Understatement steht Nolan nicht: 'The Dark Knight Rises'


Leichte Spoilergefahr!

Christopher Nolans The Dark Knight Rises hat mich sehr enttäuscht, das schicke ich gleich voraus, denn eigentlich konnte Nolans letzter Batman-Film den Erwartungen auch gar nicht gerecht werden, die er sich da teilweise auch selbst auferlegt hat. Wenn ich an den Trailer zurückdenke, jener, der einen kleinen Jungen ’The Star-Spangled Banner’ singen lies und Bilder darüber legte, die die Erwartungen ins Unermessliche stiegen ließen: das einstürzende Footballfeld, die gesprengte Brücke, die Gefängnisinsassen, die sich plötzlich in Freiheit währen – Bilder, die sich einbrennen und noch lange nachhallen. Nicht so im tatsächlichen Film, denn der ist nicht nur unglaublich geschwätzig – schließlich müssen ja noch einige Fäden zusammengeführt werden und Bruce Wayne muss sich auch erst einmal aufraffen, Gotham erneut vor dem Untergang zu bewahren –, sondern lässt den Zuschauer einfach nur unfassbar underwhelmed zurück. Die großen action set pieces kannte man ja schon aus dem Trailer, viel Neues oder gar Atemberaubendes gesellt sich nicht mehr dazu, im Gegenteil.

Ich will Nolan keinesfalls bashen (warum führt Kollege Ben schön aus), dass er durchaus etwas kann, hat er oft genug gezeigt, auch wenn er natürlich – und das bringt der Erfolg mit sich – vielerorts gehyped wird. The Dark Knight war ein bombastischer Film, der zudem perfekt mit den Post-9/11-Ängsten der Amerikaner spielte. Man sieht auch Nolans neuem Film all das an: den Versuch einer politischen Allegorie (die dank stereotyper und doofer Wall-Street-Banker nicht wirklich funktioniert), den Bombast, den er leider nie wirklich lange aufrechterhalten kann (die Hymne sorgt für absolute Gänsehaut, aber das Footballfeld-Gimmick kann bekanntermaßen ja nicht mehr seine volle Wirkung entfalten) oder der Soundtrack von Zimmer, den ich hier zum ersten Mal als nur wenig prägnant wahrnahm – und wenn er mal donnert, dann sind es die Motive, die man schon aus den beiden Vorgängern kennt. Nein, Nolan hat sich vor allem mit dem Trailer absolut keinen Gefallen getan.

Doch Trailer hin oder her, fast nichts in The Dark Knight Rises kann den Zuschauer wirklich umhauen. Und das ist doch das, was einen Blockbuster ausmacht, oder? Gigantische Schauwerte, die einem die Kinnlade runterklappen lassen. Ich habe erst vor einigen Tagen wieder Camerons Aliens gesehen, der wohl auch heute noch die Blaupause für einen Blockbuster markiert. Da stimmt einfach alles, allen voran die gigantischen set pieces, die dem Ganzen sukzessive eines drauflegen. Das ist in Nolans Film ganz anders. Wenn ich allein daran denke wie man Banes Tod gestaltet hat – das ist eine Frechheit, die ihresgleichen sucht, denn da baut man die Figur, die in der deutschen Synchro leider zur Semi-Witzfigur gerät, so toll auf (die Flugzeug-Szene), nur um sie dann so unspektakulär wie plötzlich aus dem Film scheiden zu lassen. Und das für einen Twist, der mich, je länger ich darüber nachdenke, an die Decke gehen lässt. Spätestens hier fragte ich mich, ob das wirklich Nolans ernst sein kann. Da hat er dieses Franchise so gekonnt rebootet, nur um es dann so zu Ende gehen zu lassen?

Das gilt leider für so vieles im Film, allen voran das Ende, über das ich beim besten Willen keine guten Worte finden kann – entweder hat sich Nolan hier gigantisch vom Studio auf die Finger schauen lassen oder er hat den Widerstand gleich ganz aufgegeben, denn ohne groß spoilern zu wollen: Es wäre nicht Hollywood, wenn man nicht alles tun würde, um sich jedes Hintertürchen für etwaige Sequels, Spin-Offs, etc. offen zu lassen … Ja, das geht sogar so weit, dass man ganze Figuren nur deshalb einführt, um sie für dieses Hintertürchen zu haben (so erweckt es zumindest den Eindruck). Andere, die es verdient hätten, dass man näher auf sie eingeht und sie quasi zu einem Abschluss führt – Alfred zum Beispiel –, werden gar nicht weiter beachtet. Doch es gibt auch Positives zu vermelden, denn Anne Hathaway, von der ich für gewöhnlich kein allzu großer Fan bin, schlägt sich erstaunlich gut als charmante Catwoman, weil sie weniger Bitch als vielmehr weibliches Pendant von Gentleman Bruce Wayne ist.

