Ich trink' 'nen Sekt vielleicht: 'Bachelorette' Blu-ray Review


Mit The Hangover hat es angefangen, mit Bridesmaids gab es die weibliche Version und zugleich den vorzeitigen 'Höhepunkt'. Beide waren sie extrem erfolgreich an den Kinokassen und so verwundert es wohl kaum, dass es noch einige Nachzügler gab und in Zukunft auch noch geben wird (auch wenn das Bridesmaids-Sequel erst mal vom Tisch ist). Auch Leslye Headlands Bachelorette fällt in diese Kategorie: im Fahrwasser der beiden genannten Filme schwimmend ohne eigene Ideen oder gar komödiantische Highlights. Schon den vielerorts gelobten Bridesmaids empfand ich mehr als Folter denn Vergnügen (einzig und allein Jon Hamm rettet ihn vor der Totalkatastrophe), doch Bachelorette hat keine großen Probleme damit, diesen nochmals zu unterbieten. 87 Minuten Folter beschreiben den Film dann doch am treffendsten, wie ich finde. Und das trotz des Casts, der mit Kirsten Dunst, Lizzy Caplan und Isla Fisher doch ziemlich gut besetzt ist.

Zu keiner Sekunde scheint auch nur eine der drei Damen Spaß an dem ganzen Unterfangen zu haben. Ich habe Kirsten Dunst jedenfalls noch nie zuvor so lustlos und gleichgültig spielen sehen wie hier. Das macht dann aber auch nichts weiter, denn retten hätte sie den Film auch mit einer Oscar-reifen Leistung nicht mehr können. Es ist vor allem das Drehbuch von Directrice Leslye Headland, das lediglich Ideen aus anderen Filmen klaut und die zu einem inkohärenten Ganzen zusammensetzt, das im Gegensatz zum durchaus interessanten Trailer nicht ein mal zum Lachen oder gar Schmunzeln anregt. Der Humor ist meist unterste Schublade und auf pubertärem Niveau, denn wenn es nicht gerade um die Rundungen der dicksten Freundin (Rebel Wilson) geht, dann geht es Spermaflecken auf ihrem zerrissenen Hochzeitskleid oder um das hässliche Entlein aus der High School, das nun zum vermeintlich schönen Schwan geworden ist. Im Westen nichts Neues quasi.

Ich hoffe, dass mit The Hangover Part III, dessen Trailer auch nicht gerade das Gelbe vom Ei verspricht, endlich Schluss ist mit diesen gehypten, unlustigen Trittbrettfahrern ist, die die amerikanische Komödie in eine Richtung lenken, die sie nicht verdient hat. Bevor ich mir diese 'Ladies-Night-mit-Sekt-Filme' noch mal anschaue, gebe ich mir lieber den dreihundertsten Adam-Sandler-Film! Bachelorette ist jedenfalls die generischste, unlustigste, schlecht gespielteste, nervigste Scheiße, die ich seit langem gesehen habe! Noch deutlich schlechter als der ohnehin schon unsägliche Bridesmaids. Der dämliche deutsche Titel, der noch stärker versucht auf diesen Zug aufzuspringen, unterstreicht das Ganze nur noch mehr. (2/10)

Die Blu-ray von Studiocanal erscheint heute (Amazon-Partnerlink) und kann technisch leider auch nicht überzeugen. Das Bild ist höchstens Mittelmaß, der Schwarzwert ist bisweilen eine Katastrophe. Besser ist da schon der Ton, der in DTS-HD jeweils in Deutsch und Englisch an Bord ist. An Extras gibt es lediglich den Trailer, was angesichts einer neuen Veröffentlichung mehr als schwach ist.


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Wenn der Muezzin ruft: 'Taken 2' Blu-ray Review


Vor fünf Jahren hat sich Liam Neeson mit Pierre Morels Taken (hierzulande unter dem kongenialen Titel 96 Hours bekannt) durchaus einen Namen als Actionstar gemacht – und das trotz oder gerade wegen seiner 50 Jahre, die er bereits auf dem Buckel hat. Der von Luc Besson geschriebene und produzierte Actionthriller war ein ziemlicher Kassenschlager und vor allem hierzulande auf DVD lange ein kleiner Geheimtipp. Taken musste sich allerdings auch mit Rassismus- und Ideologie-Vorwürfen auseinandersetzen, was ihn aber nur noch interessanter machte. Auf DVD erschien zudem ein Extended Cut, der Taken den letzten harten Feinschliff gab. Was geschieht in der Regel also, wenn ein Film ziemlich erfolgreich ist? Richtig, es gibt ein Sequel. So auch im Falle von Taken, das den einfachen, aber konsequenten Titel Taken 2 spendiert bekam. Liam Neeson gibt mit nunmehr 60 Jahren also erneut den einsamen Rächer, dem dieses Mal nicht nur die Tochter, sondern auch die Frau entführt wird. Paris wird gegen Istanbul getauscht und fertig ist die Fortsetzung, die leider auf ganzer Linie enttäuscht.

Das Setting unterscheidet sich nicht großartig vom ersten Teil, denn warum soll man etwas großartig ändern, dass sich bewährt hat? Das größte Problem von Taken 2, bei dem Olivier Megaton die Regie übernommen hat, ist aber nicht etwa der Plot. Der ist gewohnt auf das Wesentliche reduziert und rein funktional gehalten. Das größte Problem ist dieses Mal leider Liam Neeson selbst, der alles andere als eine gute Figur macht. Man sieht ihm an, dass er deutlich gealtert ist und kaum eine Actionszene mehr selbst spielen kann. Der katastrophale Schnitt versucht hier so gut es geht zu kaschieren, erreicht aber das Gegenteil. Und so sieht Megatons Film letztlich wie eine einzige Schnittkatastrophe aus. Dies ist zu einem nicht ganz kleinen Teil aber auch der Tatsache geschuldet, dass Taken 2 nur gekürzt in den Kinos lief. Um ein PG-13-Rating zu bekommen, hat Megaton seinen Film umschneiden lassen, was man ihm zu so gut wie jeder Sekunde ansieht. Natürlich wurde schon vor Kinostart die Unrated-Version versprochen. Die ist nun auf Blu-ray da und schimpft sich erneut 'Extended Cut'.

