Mannequins on Film: 'Maniac' Blu-ray Review


Über 30 Jahre ist es bereits her, dass William Lustig mit Maniac einen Klassiker geschaffen hat. Jeder, der Lustigs Film gesehen hat, wird ihn wohl so schnell nicht mehr vergessen. Das hat vielerlei Gründe. Vor allem zeichnet Maniac das beeindruckende Spiel von Joe Spinell aus, der irgendwo zwischen Empathie, Melancholie und Wahnsinn spielt. Zum anderen sind es sicherlich auch die krassen Effekte des ehemaligen Kriegsfotografen Tom Savini, die dafür sorgten, dass der Film in Deutschland bis heute beschlagnahmt ist. Etwas, das auch Alexandre Ajas Remake aus dem letzten Jahr durchaus widerfahren könnte, denn auch das Update mit Elijah Wood als gestörtem jungen Mann mit Kindheitstrauma spart nicht an schockierenden Momenten. Im Gegenteil: Gleich mit der Eröffnungsszene macht Franck Khalfouns Remake überdeutlich, dass es hier nichts zu Lachen geben wird, kein comic relief oder sonstige Äste, an die man sich klammern könnte. Maniac 2012 ist mindestens so dreckig und gemein wie das Original von 1980. Ich bezweifle jedenfalls, dass ich in diesem Jahr noch mal solch einen intensiven Credits-Moment sehen werde wie jenen aus Maniac.

Dreißig Jahre lässt sich heute eigentlich kaum ein Hollywood-Produzent mehr Zeit, wenn es darum geht, ein Remake eines Horrorfilms auf die Beine zu stellen. Warum es bei William Lustigs Film so lange gedauert hat, kann nur spekuliert werden. Vielleicht war die Ehrfurcht vor dessen Werk so groß, dass sich lange niemand an die Materie herangetraut hat – zumal der Film nicht einfach nur irgendein Horrorfilm aus den Achtzigern ist, sondern darüberhinaus auch ein ziemlich psychologischer Film ist. Und dem heutigen Publikum, das blutigen Horror nur noch mit genügend humoristischen Einlagen gewöhnt ist, so etwas wie Maniac zuzutrauen, ist auch nicht ganz einfach. Und so landete das von Horror-Spezi Alexandre Aja produzierte Update dann auch still und heimlich zum letztmöglichen Termin des Jahres in den deutschen Kinos. Immerhin war er dort mit einer KJ-Freigabe zu sehen, was den einen oder anderen Zuschauer dann doch verwunderte. Dass es für den Videomarkt nicht ganz so einfach mit einer Freigabe würde, war hingegen abzusehen.

Nun erschein Maniac also auf dem Home-Video-Markt und dürfte da ebenfalls kein allzu großes Publikum finden, denn die ungeschnittene Version wurde mit einer SPIO/JK bedacht, was den Verkauf deutlich erschwert. Das ist natürlich schade, andererseits aber mal nicht wirklich verwunderlich, denn Maniac ist wie gesagt kein Film für jedermann. Wenn Frank nicht gerade das Messer rausholt, dann hat man Mitleid mit ihm und seiner gestörten Welt – zumal die Lovestory zwischen ihm und Anna ebenfalls etwas Melancholisches hat. Das Remake macht alles richtig, setzt vor allem die richtigen Schwerpunkte und hat mit einem famos spielenden Elijah Wood ein perfektes Update für Joe Spinell gefunden. Wer Torture-Porn oder Splatter erwartet, der ist hier definitiv falsch, denn Maniac ist im Kern eine äußerst unschöne und brutale psychologische Studie eines kranken Geistes, die nicht nur in innovativen, sondern auch sehr schön gefilmten Bildern festgehalten ist. Ein Film, der mit jeder Sichtung wachsen dürfte, da bin ich mir sicher. (8.5/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite ist seit dem 21. Mai im Handel erhältlich (Amazon-Partnerlink) und bietet einige interessante Extras: Making-of und Interview sowie die Standards Trailer und Trailershow. Das Bild könnte etwas schärfer sein, passt mit seinen leicht verschwommenen Konturen und Farben aber zur Stimmung des Films. Der Ton vermittelt die düstere Atmosphäre sehr gut und spielt in den richtigen Momenten auf. Lediglich der Center könnte etwas lauter abgemischt sein.


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