Schmerz lass (nicht) nach: 'Alex Cross' Blu-ray Review


Erinnert sich noch jemand an das erste Bild aus Alex Cross? Es zeigte einen unglaublich muskulösen Matthew Fox, dessen Körper vor lauter Muskeln schon nicht mehr ganz gesund aussah. Er war im Oktagon, wo er sich als MMA-Kämpfer ausgab. Eigentlich hätte man solch ein Bild aus einem Exploitation oder Horrorfilm erwartet, aber nicht unbedingt aus einem Thriller. Hinzu kommt, dass man Tyler Perry ebenfalls nicht unbedingt als Darsteller in einem Thriller erwarten würde. Viel eher im Regiestuhl, wo er ja ziemlich häufig Platz nimmt. Doch warum sollte man nicht mal ungewöhnliche Kombis wagen? Das dachten sich wohl auch die Macher von Alex Cross. Mit der Darstellerauswahl war es das dann aber auch schon in Sachen 'ungewöhnlich', denn alles andere an Alex Cross ist äußerst gewöhnlich, um nicht zu sagen extrem generisch und einfallslos. Und dennoch: Irgendwie will man Rob Cohens 0815-Thriller dann doch auch als guilty pleasure sehen. Denn 'komische' Momente gibt es durchaus, egal ob wasserstoffblonde Deutsche oder dumm aus der Wäsche guckende Matthew-Fox-Visagen.

Sowieso, auf eine amüsante Art und Weise passt hier nichts zusammen, beginnend beim Setting: Perry gibt einen Cop mit Promotion in Psychologie und macht einen auf allwissenden Doc, der Killer ganz einfach mit Hilfe seiner Beobachtungsgabe dingfest macht. Zu Hause hat er einen liebende Frau, seine Mutter und zwei nette Kinder – das dritte ist bereits unterwegs. Auf der anderen Seite haben wir Matthew Fox, über den wir so rein gar nichts wissen, außer dass er in seiner Freizeit gerne sich selbst und andere Menschen physisch quält. So verwundert es dann auch nicht weiter, dass er sein Leben im MMA-Käfig aufs Spiel setzt, nur um an sein nächstes Opfer heranzukommen. Alle anderen in diesem Schmierentheater sind ohnehin so unwichtig wie klischeebeladen. Cross' Partner (Edward Burns) hat was mit der gemeinsamen Kollegin und alle Frauen im Film sind sowieso nur plot device. Einzig erwähnenswert ist vielleicht noch Jean Reno, den man selten so aufgedunsen gesehen hat wie hier. Ach ja, und dann ist da noch Werner Daehn als Erich Nunemacher – es wird also immerhin ordentliches Deutsch gesprochen.

Ich beschränke mich absichtlich auf diese Aufzählungen, denn sie sind immerhin das einzige, was an Alex Cross einigermaßen ansehnlich respektive amüsant ist. Die Perücke von Perrys Filmmutter ist auch so ein Ding, bei dem man sich fragt, ob das nun volle Absicht oder einfach nur Schlampigkeit ist. Genau so wie bei den Gesichtsausdrücken von Matthew Fox, der als Psychokiller Grimassen schneidet, bei denen man sich nicht ganz sicher ist, ob seine offensichtlichen Schmerzen von Hämorrhoiden oder dem extremen Overacting herrühren. Für den unfassbar mies inszenierten Endkampf entschuldigt immerhin eine coole Szene, in der Fox aus der S-Bahn mal eben eine Panzerfaust abfeuert – darauf muss man erst mal kommen! Nein, so richtig reicht es am Ende noch nicht einmal für ein guilty pleasure, das man sich mit genügend Bier und den richtigen Freunden durchaus noch mal ansehen würde. Wer etwas mit den Romanen anfangen konnte, der sollte vielleicht bei diesen bleiben und sich die Verfilmung gar nicht erst antun. Es verwundert jedenfalls nicht weiter, dass Fox seit vier Jahren keine richtige Rolle hatte und Perry in Comedies (die meisten davon anscheinend ja ebenfalls Katastrophen) besser aufgehoben ist. (4/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite erscheint am 26. Februar (Amazon-Partnerlink) und ist technisch schon deutlich besser als der Film. Das Bild ist größtenteils knackig scharf und auch der Ton, der in DTS-HD 5.1 (Deutsch und Englisch) vorliegt, sorgt an entsprechenden Stellen für ordentlich Druck. An Extras befinden sich ein Gespräch zwischen Tyler Perry und Produzent James Patterson, der Trailer und eine Trailershow auf der Scheibe. Hier wäre definitiv noch Luft nach oben gewesen.


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Die selbsternannte Halbgöttin in rot: 'American Mary'


Sie gelten als Halbgötter in weiß. Ärzte genießen nicht nur in Deutschland von allen Berufsgruppen das höchste Ansehen, und in der Tat, es ist auch einer der wichtigsten Berufe, die es überhaupt gibt. Arzt zu sein ist für viele weniger ein Beruf als vielmehr eine Berufung. Arzt ist dabei keinesfalls gleich Arzt, denn einige Fachrichtungen genießen einen besseren Ruf als andere – auch unter den Ärzten selbst. Der Chirurg steht dabei dem Selbstverständnis vieler an der Spitze der Ärztezunft. So sieht es auch die junge Medizinstudentin Mary (Katharine Isabelle), die unbedingt Chirurgin werden will, auch wenn sie etwas chaotisch organisiert ist. Dies ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass sie ihre Studiengebühren nur mit Müh und Not zusammenkratzen kann. Eines Tages erhält sie einen folgenschweren Anruf: ihr wird kein Kredit mehr gewährt. Um ihr Studium, für das sie sogar ihre kranke Mutter in Osteuropa zurückgelassen hat, doch fortsetzen zu können, braucht sie eine neue Einnahmequelle. Sie heuert in einer Stripbar an – doch deren Besitzer benötigt erstmal Marys medizinische Kenntnisse. Schon bald taucht Mary immer tiefer in ein äußerst dunkle Welt ein, die mit dem Eid des Hippokrates nicht mehr vereinbar ist …