Leider werden aber nahezu alle Hoffnungen, die diese Version aufkommen ließ, zerstört, denn Taken 2 sieht auch im Extended Cut nicht wirklich besser aus. Der Film hat nach wie vor mit seinen deutlichen Schwächen zu kämpfen – da kann auch nachträglich eingefügtes CGI-Blut nicht mehr viel retten (Schnittbericht). Über sechs Minuten ist diese ungekürzte Version länger, hauptsächlich den ohnehin schon unspektakulären Actionszenen kommt dies 'zu gute'. Und dennoch ist Taken 2 nicht die Totalkatastrophe, von der man häufig hört. Die Ortung via Garanten ist beispielsweise so hanebüchen, dass sie schon wieder Spaß machen muss! Und auch sonst sorgen die kleineren Agenten-Thriller-Elemente für Pluspunkte. Einen dritten Teil wird es wohl nicht geben – und das ist auch besser so. Nicht nur Neeson selbst, sondern auch die Produzenten um Luc Besson sollten wissen, wann Schluss ist. Und sind wir mal ehrlich: Für einen eventuellen dritten Teil gibt die Geschichte um den Ex-Agenten doch auch nichts (mehr) her, oder? Ich wüsste jedenfalls nicht, was sich Besson aus den Fingern saugen könnte. Du hast Dir Deinen Ruhestand ja auch durchaus verdient, Liam. (4.5/10)

Die Blu-ray von Universum Film erscheint am 15. März (Amazon-Partnerlink) als Extended Cut und kann technisch durchaus mehr punkten als mit dem Film selbst. Das Bild ist sehr ordentlich, wie auch der Ton, der an den richtigen Stellen ('Granaten-Ortung') für mächtig Druck sorgt. An Extras gibt es ein Making of, Deleted Scenes, Outtakes, ein Featurette und Interviews. Insgesamt also eine recht ordentlich gefüllte Scheibe.


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Hooligans Around the World: 'Hooligan' Blu-ray Review


Man kann nicht alles und jeden über einen Kamm scheren. Das weiß eigentlich jedes kleine Kind schon. Gerne teilen wir die Menschen in bestimmte Gruppen und Gruppierungen ein, was der Sache aber nur selten wirklich gerecht wird. Ein anderes, vor allem in den letzten Jahren häufig gebrauchtes Wort ist das der 'Parallelgesellschaft'. Auch die sogenannten Hooligans dürften wohl eine solche sein. Dass sie aber keinesfalls eine homogene Gruppe sind, in der alle dasselbe tun und glauben, zeigt uns Donal MacIntyres Doku Hooligan. Wer hätte gedacht, dass es nicht nur kahlrasierte Rechtsextreme sind, die gerne im Rahmen von Fußballspielen randalieren und sich schlagen, sondern auch leitende Angestellte und Menschen mit Migrationshintergrund? Wer hätte gedacht, dass die englischen Hooligans mit die schlimmsten in Europa sind? Und wer hätte gedacht, dass Hooligan-Gruppierungen in Argentinien den Fußball deutlich stärker in der Hand haben als hierzulande in Europa?

Ja, so richtig aufklärend und informativ ist MacIntyres Doku leider nicht geworden. Dabei sollte gerade er es ja besser wissen, hat sich der Journalist doch vor einigen Jahren als V-Mann in die Hooligan-Szene eingeschleust. Statt selbst zu erzählen, lässt er aber jede Menge talking heads zu Wort kommen, die allerdings nur selten wie Experten wirken und reden. Stattdessen wirken die Interviews viel zu forciert und zu gelenkt, kein einziger von ihnen wirkt auch nur irgendwie sympathisch oder glaubhaft. Während Sean Bean mit breitem Dialekt aus dem Off erzählt, illustriert MacIntyre seine Doku mit den immer gleichen Archivaufnahmen von randalierenden Hooligans und Ultras, die ganze Stadien auseinander nehmen und Unschuldige verletzen. Im Hintergrund gibt es harten Rock, schließlich müssen die Bilder ja noch gefährlicher und schockierender wirken. Das ist natürlich die einfachst-mögliche Manipulation des Zuschauers und für eine Doku nicht wirklich lobenswert.

Obwohl es nicht MacIntyres erster Film ist, wirkt es aber nahezu über die gesamte Laufzeit von 82 Minuten – die im Übrigen viel zu lang ist – so. Leider. Zu keiner Zeit sticht sein Film aus der Masse lahmer und unspannender TV-Dokus heraus. Für eine 45-minütige Doku im Fernsehen hätte es ja vielleicht noch gereicht, aber für mehr auch nicht. Zu keinem Zeitpunkt kann man die latente Faszination, die bei den Machern mitschwingt, nachvollziehen. Vielleicht muss man dazu aber auch einfach leidenschaftlicher Fußballfan sein, was ich zugegebenermaßen absolut nicht bin. Doch gerade hier keine eine Doku punkten, wenn sie mich fesseln kann, ohne dass mich das Sujet im Vorfeld großartig interessierte. Das schafft Hooligan leider nicht und ist somit eine der schwächsten und uninteressantesten Dokus, die ich in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen habe. (4/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite ist seit dem 26. Februar im Handel erhältlich (Amazon-Partnerlink) und ist ziemlich schwer einzuschätzen. Da der Film zu einem Großteil aus Archivaufnahmen besteht, kann man zum Bild nicht wirklich ein objektives Urteil abgeben. Wenn es talking heads gibt, sind leider so starke Farbfilter am Werk, dass es für die Schärfe fast schon wieder kontraproduktiv ist. Der Ton ist okay, aber nicht wirklich besonders. Zum Glück hat Ascot Elite deutsche Untertitel mit auf die Scheibe gepackt, denn dank Dialekt ist das alles im Original nur sehr schwer zu verstehen. An Extras gibt es lediglich den Trailer und die obligatorische Trailershow.


