Die mit dem Hai tanzt: 'Dark Tide' Blu-ray Review


An einen Hai-Thriller geht man für gewöhnlich mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung heran. Dass man spannende Unterwasseraufnahmen und das eine oder andere Opfer erwartet liegt wohl auch damit zusammen, dass Steven Spielberg 1975 das Horror-Kino ein klein wenig revolutionierte. Es ist die pure Angst, die einem solch ein Hai-Film machen soll – so, dass man sich für lange Zeit nicht mehr ins Wasser traut. Die Filmgeschichte hat gezeigt, dass es nach Jaws nicht mehr vielen Filmen gelungen ist, den Hai als Bestie und absolute Tötungsmaschine effektiv zu inszenieren. Dabei sind aber viele Filme genau darauf aus. John Stockwells Dark Tide kann sich nicht ganz entscheiden, ob er nun dieser klassische Hai-Thriller mit Horrorelementen sein will oder doch lieber eine harmlose Naturdoku, die einige nette Aufnahmen des vermeintlichen Killers parat hält. Eine Geschichte weiß er schon gar nicht zu erzählen. Das wäre an und für sich auch nicht sehr schlimm, denn wieso soll Film immer zu eine Geschichte erzählen, statt dies auf visueller Ebene zu tun?

Das größte Problem von Stockwell ist es aber, dass auch der Rest nicht für etwas Interessantes oder gar Spannendes reicht. Dark Tide will nie so richtig in Schwung kommen, geschweige denn erzählen. Da ist Halle Berrys Figur, eine abenteuerlustige Meeresbiologin, die gerne mal mit Haien Seite an Seite schwimmt. Oder ihr Mann Olivier Martinez, der einen Franzosen gibt, dessen wahre Motive stets im Dunkel bleiben und bei dem man nicht weiß, ob Arschloch oder nicht. Der restliche Cast ist nicht der Rede wert, denn er bleibt so flach wie der Spannungsbogen des Ganzen. Es dauert geschlagene 85 Minuten, bis mal etwas passiert. Und das, was dann passiert, kann dann auch keinen mehr hinter dem Ofen vorlocken. Vielmehr hat man schon längst mit dem Film und seinen Charakteren abgeschlossen, so dass nur noch Gleichgültigkeit herrscht. Erst recht, wenn einem auch noch so etwas serviert wird wie die Angestellte von Halle Berrys Biologin, die es spürt (!), dass etwas nicht in Ordnung ist und daraufhin die Küstenwache verständigt.

Wer nach dem eigentlichen Plot fragt, wird ebenfalls enttäuscht, denn das, was Dark Tide versucht zu erzählen, ist nicht nur reichlich unspannend, sondern auch absolut generisch. Am Anfang ist alles heile Welt, dann passiert etwas Schreckliches und alle sind erstmal down. Da kommt ein reicher Geschäftsmann, der die finanzielle Notsituation ausnutzen will und schließlich geht man darauf ein. Klar, am Ende kommt dann, was kommen muss: Alles geht einmal mehr schief und jeder bekommt das, was er verdient. Das versteht sogar der 12-Jährige, der sich den Film schon anschauen darf, denn außer ein klein wenig rotes Wasser gibt es auch weiter nichts – wer also blutige Hai-Attacken erwartet hat, der wird bitter enttäuscht werden. Wenn es allerdings Haie zu sehen gibt, dann sind dies ziemlich schöne Bilder, was man Dark Tide als großen Pluspunkt anrechnen muss. Nur selten sieht man, dass es sich um FX handelt, die meiste Zeit über wird man aber Zeuge hervorragender Hai-Aufnahmen. Leider reicht das unterm Strich aber noch lange nicht für einen guten Film, denn das bekomme ich auch in jeder guten Tier-Doku. Und spannender ist die in den meisten Fällen auch noch. (3.5/10)

Die Blu-ray von Universum Film erscheint heute (Amazon-Partnerlink) und ist deutlich besser als der Film, ist das Bild doch schön scharf und detailreich – wenn man nicht gerade unter Wasser ist, wo natürlich viele Details ob der Dunkelheit verloren gehen. Der Ton ist gut, aber kein Highlight. An den entsprechenden Stellen könnte es noch etwas mehr rummsen, dafür sind die Dialoge aber hervorragend gemastert. Extras finden sich auf der Scheibe außer dem Trailer und einer Trailershow für andere Universum-Titel leider keine.


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