Jen und Sylvia Soska, zwei kanadische Zwillingsschwestern, haben mit ihrem zweiten Spielfilm American Mary ein äußerst dunkles und hartes Stück Horrorkino geschaffen. Wenn man sich ihren Film so ansieht, dann verwundert es einen auch nicht weiter, dass sich die beiden auch gerne 'Twisted Twins' nennen. In American Mary dekonstruieren sie nicht nur das fleckenlose Image der Chirurgen, sondern liefern einen äußerst ergiebigen Beitrag zum Gender-Diskurs im Horrorfilm. Bei den Twisted Twins ist der Beruf des Chirurgen ein von Männern dominierter. Männer, die teure Sportwagen fahren und die Arroganz auf ein völlig neues Level heben. Für sie sind ihre (todkranken) Patienten und deren Angehörige nur Schachfiguren, die bewegt werden müssen. Nach Dienstschluss treffen sie sich in geheimen Clubs und leben ihre Misogynität aus. Das sorgt bereits zu Beginn des Filmes für die eine oder andere Szene, bei der man ungläubig auf die Leinwand starrt, weil es einfach so absurd ist, was man dort gerade gesehen hat. Vom äußerst zynischen Humor der Halbgötter in weiß ganz zu schweigen. An der Männerwelt lassen die Twisted Twins hier weiß Gott kein gutes Haar.

Doch auch die Protagonistin selbst ist eine äußerst ambivalente Figur. Mary erweckt anfangs noch den Eindruck einer jungen Frau, die dem Druck dieser männerdominierten Welt durchaus gewachsen ist. Selbst ihrem Prof kann sie Paroli bieten. Doch auch sie wird immer mehr vom Schönheitswahn zerfressen – nicht durch sich selbst und ihren eigenen Körper, sondern durch die 'Schönheit' ihrer Patienten. American Mary führt uns nämlich in die krasse Welt der 'Body Modification' ein – und damit sind hier nicht etwa Tattoos und Piercings gemeint, sondern chirurgische Eingriffe, die einen Menschen noch einzigartiger machen als er ohnehin schon ist … Die Soska-Schwestern lassen dabei kein Detail aus und führen Charaktere ein, die nicht von ungefähr an äußerst schräge Auftritt aus Nip/Tuck erinnern. Für Mary sind diese Operationen in ihren eigenen vier Wänden irgendwann nicht mehr nur eine Einnahmequelle – das Studium hat sie ohnehin geschmissen -, sondern eine Berufung. Sie fühlt sich ihren Patienten und deren außergewöhnlichen Wünschen verpflichtet. Und auch sie bleibt dabei nicht unverändert, zumindest nicht in ihrem Inneren.

Der Plot selbst muss dabei etwas zurückstecken, so dass einem das Ganze nicht immer ganz kohärent erscheint. Flashbacks, die nicht nötig gewesen wären, werden ausgewalzt, während anderes viel zu sehr im Dunkel bleibt. Doch der Film wirkt ohnehin des Öfteren wie ein Sammelsurium aus WTF!?-Momenten und interessanten Ideen, die sich nicht in eine Rahmenhandlung pressen lassen (wollen). Daher fällt das alles auch nicht wirklich schwer ins Gewicht. American Mary ist nicht nur Psychothriller und Drama mit reichlich sleazigen Momenten und Figuren, sondern vor allem auch Körperhorror. Die Soska-Schwestern haben mit American Mary wie zwei Chirurginnen einen Film mit vielen Horror-Versatzstücken erschaffen, der irgendwo zwischen Cronenberg, Nip/Tuck und asiatischen Sickos einzuordnen ist. Vor allem ist American Mary aber ein äußerst erfrischendes Stück Horrorkino und eines der ersten Highlights im noch jungen Filmjahr. (8.5/10)

'American Mary' wird auf den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights zu sehen sein und erscheint am 28. März auf Blu-ray und DVD.


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Zahltag: 'Universal Soldier: Day of Reckoning' Blu-ray Review


Auf dem Fantasy Filmfest haben sich die Macher dafür entschuldigt ihn ins Programm genommen zu haben. Das Gros der Filmblogger hingegen feiert ihn als Meisterwerk, das sich nicht hinter Filmen von Kubrick, Cameron oder Lynch verstecken muss. Die Rede ist tatsächlich von John Hyams' Universal Soldier: Day of Reckoning, dem vierten Eintrag in die Reihe, die anno 1992 quasi von Roland Emmerich gestartet wurde und von der wohl keiner erwartet hätte, dass ausgerechnet der vierte Teil nahezu allerorts vielleicht nicht als Meisterwerk, wohl aber als starker Film bezeichnet werden würde. Doch in der Tat, Hyams' Film ist keinesfalls die DTV-Actionware mit Jean-Claude Van Damme, Dolph Lundgren und Newcomer Scott Adkins (der schon in The Expendables 2 eine äußerst gute Figur machte), die man auf den ersten Blick erwarten könnte. Dafür ist er nämlich viel zu interessant und intensiv. Viel zu sehr. Das fängt mit der äußerst perfiden Kameraarbeit an und hört mit dem unfassbar physischen Spiel von Scott Adkins auf. Dazwischen? Verzweiflung, Hoffnung, Rachegelüste, Entrückung, und alles andere, was man auf einer Gefühlsachterbahn so durchlebt.

Universal Soldier: Day of Reckoning schließt nahtlos an Hyams' vorheriges durchaus ordentliches Werk Dragon Eyes an, hat man das Gefühl. Die Optik und narrativen Handkniffe scheint Hyams hier perfektioniert zu haben. Das Thema des gebrochenen Helden hebt er auf das nächste Level und hat mit Scott Adkins einen Darsteller gefunden, der um einiges charismatischer ist als noch Cung Le, der nichtsdestotrotz durch seine Physis überzeugen konnte. Adkins liefert eine Performance ab, die ihresgleichen sucht. Selten zuvor hat man solch ein intensiv physisches Spiel gesehen. Sein John ist kein Universal Soldier – er ist Ehemann und Vater, dem gleich zu Beginn in einer der intensivsten und härtesten Szenen, die man im letzten Jahr zu sehen bekommen hat, alles genommen wird. Wir werden komplett in seine Lage versetzt, wenn der Film uns bereits mit POV-Kamera begrüßt. Nein, John ist kein UniSol, sondern ein Mensch, dem alles, für das es sich lohnt zu leben, genommen wurde und der nur noch sich und seinen Körper – eine leere Schale – hat. Diesen kann er aber perfekt für das einsetzten, was ihm als einziges noch den Antrieb zu Leben gibt: Rache.