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Schmerz lass (nicht) nach: 'Alex Cross' Blu-ray Review


Erinnert sich noch jemand an das erste Bild aus Alex Cross? Es zeigte einen unglaublich muskulösen Matthew Fox, dessen Körper vor lauter Muskeln schon nicht mehr ganz gesund aussah. Er war im Oktagon, wo er sich als MMA-Kämpfer ausgab. Eigentlich hätte man solch ein Bild aus einem Exploitation oder Horrorfilm erwartet, aber nicht unbedingt aus einem Thriller. Hinzu kommt, dass man Tyler Perry ebenfalls nicht unbedingt als Darsteller in einem Thriller erwarten würde. Viel eher im Regiestuhl, wo er ja ziemlich häufig Platz nimmt. Doch warum sollte man nicht mal ungewöhnliche Kombis wagen? Das dachten sich wohl auch die Macher von Alex Cross. Mit der Darstellerauswahl war es das dann aber auch schon in Sachen 'ungewöhnlich', denn alles andere an Alex Cross ist äußerst gewöhnlich, um nicht zu sagen extrem generisch und einfallslos. Und dennoch: Irgendwie will man Rob Cohens 0815-Thriller dann doch auch als guilty pleasure sehen. Denn 'komische' Momente gibt es durchaus, egal ob wasserstoffblonde Deutsche oder dumm aus der Wäsche guckende Matthew-Fox-Visagen.

Sowieso, auf eine amüsante Art und Weise passt hier nichts zusammen, beginnend beim Setting: Perry gibt einen Cop mit Promotion in Psychologie und macht einen auf allwissenden Doc, der Killer ganz einfach mit Hilfe seiner Beobachtungsgabe dingfest macht. Zu Hause hat er einen liebende Frau, seine Mutter und zwei nette Kinder – das dritte ist bereits unterwegs. Auf der anderen Seite haben wir Matthew Fox, über den wir so rein gar nichts wissen, außer dass er in seiner Freizeit gerne sich selbst und andere Menschen physisch quält. So verwundert es dann auch nicht weiter, dass er sein Leben im MMA-Käfig aufs Spiel setzt, nur um an sein nächstes Opfer heranzukommen. Alle anderen in diesem Schmierentheater sind ohnehin so unwichtig wie klischeebeladen. Cross' Partner (Edward Burns) hat was mit der gemeinsamen Kollegin und alle Frauen im Film sind sowieso nur plot device. Einzig erwähnenswert ist vielleicht noch Jean Reno, den man selten so aufgedunsen gesehen hat wie hier. Ach ja, und dann ist da noch Werner Daehn als Erich Nunemacher – es wird also immerhin ordentliches Deutsch gesprochen.

Ich beschränke mich absichtlich auf diese Aufzählungen, denn sie sind immerhin das einzige, was an Alex Cross einigermaßen ansehnlich respektive amüsant ist. Die Perücke von Perrys Filmmutter ist auch so ein Ding, bei dem man sich fragt, ob das nun volle Absicht oder einfach nur Schlampigkeit ist. Genau so wie bei den Gesichtsausdrücken von Matthew Fox, der als Psychokiller Grimassen schneidet, bei denen man sich nicht ganz sicher ist, ob seine offensichtlichen Schmerzen von Hämorrhoiden oder dem extremen Overacting herrühren. Für den unfassbar mies inszenierten Endkampf entschuldigt immerhin eine coole Szene, in der Fox aus der S-Bahn mal eben eine Panzerfaust abfeuert – darauf muss man erst mal kommen! Nein, so richtig reicht es am Ende noch nicht einmal für ein guilty pleasure, das man sich mit genügend Bier und den richtigen Freunden durchaus noch mal ansehen würde. Wer etwas mit den Romanen anfangen konnte, der sollte vielleicht bei diesen bleiben und sich die Verfilmung gar nicht erst antun. Es verwundert jedenfalls nicht weiter, dass Fox seit vier Jahren keine richtige Rolle hatte und Perry in Comedies (die meisten davon anscheinend ja ebenfalls Katastrophen) besser aufgehoben ist. (4/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite erscheint am 26. Februar (Amazon-Partnerlink) und ist technisch schon deutlich besser als der Film. Das Bild ist größtenteils knackig scharf und auch der Ton, der in DTS-HD 5.1 (Deutsch und Englisch) vorliegt, sorgt an entsprechenden Stellen für ordentlich Druck. An Extras befinden sich ein Gespräch zwischen Tyler Perry und Produzent James Patterson, der Trailer und eine Trailershow auf der Scheibe. Hier wäre definitiv noch Luft nach oben gewesen.


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Die selbsternannte Halbgöttin in rot: 'American Mary'


Sie gelten als Halbgötter in weiß. Ärzte genießen nicht nur in Deutschland von allen Berufsgruppen das höchste Ansehen, und in der Tat, es ist auch einer der wichtigsten Berufe, die es überhaupt gibt. Arzt zu sein ist für viele weniger ein Beruf als vielmehr eine Berufung. Arzt ist dabei keinesfalls gleich Arzt, denn einige Fachrichtungen genießen einen besseren Ruf als andere – auch unter den Ärzten selbst. Der Chirurg steht dabei dem Selbstverständnis vieler an der Spitze der Ärztezunft. So sieht es auch die junge Medizinstudentin Mary (Katharine Isabelle), die unbedingt Chirurgin werden will, auch wenn sie etwas chaotisch organisiert ist. Dies ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass sie ihre Studiengebühren nur mit Müh und Not zusammenkratzen kann. Eines Tages erhält sie einen folgenschweren Anruf: ihr wird kein Kredit mehr gewährt. Um ihr Studium, für das sie sogar ihre kranke Mutter in Osteuropa zurückgelassen hat, doch fortsetzen zu können, braucht sie eine neue Einnahmequelle. Sie heuert in einer Stripbar an – doch deren Besitzer benötigt erstmal Marys medizinische Kenntnisse. Schon bald taucht Mary immer tiefer in ein äußerst dunkle Welt ein, die mit dem Eid des Hippokrates nicht mehr vereinbar ist …

Jen und Sylvia Soska, zwei kanadische Zwillingsschwestern, haben mit ihrem zweiten Spielfilm American Mary ein äußerst dunkles und hartes Stück Horrorkino geschaffen. Wenn man sich ihren Film so ansieht, dann verwundert es einen auch nicht weiter, dass sich die beiden auch gerne 'Twisted Twins' nennen. In American Mary dekonstruieren sie nicht nur das fleckenlose Image der Chirurgen, sondern liefern einen äußerst ergiebigen Beitrag zum Gender-Diskurs im Horrorfilm. Bei den Twisted Twins ist der Beruf des Chirurgen ein von Männern dominierter. Männer, die teure Sportwagen fahren und die Arroganz auf ein völlig neues Level heben. Für sie sind ihre (todkranken) Patienten und deren Angehörige nur Schachfiguren, die bewegt werden müssen. Nach Dienstschluss treffen sie sich in geheimen Clubs und leben ihre Misogynität aus. Das sorgt bereits zu Beginn des Filmes für die eine oder andere Szene, bei der man ungläubig auf die Leinwand starrt, weil es einfach so absurd ist, was man dort gerade gesehen hat. Vom äußerst zynischen Humor der Halbgötter in weiß ganz zu schweigen. An der Männerwelt lassen die Twisted Twins hier weiß Gott kein gutes Haar.