Nun ist The Dark Knight Rises natürlich kein wirklich schlechter Film. Gemessen an dem, was er sich selbst allerdings auferlegt hat, enttäuscht er auf so vielen Ebenen, sogar auf so einfachen wie der Plotebene. Nolan hat von Beginn an nur wenig wirklich gute Ideen, und spätestens ab der Hälfte des Filmes gehen ihm diese ohnehin aus und sein Film gerät in Bahnen, die man einem Nolan normalerweise nicht zuschreiben würde. Das letzte Drittel ist dann so generisch und spannungsreich, dass man auch einen Rob Cohen auf den Regiestuhl hätte setzen können. Ich weiß nicht, woran es letztlich gelegen hat, dass Nolans Film zumindest meinen Erwartungen nur sehr bedingt gerecht werden konnte. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass eine Zweitsichtung nur Schlimmeres und nicht Besseres zu Tage fördern würde. Ich finde es aber auch nicht so schlimm, dass The Dark Knight Rises jetzt nicht der ganz große Wurf ist. Oder es ist mir egal. Jedenfalls schwirrt seit der Pressevorführung nur ein Wort in meinem Kopf herum. Ein englisches, da ich nochmal wiederholen möchte, das es meinen Gesamteindruck einfach so schön und präzise zum Ausdruck bringt: Ich bin gigantisch underwhelmed von diesem Abschluss. (6.5/10)


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7 Kommentare zu “Understatement steht Nolan nicht: 'The Dark Knight Rises'”

  1. Falke (8)
    Juli 24th, 2012 | 4:11

    Das in dem Review heftig gespoilert wird, hätte man vorher vllt. erwähnen sollen.

  2. Juli 24th, 2012 | 9:40

    [...] verhöhnt ertrunkene "Gorch Fock"-Kadettin Emotionen: 11* In Blogs gefunden: Understatement steht Nolan nicht: &39;The Dark Knight Rises EquilibriumThe Dark Knight Rises hat mich sehr enttäuscht das schicke ich gleich voraus denn eigentlich [...]

  3. Juli 24th, 2012 | 10:58

    @Falke

    Ich empfand es nicht unbedingt als Spoiler, habe aber mal eine Warnung gesetzt.

  4. Juli 26th, 2012 | 8:41

    Der Film hat bei mir weitaus besser abgeschnitten, auch wenn ich deine Kritik voll und ganz nachvollziehen kann. Vor allem das mit dem Ende, wobei das irgendwie doch klar war. Und für Comic-, bzw. Batman-Fans ist der Film trotz aller Schwächen eine Wucht.

  5. Juli 29th, 2012 | 10:48

    Nolan hat einfach die erwartungen mit TDK und Inception zu hoch gelegt und ist nun ein bisschen über sein eigenes bein gestolpert…:/

  6. Juli 29th, 2012 | 12:52

    Ich kann dir Kritik (nicht nur hier, sondern auch auf anderen Kinoportalen) nicht nachvollziehen. Ich bin sogar positiv überrascht von dem Film und habe ihn weniger gut erwartet. Wohl noch nie habe ich mich in 164 Minuten im Kino so gut unterhalten gefühlt, ohne auch nur einmal auf die Uhr zu schauen. Und darauf kommt es im Kino ja an. Gleichzeitig ist "Rises" nicht nur pure Unterhaltung sondern regt auch ein wenig zum mitdenken und erinnern (an vorausgegangene Teile) an. Ich bin sehr zufrieden und werde ihn auch ein zweites Mal anschauen.

  7. rick (2)
    August 5th, 2012 | 11:58

    Der Film ist gut, aber Nolan hat sich etwas mit der Story verheddert. Auch finde ich Catwoman ist falsch gecastet und besonders Thalia (Ras Ghuls tochter) ist ein vollkommener Miscast.
    Nolan hat vielen seiner Darsteller aus seinen Filmen Rollen gegeben und hat vergessen, dass man die Rolle nach Drehbuch und nicht nach "mit wem habe ich beim letzten film zusammengearbeitet".

    Im Grossen und Ganzen ist der Film gut und ok.
    Er hätte besser werden können, aber vielleicht hat er sich übernommen. Er sagt in einem Interview, dass TDK Rises sein grösstes und aufwendigstes Projekt war und vielleicht braucht er mal Pause…..und wieder einen kleinen Film zur Erholung.

    Wir sind aber in DE und hier meckert man halt….das erlebe ich bei diesem Film derzeit auf sehr unfaire Art und Weise.

    Ich kriege immer Schelten, wenn ich sage, dass Catwoman falsch besetzt ist, aber vielleicht bin ich da ehrlicher als Comicfan als andere Personen die die Rolle nach dem "peniseffekt" bewerten.

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