Es ist im Prinzip alles richtig, was bisher an lobenden Worten über Universal Soldier: Day of Reckoning geschrieben wurde. Es ist zweifelsohne eine äußerst intensive Seherfahrung, auf die man sich mit Hyams’ Film begibt. Man erkennt durchaus viele Parallelen beispielsweise zu Apocalypse Now – allen voran wenn John sich wie entrückt durch die 'grüne Hölle' fahren lässt. Und es ist Hyams auch sehr hoch anzurechnen, was er mit seinem Werk für den Actionfilm getan hat und hoffentlich auch noch tun wird (eine ähnliche Narration habe ich im Actiongenre lange nicht mehr gesehen). Das unantastbare Meisterwerk, das von vielen zudem noch zur Ultrakunst hochgejazzt wurde, ist er aber nicht. Doch das kann sich ändern, denn mit einer einzigen Sichtung von Universal Soldier: Day of Reckoning ist es bei weitem nicht getan. Wer das nicht erkennt, hat so gut wie gar nichts erkannt. Hyams’ Film ist nicht einfach nur ein Actionfilm mit einer Besetzung aus Veteranen und einem grandiosen Scott Adkins, sondern vielmehr auch eine Meditation über das menschliche Wesen an sich.

Wenn man eigentlich jubeln und gröhlen will, bleibt es einem im Halse stecken. Wenn man John auf die Schulter klopfen will, überrascht er einen mit dem Unvorhergesehenen. Die rohe und streckenweise absolut over the top-mäßige Gewalt kann man nicht bejubeln oder sonst irgendwie begrüßen. Wenn der Abspann schließlich einsetzt, fehlen einem bisweilen die Worte. So etwas ist natürlich großartig. Blut, Schweiß und Emotionen sind das, was man gerade knapp zwei Stunden durchlebt hat. Genau so wie John. Man will ihn am liebsten noch einmal sehen, versuchen (weiter oder überhaupt) zu verstehen, was man da gerade durchgemacht hat. Mit Universal Soldier: Day of Reckoning empfiehlt sich John Hyams jedenfalls als einer der interessantesten Action-Regisseure der Gegenwart. Und Scott Adkins als einer der intensivsten Action-Darsteller der Gegenwart. Puh! (8.5/10)

Planet Media Home Entertainment veröffentlich Universal Soldier: Day of Reckoning am 24. Januar auf Blu-ray (Amazon-Partnerlink, geschnittene Version). Die Bildqualität kann auf ganzer Linie überzeugen, denn der Schärfegrad ist durchweg sehr gut. Auch der Ton, der sowohl in Deutsch als auch auf Englisch in DTS-HD 5.1 vorliegt, kann überzeugen, denn er hat vor allem den nötigen Druck, von dem der Film profitiert. Extras wie der Trailer, Interviews mit Cast & Crew, sowie Bildern vom Set runden die technisch sehr gute Blu-ray ab.


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Die Stille nach dem Schuss: 'Zero Dark Thirty'


Das Bild ist noch komplett schwarz. Wir hören Originalaufnahmen von Telefongesprächen aus dem World Trade Center vom 11. September 2001. Wir kennen die meisten dieser Telefonate, die wir da fast schon voyeuristisch belauschen aus der Berichterstattung von damals. Wir sind diesen Aufnahmen komplett ausgeliefert, können nichts anderes tun als zuzuhören, wie ein zweites Flugzeug in das WTC fliegt und die Stimmen der Menschen voller Angst sind. Nein, keiner, der diese Ereignisse live miterlebt hat, wird sie jemals wieder vergessen. Erst eine Dekade später sollte der Urheber dieser Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Doch bis dahin ist es auch in Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty noch ein weiter Weg. Auf die 9/11-Protokolle folgt ein harter Schnitt. Plötzlich befinden wir uns in einem Geheimgefängnis in Afghanistan, wo ein Verdächtiger – man sieht es ihm deutlich an – schon länger verhört wird. Es ist ein äußerst harter Schnitt. Einer, der Bigelow und ihrem Drehbuchautor Mark Boal im Vorfeld viel Kritik einbrachte, weil Bigelow das ausführlich zeigt, was nach wenigen Minuten folgt: Waterboarding und andere Foltermethoden.

Einerseits will man sich immer wieder ins Gewissen rufen, dass dieser Mann, der dort gerade das unangenehme Gefühl nacherlebt zu ertrinken, für ebenjene Ereignisse mitverantwortlich ist, mit denen Bigelows Film beginnt. Andererseits versteht es Bigelow aber auch, diese Szenen so zu inszenieren, dass nicht selten Mitleid für den Gefangenen aufkommt und man das Ganze nicht immer leicht ertragen, geschweige denn zusehen kann. Genau so ergeht es auch Bigelows Protagonistin Maya (Jessica Chastain), die vom Schreibtischjob in D.C. nach Afghanistan kommt und dort quasi gleich ins kalte Wasser geworfen wird. Anfangs scheint sie sich selbst nicht sicher zu sein, ob diese 'coercive interrogation' wirklich von Nöten ist. Sie selbst geht es jedenfalls anders an, auch wenn sie Gefangenen ebenfalls nicht mit Samthandschuhen anfasst. Doch nicht nur ihre Haltung gegenüber extremen Verhörmethoden soll sich schon bald ändern. Zero Dark Thirty ist nicht nur dieser 'Kill-Bin-Laden-Film', als der er anfangs etikettiert wurde, sondern vor allem auch ein Film über eine besessene Frau.

Bigelow lässt sich viel Zeit für ihre 'Heldin', bei der wir nie wirklich wissen, was es nun eigentlich ist, was sie antreibt und dieser ständigen Gefahr aussetzen zu lassen. Ist sie einfach nur eine knallharte Karrierefrau oder ist sie der Meinung, dass sie eine gewisse Bringschuld zu begleichen hat? Zumindest zu Beginn bleiben sie und ihre Motive etwas im Dunkel. Erst später, wenn sie Freundschaften geschlossen hat, was angesichts der Arbeit und Lage schon schwer genug ist, wird klar, dass sie dies auch für ihre Freunde und Kameraden tut. Viele davon lernen wir im Laufe des Films kennen, viele davon gehen auch schnell wieder. Dies passiert aber meist unfreiwillig, denn Zero Dark Thirty schert sich nicht nur um sein vermeintliches Anliegen, das Finale in Abbottabad, sondern ist vor allem auch ein Film, dessen Anliegen es ist, den sogenannten Kampf gegen den Terror zu porträtieren. Ständig befinden wir uns an einem anderen Ort, in einem anderen Hotel, einer anderen Green Zone, einer anderen US-Basis. Genauso oft sitzen andere Terror-Verdächtige vor uns und ihren Richtern, bei denen wir schon mit den Namen Probleme haben, sie zu- oder gar einzuordnen.

