Tony Scott Retro: 'The Hunger'


Wer hätte gedacht, dass Tony Scott mit einem vor allem bildsprachliche sehr poetischen Horrorfilm begonnen hat, dessen bezaubernd schöne Catherine Deneuve erst mit David Bowie und dann mit Susan Sarandon rummacht? Scott sucht auch hier, gleich zu Beginn, den Exzess, den er mit all seinen späteren Trademarks zelebriert: Freeze Frames, Speed Ramping, Dutch Angles und eine Overall-Optik, die seine Herkunft aus der Werbung deutlich erahnen lässt. Offene Fenster überall, Tauben, die nur bei John Woo schöner fliegen und Vorhänge, die durch den Wind wehen, unterlegt mit klassischer Musik. Am erstaunlichsten ist aber, dass The Hunger keinesfalls wie ein Film aus dem Jahre 1983 aussieht, sondern vielmehr wie ein Film aus den 90ern. Seine Geschichte wäre zehn Jahre später, nach der großen Vampirfilm-Welle, aber wohl viel zu spät gekommen, auch wenn er über genügend Alleinstellungsmerkmale verfügt (allein die Make-up-FX sind grandios). Es ist schon erstaunlich, wie dieses Erstlingswerk so gar nicht in Scotts Oeuvre passen will, sich aber auf visueller Ebene – und Scott war ein visual craftsman – dann doch wieder nahtlos einfügt. Nach dem intensiven, fast schon surrealen Finale stellt man sich nur eine Frage: Wieso hat sich Scott nie wieder an Horror versucht?


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