochistische Neigungen hat (oder einfach keinen Filmgeschmack, darüber lässt sich ja bekanntlich streiten).

Zugegeben, nicht alle Filme auf dieser Liste sind unterirdisch, was entweder daran liegt, dass das Kinojahr einfach nicht so viele extrem schlechte Filme zu bieten hatte, vermeintliche Flops dann doch irgendwie nicht so schlecht waren (z.B. Transformers 3), oder ich einfach nur Glück hatte und mir nicht jeden Mist antun musste. Demnach nicht wundern, wenn Filme, die es mit Sicherheit auf die Flopliste geschafft hätten, beispielsweise Happy New Year oder Twilight 4.1 (ich weigere mich vehement!), auf der Flopliste vermisst werden müssen. Jetzt aber ran ans Eingemachte!

Platz 10: Conan

Ein Paradebeispiel dafür, dass Remakes in aller Regel keine gute Idee sind. Die Neufassung des Films, der Arnold Schwarzenegger seinerzeit über Nacht zum Star machte, ist ein einziger Rohrkrepierer. Das man hier kein oscarreifes Drehbuch erwarten sollte, versteht sich von selbst, allerdings darf man auch bei einer zweckhaften Handlung erwarten, dass sie in sich schlüssig ist. Statt dessen gibt es hier Logik- und Storylöcher ohne Ende und Spannung kommt zu keinem Zeitpunkt auf (allein schon, da alle Gegner von Conan mit Leichtigkeit niedergemäht werden, was auch nie so unterhaltsam ist wie es ein könnte). Da hätte man an Stelle von Jason Momoa auch einfach einen großen Stein durchs Bild rollen lassen können, mehr schauspielerische Fähigkeiten brauchts hier nicht.

Platz 9: Die Relativitätstheorie der Liebe

Olli Dittrich. Ich hatte kurz mit dem Gedanken gespielt das einfach so stehen zu lassen. Mit Olli Dittrich kann ich einfach nicht, vor allem dann nicht, wenn er gleich fünf (!) Rollen im selben Film spielt. Katja Rieman übrigens ebenfalls. Letztere beweist immerhin Wandlungsfähigkeit und ist teilweise kaum zu erkennen. Allerdings zeichnen sich die fünf Liebesgeschichten vor allem durch Belanglosigkeit aus und das bei zehn überzogenen, nervtötenden Charakteren. Kaum erträglicher Schwachsinn.

Platz 8: Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten

Cash-Cows soll man melken, so lernt man im Wirtschaftsstudium. Daher kann man es den Machern dieser lustlosen und unnötigen Fortsetzung aus dieser Sicht nicht verübeln, dass sie eben das getan haben. Solange die Leute kommen (und sie kamen in Scharen, weltweit hat der Film etwas über 1 Milliarde Dollar eingespielt), wird es auch noch weitere Fortsetzungen geben. Leider ist von Abenteuer nicht mehr viel zu spüren: eine Actionsequenz auf zugefrorener Themse wurde aus Kostengründen gestrichen, aus selbigen Gründen muss man auch weitgehend auf Hochseeaction verzichten und statt dessen dackeln die unterforderten Darsteller in einer unspannenden Story durch irgendwelche tropischen Wälder. Langeweile pur und da Regisseur Rob Marshall nicht mit der dritten Bilddimension umzugehen weiß, wirkt der Film, trotz Einsatz echter 3D-Kameras, optisch genauso platt wie inhaltlich.

Platz 7: Die drei Musketiere

Der Film ist optisch hübsch gemacht, soviel kann man ihm zu Gute halten. Es ist aber auch schwer, die Sehenswürdigkeiten meiner Heimatstadt Würzburg (die Residenz spielt das Louvre, die Alte Mainbrücke führt nach Paris, die Festung Marienberg ist der Tower von London) schlecht aussehen zu lassen. Diese optischen Schauwerte sind dann aber auch das einzige, was den Film erträglich macht. Das Drehbuch ist nämlich unter aller Sau! Alexandre Dumas würde weinen, könnte er sehen, wie sein Roman hier vergewaltigt wird. Die Lächerlichkeiten sind endlos: da werden Strafzettel an Pferde gehängt, überlange Dialoge über Modetrends geführt und Modernisierungsversuche (Luftschiffe!) gehen komplett nach hinten los. Dummerweise ist die Handlung viel zu sehr auf die Frau des Regisseurs, Milla Jovovich, zugeschnitten, die aus Milady de Winter eine Schwerter schwingende, im Kugelregen Gänge entlangrutschende Action-Lady macht. Man hätte den Film also auch Resident Evil 5 – Back to the Middle Ages nennen können. So schafft Frau Jovovich es mit ihrem nichtexistenten Talent den Film komplett im Alleingang zu ruinieren während ihre viel talentierteren Kollegen keine Chance haben eine sehenswerte Leistung auf die Leinwand zu bringen. Christoph Waltz wusste wohl als einziger auf was er sich da einließ und hatte anscheinend seinen gut bezahlten Spaß.

Platz 6: Honey 2

Ich habe generell nichts gegen Tanzfilme, Honey 2 bietet jedoch noch weniger Handlung als seine Genrekollegen und noch weniger von ungefähr allem was einen Tanzfilm ausmacht. Dafür gibts aber eine saftige Gratisladung Klischees. Die Charaktere sind flacher als ein Blatt Papier, das Drama oberflächlich und bei den Dialogen rollt es dem Zuschauer die Zehennägel hoch. Wäre vielleicht noch erträglich, wenn es wenigstens gute Tanzsequenzen gäbe, aber auch hier Fehlanzeige. Hilfloses, lächerliches, anscheinend unchoreographiertes Rumgehampel in einer überlangen (110 verdammte Minuten!), offenbar sehr billigen Produktion.