Hier findet sich ein weiterer Aspekt, der im Vorfeld Anlass zur Kritik gab, denn nicht nur CIA-Direktor Morell war der Meinung, dass Bigelows Film nicht die Wahrheit spricht, waren es doch zig Tausende Männer und Frauen, die sich am Kampf gegen den Terror beteiligten und Bin Laden schließlich in Pakistan ausmachten. Doch diese Kritik greift nicht wirklich, denn Zero Dark Thirty ist immer nur eine Momentaufnahme. Wenn ein hochrangiger Taliban, von dem man sich Informationen erhofft, ein Geheimtreffen mit einer Kollegin von Maya (Jennifer Ehle) auf einer US-Basis hat, dann wissen wir, dass hier deutlich mehr als nur diese Gruppe von Beamten und Soldaten beteiligt ist. Doch es geht sowieso nicht um den Einzelnen, auch wenn es immer Einzelne sind, die beispielsweise bei einem Selbstmordattentat zu Tode kommen (das Bigelow in all seinem Schrecken immer wieder zeigt). Oder wenn Maya wie besessen davon ist, das große, geheimnisvolle Haus in Pakistan zu stürmen. Es geht um ganze Nationen, Allianzen und Systeme, deren Stellvertreter wir lediglich kennen lernen. Auch Bin Laden selbst ist ein Einzelner, der aber für ein ganzes System steht.

Genau hierin zeigt sich eindrucksvoll, wie stark Bigelows Film geworden ist. In einzelnen Szenen scheint alles so einfach und klar zu sein. Bigelows eine Pro-Folter-Haltung vorzuwerfen ist deshalb so vermessen, weil das alles doch so viel komplexer ist als es auf den ersten Blick scheint. In einer Szenen im Film heißt es explizit, dass das Verhören von Verdächtigen seit Obamas Präsidentschaft deutlich schwerer geworden sei, aber ist diese Aussage wirklich damit gleichzusetzen, dass Bigelow und Boal Folter begrüßen? So viel Fiktion und Dramatisierung auch in Zero Dark Thirty stecken mag, so real sind doch die Vorlagen nicht nur für 'Operation Neptune's Spear', sondern auch für den Kampf gegen den Terror. Auch die Tatsache, dass dies alles Opfer mit sich bringt, und zwar auf beiden Seiten, schönt Bigelow nicht. Maya weiß, dass es ihre Spur ist, die einen Unterschied machen kann. Und genau deshalb ist sie so besessen und überzeugt davon, dass ihr Weg der Richtige ist. Irgendwann ist sie allerdings an einem Punkt angekommen, an dem sie nicht mehr weiß, ob es das alles wert war. Sie dankt dabei nicht nur an sich, sondern auch an ihre Freunde und Kollegen.

Zero Dark Thirty kommt über weite Strecken einem procedural gleich: Wir schauen Profis bei der Arbeit über die Schulter, mit dem Unterschied, dass sich dieses procedural über einen Zeitraum von fast 10 Jahren erstreckt. Und am Ende sind wir dann schließlich am Höhepunkt angelangt. Wir begleiten SEAL Team Six dabei, wie es Bin Ladens Hauskomplex in Abbottabad stürmt. Doch wenn wir hier endlich ankommen sind, scheint es nicht etwa so, als würde der Film nun sein eigentliches Sujet vortragen, sondern die Erstürmung wirkt nur noch konsequent und als eine logische Folge des zuvor Ges(c)ehenen. Das heißt nicht, dass es minder spannend wäre, im Gegenteil. Die letzte halbe Stunde ist visuelle und narrative Perfektion. Wenn die Arbeit getan ist und Maya die Bestätigung bekommt, die sie jahrelang gesucht hat, dann kommt doch alles ganz anders. Und am Ende, als 'Operation Neptune's Spear' erfolgreich verlaufen ist und die SEALs Material sichern und es noch immer nicht glauben können, was sie da gerade vollbracht haben, scheint alles so schrecklich gleichgültig. Nichts ist mehr von Bedeutung, die Entrückung ist da. Die junge Dame, nein Heldin, der CIA steht inmitten der Apokalypse. (9/10)


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Da hilft auch Rum nicht mehr: 'The Rum Diary' Blu-ray Review


Johnny Depp scheint wohl der Meinung zu sein, dass er irgendwie in Hunter S. Thompsons Schuld stehe. Anders kann man sich wohl kaum erklären, weshalb Depp sich für Bruce Robinsons Verfilmung des Thompson-Romans The Rum Diary hergegeben hat. Vielleicht ist Depp aber auch ein so großer Fan von Thompsons Werk, dass er für alles zur Verfügung steht, was den Namen Thompsons trägt. Im konkreten Falle von The Rum Diary war Depp sogar maßgeblich für die Veröffentlichung des Romans verantwortlich, denn während der Vorbereitungen für Fear and Loathing in Las Vegas verbrachte Depp viel Zeit bei Thompson, wo er schließlich ein unveröffentlichtes Manuskript des Werkes fand. Depp überzeugte Thompson davon, The Rum Diary (geschrieben in den 60ern) zu veröffentlichen – ohne Depp gäbe es höchstwahrscheinlich also gar keine Verfilmung. Es muss ihm also doch irgendwie ein großes Anliegen gewesen sein, dieser Film, zumal Thompson der Veröffentlichung nur zustimmte, wenn Depp im Falle einer Verfilmung die Hauptrolle übernehmen würde.

Auch The Rum Diary basiert in bester Thompson-Tradition einmal mehr auf seinen eigenen Erfahrungen als Journalist (streng genommen ist es Thompsons allererster Roman). Paul Kemp (sein Alter Ego, gespielt von Depp) kommt 1959 nach Puerto Rico, wo der Film seinen Lauf nimmt. Kemp wacht eines morgens und mit gigantischem Kater in einem Hotel auf. Als er aus dem Fenster schaut, scheint er im Paradies auf Erden angekommen zu sein. Wäre da nicht dieser schreckliche Kater, den er mit zu seinem ersten Arbeitstag schleppt. Was als typische Thompson-Geschichte beginnt, wird schon sehr bald zum langatmigen, um sich selbst drehenden Geschichte, die zu keiner Zeit an die wahre Klasse eines Hunter S. Thomspon herankommt. Depp schlägt sich mit Charme und mächtig viel Rum in Puerto Rico durch, lernt dabei sowohl Freunde als auch Feinde kennen und lässt den Zuschauer stets fragend zurück, was das Ganze eigentlich will. Höhepunkt ist eine Drogenszene (klar!), die völlig deplatziert wirkt und den Film keinen Millimeter voran bringt. In diesen Momenten hätte man den Film, der mit seinen 120 Minuten ohnehin viel zu lang ist, deutlich zurechtstutzen können.