Doch auch die Protagonistin selbst ist eine äußerst ambivalente Figur. Mary erweckt anfangs noch den Eindruck einer jungen Frau, die dem Druck dieser männerdominierten Welt durchaus gewachsen ist. Selbst ihrem Prof kann sie Paroli bieten. Doch auch sie wird immer mehr vom Schönheitswahn zerfressen – nicht durch sich selbst und ihren eigenen Körper, sondern durch die 'Schönheit' ihrer Patienten. American Mary führt uns nämlich in die krasse Welt der 'Body Modification' ein – und damit sind hier nicht etwa Tattoos und Piercings gemeint, sondern chirurgische Eingriffe, die einen Menschen noch einzigartiger machen als er ohnehin schon ist … Die Soska-Schwestern lassen dabei kein Detail aus und führen Charaktere ein, die nicht von ungefähr an äußerst schräge Auftritt aus Nip/Tuck erinnern. Für Mary sind diese Operationen in ihren eigenen vier Wänden irgendwann nicht mehr nur eine Einnahmequelle – das Studium hat sie ohnehin geschmissen -, sondern eine Berufung. Sie fühlt sich ihren Patienten und deren außergewöhnlichen Wünschen verpflichtet. Und auch sie bleibt dabei nicht unverändert, zumindest nicht in ihrem Inneren.

Der Plot selbst muss dabei etwas zurückstecken, so dass einem das Ganze nicht immer ganz kohärent erscheint. Flashbacks, die nicht nötig gewesen wären, werden ausgewalzt, während anderes viel zu sehr im Dunkel bleibt. Doch der Film wirkt ohnehin des Öfteren wie ein Sammelsurium aus WTF!?-Momenten und interessanten Ideen, die sich nicht in eine Rahmenhandlung pressen lassen (wollen). Daher fällt das alles auch nicht wirklich schwer ins Gewicht. American Mary ist nicht nur Psychothriller und Drama mit reichlich sleazigen Momenten und Figuren, sondern vor allem auch Körperhorror. Die Soska-Schwestern haben mit American Mary wie zwei Chirurginnen einen Film mit vielen Horror-Versatzstücken erschaffen, der irgendwo zwischen Cronenberg, Nip/Tuck und asiatischen Sickos einzuordnen ist. Vor allem ist American Mary aber ein äußerst erfrischendes Stück Horrorkino und eines der ersten Highlights im noch jungen Filmjahr. (8.5/10)

'American Mary' wird auf den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights zu sehen sein und erscheint am 28. März auf Blu-ray und DVD.


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Zahltag: 'Universal Soldier: Day of Reckoning' Blu-ray Review


Auf dem Fantasy Filmfest haben sich die Macher dafür entschuldigt ihn ins Programm genommen zu haben. Das Gros der Filmblogger hingegen feiert ihn als Meisterwerk, das sich nicht hinter Filmen von Kubrick, Cameron oder Lynch verstecken muss. Die Rede ist tatsächlich von John Hyams' Universal Soldier: Day of Reckoning, dem vierten Eintrag in die Reihe, die anno 1992 quasi von Roland Emmerich gestartet wurde und von der wohl keiner erwartet hätte, dass ausgerechnet der vierte Teil nahezu allerorts vielleicht nicht als Meisterwerk, wohl aber als starker Film bezeichnet werden würde. Doch in der Tat, Hyams' Film ist keinesfalls die DTV-Actionware mit Jean-Claude Van Damme, Dolph Lundgren und Newcomer Scott Adkins (der schon in The Expendables 2 eine äußerst gute Figur machte), die man auf den ersten Blick erwarten könnte. Dafür ist er nämlich viel zu interessant und intensiv. Viel zu sehr. Das fängt mit der äußerst perfiden Kameraarbeit an und hört mit dem unfassbar physischen Spiel von Scott Adkins auf. Dazwischen? Verzweiflung, Hoffnung, Rachegelüste, Entrückung, und alles andere, was man auf einer Gefühlsachterbahn so durchlebt.

Universal Soldier: Day of Reckoning schließt nahtlos an Hyams' vorheriges durchaus ordentliches Werk Dragon Eyes an, hat man das Gefühl. Die Optik und narrativen Handkniffe scheint Hyams hier perfektioniert zu haben. Das Thema des gebrochenen Helden hebt er auf das nächste Level und hat mit Scott Adkins einen Darsteller gefunden, der um einiges charismatischer ist als noch Cung Le, der nichtsdestotrotz durch seine Physis überzeugen konnte. Adkins liefert eine Performance ab, die ihresgleichen sucht. Selten zuvor hat man solch ein intensiv physisches Spiel gesehen. Sein John ist kein Universal Soldier – er ist Ehemann und Vater, dem gleich zu Beginn in einer der intensivsten und härtesten Szenen, die man im letzten Jahr zu sehen bekommen hat, alles genommen wird. Wir werden komplett in seine Lage versetzt, wenn der Film uns bereits mit POV-Kamera begrüßt. Nein, John ist kein UniSol, sondern ein Mensch, dem alles, für das es sich lohnt zu leben, genommen wurde und der nur noch sich und seinen Körper – eine leere Schale – hat. Diesen kann er aber perfekt für das einsetzten, was ihm als einziges noch den Antrieb zu Leben gibt: Rache.

