The 50 Most Racist Movies (?)


Gerade hat The Playlist einen Artikel zu Gremlins veröffentlicht, der fünf Fakten zum Film liefert, die man wahrscheinlich noch nicht kannte. Der fünfte Punkte behauptet, dass Joe Dantes Klassiker sehr rassistisch sei, was auf den ersten Blick doch reichlich abstrus wirkt. Das behauptet allerdings nicht das Filmblog, sondern Complex, ein Magazin für Popkultur, Lifestyle und Technik. Der ursprüngliche Artikel vom 09. Mai belässt es aber nicht etwa bei Gremlins, sondern listet gleich 50 Filme auf, die laut Autor die rassistischsten der Filmgeschichte sind.

Darunter finden sich natürlich einige offensichtliche Kandidaten wie The Birth of a Nation (auf Platz 1) oder Joel Schumachers Falling Down (auf Platz 45). Den meisten der 50 Filme einen signifikanten Rassismus zu unterstellen, ist jedoch fast schon an den Haaren herbeigezogen, zumal sich der Autor auch nur in wenigen Sätzen erklärt. Was an White Chicks (Platz 14) beispielsweise rassistisch sein soll, der ja gerade den Rassismus der WASPs parodiert, entzieht sich meiner Kenntnis.

Rassismus im Film ist immer ein heikles Thema, und ja, in vielen Filmen, die sich überhaupt nicht um dieses Thema drehen, kann man einen latenten Rassismus ausmachen (ich erinnere mich zum Beispiel an The Chronicles of Narnia: Prince Caspian, den ich sehr rassistisch fand). Hinter jedem Stereotyp und Klischee aber gleich Rassismus zu vermuten, halte ich für übereifrig – schließlich spielt Film ja in gewisser Weise immer mit Stereotypen und Klischees. Andererseits liest sich die Liste aber auch sehr interessant und sorgt dafür, dass man den einen oder anderen Film auch mal aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet.

Was meint Ihr zu dieser Liste? Stimmt Ihr dem Autor zu oder haltet Ihr seine Behauptungen für pure Provokation?


Tags , , , , , , ,

6 Kommentare zu “The 50 Most Racist Movies (?)”

  1. Juni 8th, 2012 | 22:42

    Also ich finde vieles an der Liste Blödsinn.

    Zum Beispiel "Miss Daisy und ihr Chauffeur". Ich gebe zu, ich habe den Film schon sehr lange nicht mehr gesehen. Aber ich weiß, dass er zu einer Zeit spielt, in der die Rassentrennung nach volles Programm war. Soll der Film jetzt so tun, als ob dies nicht der Fall wäre?

    Oder "Die Indianer von Cleveland": Jeder einzelne Charakter in dem Film ist eine Ansammlung von Stereotypen, über die sich lustig gemacht wird. Aber er hängt sich an dem Schwarzen auf, der einen Voodoo-Schrein in seinem Spind hat.

    "Last Samurai": Der Film fängt damit an, dass sich Tom Cruises Charakter für all das verachtet, was einen handelsüblichen John-Wayne-Western ausmacht: Heroischer weißer Kavallerie-Soldat befreit die armen, weißen Siedler von den blutrünstigen Roten.
    Weshalb ist der Film also rassistisch? Weil sich ebenjener Charakter den aus seiner Sicht ehrbaren fremdländischen Samurai anschließt und die Frechheit besitzt, als Hauptcharakter bis zum Ende des Films zu überleben.

    Wenn "Billy Madison" rassistisch ist, darf ich dann davon ausgehen, dass "Two and a Half Men" nicht rasistisch ist, weil sich Charlie eine weiße Hausfrau namens Bertha hält, die über ihn herzieht?

    In der Nachbetrachtung ist "Ausnahmezustand" eine erschreckend präzise Vorhersage von dem, was nach 9/11 passierte. Araber werden eingesperrt, nur weil sie Araber sind. Der weiße General ist der Böse, der schwarze Polizist(?) der Gute. Aber der Film ist rassistisch, weil letztendich doch ein Araber der Terrorist war.

  2. Juni 8th, 2012 | 22:43

    Moin Stefan,

    ohne jeden der Filme zu kennen, erlaube ich mir eine pauschale Meinung zu dem Thema: Lasst uns nicht immer alles durch die politsch korrekte Brille sehen (kein Vorwurf an Dich).

    Es nervt mich in den letzten Jahren immer mehr. An jeder Ecke wird aus einem Pups ein Skandal gemacht, Rassismus oder Antisemitismus ist dabei ja, gerade hier in Deutschland, ein wunderbarer Aufhänger. Dabei leben wir hier in einer multikulturellen und multinationalen Welt wie es sie, so glaube ich zumindest, niemals vorher gab. Und das Ganze funktioniert merkwürdigerweise erstaunlich gut, die Verbrechensraten sind schließlich in Westeuropa durchaus erträglich.