Alle im Ansatz durchaus interessanten Charaktere bleiben völlig auf der Strecke. Sei es nun Aaron Eckhart als schleimig-fieser PR-Berater oder Männertraum Amber Heard als Mädchen, das das Dolce Vita liebt. Die erst klischeebeladene Lovestory zwischen Depp und Heard, die sich am Ende viel zu ernst nimmt, ist ebenfalls ein großes Ärgernis. Und dann ist da ja auch noch Giovanni Ribisi als degenerierter Journalist, der als einzige wirklich interessante Figur leider viel zu wenig beleuchtet wird. The Rum Diary kann sich zu keinem Zeitpunkt entscheiden, worauf er nun eigentlich seinen Fokus legen will: Auf die Figuren, auf die Geschichte oder doch auf die soziopolitischen Untertöne? Alles zusammengewürfelt funktioniert leider hinten und vorne nicht. Robinsons Film biedert sich immer wieder mit diesen typischen Thompson-Momenten an, die dem Zuschauer ein 'What the fuck!?' entlocken soll, in Wirklichkeit aber nichts weiter als reiner Selbstzweck sind, die viel zu forciert wirken. Das sah wohl auch ein Großteil des Publikums so, denn an den Kinokassen hat The Rum Diary weltweit (!) gerade mal die Hälfte seines Budgets wieder eingespielt. (4/10)

Die Blu-ray von Universum Film erscheint am 18. Januar (Amazon-Partnerlink) und kann technisch schon deutlich mehr überzeugen als der Film selbst. Das Bild geht größtenteils in Ordnung. Helle Tagesaufnahmen von Puerto Rico sind teilweise richtig schön scharf und lassen durchaus Urlaubsfeeling aufkommen. In dunklen Szenen – und davon gibt es einige – kann der Schwarzwert leider nicht überzeugen. Schwarz ist hier eher ein Grau. Der Ton hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Natürlich dominieren die Dialogszenen, aber wenn es mal etwas für den Subwoofer und die Rears zu tun gibt, dann wurde das sauber umgesetzt. An Extras finden sich Interviews mit dem Cast, eine B-Roll und der Originaltrailer.


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Tony Scott Retro: 'Crimson Tide'


Tony Scotts dritte Produktion mit Bruckheimer/Simpson und seine erste von insgesamt vier mit Denzel Washington ist auf den ersten Blick eigentlich kein typisches Scott-Gelände. Ein U-Boot-Thriller, das heißt enge Räume und kaum Bewegung – sowohl in den engen Gängen des Bootes als auch im Wasser selbst. Scott ist aber der Regisseur der schnellen Bewegungen, des Geschwindigkeitsrausches. Kampfjet, Rennwagen, um ihr Leben rennende Football-Spieler, sie alle eignen sich perfekt für Scotts schnelle Schnitte und rasante Kamerafahrten. Doch auch bei Crimson Tide gelingt es Scott – fast sogar noch besser als bei seinen anderen 'Bewegungs-Filmen' – ein Gefühl für die Gefahr des Ganzen zu vermitteln. Die U-Boot-Gänge sind äußerst eng, die U.S.S. Alabama gleitet in 900 Fuß Tiefe durch den Pazifik, und dennoch ist nicht nur die Gefahr, sondern auch die Angst immanent.

Scott beweist hier wie bei keinem seiner vorherigen Filme, welch ein inszenatorischer Meister er doch ist. Ein einfaches Stilmittel wie sein geliebter Dutch Angle wird hier zu einem Vermittler von Hektik, Hitze und schließlich Angespanntheit und Angst. Egal ob auf der Brücke oder im Maschinenraum, jedes Deck, jede Luke und jeder Raum wird zum 'War Room'. Scott schürt jedoch nicht erst im Boot die Gefahr und Angst, sondern bereits in der Exposition, wenn er ein erschreckend reales Szenario vermittelt, das nicht nur die Existenz seiner Protagonisten aufs Spiel stellt, sondern die der gesamten Menschheit. Zimmers Musik (eine seiner besten Arbeiten überhaupt) ist dabei so omnipräsent bedrohlich, dass es einem bisweilen kalt den Rücken hinunterläuft. Das Pathos des Filmes verkommt hier keinesfalls zum Kitsch wie in einigen seiner anderen Filme.

Crimson Tide ist auf jeglicher Ebene perfekt. Das Drehbuch, das von Tarantino und Sorkin aufgebessert wurde (was in vielen Szenen überdeutlich wird), funktioniert hervorragend und ist so viel mehr als das Männerduell zwischen Washington und Hackman, die sich beide den Arsch abspielen! Technisch holt Scott alles raus, was möglich ist und ist noch weit weg von seinen späteren visuellen Spielereien (die ich nichtsdestotrotz mag). Scotts bester Film. Ohne jeglichen Zweifel.


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Mittelmaß in Mittelerde: 'The Hobbit: An Unexpected Journey'


Fast zehn Jahre ist es schon wieder her, dass J.R.R. Tolkiens The Lord of the Rings: The Return of the King in die Kinos kam. Zehn Jahre, in denen die Fans sich nach neuem Material sehnten und das vorhanden unzählige Male sichteten. Erst kürzlich erschienen die Extended Editions der Trilogie auf Blu-ray. Die Fans wurden also bei Laune gehalten, und sei es nur mit Produktionstagebüchern vom Set. Nun ist er also da, der lang ersehnte The Hobbit: An Unexpected Journey, der erste Teiler einer – wer hätte es anders gedacht – Trilogie. Völlig blind waren die Fans nicht, denn schon nach dem ersten Trailer, der uns vor einem Jahr (!) ins Haus flatterte, fragten sie sich, wie man Tolkiens Buch denn auf drei Filme stecken könne. Da dachten viele wohl zurecht an die cash cow, die fröhlich gemolken werden will, denn eines wird nach Sichtung des 169 Minuten langen Filmes auch für Nichtkenner der Vorlage (wie ich es einer bin) deutlich: Es hätten auch zwei Filme getan, wenn nicht sogar dieser eine. Sei’s drum, The Hobbit: An Unexpected Journey wird Fans und Nicht-Fans so oder so in Scharen in die Kinos treiben. Denn ein Bild von Jacksons erneuter Tolkien-Adaption will sich dann doch jeder machen.