Es ist im Prinzip alles richtig, was bisher an lobenden Worten über Universal Soldier: Day of Reckoning geschrieben wurde. Es ist zweifelsohne eine äußerst intensive Seherfahrung, auf die man sich mit Hyams’ Film begibt. Man erkennt durchaus viele Parallelen beispielsweise zu Apocalypse Now – allen voran wenn John sich wie entrückt durch die 'grüne Hölle' fahren lässt. Und es ist Hyams auch sehr hoch anzurechnen, was er mit seinem Werk für den Actionfilm getan hat und hoffentlich auch noch tun wird (eine ähnliche Narration habe ich im Actiongenre lange nicht mehr gesehen). Das unantastbare Meisterwerk, das von vielen zudem noch zur Ultrakunst hochgejazzt wurde, ist er aber nicht. Doch das kann sich ändern, denn mit einer einzigen Sichtung von Universal Soldier: Day of Reckoning ist es bei weitem nicht getan. Wer das nicht erkennt, hat so gut wie gar nichts erkannt. Hyams’ Film ist nicht einfach nur ein Actionfilm mit einer Besetzung aus Veteranen und einem grandiosen Scott Adkins, sondern vielmehr auch eine Meditation über das menschliche Wesen an sich.

Wenn man eigentlich jubeln und gröhlen will, bleibt es einem im Halse stecken. Wenn man John auf die Schulter klopfen will, überrascht er einen mit dem Unvorhergesehenen. Die rohe und streckenweise absolut over the top-mäßige Gewalt kann man nicht bejubeln oder sonst irgendwie begrüßen. Wenn der Abspann schließlich einsetzt, fehlen einem bisweilen die Worte. So etwas ist natürlich großartig. Blut, Schweiß und Emotionen sind das, was man gerade knapp zwei Stunden durchlebt hat. Genau so wie John. Man will ihn am liebsten noch einmal sehen, versuchen (weiter oder überhaupt) zu verstehen, was man da gerade durchgemacht hat. Mit Universal Soldier: Day of Reckoning empfiehlt sich John Hyams jedenfalls als einer der interessantesten Action-Regisseure der Gegenwart. Und Scott Adkins als einer der intensivsten Action-Darsteller der Gegenwart. Puh! (8.5/10)

Planet Media Home Entertainment veröffentlich Universal Soldier: Day of Reckoning am 24. Januar auf Blu-ray (Amazon-Partnerlink, geschnittene Version). Die Bildqualität kann auf ganzer Linie überzeugen, denn der Schärfegrad ist durchweg sehr gut. Auch der Ton, der sowohl in Deutsch als auch auf Englisch in DTS-HD 5.1 vorliegt, kann überzeugen, denn er hat vor allem den nötigen Druck, von dem der Film profitiert. Extras wie der Trailer, Interviews mit Cast & Crew, sowie Bildern vom Set runden die technisch sehr gute Blu-ray ab.


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Die Stille nach dem Schuss: 'Zero Dark Thirty'


Das Bild ist noch komplett schwarz. Wir hören Originalaufnahmen von Telefongesprächen aus dem World Trade Center vom 11. September 2001. Wir kennen die meisten dieser Telefonate, die wir da fast schon voyeuristisch belauschen aus der Berichterstattung von damals. Wir sind diesen Aufnahmen komplett ausgeliefert, können nichts anderes tun als zuzuhören, wie ein zweites Flugzeug in das WTC fliegt und die Stimmen der Menschen voller Angst sind. Nein, keiner, der diese Ereignisse live miterlebt hat, wird sie jemals wieder vergessen. Erst eine Dekade später sollte der Urheber dieser Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Doch bis dahin ist es auch in Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty noch ein weiter Weg. Auf die 9/11-Protokolle folgt ein harter Schnitt. Plötzlich befinden wir uns in einem Geheimgefängnis in Afghanistan, wo ein Verdächtiger – man sieht es ihm deutlich an – schon länger verhört wird. Es ist ein äußerst harter Schnitt. Einer, der Bigelow und ihrem Drehbuchautor Mark Boal im Vorfeld viel Kritik einbrachte, weil Bigelow das ausführlich zeigt, was nach wenigen Minuten folgt: Waterboarding und andere Foltermethoden.

Einerseits will man sich immer wieder ins Gewissen rufen, dass dieser Mann, der dort gerade das unangenehme Gefühl nacherlebt zu ertrinken, für ebenjene Ereignisse mitverantwortlich ist, mit denen Bigelows Film beginnt. Andererseits versteht es Bigelow aber auch, diese Szenen so zu inszenieren, dass nicht selten Mitleid für den Gefangenen aufkommt und man das Ganze nicht immer leicht ertragen, geschweige denn zusehen kann. Genau so ergeht es auch Bigelows Protagonistin Maya (Jessica Chastain), die vom Schreibtischjob in D.C. nach Afghanistan kommt und dort quasi gleich ins kalte Wasser geworfen wird. Anfangs scheint sie sich selbst nicht sicher zu sein, ob diese 'coercive interrogation' wirklich von Nöten ist. Sie selbst geht es jedenfalls anders an, auch wenn sie Gefangenen ebenfalls nicht mit Samthandschuhen anfasst. Doch nicht nur ihre Haltung gegenüber extremen Verhörmethoden soll sich schon bald ändern. Zero Dark Thirty ist nicht nur dieser 'Kill-Bin-Laden-Film', als der er anfangs etikettiert wurde, sondern vor allem auch ein Film über eine besessene Frau.

Bigelow lässt sich viel Zeit für ihre 'Heldin', bei der wir nie wirklich wissen, was es nun eigentlich ist, was sie antreibt und dieser ständigen Gefahr aussetzen zu lassen. Ist sie einfach nur eine knallharte Karrierefrau oder ist sie der Meinung, dass sie eine gewisse Bringschuld zu begleichen hat? Zumindest zu Beginn bleiben sie und ihre Motive etwas im Dunkel. Erst später, wenn sie Freundschaften geschlossen hat, was angesichts der Arbeit und Lage schon schwer genug ist, wird klar, dass sie dies auch für ihre Freunde und Kameraden tut. Viele davon lernen wir im Laufe des Films kennen, viele davon gehen auch schnell wieder. Dies passiert aber meist unfreiwillig, denn Zero Dark Thirty schert sich nicht nur um sein vermeintliches Anliegen, das Finale in Abbottabad, sondern ist vor allem auch ein Film, dessen Anliegen es ist, den sogenannten Kampf gegen den Terror zu porträtieren. Ständig befinden wir uns an einem anderen Ort, in einem anderen Hotel, einer anderen Green Zone, einer anderen US-Basis. Genauso oft sitzen andere Terror-Verdächtige vor uns und ihren Richtern, bei denen wir schon mit den Namen Probleme haben, sie zu- oder gar einzuordnen.

