Craziest. Fucking. Night. Ever. 'Project X'


Unserer aktuellen Jugend wird nicht gerade nachgesagt, dass sie eine Mustergeneration sei, im Gegenteil. Komasaufen, politische Gleichgültigkeit, keine wirklichen Ziele im Leben und sowieso immer irgendwie für alles und nichts zu haben. Auch filmtechnisch lässt sie ihr Geld lieber beim x-ten Blockbuster als beim Arthouse-Streifen liegen. Die Erfolge der beiden The Hangover-Filme zeigen, dass die Jugend auch im Kino das sehen will, was sie am liebsten im echten Leben tun würde – feiern, als gäbe es kein Morgen und keine soziale oder sonst irgendwo verortete Verantwortung. Die Party kann nie früh genug anfangen und nie spät genug enden. Und so landen beim heimischen Vorglühen dann auch The Hangover, EuroTrip oder Van Wilder in den Player – man will sich ja schließlich schon mal in Stimmung bringen. Waren es in den 80ern die John Hughes-Filme, die als Filme einer Generation galten, sind es heute quasi die Filme eines Todd Phillips oder Judd Apatow. Zeiten ändern sich eben. Wer sich mit Phrasen und Superlativen nicht anfreunden kann, der sollte nun ohnehin nicht weiterlesen, denn was folgt ist ein Lobgesang auf die wohl größte Sause der Filmgeschichte!

Wer bisher annahm, dass The Hangover der perfekte Partyfilm sei (was ich übrigens noch nie tat), der muss seine Meinung nach Sichtung von Project X wohl schleunigst revidieren, denn gegen das Regiedebüt von Nima Nourizadeh wirkt The Hangover (Part II) wie eine Tea-Time spießiger Schwiegermütter am Sonntagnachmittag. Project X gibt die Richtung schon in den Trailern klar vor und macht keine Gefangenen. Es wird geflucht und auf die Kacke gehauen, bis sich die Balken biegen und auch die toleranteste Mami irgendwann den Kopf schüttelt. Die drei Jungs, die ungleicher kaum sein könnten – das gemeinsame Ziel cool zu sein und 'hot bitches' flachzulegen, verbindet sie aber wieder –, haben nichts anderes im Kopf als die Party ihres Lebens steigen zu lassen. Die Vorbereitungen für diese wollen gut überlegt und geplant sein, schließlich soll es ihr persönlicher Durchbruch in der Schul- und Frauenwelt werden. Und bis dahin ist es noch ein langer Weg, wie Project X auf übliche Art und Weise des Genres zeigt. Doch irgendwie sind einem die Jungs sofort sympathisch – weil sie eben kein Blatt vor den Mund nehmen und von dem, was sie tun (und vorhaben), absolut überzeugt sind.

So wird dann auch keine Sekunde für unnötigen Ballast verschwendet, sondern Nourizadeh kommt sofort auf den Punkt. Auch die POV-Kamera, die für viele Filmfreunde ein Problem darstellt, stellt sich nicht als solches heraus, sondern vielmehr spielt der Film schön damit. So wird vor den Credits der Hinweis eingeblendet, dass Warner Bros. dieses Material exklusiv zur Verfügung gestellt wurde. Dies suggeriert einen gewissen Pseudo-Realismus, der mal mehr, beispielsweise wenn auf Cop-Kameras geswitcht wird, mal weniger gut funktioniert (Unterwasser-Shots!?). Das spielt aber ohnehin nur eine untergeordnete Rolle, denn in erster Linie heißt das Motto: 'Mittendrin statt nur dabei'! Man folgt den Jungs zum Dealer, der am liebsten James Blunt hört (sic!), zieht sich mit ihnen in der Umkleide um und ist live mit dabei, wenn sie erste Kontakte mit dem anderen Geschlecht knüpfen. Und irgendwann ist man dann nur noch einer von mehreren Hundert Gästen auf der geilsten Party überhaupt. Hat der DJ die megageile Playlist erstmal angespielt, ist es um einen geschehen! Man würde am liebsten vom Sessel direkt in den Pool springen und davor noch ein paar Kurze ziehen!

Es ist absolut nicht übertrieben, wenn man Project X attestiert, dass er irgendwann auf alles pfeift und einfach nur den puren Spaß sucht. Selten zuvor hat mir ein Film auf diese Art und Weise mehr Spaß gemacht als mancher Clubabend. Es stimmt einfach alles und der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. Und immer, wenn man denkt, dass es nicht noch krasser abgehen kann, zaubert Nourizadeh das nächste Kaninchen – oder Zwerg – aus dem Hut. Und während mich irgendwann das ungute Gefühl beschlich, dass da doch irgendwann noch der große, erhobene Zeigefinger kommen muss, scheißt Project X einmal mehr drauf. Gut, dass am Ende Platz für die Liebe sein muss, versteht sich von selbst, aber alles halb so wild, klammert man diese drei Minuten angesichts der großen Sause mal aus.

Project X sichert sich nach 90 Minuten Ekstase den Titel bester Partyfilm aller Zeiten. Ganz locker. Sage ich jetzt einfach mal so. Die Tagline des Filmes lügt nicht, denn es ist tatsächlich die Filmparty, von der man eigentlich nie zu träumen gewagt hätte. Und während sich die Jungs am Morgen danach erholen, will man noch immer nicht glauben, dass das alles wirklich so passiert ist. Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen … Diese asoziale Party, bei der am Ende das ganze Viertel brennt und die sogar Thema bei Jimmy Kimmel ist, kann man glücklicherweise kaufen – und das gerade mal zum Preis eines Kinotickets. (10/10)


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2 Kommentare zu “Craziest. Fucking. Night. Ever. 'Project X'”

  1. Mai 1st, 2012 | 17:00

    Wow ^^

  2. Mai 1st, 2012 | 18:32

    Eigenltich dachte nach dem Trailer das man es hier mit einer typischen Asi-Komödie zu tun hat, aber nach diesem Lobgesang habe ich doch tatsächlich ein wenig Lust auf den Streifen bekommen! Ich mag generell diese POV-Kamera und bin gespannt wie sie in diesem Genre funktioniert.

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