Ich für meinen Teil war sehr skeptisch und hatte so gut wie keine Erwartungen. Teaser und Trailer vermittelten nur ganz selten dieses The Lord of the Rings-Feeling, stattdessen sah das nach viel infantilem Humor aus, als hätte man sich mit dem Prequel ähnlich wie bei Star Wars die Jüngeren als Zielpublikum ausgesucht. Hinzu kommt – und das muss ich gleich loswerden –, dass ich mit Fantasy so gut wie gar nichts anfangen kann. Was mich letztlich in die Pressevorführung trieb, war einzig und allein die Tatsache, dass The Hobbit: An Unexpected Journey in der von Peter Jackson so hochgelobten neuen Technik gezeigt wurde, der High Frame Rate, die mit 48fps doppelt so viele Bilder pro Sekunde zeigt wie bisherige Filme. Jackson versprach bereits im Vorfeld das Blaue vom Himmel: ein schärferes Gesamtbild, detailgenauere Bewegungsabläufe und eine unglaubliche Natürlichkeit. Wenn uns der Film wirklich mit HFR gezeigt wurde (noch ist das nicht sicher), dann hat Peter Jackson leider doch etwas zu viel versprochen, denn den Aha-Effekt sucht man vergeblich. Und dennoch behaupte ich, dass das der schärfste und detailreichste 3D-Film war, den ich bis dato gesehen habe.

Sowieso gehören die Effekte zum Besten, was man bisher im Kino sehen konnte, denn gerade bei den vielen tierischen Darstellern passiert es einem nicht selten, dass man sie für real hält, so detailreich und genau ist das alles. Hier steckt unglaublich viel Arbeit und Liebe dahinter, was bei Jackson allerdings nicht weiter verwundert, schaut man sich nur mal seine Frühwerke an, in die er ebenfalls viel Zeit und Arbeit investiert hat. Visuell ist The Hobbit: An Unexpected Journey also durchaus beeindruckend, narrativ leider nicht. Jackson gelingt es leider nur sehr selten, wirkliche Spannung aufkommen zu lassen. Das erste Drittel ist viel zu lang geraten, und auch der von mir bereits kritisierte Humor lässt einen des Öfteren mit dem Kopf schütteln. Von der kurzen, aber effektiven Exposition mal ganz abgesehen, denn diese ist ja fast schon Standard. Haben sich Hobbit und Zwerge allerdings erst einmal auf die Reise begeben, kommt der Film langsam in Fahrt. Der Humor zieht sich Gott sei Dank nicht durch den gesamten Film, dito die im Vorfeld von vielen Kritikern als Jar Jar Binks-ähnlich bezeichnete Figur, die in der Tat zu viel des 'Guten' ist, sich aber auf wenige Szenen beschränkt.

Streckenweise gelingt es Jacksons Film sogar ziemlich ausweglos scheinende Szenarien aufzubauen – nur um sie wenig später wieder nahezu komplett zu zerstören, in dem er irgendwelche Kaninchen aus dem Hut zaubert, die die Köpfe unserer Helden noch gerade so aus der Schlinge ziehen. Das ganze mündet in einer viel zu langen Gollum-Szene, die natürlich Reminiszenzen an The Lord of the Rings wecken soll, im Grunde aber schrecklich nichtssagend ist und nervtötend dazu. Die Welt, die Jackson einmal mehr zum Leben erweckt ist also lediglich visuell beeindruckend. Viele der neuen Figuren richten sich an ein deutlich jüngeres Publikum und wären in einem The Lord of the Rings nahezu undenkbar gewesen. Diese Tatsache verwundert darüber hinaus auch, weil Jackson an Gewalt nicht gerade spart und wir nicht nur eine Enthauptung zu sehen bekommen (was für das jüngere Publikum dann doch etwas verstörend sein dürfte). Sicher, der Stoff handelt vom Abenteuer und vom Kampf, aber das erklärt noch lange nicht, weshalb der eine oder andere Moment dann doch extrem zynisch daherkommt.

Man merkt es The Hobbit: An Unexpected Journey immer wieder an, dass er nicht ganz genau weiß, was beziehungsweise wo er eigentlich hin will. Der Plot ist viel zu sehr in die Länge gezogen, denn im Grunde handelt es sich lediglich um eine Reise von A nach B mit vielen Hindernissen, die mal mehr, mal weniger spannend und interessant geraten sind. Wenn das Ganze mal so etwas wie epische Züge annimmt, dann ist dies zuvorderst Howard Shores Score zu verdanken, der ein Best-of der Motive aus The Lord of the Rings präsentiert (das ist zwar nicht sonderlich kreativ, aber effektiv). Peter Jacksons The Hobbit: An Unexpected Journey ist keine totale Enttäuschung, aber auch keine Offenbarung. Fest steht, dass das keinesfalls der Beginn von etwas Großem ist, das Fans sich sicherlich erhofft haben. Der Kinobesuch dürfte sich allerdings allein deshalb schon lohnen, um einen Blick auf die – zumindest wenn es nach Peter Jackson und James Cameron geht – Zukunft des Kinos zu werfen. Ob man diese eingeschlagene Richtung mag oder nicht (wie es bei einem Großteil der Kritiker der Fall ist), muss man selbst entscheiden. (6/10)


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Tödliche Inspiration: 'The Raven' Blu-ray Review


Vielen großen Künstlern der Menschheitsgeschichte wird irgendwann ein Biopic zuteil. Egal ob Maler, Musiker oder Schriftsteller, meist hatte diese Person auch ein Leben voller Höhen und Tiefen, das sich für eine Verfilmung geradezu anbietet. So auch im Falle des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe, der die Kriminal-, Horror- und Science-Fiction-Literatur nachhaltig prägte. Über seinen mysteriösen Tod im Jahre 1849 gibt es bis heute viele Theorien, keine davon ist jedoch bewiesen. Poe bietet sich also allein aus diesem Grund schon als filmische Figur an, von seinen vielen spannenden Werken ganz zu schweigen. Die beiden Drehbuchautoren Ben Livingston und Hannah Shakespeare (sic!) hatten für The Raven also eine ganze Fülle an Material, das sie leider nicht zu nutzen wissen. Dabei ist das Setting von James McTeigues Film eigentlich recht spannend: Ein Killer, der zu Poes Lebzeiten die Inspiration für seine Serienmorde aus dessen Stories nimmt – und später sogar versucht anderen Figuren der Weltliteratur aufzulauern. Das riecht sogar nach der einen oder anderen Meta-Ebene, aber nein, stattdessen wandert The Raven auf bekannten Pfaden.