Hier findet sich ein weiterer Aspekt, der im Vorfeld Anlass zur Kritik gab, denn nicht nur CIA-Direktor Morell war der Meinung, dass Bigelows Film nicht die Wahrheit spricht, waren es doch zig Tausende Männer und Frauen, die sich am Kampf gegen den Terror beteiligten und Bin Laden schließlich in Pakistan ausmachten. Doch diese Kritik greift nicht wirklich, denn Zero Dark Thirty ist immer nur eine Momentaufnahme. Wenn ein hochrangiger Taliban, von dem man sich Informationen erhofft, ein Geheimtreffen mit einer Kollegin von Maya (Jennifer Ehle) auf einer US-Basis hat, dann wissen wir, dass hier deutlich mehr als nur diese Gruppe von Beamten und Soldaten beteiligt ist. Doch es geht sowieso nicht um den Einzelnen, auch wenn es immer Einzelne sind, die beispielsweise bei einem Selbstmordattentat zu Tode kommen (das Bigelow in all seinem Schrecken immer wieder zeigt). Oder wenn Maya wie besessen davon ist, das große, geheimnisvolle Haus in Pakistan zu stürmen. Es geht um ganze Nationen, Allianzen und Systeme, deren Stellvertreter wir lediglich kennen lernen. Auch Bin Laden selbst ist ein Einzelner, der aber für ein ganzes System steht.

Genau hierin zeigt sich eindrucksvoll, wie stark Bigelows Film geworden ist. In einzelnen Szenen scheint alles so einfach und klar zu sein. Bigelows eine Pro-Folter-Haltung vorzuwerfen ist deshalb so vermessen, weil das alles doch so viel komplexer ist als es auf den ersten Blick scheint. In einer Szenen im Film heißt es explizit, dass das Verhören von Verdächtigen seit Obamas Präsidentschaft deutlich schwerer geworden sei, aber ist diese Aussage wirklich damit gleichzusetzen, dass Bigelow und Boal Folter begrüßen? So viel Fiktion und Dramatisierung auch in Zero Dark Thirty stecken mag, so real sind doch die Vorlagen nicht nur für 'Operation Neptune's Spear', sondern auch für den Kampf gegen den Terror. Auch die Tatsache, dass dies alles Opfer mit sich bringt, und zwar auf beiden Seiten, schönt Bigelow nicht. Maya weiß, dass es ihre Spur ist, die einen Unterschied machen kann. Und genau deshalb ist sie so besessen und überzeugt davon, dass ihr Weg der Richtige ist. Irgendwann ist sie allerdings an einem Punkt angekommen, an dem sie nicht mehr weiß, ob es das alles wert war. Sie dankt dabei nicht nur an sich, sondern auch an ihre Freunde und Kollegen.

Zero Dark Thirty kommt über weite Strecken einem procedural gleich: Wir schauen Profis bei der Arbeit über die Schulter, mit dem Unterschied, dass sich dieses procedural über einen Zeitraum von fast 10 Jahren erstreckt. Und am Ende sind wir dann schließlich am Höhepunkt angelangt. Wir begleiten SEAL Team Six dabei, wie es Bin Ladens Hauskomplex in Abbottabad stürmt. Doch wenn wir hier endlich ankommen sind, scheint es nicht etwa so, als würde der Film nun sein eigentliches Sujet vortragen, sondern die Erstürmung wirkt nur noch konsequent und als eine logische Folge des zuvor Ges(c)ehenen. Das heißt nicht, dass es minder spannend wäre, im Gegenteil. Die letzte halbe Stunde ist visuelle und narrative Perfektion. Wenn die Arbeit getan ist und Maya die Bestätigung bekommt, die sie jahrelang gesucht hat, dann kommt doch alles ganz anders. Und am Ende, als 'Operation Neptune's Spear' erfolgreich verlaufen ist und die SEALs Material sichern und es noch immer nicht glauben können, was sie da gerade vollbracht haben, scheint alles so schrecklich gleichgültig. Nichts ist mehr von Bedeutung, die Entrückung ist da. Die junge Dame, nein Heldin, der CIA steht inmitten der Apokalypse. (9/10)


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Da hilft auch Rum nicht mehr: 'The Rum Diary' Blu-ray Review


Johnny Depp scheint wohl der Meinung zu sein, dass er irgendwie in Hunter S. Thompsons Schuld stehe. Anders kann man sich wohl kaum erklären, weshalb Depp sich für Bruce Robinsons Verfilmung des Thompson-Romans The Rum Diary hergegeben hat. Vielleicht ist Depp aber auch ein so großer Fan von Thompsons Werk, dass er für alles zur Verfügung steht, was den Namen Thompsons trägt. Im konkreten Falle von The Rum Diary war Depp sogar maßgeblich für die Veröffentlichung des Romans verantwortlich, denn während der Vorbereitungen für Fear and Loathing in Las Vegas verbrachte Depp viel Zeit bei Thompson, wo er schließlich ein unveröffentlichtes Manuskript des Werkes fand. Depp überzeugte Thompson davon, The Rum Diary (geschrieben in den 60ern) zu veröffentlichen – ohne Depp gäbe es höchstwahrscheinlich also gar keine Verfilmung. Es muss ihm also doch irgendwie ein großes Anliegen gewesen sein, dieser Film, zumal Thompson der Veröffentlichung nur zustimmte, wenn Depp im Falle einer Verfilmung die Hauptrolle übernehmen würde.