    Daher nerven mich solche Listen, Vergleiche oder wie auch immer es aufbereitet wird enorm.

    So, jetzt wieder zum Thema Film: Wie Du ja schon richtig anmerkst bedienen sich Filme regelmäßig an Stereotypen und Vorurteilen, wie will man auch sonst in knapp 2 Stunden eine Geschichte, die zudem noch unterhaltsam sein muss, erzählen? Und natürlich sind Klischees wie der Quoten-Schwarze der immer als erster stirbt allein stehend betrachtet rassistisch, aber es geht um Unterhaltung. Spaß, Denkanstöße, Trauer, Angst, Romantik oder was auch immer ein Film vermitteln mag. Da sollte man einfach keine so engstirnige und verklemmte Sichtweise an den Tag legen.

    Genauso könnte man ja eine Liste der, grob geschätzt, 20.000 sexistischen Filme anfertigen. Und ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass es diese Liste auch gibt :D

    In diesem Sinne: Ein schönes EM-Wochenende!

  3. Juni 8th, 2012 | 22:54

    @DJ Doena

    Zu Last Samurai bzw. Avatar bzw. Dances with Wolves gab es auch mal eine sehr schöne Analyse, die argumentierte, dass Cruise bzw. Costner es genießt nun Anführer der "Anderen" zu sein, weil er ja Wissen hat, das diese nicht haben und dadurch überlegen ist … Daraus leitete der Text dann den Rassismus ab, war auch interessant und schon eher zutreffend als das meiste hier. Wobei das Problem ja auch ist, dass er das alles viel ausführlicher begründen müsste, dann könnte man es evtl. schon eher nachvollziehen. Und Provokation ist da sicher auch eine gehörige Portion dabei.

    @Enrico

    Erstmal danke, dass Du bei mir vorbeischaust und sogar kommentierst! ;)

    Ich habe auch viele der Filme nicht gesehen, gehe da aber d'accord mit Dir. Und ja, wenn wir hier jetzt noch mit den "sexistischsten" Filmen ever anfingen, würden wir wahrscheinlich zu gar keinem Ende mehr kommen und müssten so ziemlich alle Komödien der letzten Jahre auseinander nehmen …

    BTW: Auch sehr schön und viel eher zutreffend ist der sog. "Bechdel Test".

  4. Juni 8th, 2012 | 23:01

    Was Tarantino angeht, muss ich ihm Recht geben.

  5. Juni 8th, 2012 | 23:27

    @Stefan: Das ignoriert aber den Fakt, dass es immer nur genau ein Weißer ist, der zu den guten Einheimischen wechselt und anschließend die Bösen, die alle grundsätzlich die Weißen sind, bekämpfen muss.

    Und was diese Argumentation auch ignoriert, ist, dass zumindest Skully (hieß der Avatar-Typ so? Ich fand den Film furchtbar öde) und Algren (ich hab Der sich nen Wolf tanzt nie gesehen) nicht Anführer des Volkes wurden, sondern zu quasi-Generälen in einem Kampf bei dem sie den Gegner nun mal besser kannten als jeder andere.

    Er führt die Samurai/die blauen Indianer nicht an, weil er der Weiße ist, sondern, weil er die Taktiken des Gegners kennt und dieses Wissen den Guten zum Sieg verhelfen wird.

    Das ist eine schlichte militärische Logik und hat partout nihts mit Hautfarben zu tun.

    Wäre Picard seinen Befehlen gefolgt, wäre die Erde in Star Trek 8 ohne größere Probleme gefallen und der Film wäre nach 10 Minuten zu Ende gewesen. Es war Picards Insiderwissen über die Borg, das half, den Kubus zu pulverisieren.

    Will man dem Film jetzt da wirklich einen Strick draus drehen, dass der Film rassistisch gegenüber den von einem Schwarzen dargestellten Klingonen Worf war, der mit seiner Defiant darauf warten musste, von Picard und der Enterprise gerettet zu werden?!?

  6. Juni 8th, 2012 | 23:32

    True. Ich sagte ja auch nur, dass ich den Ansatz interessant finde, nicht, dass ich ihn teile. Auch dein ST-Bsp. ist natürlich schön (das kenne ich nämlich auch im Gegensatz zu Wolves, den ich ebenfalls nicht gesehen habe). Das "Problem" an der ganzen Sache ist, denke ich, dass es am Ende wieder auf die persönliche Rezeption(shaltung) inkl. kulturellem Background etc. hinausläufft, die ja immer mit rein spielt und die uns ja auch Filme generell entweder gut oder schlecht (oder alles dazwischen) finden lässt.

    Hier übrigens besagter Text.

Kommentieren?