Platz 5: Red Riding Hood

Eine moderne Fassung von Rotkäppchen mit Horrorelementen? Klingt eigentlich gut, aber nicht wenn man die Regisseurin von Twilight ans Ruder lässt! Dann bekommt man nämlich einen unfreiwillig komischen Pseudo-Twilight-Klon in dem die Horrorelemente einfach fehl am Platz wirken. Dass dieser Schwachsinn aus der Feder des Autors von Orphan stammt, tut richtig weh. Die viel zu talentierte Amanda Seyfried irrt in einer platten Dreiecksbeziehungshandlung hin und hergerissen zwischen ihren beiden ach so gutaussehenden Dorftrotteln ziellos durch ein billiges Studio-Set. Als Zuschauer schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen und konzentriert sich dann auf die Frage, wie eigentlich Gary Oldman auf die blöde Idee gekommen ist, bei so etwas mitzumachen.

Platz 4: Kein Mittel gegen die Liebe

Eine Kate Hudson Komödie in der Kate Hudsons Figur Marley so gar keine Lust auf Liebe hat! Wie das wohl weitergehen mag kann sich jeder denken. Nun ja, nicht ganz, denn auf so eine schlechte Story kommt man als Normalsterblicher spontan gar nicht. Denn Marley hat Darmkrebs. Und dann trifft sie auf einer Wolke Gott in Form von Whoopie Goldberg. Drei Wünsche hat sie frei, kommt aber nicht auf die naheliegende Idee, sich einfach den Darmkrebs wegzuwünschen! Nein, nach zwei belanglosen Wünschen hat sie nichtmal eine Idee für ihren dritten Wunsch. Ab dann sind wir in der Kate Hudson Komödie nach Schema F, die realitätsfern und viel zu fröhlich vor sich hinkrebst. Blödes Wortspiel, ich weiß. Ein fürchterlich schlechter Film und ein Schlag ins Gesicht für jeden, der schon einemal wirklich mit Krebs zu tun hatte.

Platz 3: Der letzte Tempelritter

Nicolas Cage sucht sich seine Projekte anscheinend anhand der Dicke der Drehbücher aus. In diesem Fall dürfte es wohl auf einem Bierdeckel geliefert worden sein. Ein als Hexe verdächtigtes Mädchen muss von A nach B geschippert werden, zwischendurch greifen ein paar Wölfe an und über eine lädierte Holzbrücke müssen wir ja auch noch. Ach ja, wir brauchen noch einen Twist, irgendwas worauf keiner kommt. Die Dialoge improvisiert ihr dann einfach nach Gefühl, Hauptsache es sind ein paar One-Liner dabei. So oder so ähnlich dürfte das ausgesehen haben, fertig ist ein stinklangweiliges Mittelalter-Mystery-Roadmovie, dem man seine 40 Millionen Dollar Budget zu keinem Zeitpunkt ansieht und an dessen Ende man sich als Zuschauer schlicht verarscht fühlt.

Platz 2: Atemlos

Die spannendste Frage in Atemlos ist, wann denn eigentlich Taylor Lautner oberkörperfrei zu sehen ist. Zu dumm, dass sich diese Frage schon nach fünf Minuten in Luft auflöst. Alternativ kann man sich dann mit der Frage beschäftigen, ob die irritierenden Augenbrauen von Hauptdarstellerin Lily Collins vielleicht in Wahrheit aus einer einzigen, dicken, großen Augenbraue zurechtrasiert wurden (ich sage ja!). Und was macht eigentlich Sigourney Weaver da? In jedem Fall sollte man sich auf keinen Fall Gedanken über den Plot machen, der zum kollektiven Haare-Raufen animiert. Spätestens als man sich zur Übergabe eines digitalen Dokuments in einem Sportstadium trifft muss man als Zuschauer resignierend das Hirn und am besten gleich den ganzen Film abschalten. Ein inkompetent zusammengeflicktes Debakel, das kein noch so guter Schauspieler retten könnte, schon gar nicht Teenie-Schmacht-Schwarm Taylor Lautner.

Platz 1: Kottan ermittelt: Rien ne va plus

Die Gurke des Jahres geht in diesem Jahr nach Österreich. Ich kenne die Serie, auf der dieser 'Film' basiert, nicht und nach Sichtung desselben will ich sie auch gar nicht sehen. So eine, gelinde gesagt, gequirrlte Scheiße ist mir selten im Kino untergekommen. Völlig abstruse Parodie (?) eines Krimis, in der ein Schneeballsystemspiel tödliche Folgen hat. Die sowieso schon unterirdische Darstellerriege wird von einem absolut fehlbesetzten Robert Stadlober sogar noch überboten. Hier reiht sich eine bescheuerte Albernheit an die nächste und jeder Ansatz einer womöglich angedachten Satire, beispielsweise der Polizeiapparat als sperriger, auf Migranten ballernder Roboterklotz, ist völlig platt und misslingt bereits im Ansatz. Optisch ist das Ganze billigst eingefangen und scheint von einem Praktikanten am Heimrechner mit Hilfe von Freeware-Tools zusammengebastelt worden zu sein. Merkwürdige Playback-Musiknummern und ein vom Himmel Wiens auf die Straße herunterkackender Mops runden den negativen Gesamteindruck gekonnt ab. A gonz großa Schmarrrrn, man kann kaum in Worte fassen, wie abgrundtief schlecht dieses fast zweistündige Machwerk ist!


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