Auch The Rum Diary basiert in bester Thompson-Tradition einmal mehr auf seinen eigenen Erfahrungen als Journalist (streng genommen ist es Thompsons allererster Roman). Paul Kemp (sein Alter Ego, gespielt von Depp) kommt 1959 nach Puerto Rico, wo der Film seinen Lauf nimmt. Kemp wacht eines morgens und mit gigantischem Kater in einem Hotel auf. Als er aus dem Fenster schaut, scheint er im Paradies auf Erden angekommen zu sein. Wäre da nicht dieser schreckliche Kater, den er mit zu seinem ersten Arbeitstag schleppt. Was als typische Thompson-Geschichte beginnt, wird schon sehr bald zum langatmigen, um sich selbst drehenden Geschichte, die zu keiner Zeit an die wahre Klasse eines Hunter S. Thomspon herankommt. Depp schlägt sich mit Charme und mächtig viel Rum in Puerto Rico durch, lernt dabei sowohl Freunde als auch Feinde kennen und lässt den Zuschauer stets fragend zurück, was das Ganze eigentlich will. Höhepunkt ist eine Drogenszene (klar!), die völlig deplatziert wirkt und den Film keinen Millimeter voran bringt. In diesen Momenten hätte man den Film, der mit seinen 120 Minuten ohnehin viel zu lang ist, deutlich zurechtstutzen können.

Alle im Ansatz durchaus interessanten Charaktere bleiben völlig auf der Strecke. Sei es nun Aaron Eckhart als schleimig-fieser PR-Berater oder Männertraum Amber Heard als Mädchen, das das Dolce Vita liebt. Die erst klischeebeladene Lovestory zwischen Depp und Heard, die sich am Ende viel zu ernst nimmt, ist ebenfalls ein großes Ärgernis. Und dann ist da ja auch noch Giovanni Ribisi als degenerierter Journalist, der als einzige wirklich interessante Figur leider viel zu wenig beleuchtet wird. The Rum Diary kann sich zu keinem Zeitpunkt entscheiden, worauf er nun eigentlich seinen Fokus legen will: Auf die Figuren, auf die Geschichte oder doch auf die soziopolitischen Untertöne? Alles zusammengewürfelt funktioniert leider hinten und vorne nicht. Robinsons Film biedert sich immer wieder mit diesen typischen Thompson-Momenten an, die dem Zuschauer ein 'What the fuck!?' entlocken soll, in Wirklichkeit aber nichts weiter als reiner Selbstzweck sind, die viel zu forciert wirken. Das sah wohl auch ein Großteil des Publikums so, denn an den Kinokassen hat The Rum Diary weltweit (!) gerade mal die Hälfte seines Budgets wieder eingespielt. (4/10)

Die Blu-ray von Universum Film erscheint am 18. Januar (Amazon-Partnerlink) und kann technisch schon deutlich mehr überzeugen als der Film selbst. Das Bild geht größtenteils in Ordnung. Helle Tagesaufnahmen von Puerto Rico sind teilweise richtig schön scharf und lassen durchaus Urlaubsfeeling aufkommen. In dunklen Szenen – und davon gibt es einige – kann der Schwarzwert leider nicht überzeugen. Schwarz ist hier eher ein Grau. Der Ton hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Natürlich dominieren die Dialogszenen, aber wenn es mal etwas für den Subwoofer und die Rears zu tun gibt, dann wurde das sauber umgesetzt. An Extras finden sich Interviews mit dem Cast, eine B-Roll und der Originaltrailer.


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Tony Scott Retro: 'Crimson Tide'


Tony Scotts dritte Produktion mit Bruckheimer/Simpson und seine erste von insgesamt vier mit Denzel Washington ist auf den ersten Blick eigentlich kein typisches Scott-Gelände. Ein U-Boot-Thriller, das heißt enge Räume und kaum Bewegung – sowohl in den engen Gängen des Bootes als auch im Wasser selbst. Scott ist aber der Regisseur der schnellen Bewegungen, des Geschwindigkeitsrausches. Kampfjet, Rennwagen, um ihr Leben rennende Football-Spieler, sie alle eignen sich perfekt für Scotts schnelle Schnitte und rasante Kamerafahrten. Doch auch bei Crimson Tide gelingt es Scott – fast sogar noch besser als bei seinen anderen 'Bewegungs-Filmen' – ein Gefühl für die Gefahr des Ganzen zu vermitteln. Die U-Boot-Gänge sind äußerst eng, die U.S.S. Alabama gleitet in 900 Fuß Tiefe durch den Pazifik, und dennoch ist nicht nur die Gefahr, sondern auch die Angst immanent.

Scott beweist hier wie bei keinem seiner vorherigen Filme, welch ein inszenatorischer Meister er doch ist. Ein einfaches Stilmittel wie sein geliebter Dutch Angle wird hier zu einem Vermittler von Hektik, Hitze und schließlich Angespanntheit und Angst. Egal ob auf der Brücke oder im Maschinenraum, jedes Deck, jede Luke und jeder Raum wird zum 'War Room'. Scott schürt jedoch nicht erst im Boot die Gefahr und Angst, sondern bereits in der Exposition, wenn er ein erschreckend reales Szenario vermittelt, das nicht nur die Existenz seiner Protagonisten aufs Spiel stellt, sondern die der gesamten Menschheit. Zimmers Musik (eine seiner besten Arbeiten überhaupt) ist dabei so omnipräsent bedrohlich, dass es einem bisweilen kalt den Rücken hinunterläuft. Das Pathos des Filmes verkommt hier keinesfalls zum Kitsch wie in einigen seiner anderen Filme.

Crimson Tide ist auf jeglicher Ebene perfekt. Das Drehbuch, das von Tarantino und Sorkin aufgebessert wurde (was in vielen Szenen überdeutlich wird), funktioniert hervorragend und ist so viel mehr als das Männerduell zwischen Washington und Hackman, die sich beide den Arsch abspielen! Technisch holt Scott alles raus, was möglich ist und ist noch weit weg von seinen späteren visuellen Spielereien (die ich nichtsdestotrotz mag). Scotts bester Film. Ohne jeglichen Zweifel.