Die Umsetzung dieser Prämisse ist nämlich bestenfalls medioker. Zu keinem Zeitpunkt will der Funke wirklich überspringen, vielmehr greift McTeigues Film auf jene Zutaten zurück, die einem fast schon zum Halse rauhängen. Viel Krimi, wenig Mystery und eine gehörige Portion Gore, die bei Poe zwar dazugehört, hier aber eher an Torture Porn à la Saw erinnert. Das Kritikerzitat auf dem Blu-ray-Cover bringt es ausnahmsweise auf den Punkt: 'Saw trifft auf Sherlock Holmes'. Aber auch die durchaus vorhandenen Parallelen zu Guy Ritchies Sherlock Holmes werten The Raven nicht auf, im Gegenteil. Vieles wirkt schlichtweg abgekupfert, man stellt Poe ein love interest zur Seite, um seiner Figur die entsprechende Motivation zu geben, sich der Suche nach dem Killer anzuschließen. Diese erinnert dann auch eher an mittelmäßige Kriminalgeschichten mit finalem (aber lahmem) Twist, die eher einem procedural gleichen als einer spannenden, originären Killerhatz. Man merkt es dem Film durchaus an, dass McTeigue versucht, wenigstens auf visueller Ebene noch das meiste aus dem schwachen Drehbuch rauszuholen, aber auch das reicht nicht zu einem gelungenen Thriller. Dabei gibt es vor allem viele Reminiszenzen an seinen V for Vendetta, klar.

Dabei versucht man anfangs sogar noch die ambivalente Figur des A.E. Poe interessant zu gestalten, in dem man ihn als arroganten, von sich bis zur Unkenntlichkeit selbst überzeugten Säufer darstellt, der unter seinen Mitmenschen nicht gerade viele Fans hat. John Cusack verkörpert diesen Poe ziemlich gut, und auch der restliche Cast weiß durchaus zu gefallen, allen voran Luke Evans als distinguierter Ermittler. Gegen Ende gibt es dann noch einmal einen kurzen schönen Moment, wenn der Killer nach Paris reist und nach Poe nun auch Jules Verne heimsucht, von dem er ebenfalls ein großer Fan ist. Das war es dann aber auch schon, denn mehr bringt das Drehbuch dann einfach nicht zustande. Die Credits sind jedenfalls noch erwähnenswert, gehören sie doch zu den schönsten, die ich in diesem Jahr gesehen habe, was aber wohl als allerletztes auf Livingston und Shakespeares Kappe gehen dürfte. Schade, das Ganze bot doch wirklich so viel Potential. (6/10)

Die Blu-ray von Universum Film erscheint morgen (Amazon-Partnerlink) und macht leider auch keine allzu gute Figur. Die Schärfe fehlt durchgehend und ein starkes Rauschen, insbesondere in den (vielen) dunklen Szenen, ist deutlich wahrnehmbar. Der Ton hingegen ist sehr ordentlich geworden und macht in entsprechenden Szenen ordentlich Druck. Dir Räumlichkeit ist insgesamt recht gut. Bei den Extras kann die Scheibe ebenfalls punkten, denn neben vielen Featurettes gibt es auch noch entfernte und erweiterte Szenen, Trailer und ein Wendecover (das im Jahr 2012 leider immer noch nicht selbstverständlich ist).


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Day of Reckoning: 'Dragon Eyes' Blu-ray Review


John Hyams hat in den letzten Monaten für reichlich Aufsehen unter Cinephilen und Bloggern gesorgt. Sein Universal Soldier: Day of Reckoning ist seit seiner deutschen Premiere auf dem Fantasy Filmfest in aller Munde. Natürlich liest man vereinzelt auch negative Rezensionen, aber ein Großteil der 'Filmgelehrten' ist sich einig, dass das einer der besten Filme des Jahres ist. Doch bevor sich Hyams an den vierten Teil des Universal Soldier-Franchise machte, drehte er Dragon Eyes, der für die, die beide Filme bereits gesehen haben, wie eine Fingerübung für Universal Soldier: Day of Reckoning wirkt. Und in der Tat, obwohl ich lediglich die Trailer zu Universal Soldier: Day of Reckoning kenne, sieht man sofort, dass er ganz viel von dem hat, was man in Dragon Eyes zu sehen bekommt – und nein, damit meine ich keinesfalls nur Jean-Claude Van Damme. Dazu sollte man ohnehin gleich vorwegnehmen, dass JCVD eher eine Randfigur ist, auch wenn er groß auf dem Cover zu sehen ist. Seine Rolle ist auf das Wesentliche reduziert und dennoch von Bedeutung – wie der Film selbst.

Dragon Eyes liest sich wie ein beliebiger Crime-Thriller, der von Tarantino und Ritchie beeinflusst wurde: Gangs, die sich gegenseitig an die Wäsche wollen, ein charmanter alter Herr im Anzug (Peter Weller), der die Fäden in der Hand hält und gegen Ende kommen dann auch noch ein paar Russen, die wie Schwergewichts-Boxer aussehen und ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Nun, vieles davon trifft in der Tat zu, doch Hyams verpackt das alles zu einem äußerst interessanten narrativen Ganzen, das sein Film doch schon wieder genug auf eigenen Beine steht. Bereits die Credits, die ein amerikanisches Schiff von Auto zeigen, an denen sich die Kamera nicht satt sehen kann, faszinieren auf eine ganz spezielle Art und Weise. Und so geht es dann auch weiter. Hyams erzählt seinen Film nicht etwa chronologisch, sondern mischt Zeit- und Plotebene miteinander wie es ihm gerade gefällt. Es wird schwer dem Film richtig zu folgen, obwohl eigentlich alles klar zu sein scheint: Hong (Cung Le) haut verschiedenen Banden aufs Fressbrett und wird später selbst zum Gejagten. Sogar die verschiedenen Banden werden mit Namenseinblendungen vorgestellt.

