FBI trifft auf Kerrygold: 'The Guard' Blu-ray Review


Im letzten Jahr wurde er auf der Berlinale von vielen gefeiert, ich habe es leider zu keiner der Vorführungen geschafft, was ich durchaus bereue, denn John Michael McDonaghs Spielfilmdebüt The Guard ist ein ziemlich adrettes und kurzweiliges Vergnügen, das man am besten mit anderen teilt (wie im Fall der meisten Komödien eben). Mit Brendan Gleeson hat man aber auch einen Hauptdarsteller verpflichtet, der sympathischer kaum sein könnte. Der feiste Ire passt in die Rolle des ländlichen Cops ohnehin wie die Faust aufs Auge. Da steht er frühmorgens in seinem Zimmer, das so grün ist, dass man fast schon Augenkrebs bekommt, auf und kratzt sich erstmal an den Eiern. Nur um sich dann seine Uniform überzustreifen, die er – das wird deutlich – auch schon mal stolzer übergestreift hat. Es ist aber auch nicht jenes Polizistendasein, wie man es aus Serien wie Cops oder aus Hollywoodfilmen kennt. Vielmehr schiebt Sergeant Gerry Boyle Streifendienst wo sowieso nichts passiert, nämlich im ländlichen Irland, das genau so aussieht, wie man es aus der Kerrygold-Werbung kennt: Natur pur, aber tote Hose.

Es gäbe aber keinen Film, wenn eines nicht doch etwas passieren würde, denn eines Tages finden Sergeant Boyle und sein Kollege eine Leiche, die ihnen Rätsel aufgibt. Der Rest der Handlung ist dann auch schnell erklärt: Drogenschmuggler planen einen ganz großen Coup und der gemütliche, aber vorlaute Ire bekommt plötzlich einen amerikanischen Kollegen vom FBI (Don Cheadle) zur Seite gestellt. Da treffen dann nicht nur zwei verschiedene Sprachen aufeinander, sondern auch zwei Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und das ist natürlich Grundlage für jede Menge Missverständnisse und Differenzen, die durchaus für Lacher sorgen. Da wird dann auch nicht lange gefackelt und schon kommt der Ire mit den rassistischen Witzen – und der Zuschauer ist anfangs noch unentschlossen, ob er nun lachen oder sich echauffieren soll. Diese Entscheidung trifft er dann aber spätestens nach dem zweiten oder dritten Kommentar des blonden Iren, der sich von niemandem den Mund verbieten lässt. Und während die Sprüche anfangs noch recht kalkuliert, aber nicht unbedingt zahm sind – man kann sich den Drehbuchautoren nur zu gut beim Schreibprozess vorstellen … –, schlagen sie spätestens dann in schwarzhumorige Volltreffer um, wenn der Nordirland-Konflikt aufgegriffen wird und protestantische Kinder (verbal) dran glauben müssen.

The Guard pendelt sich schließlich irgendwo in der Mitte ein. Sicher, er zeichnet sich durch eine ordentliche Portion schwarzen Humors aus und ist auch sonst nie politisch korrekt. Und dennoch wäre hier Potential für mehr gewesen – weniger auf verbaler als vielmehr auf der Handlungseben. Am Ende streift Boyle seine Uniform wieder voller Stolz über und weiß plötzlich für was und wen er kämpft. Und natürlich freundet sich der schwarze Preppy-Cop mit dem grundsoliden irischen Kollegen auch an. Gerade hier hätte The Guard gerne noch eine Spur asozialer sein können. Da bewies der zeitgleich auf der Berlinale gelaufene The Devil's Double (mit dem er sich natürlich nur tonal vergleichen lässt) deutlich mehr Eier. Nichtsdestotrotz ist The Guard eine sympathische Variation des 'fish outta water'-Szenarios, die immer wieder auch ernste Töne anschlägt und neben einem tollen Cast auch Lust auf Irland macht. Trotzt aller kuriosen Gestalten, die sich da so rumzutreiben scheinen. (7/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite ist seit dem 21. März im Handel erhältlich (Amazon-Partnerlink) und verfügt über ein leider noch immer nicht üblich gewordenes Wendecover. Die sehr ordentliche Bildqualität kommt besonders bei den vielen Naturszenen gut zur Geltung. Auch in dunklen Szenen – ein Großteil des Filmes spielt in der Dämmerung oder in der Dunkelheit – kann sich das Bild durchaus sehen lassen. Der englische DTS-HD 5.1-Track ist gut, verfügt aber über keine nennenswerten Highlights. Die Dialoge sind klar und deutlich wahrzunehmen und gegen Ende bekommen dann auch die Rears etwas zu tun. An Extras hat man nicht gespart: Making-of, Deleted Scenes, Audiokommentar, Trailer und Trailershow – nichts, was man wirklich vermissen würde. Eine schöne Veröffentlichung.


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5 Kommentare zu “FBI trifft auf Kerrygold: 'The Guard' Blu-ray Review”

  1. April 1st, 2012 | 18:10

    Dein Titel ist herrlich. Nur bei Der Blu-ray hast du nicht so ganz aufgepasst. Vor allem in dunklen Szenen ist viel zu oft heftigstes Bildrauschen vorhanden.

  2. April 1st, 2012 | 18:20

    Das stimmt. Aber ist das nicht fast schon normal. Das hat man doch bei gefühlt jeder zweiten BD, oder?

  3. April 5th, 2012 | 13:28

    Nein, nicht wirklich. Und ich sehe mir viele Blu-ray's an. Das ist einfach Fehler auf dieser Disk.

  4. April 7th, 2012 | 15:07

    Okay, ich verlasse mich da auf Dein technisches Verständnis. ;)

  5. André (1)
    April 16th, 2012 | 12:13

    Ich hab so gelacht bei diesem Film .. Traumhaft . Genau mein Humor :-)

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