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Mittelmaß in Mittelerde: 'The Hobbit: An Unexpected Journey'


Fast zehn Jahre ist es schon wieder her, dass J.R.R. Tolkiens The Lord of the Rings: The Return of the King in die Kinos kam. Zehn Jahre, in denen die Fans sich nach neuem Material sehnten und das vorhanden unzählige Male sichteten. Erst kürzlich erschienen die Extended Editions der Trilogie auf Blu-ray. Die Fans wurden also bei Laune gehalten, und sei es nur mit Produktionstagebüchern vom Set. Nun ist er also da, der lang ersehnte The Hobbit: An Unexpected Journey, der erste Teiler einer – wer hätte es anders gedacht – Trilogie. Völlig blind waren die Fans nicht, denn schon nach dem ersten Trailer, der uns vor einem Jahr (!) ins Haus flatterte, fragten sie sich, wie man Tolkiens Buch denn auf drei Filme stecken könne. Da dachten viele wohl zurecht an die cash cow, die fröhlich gemolken werden will, denn eines wird nach Sichtung des 169 Minuten langen Filmes auch für Nichtkenner der Vorlage (wie ich es einer bin) deutlich: Es hätten auch zwei Filme getan, wenn nicht sogar dieser eine. Sei’s drum, The Hobbit: An Unexpected Journey wird Fans und Nicht-Fans so oder so in Scharen in die Kinos treiben. Denn ein Bild von Jacksons erneuter Tolkien-Adaption will sich dann doch jeder machen.

Ich für meinen Teil war sehr skeptisch und hatte so gut wie keine Erwartungen. Teaser und Trailer vermittelten nur ganz selten dieses The Lord of the Rings-Feeling, stattdessen sah das nach viel infantilem Humor aus, als hätte man sich mit dem Prequel ähnlich wie bei Star Wars die Jüngeren als Zielpublikum ausgesucht. Hinzu kommt – und das muss ich gleich loswerden –, dass ich mit Fantasy so gut wie gar nichts anfangen kann. Was mich letztlich in die Pressevorführung trieb, war einzig und allein die Tatsache, dass The Hobbit: An Unexpected Journey in der von Peter Jackson so hochgelobten neuen Technik gezeigt wurde, der High Frame Rate, die mit 48fps doppelt so viele Bilder pro Sekunde zeigt wie bisherige Filme. Jackson versprach bereits im Vorfeld das Blaue vom Himmel: ein schärferes Gesamtbild, detailgenauere Bewegungsabläufe und eine unglaubliche Natürlichkeit. Wenn uns der Film wirklich mit HFR gezeigt wurde (noch ist das nicht sicher), dann hat Peter Jackson leider doch etwas zu viel versprochen, denn den Aha-Effekt sucht man vergeblich. Und dennoch behaupte ich, dass das der schärfste und detailreichste 3D-Film war, den ich bis dato gesehen habe.

Sowieso gehören die Effekte zum Besten, was man bisher im Kino sehen konnte, denn gerade bei den vielen tierischen Darstellern passiert es einem nicht selten, dass man sie für real hält, so detailreich und genau ist das alles. Hier steckt unglaublich viel Arbeit und Liebe dahinter, was bei Jackson allerdings nicht weiter verwundert, schaut man sich nur mal seine Frühwerke an, in die er ebenfalls viel Zeit und Arbeit investiert hat. Visuell ist The Hobbit: An Unexpected Journey also durchaus beeindruckend, narrativ leider nicht. Jackson gelingt es leider nur sehr selten, wirkliche Spannung aufkommen zu lassen. Das erste Drittel ist viel zu lang geraten, und auch der von mir bereits kritisierte Humor lässt einen des Öfteren mit dem Kopf schütteln. Von der kurzen, aber effektiven Exposition mal ganz abgesehen, denn diese ist ja fast schon Standard. Haben sich Hobbit und Zwerge allerdings erst einmal auf die Reise begeben, kommt der Film langsam in Fahrt. Der Humor zieht sich Gott sei Dank nicht durch den gesamten Film, dito die im Vorfeld von vielen Kritikern als Jar Jar Binks-ähnlich bezeichnete Figur, die in der Tat zu viel des 'Guten' ist, sich aber auf wenige Szenen beschränkt.

Streckenweise gelingt es Jacksons Film sogar ziemlich ausweglos scheinende Szenarien aufzubauen – nur um sie wenig später wieder nahezu komplett zu zerstören, in dem er irgendwelche Kaninchen aus dem Hut zaubert, die die Köpfe unserer Helden noch gerade so aus der Schlinge ziehen. Das ganze mündet in einer viel zu langen Gollum-Szene, die natürlich Reminiszenzen an The Lord of the Rings wecken soll, im Grunde aber schrecklich nichtssagend ist und nervtötend dazu. Die Welt, die Jackson einmal mehr zum Leben erweckt ist also lediglich visuell beeindruckend. Viele der neuen Figuren richten sich an ein deutlich jüngeres Publikum und wären in einem The Lord of the Rings nahezu undenkbar gewesen. Diese Tatsache verwundert darüber hinaus auch, weil Jackson an Gewalt nicht gerade spart und wir nicht nur eine Enthauptung zu sehen bekommen (was für das jüngere Publikum dann doch etwas verstörend sein dürfte). Sicher, der Stoff handelt vom Abenteuer und vom Kampf, aber das erklärt noch lange nicht, weshalb der eine oder andere Moment dann doch extrem zynisch daherkommt.

Man merkt es The Hobbit: An Unexpected Journey immer wieder an, dass er nicht ganz genau weiß, was beziehungsweise wo er eigentlich hin will. Der Plot ist viel zu sehr in die Länge gezogen, denn im Grunde handelt es sich lediglich um eine Reise von A nach B mit vielen Hindernissen, die mal mehr, mal weniger spannend und interessant geraten sind. Wenn das Ganze mal so etwas wie epische Züge annimmt, dann ist dies zuvorderst Howard Shores Score zu verdanken, der ein Best-of der Motive aus The Lord of the Rings präsentiert (das ist zwar nicht sonderlich kreativ, aber effektiv). Peter Jacksons The Hobbit: An Unexpected Journey ist keine totale Enttäuschung, aber auch keine Offenbarung. Fest steht, dass das keinesfalls der Beginn von etwas Großem ist, das Fans sich sicherlich erhofft haben. Der Kinobesuch dürfte sich allerdings allein deshalb schon lohnen, um einen Blick auf die – zumindest wenn es nach Peter Jackson und James Cameron geht – Zukunft des Kinos zu werfen. Ob man diese eingeschlagene Richtung mag oder nicht (wie es bei einem Großteil der Kritiker der Fall ist), muss man selbst entscheiden. (6/10)


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