Doch der Plot rückt schnell ins Vergessen, denn eigentlich interessiert und nur noch, was es mir Hong, diesem Einzelkämpfer, der aus dem Nichts kommt, auf sich hat. Immer wieder sehen wir Flashbacks, die ihn zu einer äußerst tragischen Figur werden lassen und trotzt schlimmer Tat unsere Sympathien für ihn nur weiter stärken. Tiano (JCVD), mit dem er zusammen einsaß, hat ihm ein neues Leben gelehrt – und wie man in dieser Welt voller Gewalt besteht. Das alles scheint nicht nur für Hong eine einzige Bewährungsprobe zu sein, sondern auch für den Zuschauer. Dragon Eyes ist oftmals ziemlich meditativ, erzählt primär visuell und kommt einer Vision näher als einer kohärenten Geschichte, die wir von einem 'Kampffilm' erwarten. Cung Le ist sicherlich kein guter Darsteller, sondern vielmehr ein Betongesicht wie es viele seine Kollegen ebenfalls sind. Doch irgendwie will das hier perfekt passen, denn er weiß ja selber nicht so ganz, wie ihm nun eigentlich geschieht.

John Hyams' Dragon Eyes kein wirklich guter, aber ein verdammt interessanter Film, den Hyams da abgeliefert hat, der die Vorfreude auf seine jüngste Kollaboration mit JCVD, Lundgren und Adkins nur weiter verstärkt. Eine Art Vorspiel quasi. Eines steht aber auch jetzt, vor der Sichtung von Universal Soldier: Day of Reckoning, fest: Hyams sollte man im Auge behalten, denn ich kenne aktuell keinen anderen Regisseur, der harte Action und innere Konflikte (sprich 'Drama'), so gekonnt vereint wie er. (6.5/10)

Die Blu-ray von Universal erscheint am 29. November (Amazon-Partnerlink) und kann mit guter Bild- und Soundqualität überzeugen. Die Dialoge sind nicht zu leise, wie es oftmals das Problem ist, und auch in den Actionszenen knallt es ordentlich. Das Bild könnte noch ein klein wenig schärfer sein und einen besseren Schwarzwert bieten, ist ansonsten aber absolut in Ordnung. An Extras gibt es lediglich ein Behind the Scenes und eine Trailershow. Das ist nicht gerade viel. Dafür kommt der Film in Deutschland komplett ungeschnitten.


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Verdrehte Köpfe: 'My Week With Marilyn' Blu-ray Review


Wenn man sich Simon Curtis' My Week With Marilyn ansieht, fragt man sich zu allererst, weshalb noch niemand vor ihm auf die Idee kam, diesen Stoff zu verfilmen. Curtis' Film hat nämlich all das, was vor allem Kritiker zur Awards Season so gerne sehen: Eine Geschichte mit wahrem Hintergrund, tolle Darsteller, die in große Fußstapfen treten, eine tolle Ausstattung und besonders für die US-Kritiker handelt es sich fast auch noch um einen fremdsprachigen Film. Zum Ende des Jahres wird ohnehin alles irgendwie besinnlicher, da konzentriert man sich nicht etwa auf große Blockbuster wie im Sommer, sondern auf kleine Autorenfilme, die einfach dieses gewisse Etwas haben, das man erkennt und sofort "Oscar-Material!" schreit. Genau so erging es My Week With Marilyn dann auch, denn Michelle Williams erhielt für ihre Rolle als Marilyn Monroe eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin. Auch Kenneth Branagh erhielt für seine Rolle als Sir Laurence Olivier eine Nominierung. In beiden Fällen blieb es allerdings bei der Nominierung.

Genau so verhält es sich auch mit dem Film selbst. Sicherlich, die Geschichte um den jungen Colin Clark (Eddie Redmayne), der unbedingt beim Film arbeiten will und deshalb alles tut, um für Laurence Olivier (Branagh) zu arbeiten und schließlich Marilyn Monroe am Set von The Prince and the Showgirl trifft, ist nicht uninteressant und lebt von seinen tollen Darstellern. So richtig will der Funke aber zu keinem Zeitpunkt überspringen, was auch daran liegt, dass sich My Week With Marilyn nie aus gewohnte Bahnen loslöst und etwas Eigenes auf die Beine stellt. Alles plätschert mehr oder weniger vor sich hin, die Geschichte kann nicht wirklich fesseln, auch wenn sie auf wahren Begebenheiten beruhen soll (ohnehin ist ja nicht gesagt, dass diese Geschichten die besseren sind). Williams und Redmayne harmonieren gut, schrammen aber des Öfteren nur knapp am Overacting vorbei. Das ist alles etwas zu viel des Guten, kann man getrost sagen – und das auf den ganzen Film bezogen.

Curtis verschenkt aber auch viel Potential, denn genau so schnell wie er Emma Watson als eigentliches love interest von Colin einführt, so schnell verschwindet sie wieder im Hintergrund. Ja, diese Marilyn verdreht allen den Kopf, besonders den jungen Männern dieser Welt, die trotz gutem Elternhaus einfach mal fünf grade sein lassen und sich ihrem Verlangen hingeben, egal welche Konsequenzen das Ganze hat. Das selbe gilt für Judi Dench, die über einige wenige Szenen nicht hinauskommt (was teilweise auch auf Terminprobleme zurückzuführen ist) oder Julia Ormond, die mit ihrem Mann Laurence Olivier einige Male Händchen halten darf. Warum sich die Produzenten um die Weinstein Bros. für ein R-Rating entschieden haben, bleibt auch schleierhaft, denn die vielen forcierten Kraftausdrücke wirken angesichts der Geschichte fast schon wie Fremdkörper und wären absolut nicht nötig gewesen, zumal es den Humor nicht wirklich fördert. My Week With Marilyn ist ein gut gemeinter Film, der leider an der Umsetzung und seiner etwas zu seichten Geschichte krankt. In Erinnerung bleibt vor allem ein toller Eddie Redmayne. (6.5/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite ist seit dem 06. November erhältlich (Amazon-Partnerlink). Bild und Ton sind ordentlich, auch wenn vor allem der Center-Kanal deutlich lauter hätte abgemischt werden können. Neben einem Making-of, einem Featurette und einem Audiokommentar von Regisseur Simon Curtis gibt es auch noch den Trailer und eine Trailershow mit weiteren Filmen aus dem Programm von Ascot Elite.


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